Wegfall freiwilliger Teilnahme an Integrationskursen stellt vhs HSK vor erhebliche Herausforderungen

Wer Integration ernst meint, darf beim Spracherwerb nicht sparen

Blick in einen hellen Unterrichtsraum mit weißen Wänden, weißer Decke und hellen Tischen. Teilnehmer*innen sitzen im U mit zwei Sprossen. Links ist eine Fensterseite, rechts eine weiße Tafel. Vorne (im Bildhintergrund) stehen zwei Dozent*innen.
Blick in einen Kurs der vhs Hochsauerlandkreis: Durch den Wegfall der Zulassung zur freiwilligen Teilnahme durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) steht die vhs vor organisatorischen und finanziellen Herausforderungen. (Foto: vhs HSK)

Die Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, keine Zulassungen zur freiwilligen Teilnahme an Integrationskursen mehr zu erteilen, hat spürbare Auswirkungen auf die Volkshochschule Hochsauerlandkreis (vhs HSK).

(Pressemitteilung HSK)

In den derzeit laufenden Integrationskursen lernen rund 20 Prozent der Teilnehmenden auf Grundlage einer solchen Zulassung. Nach ersten Schätzungen könnten aber weitaus mehr Personen betroffen sein; bundesweit geht man von 40 Prozent aus.

Falle diese Zielgruppe künftig weg, stelle dies die vhs HSK vor erhebliche organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Denn bereits heute sei es schwierig, Teilnehmende für neue Kurse zu gewinnen. Eine weitere Reduzierung der Zugangsmöglichkeiten gefährde die Stabilität des bestehenden Angebots. Weniger Planungssicherheit, zumal in unserer ländlichen Gegend könne dazu führen, dass Kurse später starten oder gar nicht erst zustande kommen. Und ein einmal zurückgefahrenes Angebot lasse sich kurzfristig nicht wieder aufbauen, fasst Hubertus Becker, Leiter der vhs HSK, die Situation zusammen.

„Die Sprachliche Integration ist die Grundlage für gesellschaftliche Integration. Ohne ausreichende Deutschkenntnisse bleiben Menschen vom Arbeitsmarkt, von Bildung und von demokratischer Teilhabe ausgeschlossen“, so Nadja Donner, bei der vhs HSK zuständig für das Sprachen-Angebot. Zwar könne Integration auch über den Arbeitsmarkt erfolgen, ohne hinreichende Sprachkenntnisse sei diese jedoch oftmals nicht nachhaltig und berge ein erhöhtes Risiko des Scheiterns.

Eine freiwillige Kursteilnahme bleibt formal möglich, setzt jedoch voraus, dass Teilnehmende einen Eigenanteil von 229 Euro beziehungsweise 458 Euro pro Modul (100 Unterrichtseinheiten) tragen. Bei insgesamt sieben Modulen summieren sich die Kosten auf mehrere Tausend Euro. Die Betroffenen seien in der Regel nicht oder nur teilweise erwerbstätig. So stelle dieser Betrag eine kaum überwindbare Hürde dar.

Kurzfristige Einsparungen durch den Wegfall der Zulassungen könnten sich langfristig als wirtschaftlich nachteilig erweisen: „Wer aufgrund fehlender Sprachkenntnisse später oder gar nicht in den Arbeitsmarkt integriert wird, zahlt später oder gar nicht in die sozialen Sicherungssysteme ein. Integration verschieben heißt also: Kosten verschieben – nicht Kosten sparen“, sieht Hubertus Becker, Leiter der vhs HSK, die weitere Entwicklung. Dabei seien Integrationskurse seit über 20 Jahren ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Region.

Die vhs HSK fordert appelliert daher an die Verantwortlichen in der Bundesregierung, diese Entscheidung zu überprüfen und den Zugang zu Integrationskursen wieder zu erleichtern. Wer Integration ernst meint, dürfe beim Spracherwerb nicht sparen.

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