Das Superwahljahr 2009: Fangen wir mal an …

Europawahlen, Kommunalwahlen, Bundestagswahlen – irgendwann stehe ich wieder in irgendeiner Schule und mache mein Kreuzchen.

Bei der Bundestagswahl weiß ich so ungefähr, was ich wählen soll, aber gilt das auch für den engen Horizont zwischen den Bergen?

Ich weiß es nicht. Deswegen fange ich besser frühzeitig mit dem Nachdenken an. Und das mache ich so:

  • Sammeln
  • Sortieren
  • Bewerten
  • Wählen

Heute geht das erste Sammeln los: Wer ist überhaupt da?


Die CDU: Ich sage nichts. Wir sind ja erst beim Sammeln.

fdp_logo

Die FDP: Kommt jetzt nach dem Alphabet.

Die Grünen: Kommen nach „F“.

Die Linke: Wir sind beim Sammeln.

sbl_logo

Sauerländer Bürgerliste: Im „S“ vor dem „P“.

Die SPD: Als letzte Partei im Alphabet.

Die Parteien und Gruppen habe ich nun erst einmal aufgezählt und verlinkt.

Jetzt kann jeder, der will, auf die Verweise klicken oder auch nicht. Sollte ich jemanden vergessen haben, bitte melden. Das Sortieren kommt eh später.

Ein Tag ohne Blog-Eintrag

Heute wäre es fast so so weit gewesen:

Ein Tag ohne Blog-Eintrag und die Welt wäre nicht untergegangen.

In den lokalen Printmedien und Internetportalen finde ich partout keine politischen Nachrichten und selbst habe ich auch nichts Politisches erlebt.

Zum Beobachten, geschweige denn Recherchieren hat es heute wieder einmal nicht gereicht, und so muss ich denn aus dem Hochsauerland vermelden: Über allen Wipfeln ist Ruh‘.

Schlägt denn hier keiner eine Schneise durch das Gestrüpp von Nichtigkeiten? Hallo Presse, hallo Welt … wir schweigen zwischen den Fichtenwäldern und vermelden eine Autounfall auf der B236 zwischen Hallenberg und Züschen. Auch Frieda Braun scheint immer noch politikfreies Kabaret zu gestalten.

Trotz alledem: Wir stehen vor der Rückkehr des Politischen in den Alltag. Die achtziger Jahre sind vorbei!

Endlich!

Woher ich das weiß? Tja …

Links zu jüdischen Zeitschriften

Ich habe gerade zwei „Jüdische Zeitschriften“ verlinkt (siehe Menü rechts unter „Links“).

Jüdische Allgemeine

Die Jüdische Allgemeine hatte ich vor längerer Zeit mal abonniert, aber dann wegen Langeweile abbestellt. Im Internet ist sie im PDF-Format zu finden.

Jüdische Zeitung

Auf die Jüdische Zeitung bin ich gestoßen, als ich gestern wegen der antisemitischen Äußerungen eines Duisburger „Linken“ im Netz herumsegelte und diese Rede von Klaus Lederer („Die Linke“) anläßlich der Solidaritätskundgebung für Israel am 11.01.2009 fand.

Gesamtschule!? In Hemer ticken die Uhren anders

Eltern und Verwaltung in Hemer bei Iserlohn wollen anscheinend einvernehmlich eine Gesamtschule einrichten. Doch die Bezirksregierung stellt sich quer. Jetzt spitzt sich die Auseinandersetzung zwischen den Sauerländer Galliern und den Arnsberger Römern zu: „Platzt der Elterntraum der Gesamtschule„, titelt der Iserlohner Kreisanzeiger.

Bürgermeister Michael Esken lädt für Donnerstag, den 22. Januar um 19 Uhr, zu einer Sondersitzung des Rates in die Aula des Gymnasiums ein.

Nachwort: So einhellig wie mein Blogeintrag suggeriert scheint die Meinung der „Gallier“ nicht zu sein. Die CDU hatte sich beispielsweise bei der Abstimmung zur Einrichtung einer Ganztagsgesamtschule der Stimme enthalten. Die bildungspolitischen Auseinandersetzungen in Hemer sind mir noch nicht vertraut. Ich werde versuchen, Einzelheiten nachzuliefern.

