
das Sauerland und mehr


Die abgebildeten Mammatus Wolken zeigen eine sehr feuchte und instabile Wetterlage an.
Diese Instabilität richtet sich, ebenso wie die Ausformung der Wolken, nach unten. Ursache sind hohe Feuchtigkeit und große Hitze. Sind diese Wolken größer und nähern sie sich, so sollten die Beobachter den Himmel genau im Auge behalten. Dann besteht die Möglichkeit von ’severe weather‘. So zumindest steht es in dem Fieldguide to North American Weather*.
Im mittleren Westen der USA lösen starke Gewitter Überflutungen aus, sie schleudern große Hagelkörner auf Passanten, Autos, Ernte und Vieh. Tornados zerstören Häuser, tragen PKW und LKW davon und töten jedes Jahr zahlreiche Menschen. Mammatus Wolken können entweder Vorboten dieser Unwetter sein oder sie sind einfach schön.
* David M. Ludlum, National Audubon Society. A Field Guide to North American Weather, New York 1994, pp.472f.




Unser Autor berichtet von seiner Fahrt durch Kalifornien. Heute geht es weiter durchs Death Valley, das Tal des Todes, wie immer mit vielen Gedanken, die übrigens jedem Enthusiasten in den Weiten des US-amerikanischen Westens einfach zufliegen. Die zahlreichen Fotos im heutigen Bericht sind der einzigartigen Landschaft geschuldet.

Das Leben ist ein Kreis. Von wo immer aus man startet, doch zieht es einen wie einen Verbrecher wieder an den ursprünglichen Tatort zurück. Im Tal des langgestreckten, nach Süden hin versinkenden Death Valley, das abschüssig und in sich zum Horizont wie eine schiefe Ebene gedreht ist, befindet sich eine Oase, in der sich salzresistente Süßwasserfische finden sollen. Sobald das Death Valley von Regen heimgesucht wird, was natürlich selten der Fall ist, überschwemmen von einem nördlich des Tals verlaufenen Fluss periodische Lachen auch das Death Valley, sodass diese besagten Fische einwandern können, die es hier sogar in der sommerlichen Bratpfanne, in die sich das Tal verwandelt, aushalten können. Dem geübten Biologenblick erschließen sich laut Hinweisschildern zig Faunaarten, die sich hier spezialisierten und adinierten.

Jenseits des Salzsees, der bei Bad Water 88m unter NN hinabfällt, was in der westlichen Hemisphäre der tiefste Punkt sein soll, wie Schilder dort stolz verkünden, befindet sich am südlich erschlossenen Rand des Tals die Durchfahrt durch den Kessel, der am berühmten Zabriskie Point vorbeiführt, der zum Spielort des mythischen Ziels eines gleichnamigen Road Movies der 1960er Jahre wurde. Eine verwunschene Landschaft mit den dunkelgelb bis ockerfarbenen Sandsteinhügeln tut sich auf, die einer Grattage Max Ernsts gleichkommen.

Ein letzter Blick ins Tal gewährt Dante’s View. Auch dieser Aussichtspunkt beweist ein ums andre Mal, wie begeistert im Grunde genommen die Namensgeber fürs Diabolische waren. Die Geier fehlten am Zabriskie Point. Das Unheimliche des Orts hat sich jedoch für uns Autoreisende ins Seltsame verkehrt, weil wir die Natur im Durchmessen des Raums beherrschen und das Klima des Tals für uns keine Gefahr mehr darstellt, wie für den Trapper vergangener Zeiten, der sich ins Tal verirrt hat, um dort an Hitzeschlag zu sterben, da im Innern im Sommer Temperaturen bis zu 54 Grad Celsius gemessen wurden.

Nun man nach Westen dem weißen Mittelstreifen folgt, erscheint am Horizont der Ebene ein monumentaler Bergrücken, abgeschnitten von den rings umgebenden schokoladenbraunen Kordilleren, der in der Weite der abfallenden Ebene unverrückt im Raum wie eine riesige Raupe zu schweben scheint und sich stetig vergrößert, auch weil man genau drauf zurollt.

Anscheinend hat ein surrealistischer Künstler hier im Nirwana sein Ready Made abgestellt, um den Raumsinn zu kitzeln. Dahinter springen irgendwo weiße Kordilleren zur Untermalung des heroischen Gesamteindrucks in die Höhe.



