Grau, Grün und große Weihnachtsbäume

Während sich auf dem Parteitag der Grünen in Erfurt fünf SzenebloggerInnen auf Einladung selbiger Partei redlich bemühen, dem Vorwurf der Einvernahme entgegenzutippen, leide ich unter einem Arbeits- und Politik-Overkill und laufe, oder wie es neudeutsch heißt, „jogge“ durch die Sauerländer Fichtenkulturen und Kyrill-Wüsteneien.

Kreuzung im Wald 700 Meter über NN
700 Meter über NN.

Ein Abstecher ins Partei-Grüne führt zu den fünf BloggerInnen:

Grauer Nebel wabbert zwischen den Nadelbäumen. Einige sehr große Fichten haben es schon hinter sich und liegen eingewickelt am Wegesrand, harrend auf den Abtransport zu den Weihnachtsmärkten des Ruhrgebiets.

Jetzt kann mensch schon wieder an Ostern denken.
Jetzt kann mensch schon wieder an Ostern denken.

Die Einladung der fünf BloggerInnen hat in der Szene ein Plätschern der Empörung ausgelöst. Da ich aber heute nichts Politisches schreiben will, höre ich jetzt auf.

Münte-Protest auf Bestellung?

Hat der Betriebsrat der Westfälischen Rundschau eine Grußbotschaft von Franz Müntefering bestellt? Diese Vermutung wird in der Süddeutschen Zeitung ausgesprochen:

Die SPD ist auch selbst betroffen. Denn die SPD-Medienholding ddvg hält noch immer 13,1 Prozent an der Westfälischen Rundschau, die WAZ-Gruppe hat dort die Mehrheit. Angeblich war vom Betriebsrat der Westfälischen Rundschau eine Grußbotschaft von Müntefering zur Betriebsversammlung bestellt worden. Daraus wurde dann der prägnante Brief des SPD-Chefs. Die Bundes-SPD wollte sich zu den Hintergründen des Müntefering-Schreibens nicht äußern. Die WAZ-Geschäftsführer antworteten übrigens prompt und verwiesen auf ihre soziale Verantwortung, eine „ökonomische Katastrophe“ abzuwenden.

So what?!

Den einzigen Nebengedanken, den ich nach Münteferings Schreiben hatte war:

Muss man sich nicht vor der Solidarität allzu prominenter Politiker in Acht nehmen. Hat es da nicht schon mal jemanden gegeben, der einen großen Konzern mit eindrucksvoller politischer und körperlicher Präsenz gerettet hat – leider nur bis zum Zusammenbruch neun Monate später. Da war die politische Rendite schon eingefahren. Aber so weit ist Müntefering noch nicht, geschweige denn, der WAZ-Konzern. Das ist doch nicht Holzmann!

Protest von Münterfering? Oder alles nur Show bei der WAZ?

Müntefering protestiert gegen WAZ-Pläne titelt der Berliner Tagesspiegel:

„Die SPD muss als Mitbesitzerin Verantwortung übernehmen“, sagt Malte Hinz, „WR“-Betriebsratsvorsitzender. Doch mehr als aufmunternde Worte gab’s von Müntefering bisher nicht. In seinem Brief stand, dass er „die Plausibilität der unternehmerischen Entscheidungen nicht im Detail beurteilen“ könne, aber „auf eine akzeptable und vom sozialen Denken geprägte Lösung“ hoffe. Die beiden Geschäftsführer antworteten prompt per Fax: Die Plausibilität ihrer Entscheidungen ergäbe sich aus den ökonomischen Daten, die von der Beratungsfirma Schickler erarbeitet würden. Diese sei „häufig für die SPD-Medienholding ddvg“ tätig“ gewesen, „zuletzt bei der Sanierung der ,Frankfurter Rundschau’“.

Kai Ruhsert merkt dazu auf den Nachdenkseiten an:

„Der Tagesspiegel hatte den Beitrag mit der Überschrift „Müntefering protestiert gegen WAZ-Pläne“ versehen. Von einem Protest Münteferings ist im Text jedoch keine Rede. Ist das ein Versehen oder Meinungsmache?“

Journalismus: Die Stunde der Renegaten

Auf dem Weg zur Arbeit heute Morgen im Deutschlandradio:

