Barbara Sommer: Sie kam, sah und wurde nicht gesehen. Theater ohne Publikum?!

Barbara Sommer - Schulministerin, heute in Siedlinghausen.
Barbara Sommer - Schulministerin. So sieht sie sich offiziell.

Merkwürdig ist es schon.

Da kommt eine Schulministerin in einen Ort im Hochsauerland. Ihr Besuch findet am Morgen statt, die allgemeine Öffentlichkeit bekommt nichts mit, und am Schluss gibt es einen Pressebericht über dürre Aussagen und die Anwesenheit der Ortsprominenz. Ich weiß nicht, was das soll.

Wenn eine Ministerin in einen kleinen Ort kommt, dann muss man doch als Partei der Ministerin etwas daraus machen. Eine Veranstaltung, auf der die Ministerin ihr Wirken darstellt und mit den Bürgern, die hier doch so selten eine Ministerin sehen, über Schulpolitik diskutieren.

Warum kommt und geht sie ebenso sang- und klanglos wie damals schon in Medebach?

Hauptsache ein Medien-Echo für’s Portfolio der Eingeweihten.

Schade. Mein Transparent war schon fertig:

Willkommen in der Sommerfrische Siedlinghausen!

Jetzt kann ich es wegwerfen, denn beim nächsten Mal wird Barbara Sommer nicht mehr als Ministerin ins Sauerland kommen.

Ich vermute zudem: Barbara Sommer ist im Wahlkampf kein Trumpf für ihre Partei, sondern eine Lusche, die man besser nicht mehr ausspielt.

Das Hochsauerland nach Kyrill: Nichts Neues im Südosten von NRW

Fichtenacker im Hochsauerland: In zehn Jahren werden hier Weihnachtsbäume geerntet und in die Metropolen verkauft.
Fichten-Acker im Hochsauerland: In zehn Jahren werden hier Weihnachtsbäume geerntet und in die Metropolen verkauft.

Kyrill hat getobt und gewütet.

Da haben sich so manche Waldbauern an die Brust geschlagen und gejammert: Die Fichte – dieser Flachwurzler – muss ersetzt werden. Her mit den Douglasien und was es sonst noch alles gibt an klimatisch geeigneten Bäumen für die stürmische und wärmere Zukunft.

Millionen flossen aus dem Machtzentren von NRW in dieses von der Naturkatastrophe so gebeutelten, armen Landes am Rande von NRW. Die Bilder der zerborstenen Fichtenspargel, der vom Wind entweideten Flächen und Schneisen waren herzzerreißend.

Ein paar Millionen Euro später, sieht es links und rechts von den mit Kyrill-Geldern geteerten Landstraßen gar nicht nach dem an den Klimawandel angepassten Wechsel in der Waldbewirtschaftung aus.

Was ist passiert?

Die Waldbauern haben nachgedacht.

Aus einem Gespräch mit einem sehr konservativen Forstwirt habe ich Folgendes herausgefiltert:

Die Fichte bringt Umsatz nach 30 Jahren (einer Generation). Es wird Holz für die verarbeitende Industrie erzeugt.

Die Douglasie braucht 60 Jahre, zwei Generationen. Was ist dann eigentlich mit meinem Wald? Ob selbst die eigenen Kinder noch hier wohnen bleiben?

Gut und schön die Ökologie, aber ich, Waldbauer, lebe definitionsgemäß nur eine Generation.

Noch besser: Nordmanntannen anbauen. Das gibt Weihnachtsbäume in nur 10 Jahren und Umsatz, Umsatz, Umsatz.

Warum soll ein Waldbauer amerikanische Roteichen, Stileichen, Buchen, Douglasien oder Küstentannen anpflanzen, wenn ihm die jungen Pflanzen vom Wild weg gefressen werden, da er das Geld für die Schutzzäune nicht hat?

Ein kompliziertes Thema.

Die grüne “ Sauerländer Bürgerliste“ im Hochsauerland meint:

… Statt die Entwicklung mit Laubholz stärker zu fördern, hat das Land im vergangenen Jahr offensichtlich die Vorliebe der sauerländer Waldbesitzer für Schnittgrün- und Weihnachtsbaummonokulturen weiter finanziell unterstützt: Unter dem Begriff *vorbeugender Waldschutz* wurden vom Land Häckselung großer Flächen gefördert auf denen nachfolgend Weihnachtsbäume gepflanzt werden. Bei diesen Maßnahmen werden die Bodenstrukur vollkommen zerstört und eine erosionsgefährdete Kultursteppe hinterlassen. Mit nachhaltiger Forstwirtschaft im öffentlichen Interesse hat das nach Ansicht der Grünen nichts zu tun. Offensichtlich handelt es sich hierbei eher um eine Landesförderung für Weihnachtsbaumbarone …. komplett hier

Die Grünen im HSK. Interaktiv im Netz?