Dürfen Lehrer streiken oder sollen die faulen Säcke und PISA-Versager besser arbeiten?

Heute habe ich per Brief eine Aufforderung meiner Gewerkschaft erhalten zur Tarif- und Besoldungsrunde 2009 an zwei Terminen am Warnstreik teilzunehmen: am 28. Januar in Düsseldorf und am 5. Februar, regional angepasst, in Orten wie Bielefeld, Bonn oder Wuppertal.

Die Forderung der GEW lautet:

  • Entgelterhöhung von 8%
  • Bessere Eingruppierung für angestellte Lehrkräfte

Weiter:

  • Altersteilzeit für Angestellt über 2010 hinaus
  • Kein Unterrichten bis 67,5 Jahren
  • 120.- Euro sofort mehr für Lehramtsanwärter

Die Tarifverhandlungen für die Länder sind am 19. Januar gestartet.

Jetzt stehe ich vor der Überlegung: Soll ich oder soll ich nicht? Als Angestellter gehöre ich zur Zielgruppe der Gewerkschaftsansprache.

Pro: Ich habe in den letzten Jahren reale Gehaltskürzungen gehabt, und zwar nicht nur inflationsbereinigt, sondern nominell. Das kam unter anderem durch den Wegfall von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Auch habe ich zwar immer ungern für den Staat unentgeltlich ein Arbeitszimmer vorgehalten, aber ich konnte die Kosten bislang steuermindernd einzetzen. Auch dieser Brotkrumen ist weggefallen.

Meines sieht noch schlimmer aus Foto:GEW
Mein Arbeitszimmer sieht so ähnlich aus. Foto:GEW

Will sagen: Ich habe mich in den letzten Jahren schon manchmal geärgert.

Kontra: Ich werde sehr wahrscheinlich der Einzige sein, der aus dem Kollegium streiken würde. Da gibt es erst einmal keine großen Solidaritätsgefühle. Der große Rest, zumeist Beamte, wird fluchen, dass er den von mir verursachten Stundenausfall vertreten müsse, obwohl er es rein rechtlich nicht müsste.

Guter Rat ist teuer!? Aber erwünscht!

Obamas radikaler Evangelist

Trotz der strikten Trennung von Kirchen und Staat in der US-amerikanischen Verfassung ist der Einfluß der Kirchen und religiösen Gruppen in den USA sehr groß. Lukas Mihr berichtet für den humanistischen Pressedienst über Barack Obama und den nach Billy Graham „neuen Pastor der Nation“:

Mit dem morgigen Tag tritt Barack Obama als erster Afro-Amerikaner das Amt des Präsidenten der USA an. Zur Vereidigung vor dem Kapitol in Washington hat der Politiker den einflussreichen Kirchenführer Rick Warren eingeladen, der ein Gebet sprechen wird.

Bereits seit mehreren Jahren gewinnt Rick Warren in den USA an Bedeutung hinzu. Seine Gemeinde, die Saddleback Church, die südlich von Los Angeles liegt, begrüßt Woche für Woche mehr als 20.000 Gläubige und sein Ratgeber The Purpose Driven Life (deutsch Leben mit Vision) verkaufte sich millionenfach. Im Wahlkampf 2008 begrüßte er Barack Obama und John McCain in seiner Kirche, um sie bezüglich ihrer politischen Standpunkte zu befragen… weiter beim Humanistischen Pressedienst

siehe auch den älteren Artikel im Science-Blog:

Obama, Warren, Benedikt XVI. und Homosexualität

taz: Predigt gegen die Initiative „Pro Reli“

Unter dem Vorwurf

Verrat am christlichen Auftrag

schreibt Christian Füller in der taz eine „Bergpredigt“ gegen die Initiative „Pro Reli“

Die Kirchen kämpfen in Berlin für ein Pflichtfach Religion statt Ethik an den Schulen. Dabei ist die ungerechte Schule als solche der Skandal.

Jetzt also auch noch in der U-Bahn. Auf ihrem Schlussspurt zum Schulvolksbegehren „Pro Reli“ haben die Berliner Kirchen verkündet, sie wollten in öffentlichen Verkehrsmitteln für den Religionsunterricht kämpfen. Noch sind nicht alle Unterschriften beisammen, die das Volksbegehren ermöglichen würden. Die Stimmung drehe sich, so verkünden die Prediger in der Messe. Und wollen nicht enden mit ihren Aufrufen. Sie vergällen damit dem reflektierten Kirchgänger nicht nur den Sonntagsgottesdienst.