„…Mal abgesehen davon, dass Journalisten heute eher sich selbst als der Politik dienen wollen, zeigt der mediale Krisen-Overkill der letzten Wochen, dass Kierkegaard in einem Recht hatte: Journalismus ist zuviel für einen Menschen, eine charakterliche Herausforderung, an der er nur zerbrechen kann. Waren die Verhältnisse eben nicht noch so, dass man nur in Lohn und Brot stand – na, sagen wir besser: in Bonus und Kaviar -, wenn man vorbehaltlos die freien Märkte besang?…“

„Die wollen uns weichkochen“ – eine kleine Medienlese

Unter der Schlagzeile „Die wollen uns weichkochen“ berichtet Boris Rosenkranz von der taz über die gestrige WAZ-Betriebsversammlung:

„…Es ist wie bei jeder Konzernkrise: Irgendwann fragen sich die Arbeiter, weshalb sie bluten sollen, nicht aber die Oberen. WR-Betriebsrat Malte Hinz merkt an, dass die Eignerfamilien der WAZ über ein Vermögen von rund 4 Milliarden Euro verfügen würden: „Deshalb sollten sie die Einschnitte jedenfalls so lange strecken, dass sie sozialverträglich abgehandelt werden können.“ Und eine Kollegin fragt, wie viel die Geschäftsführer denn von ihren Gehältern abgeben würden?

Eine Antwort auf die Frage gibt es nicht. Vielleicht aber beim nächsten Mal, im Dezember. Hombach und Nienhaus haben ihr Kommen für diese Versammlung angekündigt; zuvor, am Freitag kommender Woche, wollen sie ihre Pläne ausbreiten.“

Der Spiegel titelt hingegen „Münte unterstützt WAZ-Belegschaft“ und schließt:

„…Am 21. November soll der Bericht der Unternehmensberatung Schickler vorgestellt werden. Chefredakteur Reitz war optimistisch, danach mit den Betriebsräten und Gewerkschaften zu einer Einigung zu kommen. Das Verhalten der Gewerkschaften sei konstruktiv. „Ich hoffe, dass wir es ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen.““

Auch die Süddeutsche stellt Müntefering in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung:

Der WAZ-Konzern hatte angekündigt, bei den vier NRW-Titel (außer der WAZ sind das noch die Neue Ruhr/Rhein Zeitung, die Westfälische Rundschau und die Westfalenpost) insgesamt 30 Millionen Euro einsparen zu wollen, es droht ein Personalabbau. Er könne, so Müntefering, „die Plausibilität dieser unternehmerischen Entscheidung natürlich nicht im Detail beurteilen“, hoffe aber „auf akzeptable und vom sozialen Denken geprägte Entscheidungen“.

Die Antwort der WAZ-Geschäftsführung kam prompt. Noch am gleichen Tag schickte das Führungsduo Bodo Hombach und Christian Nienhaus ein Fax, versehen mit feinen Spitzen: Die Plausibilität ihrer Entscheidung, schrieben die Geschäftsführer, ergäbe sich aus den ökonomischen Daten, welche von der Beratungsfirma Schickler erarbeitet würden. Genau dieses Unternehmen sei „häufig für die SPD-Medienholding ddvg tätig“ gewesen, „zuletzt bei der Sanierung der Frankfurter Rundschau“.

Abschließend gab Hombach seinem Parteigenossen eine Lektion über eine Definition von sozialer Verantwortung: Dieses Verständnis, so schrieb er mit Kompagnon Nienhaus, „verlangt von uns, vor einer ökonomischen Katastrophe die notwendigen Reformen einzuleiten“

Eine dpa-Meldung gibt es beim Kölner Stadt-Anzeiger.

WAZ-Betriebsversammlung in Esssen

In den „großen“ Medien habe ich noch keine Berichterstattung über die Betriebsversammlung der WAZ Betriebsräte gefunden. Lediglich diesen Vorbericht vom Morgen des 11. November im Morgenecho des WDR5. Im „Gegen-Blog“ ist der Brief von Bodo Hombach und Christian Nienhaus „Liebe Mitarbeiterinnen, liebe Mitarbeiter, …“ von gestern veröffentlicht. Daher erlaube ich mir einen Kommentar aus dem WAZ Protest Blog zu zitieren, der sehr gut einen ersten Eindruck (Stimmung und Analyse) vermittelt:

Es war eine Informationsveranstaltung, in der gut 800 von 900 Redakteuren lautstark und eindrucksvoll ihre Solidarität mit den vier Betriebsräten bekundeten sowie WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz (verhalten) für einige seiner Äußerungen ausbuhten.
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Ansonsten wurden wir von BR- und Gewerkschaftsexperten in einem ersten Anlauf darüber informiert, wo wir stehen.
Rechtsinformationen, Arbeitsmodelle, Grundsätzliches eben, bildeten den Kern der Veranstaltung.

