Früher haben wir beim Kaufmann den Bon kontrolliert

Das sind Frühlingszwiebeln und kein Kasten Veltins
Das sind Frühlingszwiebeln und kein Kasten Veltins (foto: camera)

Ganz, ganz früher hatte der Kaufmann am Schluss alle Waren auf der Theke liegen, schrieb die Preise in Kolonnen auf einen Block, zog einen Strich und addierte gekonnt die Zahlen und Überträge. Er war flink, aber nicht so schnell, als dass man ihm nicht folgen konnte.

Zu Hause wurde meist am Küchentisch noch einmal nachgerechnet. Hätte der Kaufmann einen Fehler gemacht, wäre meine Mutter flugs wieder zurück im Laden gewesen.

Später hatten die Waren Preisetiketten und der Kaufmann eine Registrierkasse, die automatisch addierte. Jetzt musste man darauf achten, dass die Preise auf den Waren mit den Preisen auf dem Bon übereinstimmten.

Am Ende dieser Periode gab es nur noch lange Gänge, die Preise standen nicht mehr auf den Waren sondern auswechselbar auf der Regalleiste.

Die Frauen hinter den Kassen, ja meist Frauen, hatten sämtliche Preise auf wundersamste Art und Weise in ihrem Gedächtnis gespeichert und tippten sie ungeheuerlich schnell in die Kasse. Hinter uns staute sich meist eine Schlange aus ungeduldigen Käufern und Käuferinnen.

Nur renitente Alte und verbohrte Konsumkonservative wagten es  in Echtzeit die Kassenbons zu kontrollieren. Die Fehlerquellen waren das Gedächtnis der Kassiererin oder mechanische Fehler beim Tippen. Das Problem des Kunden war es, an der Kasse noch zu wissen, welcher Preis an der Regalleiste gestanden hatte.

Heute gibt es Scannerkassen und alles ist gut, denn der Scanner kann kaum irren. Die Kassensysteme werden online aus der Zentrale des Konzerns mit Preisen gefüttert. Die Kassiererin muss gar nichts mehr wissen. Der Bon, der aus der Scannerkasse kommt, druckt sogar die Namen der Waren aus. Alles fast perfekt.

Na. ja – die Schlangen sind manchmal noch länger als zu Zeiten des alten Kaufmanns, weil ab und an niemand hinter der Kasse sitzt, denn die Kassiererin hat noch andere Aufgaben im Supermarkt. Die Kunden sind noch etwas ungeduldiger, weil sie noch weniger Zeit haben als früher.

Wer stiehlt denen eigentlich die Zeit? Graue Männer wie bei Momo?

Die Waren stehen in den Regalen, die Preise sind auf den Regalleisten, die Scannerkasse weiß alles, die Kassiererin muss nichts mehr wissen. Wer nichts wissen muss, hat keine Verantwortung.

Die Verantwortung hat der Kunde. Der muss nämlich wissen, ob die Auszeichnung an der Regalleiste mit dem internen Preis der Scannerkasse übereinstimmt.

Vor zwei Tagen war ein Leser – oder war es eine Leserin –  dieses Blogs unter großem Zeitdruck im Supermarkt einkaufen, schnell ein paar Teile. So um die vier, fünf und dazu noch einen Bund Frühlingszwiebeln.

Frühlingszwiebeln werden nicht gescannt. Für Frühlingszwiebeln tippt die Kassiererin einen Zahlencode in die Kasse, der meist auf einer Tafel steht, die an der Kasse angebracht ist.

Vierzig Euro und ein Keks. Der Leser hatte keine Zeit. Schnell, schnell, den Fünfziger gezückt und nix wie raus.

Nix wie raus? Vierzig Euro und ein Keks für fünf läppische Teile.

Unser Leser hatte Glück. Irgendwo in seinem Hirn schlugen trotz Stress und Hektik ein paar Nervenzellen Alarm. Den Bon hatte er auch noch nicht achtlos weggeworfen wie sonst immer.