Heute schaue ich mir den Internet-Auftritt der Grünen im Hochsauerlandkreis an. Meine Frage an die Website zielt (siehe Artikel hier) auf die Interaktivität des Internetauftritts. E-Mail Adressen, tote Foren und langweilige, weil nichtssagende, Gästebücher zählen nicht.

Meine Bewertung ist völlig subjektiv und genügt nicht objektiven Kriterien.

Vorab meine Meinung in Schulnoten: 4-, blauer Brief, Förderunterricht, bitte überarbeiten!

Klick auf die Website von Bündnis 90 / Die Grünen – Kreisverband Hochsauerland.

Die Farben sind nett, aber leider ist die rechte Seite mit dem Twitter-Symbol völlig aus den Fugen geraten:

Screenshot: Die Website der Grünen im HSK am 11. Mai 2009
Screenshot: Die Website der Grünen im HSK am 11. Mai 2009

Die letzte Meldung (Listenaufstellung) ist vom 6. Mai und damit einigermaßen aktuell.

Leider können diese Artikel und Meldungen überhaupt nicht kommentiert werden. Das ist ganz schlecht bei einer Partei, die doch zumindest ideell basisdemokratische Ansprüche vertreten hat. Rückkopplung gleich NULL.

Der Twitter Account zwitschert völlig belangloses Zeugs und wiegt die Selbstbezogenheit der Beiträge im Artikelformat in keinster Weise auf.

Politisch wichtige regionale Themen finden sich nicht oder nur in homöopathischen Dosen auf der Website der Grünen.

Fazit: Trotz schöner Farben – kein Internetauftritt, den ich von einer modernen Partei erwarte.

Leider vollkommen blöde ist der auf jeder Seite unten in der rechten Spalte platzierte Spruch:

Grüne wählen macht glücklich!? Ohooo ...
Grüne wählen macht glücklich!? Ohooo…

Grüne wählen macht glücklich!

Dieser eine Satz lädt im hier gezeigten grafischen Kontext jeden politisch pfiffigen Gegner zur Satire ein.

Nehmt den bloß raus! Möglichst bis gestern 😉

Demnächst nach dem Alphabet „Die Linke“.

Habichtskraut schlägt Löwenzahn.

Löwenzahn ist es nicht, aber sind das die Früchte des Habichtkrauts?
Löwenzahn ist es nicht. Sind es die Früchte des Habichtskrauts?

In 600 Meter Höhe steht der Löwenzahn noch mit satten gelben Korblüten auf den Fettwiesen und an den Wegrändern des Hochsauerlandes.

Trotzdem habe ich beim Laufen überall diese Früchtchen auf den Blütenboden gesehen. Durch die Wohnung wehen die Samen mit ihren weißen Flughilfen ebenfalls in dichten Knäueln, so dass ich manchmal denke: „Oh! – So lange schon nicht mehr gesaugt!?“

Es sind mit Sicherheit nicht diese verflixten Staubteufelchen, die sich in den Ecken und unter den Möbeln zusammenrotten. Bei denen hängt nämlich kein kleiner Samen am Ende des Fadens.

Die Früchte des Habichtskrauts sind zu Millionen durch unseren Ort geschwebt.

Vielleicht ist auf der Abbildung doch eine ganz andere Pflanze zu sehen? Welche wäre es dann?

Oder schweben die Löwenzahnfrüchte aus den Tälern zu uns hinauf, um die Vorgärten zu besiedeln?

Dieses Jahr ist es mir aufgefallen, nächstes Jahr werde ich Bescheid wissen.

Es sei denn, hier liest irgendeine(r) mit, die oder der die Antwort heute schon kennt.

Das Interview: Condoleeza Rice käme bei uns durch

Condoleeza Rice: sieben Minuten, die bei uns normal wären.

Heute habe ich mir das Interview mit Condoleeza Rice angesehen.

Am 27. April 2009 hatten zwei Studenten der Stanford University Ex-US-Außenministerin Condoleeza Rice auf Abu Ghraib und Guantánamo angesprochen.

