Willkommen in Deutschland

Blick aus dem Fenster eines Lufthansa-Flugzeugs auf dem Frankfurter Flughafen (foto: hannah)

Vergangenen Dienstag landete eine Maschine der Lufthansa, aus England kommend, auf dem Flughafen Frankfurt. Die Maschine parkte vor dem Terminal. Die Passagiere wurden aufgefordert, das Flugzeug über die vordere und hintere Treppe zu verlassen und in die bereitstehenden Gelenkbusse einzusteigen.

An der Schnittstelle der beiden Treppen und der Busse stand ein kräftiger Mann mit gelber Warnweste und der Aufschrift „Fraport“. Außerdem lag neben ihm eine zusammengeklappte Kinderkarre.

Der Fraport-Mitarbeiter wedelte mit den Armen und dirigierte die aussteigenden Passagiere zum hinteren Bus. Dann kam eine fünfköpfige Familie mit drei kleinen Kindern. Der Vater versuchte, die Kinderkarre auseinanderzuklappen.

Dem Fraportmitarbeiter ging dies offenbar nicht schnell genug. Er schrie den Familienvater an, rief wiederholt mit lauter Stimme „einsteigen, einsteigen“ und zeigte dabei auf den Bus. Er kam der Familie nicht zur Hilfe, trieb sie jedoch verbal und mit Gesten zur Eile an.

Schließlich zeigte er auf seinen Kopf mit einer Handbewegung, die dem Familienvater signalisieren konnte, er sei dort wohl nicht ganz dicht.

Der Vater ging mit den beiden größeren Kindern in Richtung Bus, die Mutter klappte die Karre auf, setzte ihr kleinstes Kind hinein und schob es in den Bus.

Die im Bus wartenden Fluggäste verfolgten dies unwürdige Spektakel. Nachdem die fünfköpfige Familie den Bus bestiegen hatte, kam noch ein Pärchen aus dem Flieger und stieg ebenfalls in den Bus. Anschließend lenkte der selbe Fraportmitarbeiter diesen zum Terminal.

Die Mitglieder der Familie hatten eine dunkle Hautfarbe und das Pärchen war weiß, aber das hat mit dem Verhalten des Fraportmitarbeiter sicher nichts zu tun.

Der Sauerlandkurier zum „Germanwings-Absturz“: Heuchlerische Nichtberichterstattung

Ein heuchlerischer, undifferenzierter Rundumschlag auf Seite 3 des heutigen Sauerlandkuriers. (foto: zoom)
Ein heuchlerischer, undifferenzierter Rundumschlag auf Seite 3 des heutigen Sauerlandkuriers. (foto: zoom)

Heute Morgen habe ich mich über die heuchlerische Nichtberichterstattung des Sauerlandkuriers zum Germanwings-Absturz gewundert, nein geärgert.

Tim Plachner, Verlagsleiter und Chefredakteur, rechtfertigt in einem zweispaltigen Kommentar, „warum sich der Sauerlandkurier nicht mit dem Flugzeugabsturz befasst.“

Plachner zählt die Fehler der Medien auf und nimmt gleich jeden und jede, die da irgendwo berichtet hat, aufs Korn.

„So genannte Experten wurden aus allen Ecken der Republik zusammengetrommelt, denn schließlich müssen ja zig TV-Sender, dutzende Print-Produkte und hunderte Online Portale – häufig nur durch journalistische Amateure bedient – irgendwo gefüttert werden.“

Und so fort und so fort …

Ja, ja, alles Nutten außer Plachner? Dessen Blatt recherchiert lieber gleich garnichts, weil die Sauerlandkurier-Profis es anscheinend nicht können, denn gerade für eine Lokalzeitung hätte es viele Zugänge und Möglichkeiten zum Thema gegeben. Die Reklamezeitung hätte es anders und besser machen können als die „Medienmaschinerie“.

Welch selbstverliebte Verblendung spricht aus dem Kommentar. „Wir machen da nicht mit. „Wir stellen keine künstlichen Zusammenhänge her.“ Realitätscheck! Es gab quer über sämtliche Medien gute und schlechte Berichterstattung.