Kinderfeindlich ist unser Land, kinder-, frauen- und familienfeindlich. Plakativ? Ja, aber leider dennoch wahr.
Das eine hängt mit dem anderen zusammen: Wenn es keine Kinderbetreuung gibt, dann sind meist die Mütter gemeinsam mit ihren Kindern davon betroffen. Wenn die Schule nicht für einen vernünftigen Ganztag und eine qualifizierte Betreuung sorgt, dann machen Eltern Hausaufgaben, üben mit ihren Kindern, kutschieren sie zu Sport- und Musikterminen – und bezahlen.
In der Schule steigen die Anforderungen, gleichzeitig vermittelt die Lehranstalt immer weniger das Wissen und die Fertigkeiten, die den Schülern anschließend abverlangt werden.
So berichtete die Süddeutsche Zeitung über Eltern, die ihren Kindern die Facharbeiten schreiben. Eine Hamburger Freundin erstellte kürzlich gemeinsam mit ihrer Tochter eine Präsentation im Fach Biologie. Ihr Kommentar: „So etwas haben wir nicht einmal an der Uni gemacht.“ Neben der technischen Seite meinte sie auch die inhaltlichen Anforderungen.
Gut, dass meine Freundin ihrer Tochter helfen kann. Kinder aus so genannten bildungsfernen Schichten haben weniger Hilfe von zu Hause. Facharbeiten und Präsentationen müssen sie selbst erstellen. Ob sie da mit den studierten Eltern ihrer Klassenkameraden werden mithalten können?
Finanziell sind Familien ebenfalls stark gebeutelt. Ein Gehalt fällt ganz oder teilweise aus. Die taz berichtet heute, dass Mütter in Westdeutschland immer weniger arbeiten. Sie warten zunehmend länger mit der Wiederaufnahme der Berufstätigkeit und wählen häufiger Teilzeit. Fortschritt sieht anders aus. Wer einen Zusammenhang mit den Rahmenbedingungen vermutet, liegt sicher nicht ganz falsch.
Wenn die Familie gar in einer deutschen Großstadt auf Wohnungssuche gehen muss, dann ist es für sie kaum noch möglich, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Das Hamburger Abendblatt hat im Sommer den Test gemacht, mit ernüchterndem Ergebnis: Vermieter wollten oftmals keine Familien, diese wären zu laut. Wohnungen waren zu teuer.
Familien zahlen mit Zeit (häufig die der Mütter) und Geld für die Versäumnisse einer Politik, die Kinder und Jugendliche nicht in den Mittelpunkt stellt.
Investitionen in die Struktur statt Herdprämie, Kindergeld und Kinderfreibeträge
Ich möchte keine Herdprämie. Auch Kindergeld und Kinderfreibeträge sollten sofort abgeschafft werden. Stattdessen müsste dieses Geld, und noch viel mehr, in die Verbesserung von Kinderbetreuung, Schulen, Universitäten gesteckt werden. Der Staat sollte verstärkt Sportvereine, Jugendzentren, Jugendkulturaktivitäten, öffentliche Büchereien u.v.m. unterstützen und somit die Strukturen schaffen, um diese Gesellschaft kinder-, frauen- und familienfreundlicher zu gestalten.

Kürzlich kaufte ich mir in einem Hamburger Antiquariat ein Buch. Als ich es zu Hause aufschlug, fiel mir diese Postkarte entgegen. Die Rechte an dem Bild hat die Fotogruppe Schanzenviertel. Gibt es diese Gruppe noch?
Das Foto stammt aus den 1980er Jahren. Es zeigt die Straßen Weidenallee und Schanzenstraße. Im Hintergrund liegt der S-Bahnhof Sternschanze. Die eingeschossigen Gebäude vorne rechts wurden vor rund zwanzig Jahren abgerissen. Vorher hatten sich hier eine Kneipe und ein griechisches Restaurant befunden. Nach dem Abriss wurde an dieser Stelle ein mehrstöckiges Wohnhaus errichtet. Im Erdgeschoss bietet nun ein Supermarkt seine Waren an.
Pianohaus Trübger verkauft auch heute noch in der Schanzenstraße 117 Klaviere und Flügel. In den 1980er Jahren war diese Straße eher schmuddelig. Das elegante Fachgeschäft für Tasteninstrumente fiel damals mit seinen wertvollen Waren aus dem Rahmen. Inzwischen wurden im Schanzenviertel neue Wohnungen gebaut, alte modernisiert und viele Geschäfte wechselten ihre Inhaber. Nach der Gentrifizierung passt das Pianohaus Trübger nun ganz gut in den Stadtteil.