Sie profanisieren zugleich die Idee der Kirche, indem sie ihre Unterschriftensammler im Wortsinn in den Untergrund schicken. Wie Bettler sollen sie in der Rushhour gestressten Pendlern eine Glaubensfrage unter die Nase halten. Und weil die nicht ausweichen können, bringen der evangelische Bischof und der katholische Kardinal alle Verkehrsteilnehmer in eine – pardon – bescheuerte Situation… weiter in der taz

Mitglieder: SPD schwächer als CDU – Genossen! Es rettet Euch kein höh’res Wesen und auch kein Internet.

Den ersten und letzten Satz (Hervorhebungen von mir) in dieser kleinen Meldung in der Frankfurter Rundschau finde ich am interessantesten:

SPD verliert weiter Mitglieder

Seit dem Amtsantritt von Franz Müntefering als SPD-Chef im Oktober hat sich für die Partei der erhoffte „Münte-Effekt“ bei den Mitgliederzahlen laut „Spiegel“ noch nicht eingestellt.

Wie das Magazin schreibt, verließen Mitglieder zuletzt in ebenso hoher Zahl die SPD wie in den vorangegangenen Monaten. Insgesamt sei die Zahl der Parteimitglieder in der Zeit von November 2007 bis zum November 2008 um 18.685 geschrumpft. Bei der CDU waren es im gleichen Zeitraum 8858 Mitglieder weniger.
Im Juni 2008 hatte die CDU erstmals mehr Mitglieder als die SPD. Damals betrug ihr Vorsprung knapp 800 Mitglieder. Den hat sie den Angaben des Magazins zufolge seither fast verzehnfacht: Im November 2008 standen 530 194 Christdemokraten insgesamt 522 668 Sozialdemokraten gegenüber.

Laut SPD-Vorstandsmitglied Niels Annen bietet das Wahlkampfjahr aber gute Gelegenheiten, zum Beispiel über das Internet Leute für die Partei zu gewinnen.

Dazu drei Anmerkungen:

  • Es gibt keinen „Münte-Effekt“
  • Er wird sich auch nicht „einstellen“, aber zum Glück hat dieses Sprachgetüm der Spiegel verbrochen
  • Niels Annen: Verrate er mir das Geheimnis, aus welchem Grund im Wahljahr das Internet ihm helfe Mitglieder zu gewinnen.

Ich wage einen Umkehrschluss:

Die Mitglieder, die der SPD entfleucht sind, haben das Parteibuch in die Ecke geworfen, weil a) kein Wahlkampfjahr war und b) weil sie kein Internet hatten 😉

Im Ernst: die Menschen sind wegen der Politik der SPD aus ihrer Partei ausgetreten und nicht, weil sie kein Internet oder kein Wahlkampfjahr hatten.

Neue Parteimitglieder kann Niels Annen auch nur über die Politik und über deren Inhalte gewinnen.

Liebe SPD,

es rettet Euch kein höh’res Wesen und auch kein Internet.

Es geht um Inhalte und nicht um Twitter!

Langenhorn und der Hamburger Flughafen: Braun!?

Am schönen Shopping-Tag Samstag zwischen den unendlich vielen Feiertagen schlenderte ich durch das Kaufhaus Hertie am Langenhorner Markt. Ein Oberhemd wollte ich mir kaufen, und es gab welche in braun. In einem Braun, wie ich es lange nicht mehr gesehen hatte. Ach, dachte ich mir, die Kamera im Rucksack, diese Braunhemden musst du nicht fotografieren. Das ist ein Zufall. Die Matrosenmode vor dem Ersten Weltkrieg war doch auch nur ein Zufall gewesen. So verließ ich Hertie am Langenhorner Markt ohne ein Bild von den braunen Hemden.