Das Interview stellten sie als Video auf Youtube.

Frau Rice steht nach diesem Interview in den USA unter Druck und es ist nicht sicher, ob sie auf Ihren Lehrstuhl an der Stanford Universität zurück kommen kann.

Ich habe das Video gesehen. Ich habe die Übersetzung in der Frankfurter Rundschau gelesen und ich habe gedacht: Bei uns wäre das gar nicht als Skandal aufgefallen.

Die Arroganz der Politiker, wie sie in ihrem Satz „Do your homework!“ gipfelt, ist in Deutschland der Normalfall.

Rice wird vielleicht über eine kleine Unachtsamkeit – sie hat sich zu sicher unter Gleichgesinnten gewähnt – stolpern.

Die deutsche Condoleeza Rice könnte klick Wolfgang Clement klack heißen und hat diese Art der politischen Darstellung jahrelang als Erfolgsmodell betrieben, macht es immer noch, und er ist immer noch ganz oben dabei.

Der Nu des Augenblicks, ein ausgestreckter Zeigefinger, dozierende Besserwisserei – in den USA kann es eine Politikerin oder einen Politiker den Kragen kosten.

Wir hingegen sind es von jung an gewohnt, zusammengestaucht zu werden und richten uns speichelleckend um die Epizentren der Macht ein.

Das zumindest macht kein US-Amerikaner auf Dauer. Und ich finde das richtig gut.

Update: Kaum habe ich den Artikel geschrieben, finde ich in der taz Folgendes:

In der NRW-Presse gilt rechts vor links, sagt Oliver Keymis, Vizepräsident im Düsseldorfer Landtag. Nach Ansicht des Grünen suchen Medienmacher in der Krise den Schulterschluss mit den Mächtigen … weiter

Nicht mit dem Weiß- oder Rotklee verwechseln: Waldsauerklee

Kein Klee -Trifolium spec., sondern Waldsauerklee - Oxalis acetosella
Kein Klee -Trifolium spec., sondern Waldsauerklee – Oxalis acetosella

Von April bis Mai blüht bei uns im Hochsauerland auf dem Waldboden der Waldsauerklee(Oxalis acetosella). Er gehört nicht wie der oft auf Futterwiesen wachsende Klee zu den Schmetterlingsgewächsen, sondern zur Familie der Sauerkleegewächse(Oxalidaceae). Diese Familie besteht nur aus einer einzigen heimischen Gattung: Oxalis und drei Arten: Waldsauerklee(O. acetosella), Hornsauerklee(O. cornculata) und Steifer Sauerklee(O. stricta).

Die beiden letztgenannten sind aus Südeuropa bzw. Nordamerika eingewandert.

Weiter mit dem Waldsauerklee:

Die kleeähnlichen Blätter sitzen dreizählig an langen Stielen. Sie erscheinen verkehrt herzförmig. Die Blüten sind weiß bis hellrosa und besitzen fünf Kronblätter, die purpurn geädert sind. Auch die Kelchblätter sind fünfzählig, die zehn Staubblätter sind am Grunde verwachsen.

Der Waldsauerklee reagiert auf Licht und Berührung.

Die im Sonnenlicht stehenden Blätter sind nach unten gefaltet, die beschatteten Blätter sind ausgebreitet. Bei Regenwetter sind alle Blätter gefaltet.

Wenn man ein Pflänzchen mit ausgebreiteten Blättern einmal kräftig schüttelt, kann man sehen, wie sich die Blätter nach unten senken und falten. Allerdings muss man ein wenig Geduld mitbringen, denn der ganze Vorgang dauert vier bis fünf Minuten.

Die Blätter sind reich an Oxalsäure und leicht giftig.

Kleesalz löst auch Eisenrost und wurde früher zur Entfernung von Tintenflecken(Eisengallus) verwendet.

N.B. Die Aufnahme habe ich beim Laufen mit einer Knippskamera gemacht, die keine Nahaufnahmen beherrscht. Wer sich jetzt in den Wald verläuft, sollte sich in Ruhe das Original ansehen und den o. g. Reiz-Reaktions-Versuch durchführen.

Süddeutsche Zeitung: Zehn Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren

Wozu Zeitung? Zehn Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren.
Wozu Zeitung? Zehn Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren.