Es war so schön: Morgens setzten wir uns ins Auto und fuhren eine knappe Stunde bis zum Flughafen Paderborn/ Lippstadt. Dort parkten wir kostenlos und flogen gemütlich nach England. Flugzeit etwas über eine Stunde. Doch das war einmal.
Seit Einführung des Winterflugplans im vergangenen Monat ist es damit vorbei. Air Berlin genügt nach Informationen der Lippstädter Zeitung „Der Patriot“ die 65-prozentige Auslastung für die Londoner Strecke nicht mehr. Also weg damit. Ebenso wurde die Verbindung nach Manchester gestrichen.
Dieser schnelle Weg in das Vereinigte Königreich wird uns fehlen.

„Das Leben … ein Märchen ist es, erzählt von ’nem Idioten voll Schall und Wut, ganz ohne Sinn“,
so spricht Macbeth in der Übersetzung von Thomas Brasch.
Der siegreiche, aber traumatisierte Krieger Macbeth kehrt aus der Schlacht zurück. Er steht unter Schock, ist apathisch, dann entschlossen, wieder unsicher, ängstlich, weinerlich, er wütet und immer wieder mordet er oder lässt morden.
Der Bühnenboden des Thalia-Theaters ist übersät mit Armeestiefeln, sie mahnen an tote, verletzte und verstümmelte Soldaten. Vertikal hängen in der gesamten Höhe des Bühnenraums Tische in unterschiedlichen Brauntönen, aneinander gebunden. Symbole für Freude, Feiern und Glück.
Macbeth und seine Frau Lady Macbeth sind auf der Suche nach Liebe und Sicherheit, doch stattdessen geraten sie in eine Abwärtsspirale von Gewalt und Mord. König, Gattin und Kinder des Thronfolgers werden ebenso geschlachtet wie der Freund. Obwohl die Morde auf der Bühne nicht sichtbar sind, werden sie durch die Beschreibung der Zeugen vorstellbar und die emotionale Konsequenz der Gewalttaten ist sehr gegenwärtig.
Statt Liebe und Sicherheit finden die beiden Protagonisten Wahnsinn, Einsamkeit und Tod. Statt Macht und Unsterblichkeit zu gewinnen, verlieren sie alles. Ein Tyrann weniger, dem ein neuer, beliebiger Tyrann folgen wird.
In dieser eindrucksvoller Inszenierung von Luk Perceval im Hamburger Thalia Theater spürt der Regisseur den Motiven des ungleichen Paares nach. Was treibt sie zu ihren Taten? Die Schauspieler rücken die Kinderlosigkeit sowie die Angst von Macbeth und Lady Macbeth in den Mittelpunkt.

Hexen, Witches, Schicksalsschwestern
Shakespeares Three Witches bringt Perceval nicht auf die Bühne. Wenn nötig werden deren Worte von Banquo oder Lennox gesprochen. Dadurch entsteht der Eindruck, als seien die Einflüsterungen von Shakespeares weird sisters dem Denken und Wünschen von Macbeth entsprungen und nicht von außen an ihn herangetragen worden. So sind es nicht übernatürliche Kräfte, die Macbeths Machthunger anstacheln. Er selbst wünscht sich weitere Titel. Er selbst strebt die Königskrone an und räumt etwaige Hindernisse aus dem Wege.
Anstelle der drei Hexen stehen im Thalia Theater sieben „Schicksalsschwestern“ auf der Bühne, die sich im schattigen Hintergrund der Bühne langsam, ganz langsam bewegen. Nur wenig Licht fällt auf die unbekleideten Schönen, die nur teilweise vom Schatten und ihrem sehr langen Haar bedeckt werden. Sie strecken und recken Arme und Beine, kauern sich zusammen, sie krallen sich fest, schleichen, kriechen, hocken im Halbdunkel.
Die nackten Frauen erinnern an Roman Polanskys Verfilmung. Dort monologisiert die dem Wahnsinn verfallene Lady Macbeth nackt bei Kerzenschein in ihrem Zimmer. Auch sie wird lediglich durch ihr überlanges Kopfhaar verhüllt.
Das Ende
Leise, aber in dieser ruhigen Umsetzung besonders beeindruckend und dramatisch wird der Tod von Lady Macbeth in den Armen ihres Mannes dargestellt. Genial gelungen ist außerdem der Marsch des Waldes von Birnam auf die Höhen von Dunsinane.
Die Aufführung im Thalia Theater dauert kurzweilige 1 3/4 Stunde, das Stück ist stark verdichtet, die Dialoge und Monologe besitzen eine hohe Intensität. „Macbeth“ im Hamburger Thalia Theater ist für Augen, Ohren, Herz und Verstand ein großartiges Erlebnis. Der Besuch ist unbedingt empfehlenswert und am Ende ist es ja nur a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.