Gestern dann sind wir mit der neuen S-Bahn Linie 4 zum Hamburger Flughafen gefahren. Die netten und angenehmen Minuten werde ich bei Gelegenheit noch berichten. Doch was sehen meine Augen im Café des internationalen Aeropuerto Hamburgo, I mean the International Airport Hamburg:

Hamburg Airport International Eins
Hamburg Airport International Eins

Nazi-Bilder ohne Ende. Ach ja – war ja nur eine Sendung von ntv, die irgendwie „Hitlers Mystiker“ hieß.

Hamburg Airport International Zwei
Hamburg Airport International Zwei

Bestimmt wurden unter den Bildern auch viele superkritische Kommentare gemacht, aber Flughafen-TV ist ohne Ton. So wurden wir denn ungehört, unerhört mit Nazi-Propagandabildern geflutet.

Hamburg Airport International Drei
Hamburg Airport International Drei

Wir sind zur zentralen Info mit zentraler Dame gelatscht. Diese hat uns eine zentrale E-Mail gegeben, bei der wir uns beschweren könnten. Werden wir machen.

Hamburg Airport International Vier
Hamburg Airport International Vier

Wir mussten dann aber erst einmal zur Rotbuche in Langenhorn gehen, um in aller Ruhe ein Weizenbier und diverse andere Getränke sowie Speisen zu verzehren.

Die Rotbuche
Die Rotbuche

Leider enterte eine Gruppe von nazi-gestylten Jung- und Mittelaltmännern die wirklich nette Gaststätte und bescherte mir für die Nacht leichte Horrorträume. Die habe ich übrigens auch nicht fotografiert.

Vielleicht ist ja alles nur ein Zufall und hoffentlich bin ich paranoid.

Albrecht Müller: Neoliberale Wendehälse

Kurz vor Ende dieses Jahres dürfen wir uns an unseren linken Stammtischen auf die Schenkel klopfen: „Haben wir doch schon vor 30 Jahren gesagt, gepredigt und gelehrt! Prost, Prost, Prost, Prost, Prost, Prost – Genossen!“ (Bitte Intonation und Rhythmus beachten! Kleine Pause nach jedem zweiten dann jeweils in höherer Tonlage herausgestammelten ‚Prost‘)

„Übermut“ – so erhebe ich den Zeigefinger, „tut selten gut“.

Ungeachtet der mahnenden Worte füge ich folgende Fundstelle aus den NachDenkSeiten ein:

Deutschland, ja die gesamte Welt stehen an einem Wendepunkt. Der Kreuzzug der neoliberalen Ideologen konnte sich noch bis vor kurzem den Anstrich von wirtschaftlicher Vernunft und Effizienz geben. Ihre Rezepturen galten als „alternativlos“ oder „objektiv notwendig“. Spätestens die Finanzkrise hat diese Fassade für jedermann sichtbar niedergerissen. Ein ungerechtes Bereicherungssystem, hinter dem oft kriminelle Machenschaften stecken, kam zum Vorschein.

Der Staat, der über Jahre hinweg „ausgehungert“ werden sollte, musste über Nacht mit Milliardensummen in bis dato unvorstellbarer Höhe „Rettungsfallschirme“ über Banken und ganze Industriezweige aufspannen. Wir alle werden für das Zerstörungswerk einer Minderheit in Haft genommen.

Zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Rezession wird plötzlich nach öffentlichen Investitionen gerufen. Es werden Konjunkturprogramme aufgelegt, die jahrelang als wirkungslose „Strohfeuer“ abgetan wurden.

Plötzlich wimmelt es in Wirtschaft, Politik und Medien nur noch so von „Wendehälsen“, die ihre früheren Parolen am liebsten aus den Archiven tilgen würden. Die Rezepturen der viel zitierten „Experten“ entpuppen sich als hohle Dogmen. Unsere „Führungseliten“ tun so, als sei die Krise wie ein „Spring-ins-Feld-Teufel“ (Steinbrück) über uns gekommen. Sie wollen damit vertuschen, dass sie jahrelang dem „Teufel“ hinterherliefen. Banker, Politiker, Meinungsmacher versuchen jetzt alles, um von ihrem vorausgegangenen Tun abzulenken. Machen wir uns nichts vor: Hinter den Schuldzuweisungen und hinter den (zaghaften) Schuldeingeständnissen verbergen viele, der angeblich vom Saulus zum Paulus Bekehrten, nur ihre Absicht des „Weiter-so“.