Statt Frühlingszwiebeln stand ein Kasten Veltins auf der Abrechnung.

Was wäre gewesen, wenn unser Leser nicht fünf läppische Teile im Wert von 24 Euro, sondern 20 Teile für 80 Euro gekauft hätte und dann im Stress Veltins statt Zwiebel bezahlt hätte? Und hinter ihm wäre die Schlange lang und ungeduldig gewesen. Und die Kinder hätten gequengelt.

Der Kunde ist König. Sein Königreich muss er selber schützen, das lehrt die Geschichte, sonst wird er geplündert.

Zum Glück bleibt uns die Illusion. Veltins statt Zwiebeln. Oder ist es umgekehrt?

Ach, egal.

Thüringer Allgemeine muckt auf: Bitte vorsichtshalber Seiten archivieren und Screenshots machen

Aufmüpfige Artikel in der Thüringer Allgemeinen
Aufmüpfige und anbiedernde Artikel in der Thüringer Allgemeinen

In der heutigen Internet-Ausgabe und im Print von Morgen werden Artikel zur Abschiebung von Sergej Lochthofen und Frau aus den Chefsesseln der Thüringer Allgemeinen erscheinen.

Aber auch eine Schleimspur ist schon gelegt.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Website den heutigen Abend unbeschadet übersteht. Vielleicht nicht heute, morgen oder übermorgen könnte beim WAZ-Konzern der Wunsch entstehen, die Geschichte im Nachhinein zu glätten.

Das mag Paranoia sein.

Trotzdem: Sichert die Website und kopiert den Print für die Nachwelt. Wer weiß schon, ob Google wirklich hilft.

Gegen Arschkriecherei helfen im Übrigen Unterhosen aus Beton – sagt Dilbert:

Dilbert.com

Umleitung: Tagesschau mit Schaubildern, Ruhrgebietsbilder, Kirche, Grüne, Klima und Hertie in Meschede

Tagesschau: Politik mit Schaubildern? … carta

Ruhrgebiet: Eine Reise ins Nirwana der Allgemeinplätze … endoplast

Kirchensteuer: Wer finanziert die Jesus GmbH? … jungleworld

Grüne NRW: Realos und Linke im Schmelztiegel des Pragmatismus? … ruhrbarone

Medien: Mit dem Zweiten sieht man schwärzer … spiegelfechter

Nachbarschaft: Klimaschutz aus der Frosch-Perspektive … bieseveih

Heimatzeitung: Hertie-Pleite spaltet Meschede … wpmeschede

Gott ohne Diener oder mehr als 20 Prozent schwule Kandidaten?

In der Deutschland-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung ist an prominenter Stelle auf der ersten Seite gekästelt ein Artikel von Matthias Drobinski erschienen, der eine merkwürdige Zahlenangabe enthält:

Gott ohne Diener

Immer weniger junge Männer weihen ihr Leben der Kirche

Der Artikel an sich ist lesenswert für Katholiken und Nicht-Katholiken. Die einen haben was zum Nachdenken, die anderen bekommen ihre Vorurteile bestätigt. Soweit so gut.

In der letzten von vier Spalten kommt es dann aber dicke:

„Wer heute noch ins Priesterseminar geht, um ehelos Gott und der Gemeinde zu dienen, dem hängt bisweilen der Geruch eines Sonderlings an. So mehren sich die Probleme: Es gehen häufig die Überfrommen ins Seminar, die mit der Gemeinde-Wirklichkeit nicht zurechtkommen. Der Anteil homosexueller Kandidaten liegt bei 20 und mehr Prozent. Anderen fällt es schwer, tiefe Beziehungen zu knüpfen. Und diejenigen, die es können, verlieben sich und gehen.“ hier alles lesen

Zwanzig und mehr Prozent schwule Kandidaten. Mein Gott!