Die heutige Ausgabe des Magazins der Süddeutschen Zeitung widmet sich komplett der Krise des Zeitungsjournalismus. Von A wie Auflage bis Z wie Zwanzigjährige wird der Verfall der klassischen Printmedien buchstabiert.

Für mich ist es das beste SZ-Magazin seit …, ja seit wann eigentlich? Ein absolutes „Muss“. Dabei hätte ich das unscheinbare Heft unter meinem Zeitungsstapel fast übersehen und ungelesen in den Papiermüll geworfen.

Interessant ist für die Blogger der Buchstabe B wie Blog. Auf Seite 5 erklärt Felix Salmon, erfolgreicher Betreiber des US-amerikanischen Finanz- und Wirtschaftsblogs portfolio.com (Entzauberung siehe Niggemeier), in zehn Absätzen, aus welchen Gründen Blogs in Deutschland nicht funktionieren.

Auszug:

2. In Deutschland zählt Qualifikation mehr als alles andere. Die Leute verbringen Jahrzehnte damit, die verschiedensten Diplome und Zeugnisse und Zertifikate zu sammeln, und wenn sie dann alles beisammenhaben, sorgen sie dafür, dass die Welt das weiß. Wenn man kein Papier hat, auf dem steht, dass man sich zu diesem oder jenem Thema äußern darf, dann darf man seine Meinung auch keinem anderen zumuten. Die Leser sind übrigens nicht viel anders, auch sie wollen zuerst wissen, ob der Schreiber qualifiziert genug ist, bevor sie sich dafür interessieren, was der Schreiber denkt. In der Blogosphäre dagegen ist es völlig egal, ob jemand ein zertifizierter Meinungsträger ist – was zählt, ist allein, ob die Meinungen stichhaltig, originell und klug sind.

4. Um ein guter Blogger zu sein, muss man ganz andere Dinge können als ein großer Ökonom oder Banker. In Deutschland denken die Menschen dauernd an ihre Karriere und kümmern sich eher um die Fähigkeiten und Voraussetzungen, die wichtig sind für ihren Beruf, als um die viel weniger wichtigen Faktoren, die sie zu einem guten Blogger machen würden.


Hervorragend Gut ist auch die Idee der SZ, bei den entsprechenden Artikeln gleich Verweise einzubauen, wo im Netz gerade dieser Eintrag diskutiert wird.

Aktuell sieht das dann so aus:

Diskutieren Sie mit anderen Lesern über diesen Artikel, auf folgenden Internetseiten ist der Beitrag diskutiert worden…
Spiegel Online | Kommentare
Stefan Niggemeier | Kommentare
Netzeitung | Kommentare
Stilstand | Kommentare
Süddeutsche Zeitung | Kommentare
taz.de | Kommentare

Da wir gerade beim Thema sind: Mein amerikanisches Lieblingsblog ist nicht dieses portfolio.dingsda sondern seit langem Pharyngula, Evolution, development, and random biological ejaculations from a godless liberal 😉

Gemein: Warte nur, balde ruhest du auch

Und warte bald ruhest auch Du
Das ist gemein, so hundsgemein: Warte nur, balde ruhest du auch

Da hat man harmonische Tage mit seinem sympathischen Besuch aus den großen Städten der bundesrepublikanischen Republik verlebt und nach fünf Tagen kommt dann so ein Bild ins Postfach geflattert 😉

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten.

Dabei grübelte ich gerade über die Stille und Ruhe nach, die in meinem Briefkasten herrschen wird, wenn die kleine „hyperaktive“ Fraktion der Sauerländer Bürgerliste(SBL) aus dem Kreistag in Meschede verschwindet – nach den Kreistagswahlen.

Ich habe sie nicht gewählt, ich bin ihnen nicht verpflichtet, aber:

Mir haben die vielen, vielen, ja sehr vielen Pressemitteilungen gefallen, da sie doch immer wieder inhaltliche Themen enthielten, die mich Dinge im Sauerland neu entdecken ließen.

Ihre Website, ein unbebildertes, textlastiges WordPress-Blog, spiegelt authentisch die Politik der SBL wider, eine Fundgrube an Themen und Details der Lokalpolitik wie ich sie auf den Websites der anderen Parteien bislang nicht entdecken konnte.

Ein Fenster in den Kreistag.

Es wäre schade, wenn wir die Tafel mit dem Goethe-Zitat demnächst auch ans Kreishaus nageln müssten, weil das Fenster geschlossen wird.