Es gab auch die Forderung an die GGF, Verluste der vier Titel durch zumindest so lange durch Teile der Gewinne aus dem Osteuropageschäft aufzufangen, bis eine sozialverträgliche Lösung (ohne Massenentlassungen) greifen kann.

Reitz – mittlerweile Geschäftsleitungsmitglied – sah das nicht ein, nannte die Forderung “ungerecht”. Von einem Teilnehmer wurde Reitz daraufhin daran erinnert, dass die früheren GGF Günter Grotkamp und Dr. h.c. Erich Schumann gerade die Investionen im Osten als Maßnahme zu Sicherung der Arbeitsplätze in der WAZ-Heimat angesehen hatten. Schweigen war seine Antwort. Auch auf Zuatzfragen der Kollegen wollte Reitz nicht mehr antworten.
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Die Personalleitung versuchte zu erklären, warum die vier Titel unterm Strich in 2008 bis heute rund 8 Millionen Euro Minus und bis zum Jahresende voraussichtlich zehn Mio Minus machen werden: zu hoher Papierverbauch trotz sinkender Auflage (durch unverkaufte Überdrucke), zu viele Druckplatten – alles Dinge, die nichts mit den Leistungen der Redaktion zu tun haben, sondern schlechtem Management (schlußendlich verantwortlich dafür ist Bodo Hombach, d.Autor) anzulasten sind.
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Bodo Zapp, CR der WP, hat dann den Heimatzeitungsentwurf für sein Blatt umrissen. Noch schlankerer Mantel etc. Er meinte aber auch, dass die Dinge am 2. Dezember – dann werden die Konzepte für die Lokalredaktionen vorgestellt – noch dicker kommen werden: Wenn er daran denke, habe er Baugrummeln, sagte Zapp.
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Der Personalchef Kopatzki wollte Kündigungen nicht bestätigen. So weit sei man noch nicht.
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Ganz anders Reitz: Er sagt, dass es im Kündigungen geben werde – und die werde er den Betroffenen überreichen und ihnen dabei in die Augen sehen – was immer diese Floskel auch sollte.
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Das war dann wohl das Wort zum offenen Bruch zwischen diesem Chefredakteur und dem größten Teil der WAZ-Mannschaft.
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Noch Fragen?

Nachschlag: Marktwirtschaft in Aktion (war: WAZ)

Fair is foul and foul is fair ....
Fair is foul and foul is fair ….

Ich wollte mich diese Woche ein wenig zurückhalten. Ein Hinweis noch: Wer inzwischen durch die vielen Kommentare des WAZ-Protest-Blogs nicht auf Anhieb durchsteigt, dem sei vor der morgigen Betriebsversammlung der Betriebsräte von WAZ, NRZ, WR und WP eine gute Zusammenfassung im Pottblog empfohlen. „WAZ wird Pampe“, meint Boris Rosenkranz in der taz.

Chefbloggerin schreibt „nicht wirklich“ ;-)

Katharina Borchert, Chefbloggerin des Westens, und somit verantwortlich für das Gegen-Blog hat sich im WAZ-Protest Blog mit einem Kommentar zu Wort gemeldet:

“Gegenblog” trifft es zumindest meiner Meinung nach nicht wirklich (welches anständige Gegenblog würde das “Gegen-” in die Blogroll aufnehmen?). Darin sollen eher möglichst viele der intern herausgegebenen und verfügbaren Informationen öffentlich gemacht werden, um einen Beitrag zu einer Diskussion zu leisten, die zurecht weit über das eigene Haus hinaus viele Menschen interessiert und bewegt.

Vorbemerkung: Jeder und jede professionelle Journalist(in), der oder die „nicht wirklich“ sagt, schreibt oder irgendwie anders weiterverbreitet, wird in den Redaktionskeller geschickt und darf erst wieder herauskommen, wenn er/sie den Duden, Karl Kraus oder das örtliche Telefonbuch aufsagen kann 😉

Hauptbemerkung: Ich habe die Situation vorgestern hier im Blog grafisch dargestellt. Frau Borcherts Blog nannte ich darin „Gegner“. Das stimmt immer noch.

Nachbemerkung: Frau Borchert hat recht. Die Bezeichnung „Gegenblog“ trifft es wirklich nicht. Um diesen stolzen Titel für sich zu beanspruchen, müsste das Blog des mächtigen WAZ-Konzerns mehr als zwei jämmer- und kümmerliche, weil auf der Schleimspur kriechende, Kommentare vorweisen können.