Aber woher hat er denn die Zahl? Woher weiß der Autor, dass 20 Prozent der Kandidaten schwul sind? Das belegt er leider nicht und somit haftet dem gesamten Artikel der Makel der Unglaubwürdigkeit an.

Leider.

Thüringen: Protest gegen Lochthofen Abberufung

Die Mitarbeiter der „Thüringer Allgemeinen“-Zeitung haben gegen die Abberufung von Chefredakteur Sergej Lochthofen protestiert.

Der Mitteldeutsche Rundfunk berichtet:

„Auf einer Mitarbeiterversammlung auf der Erfurter Messe haben rund einhundert Redakteure einstimmig eine Erklärung verabschiedet, in der die Geschäftsleitung zur Rücknahme der Abberufung von Lochthofen aufgefordert wird. Im dem Papier heißt es, dass die Abberufung kein Schritt im Interesse des Verlages und seiner Gesellschafter, sondern eine Maßnahme zu deren Schaden sei. Die Abberufung sei „in ihrer Form, in ihrer inhaltlichen Zielrichtung und in ihrer erkennbaren persönlichen Motivation durch Geschäftsführer Klaus Schrotthofer ein schwerer Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit der Redaktion“.

Die Mitarbeiter sehen im Vorgehen gegen den Chefredakteur einen Verstoß gegen das Redaktionsstatut der Zeitung, welches auch von der WAZ-Gruppe anerkannt worden sei. Demnach sei eine Zweidrittelmehrheit der Belegschaft nötig, um den Chefredakteur abzuwählen… “ Alles lesen

Update I: Diskussionen in der Thüringer Blogzentrale. Auf diesen Link bin ich durch einen Hinweis im pottblog gestoßen. Dazu die taz vom 31. Juli über den „obersten Geschmacksbestimmer“ Lochthofen und gestern als das gefeuerte Markenzeichen.

Update II: Die Medienlawine scheint ins Rollen zu kommen. Ich möchte trotzdem auf einen Einwurf hinweisen, den ich im pottblog gemacht hatte. Den Widerspruch habe ich noch nicht aufgelöst. Ich zitiere einfach selbst-referentiell:

Eine Anmerkung:
“Sippenhaft” ist die eine Seite, aber ich misstraue auch grundsätzlich erst einmal Ehepaaren an der Spitze von Organisationen, Betrieben, Vereinen usw. Das hat ein Geschmäck’le und muss daher genauer ausgeleuchtet werden.

Unser Nussknacker ist von Hanfland

Gleich knackt es: hölzerne Schraube mit gefangener Walnuss
Gleich knackt es: hölzerne Schraube mit Walnuss in der Zwinge.

Wie versprochen ein paar Worte zu unserem Weihnachtswerkzeug:

Mit diesem hölzernen Nussknacker gibt es bislang keine Probleme. Er ist solide gearbeitet  und der wuchtigen Schraube hat noch keine Nuss widerstanden.

Gekauft haben wir ihn bei der Schreinerei und Drechslerei Hanfland in Siedlinghausen. Die Werkstatt mit Verkaufsraum liegt in Richtung Silbach kurz vor dem Viadukt rechter Hand in einem unscheinbaren hölzernen Flachbau.

Nach dem Klingeln muss man etwas Geduld haben, oder mehrmals klingeln, wenn die Besitzer gerade in der Werkstatt arbeiten.

Ob es den Nussknacker zur Zeit zu kaufen gibt, weiß ich nicht, aber eigentlich habe ich bei jedem Besuch irgend etwas Interessantes entdeckt.

Die Holzschale auf der Abbildung stammt auch von Hanfland und ist als Brotschale im Dauereinsatz.