Im Gewerkschaftsblog Medienmoral wurde der journalistische Lapsus heute Morgen ebenfalls bemerkt und treffend kommentiert:

Einen Tiefpunkt in der Berichterstattung über den Germanwings-Absturz liefert heute das Anzeigenblatt Sauer-/Siegerlandkurier. Dort wird verkündet, dass es zwar eine Tragödie sei, die aber doch nicht dramatisiert werden soll …

Danach wird ausgeholt zum Rundumschlag gegen sämtliche Medien, mit dem scheinheiligen Hintergrund, sich vermeintlich überhöht darzustellen. Der Text endet damit, dass der Sauer-/Siegerlandkurier das Thema bewusst nicht aufgreift – wobei er es ja erstaunlicherweise doch tut.

Autor ist Tim Plachner, beim Blick im Impressum fällt auf: Chefredakteur UND Verlagsleiter. Was? Das ist die eigentliche Tragödie dieses Mediums: Dass die Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen nicht mal mehr mit einem Deckmäntelchen vorgegaukelt wird. Hier bestimmt der Verlagsleiter den Inhalt. Und das ist neu!

Vielleicht sollte Herr Plachner diese Umstand mal in seiner Kolumne thematisieren, falls er nicht gerade damit beschäftigt ist, passende Texte zu den verkaufen Anzeigen zu suchen …

Die Rotbuche, der Flugzeugabsturz und der Iran

Die Rotbuche in Hamburg Langenhorn
Die „Rotbuche“ in Hamburg Langenhorn (Foto: wie fast immer von mir ;-) )

Vor ein paar Tagen in der Rotbuche. Drei US-Amerikaner aus Philadelphia sitzen an der Theke, sind begeistert vom Essen und vom deutschen Bier. Gerade am Morgen sind sie in Hamburg angekommen, alle drei Ingenieure mit Zusatzausbildung „Betriebswirtschaft“. Sie arbeiten für einen Ausrüster der Lufthansa und haben während des Tages Verkaufsgespräche geführt. Morgen früh werden sie nach Paris weiter fliegen  und auch dort versuchen, die Flotte der Lufthansa auszurüsten.

Nein, ihre Firma habe nicht die Instrumente an Air France verkauft. Die Geschwindigkeit des Flugzeugs werde über den Luftwiderstand an drei Punkten gemessen.  In einem solchen Unwetter wie bei der großen Katastrophe müsste man eigentlich GPS dazuschalten. Das werde aber nur bei komplizierten  Landeanflügen gemacht.

Wir sprechen über die Finanzkrise in den USA, die Gesellschaft in Texas, die Baptisten in Dallas, die Katholiken in Philadelphia  und den Familienstress in der beschleunigten US-amerikanischen Ökonomie. Von Duckstein zu Weizen und zurück. Als der Small-Talk nach einer unamerikanisch langen Stunde beendet ist, weil die Ingenieure vor dem Verkaufen in Paris noch schlafen müssen, habe ich Zeit mit dem Perser zu sprechen.

Der Perser, ein Iraner, war erst kürzlich in Teheran. Wir unterhalten uns lange. Es ist der Freitag vor den Wahlen.

Der Perser ist optimistisch. Teheran, so schwärmt er, habe überhaupt nichts mit dem Bild zu tun, was uns in Deutschland vermittelt werde; Teheran sei eine moderne, aufgeklärte Metropole. Und während wir weiter reden fällt mir ein, dass ich vor über 20 Jahren ein ähnliches Gespräch an einem anderen Ende der Welt geführt hatte.

Ein Perser, Iraner,  Professor der Soziologie, hatte mich damals darüber aufgeklärt, dass der Iran, dass Teheran, viel moderner sei, als es in den Medien vermittelt werde.

Beide sind/waren zur jeweiligen Zeit gerade eben erst von einer Reise aus dem Iran zurückgekehrt. Sie hatten/haben Familie im Iran. Sie scheinen sich auszukennen.

Und dann die Wahlergebnisse. Ich bin enttäuscht und frage mich, wo denn dieses tolle, moderne Stück Iran geblieben ist.

Es muss da sein, irgendwo existieren.

Die, die vor 20 Jahren jung und modern waren, sind doch heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen und sie werden sich nicht zu religiösen Fanatikern gewandelt haben.

Zu diesen addieren sich fortlaufend die neuen „modernen Jungen“.

Vielleicht steht es doch nicht so schlecht um den Iran. Das Potenzial scheint vorhanden zu sein, meine ich – nach einem langen Kneipengespräch in Hamburg-Langenhorn – in der Rotbuche.