Thema: Lokaljournalismus und WAZ
Barbara Sommer in Medebach

So sieht eine verpasste Chance im Lokaljournalismus aus. Eine umstrittene Ministerin sondert Plattitüden ab. Sämtliche Widersprüche, die es gegen den im Bericht genannten Schulverband auf lokaler Ebene gegeben hat, werden ausgeblendet. Auf dem Bild in der Print-Ausgabe: Die lokalen Politik- und Bildungsbullen mit Blondine. Online: Nur die Blondine. Ist die Redakteurin schuld? Nein, denn solch ein opportunistisches Geschwafel ist Programm. Erste Hintergründe liefert das WAZ Protest-Blog. Dort dieser ideologisch polemisierende Kommentar:

@Immer munter: Und das geschieht nicht allein aus wirtschaftlichen Gründen. Das “Konzept” (würg), das vermtlich schon lange in der Schublade gelegen hat, bedeutet doch nicht weniger als die Gleichschaltung der wichtigsten Regionalzeitungen in NRW. Es ist ja offensichtlichlich, dass CDU-Reitz unter CDU-Springer-Nienhaus jetzt die volle Kontrolle über die ehemals eher sozialdemokratisch orientierten Blätter des Hauses übernimmt, während die konservative WP das “Sondermodell eine Heimatzeitung für Südwestfalen” erarbeiten und deshalb natürlich auch ihre eigene Mantelproduktion (wieso eigentlich?) behalten darf.
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Da passt nun auch der erstaunliche Wechsel in der CR der WR vor Jahresfrist bestens ins Bild.
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Rüttgers und Konsorten werden wegen des neuen Meinungsmonopols im größten Bundesland, so schön passend vor der Kommunalwahl, wahrscheinlich tüchtig die Sektkorken knallen lassen. Die SPD-Politiker im Land dagegen schlafen inzwischen den Schlaf der Gerechten. Die haben noch gar nicht gemerkt, welches Unwetter sich da aufbaut.

Näher an der Praxis vor Ort bewegt sich der Kommentar von rosebud:

Zuletzt: Es zeugt von wenig Innensicht, wenn hier von “langweiligen” Lokalredaktionen geredet wird. In Wirklichkeit arbeiten viele dieser Redaktionen seit Jahren am Limit. Die tariflichen Arbeitszeiten einzuhalten kann sich dort schon lange niemand mehr leisten. Wenn es “langweilige” Ausgaben gibt, dann vor allem, weil die Redaktionen mit ihrer schmalen Personalausstattung und nach dauerndem Druck auf die Honoraretats nur noch das unbedingt Nötige machen können. Mir wären in meiner Lokalausgabe auch mehr gut recherchierte, eigene Geschichten lieber. Dafür reicht aber immer öfter die Zeit nicht.

Tote Hose herrscht hingegegen beim Verlags-Blog, der doch bei den Ruhrbaronen so hochgelobt wurde(siehe auch meinen Beitrag hier). Bis auf bislang zwei anschleimende Kommentare nix los. Urteil: Ein Verlautbarungsblog der Geschäftsleitung.

WAZ: So sieht’s die FAZ

In der FAZ von heute stellt Michael Hanfeld die Sparkonzeption des WAZ-Konzerns dar.

Einer der vier Titel - die NRZ
Einer der vier Titel – die NRZ

Zeitungssterbern und Meinungsmonopole titelt das WAZ Protestblog:

„Besser wird es nicht” so lautet das ernüchternde Fazit von Frank Biermann in einem Beitrag über den Zeitungsmarkt in Nordrhein-Westfalen, den er Anfang diesen Jahres für die Ausgabe 01/ 2008 des Dortmunder „Journalistik Journals“ verfasst hat. Ein dramatisches Zeitungssterben in NRW sieht er zwar (noch) nicht kommen. Umso besorgter weist er jedoch darauf hin, dass die Zahl der Ein-Zeitungs-Kreise, in denen ein Verleger ein Meinungsmonopol hat, im bevölkerungsreichsten Bundesland immer größer wird. Als einen Grund für die Auflagenverluste der Tageszeitungen führt er den Verlust von publizistischer Nähe der Tageszeitungen an, die durch den Trend zur zentralisierten Zeitungsproduktion am Newsdesks ausgelöst worden ist.
Hier die Analyse von Frank Biermann (djuNRW) als pdf besserwirdesnicht.