Schreinerei&Drechslerei Hanfland, Hochsauerlandstr. 84A, 59955 Winterberg-Siedlinghausen. 02983-450

Umleitung: Augstein, Thüringer Allgemeine, WAZ, Lokaljournalismus und mehr …

Der Freitag und sein Verleger: Jakob Augstein über sein Verständnis von Journalismus … bz

Thüringer Allgemeine I: Abgesetzter Chefredakteur wirft WAZ-Konzern Nazi-Methoden vor … spon

Thüringer Allgemeine II: Sippenhaft wie in der Stalin-Zeit … faz

WAZ-Qualitätskrise: Castrop-Rauxel, eine Ratssitzung, ein Eklat und ein WAZ-Bericht, der schweigt … pottblog

Journalismus: Das Sterben der Lokalteile? Gedanken und eine Diskussion … ruhrbarone

Brilon: SPD-BBL-FDP-Pakt? … wpbrilon

Sundern: Bürgermeister Lins und die Grünen … grünesundern

Welt-Aids-Tag: Kinos und Berufskollegs im Hochsauerland unterstützen Präventionsarbeit … dorfinfo

Medienkrise: Endlich wieder eine WP-Umfrage

Die große WP Weihnachtsumfrage
Die große WP Weihnachtsumfrage (foto: zoom)

Im November ist Schonzeit für Weihnachtskonsumenten, wenigstens für mich persönlich. Das habe ich vor Jahr und Tag festgelegt.

Heute nun flattert mir die große WP-Weihnachtsumfrage ins Haus und reißt mich jäh aus der melancholisch gefärbten Tristesse des blass-nebligen Novembers.

Dann wollen wir mal:

ad 1: Weihnachtsschwimmen oder durch den Wald laufen. Wegen der Besinnung!

ad 2: Lesetipp: Heinrich Böll(Katholik!), Nicht nur zur Weihnachtszeit.

ad 3: Nö! Die Laufstrecken(siehe ad 1) muss ich immer selbst ausleuchten.

ad 4: In der Wüste. Fort Davis, da ist es auf jeden Fall knochentrocken.

ad 5: Klar, denn schon am 1. Weihnachtstag ist die Geschenk-Orgie von Heiligabend vorbei.

ad 6: Die ist nun wirklich dumm: Wie soll ich wissen, was für viele schöner ist?

ad Dankeschön-Paket mit Elch-Nussknacker: Stecken lassen – wir haben den perfekten Nussknacker. Foto, Beschreibung und Bezug stelle ich in den nächsten Tagen in dieses Blog ein.

ad WP dauerhaft bestellen: wir haben sie heute käuflich erworben und wir sagen mal, dass da noch an der Qualitätsschraube gedreht werden muss.

ad „Ja, ich möchte den LCD-Fernseher von Philips gewinnen!“: Nö, ich möchte lieber eine von den Kisten los werden. Ein gutes Radio wäre mir lieber oder ein technisch hochwertiger Plattenspieler.

Zur Zeitung haben Sie nichts gefragt. Schade.

In eigener Sache: Pressemeldungen

Schluchtenwald Tiefes Hohl
Schluchtenwald Tiefes Hohl (foto: zoom)

Mit Pressemeldungen(PMs) kann man viele Dinge tun. Man kann sie in den Papierkorb werfen, als Anlass für eigene Nachforschungen nehmen oder sie einfach, wie geliefert, mit Rechtschreib- und Stilkorrekturen veröffentlichen.

Auf keinen Fall soll irgendeine Leserin oder ein Leser diese PMs für unseren eigenen Inhalt nehmen.

Die Quellen sollen nachvollziehbar sein.

PMs sind deswegen mit dem kleinen Briefkasten ausgezeichnet.

PMs sollten einen gewissen inhaltlichen Tiefgang haben.

Dieses Blog spielt monatlich XY Euro Verluste ein und ist deswegen nicht von Anzeigen und anderen Zuwendungen abhängig.

Wäre dies anders, würde hier jeden Tag ein reißerischer Beitrag zur Schweinegrippe erscheinen, viele Bilder von Geburtstagstorten und die Fortsetzungsreihe „Die 100 besten Bordelle des Sauerlandes“.