Hitze in NRW: Knapp 20.000 Sterbefälle im Juni 2026 bedeuten Rekordwert

  • In keinem Juni seit Beginn der Betrachtung 1977 starben so viele Menschen in NRW
  • Rund 22 % mehr Sterbefälle als im Juni 2025
  • Bottrop, Herne und Solingen verzeichneten die meisten Sterbefälle je 100.000 Einwohner/-innen – Münster, Kreis Steinfurt und Kreis Borken die wenigsten

Düsseldorf (IT.NRW). Im Juni 2026 starben in NRW 19.954 Menschen. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt anhand vorläufiger Daten mitteilt, lag die Zahl der Sterbefälle damit um 22 % höher als im Juni 2025 mit 16.396 Gestorbenen. Auch mit Blick auf einen längeren Vergleichszeitraum bleiben die Zahlen aus 2026 ein Höchstwert: In keinem anderen Juni seit Beginn der Erhebung in ihrer derzeitigen Form im Jahr 1977 wurden mehr Sterbefälle verzeichnet.

Im gesamten 1. Halbjahr 2026 starben insgesamt 113.250 Menschen in NRW. Das waren 0,6 % weniger als von Januar bis Juni 2025 mit 113.892. Der Monat des Jahres 2026 mit den meisten Sterbefällen war bisher der Januar mit 21.283 Gestorbenen.

Sterbefälle in den kreisfreien Städten und Kreisen
Daten zur Grafik (XLSX, 223,82 KB)
Anstieg der Sterbefälle in den meisten Kreisen und kreisfreien Städten

Für die Mehrzahl der Kreise und kreisfreien Städte erfasste das Statistische Landesamt im Juni 2026 mehr Gestorbene als im Vorjahresmonat. Der höchste Anstieg gegenüber dem Juni 2025 wurde in Leverkusen mit 63 % mehr Sterbefällen erfasst, gefolgt von Köln mit 47 %. In lediglich 4 Kreisen war die Zahl der Gestorbenen niedriger; den höchsten Rückgang gab es mit 6 % im Kreis Siegen-Wittgenstein.

Bezogen auf die Bevölkerung je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern starben die meisten Menschen im Juni 2026 mit 140 Sterbefällen in Bottrop, gefolgt von Herne mit 139 und Solingen mit 133 Sterbefällen. Am wenigsten Menschen starben in Münster mit 80, dem Kreis Steinfurt mit 82 sowie dem Kreis Borken mit 85 Sterbefällen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. In allen Kreisen und kreisfreien Städten lag die Sterberate im Juni 2026 über dem Median der Junimonate im Zeitraum von 2005 bis 2025.

Sterbefälle je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Juni in den kreisfreien Städten und Kreisen
Daten zur Grafik (XLSX, 23,87 KB)

Anhaltende Hitzephase Ende Juni 2026

Anhaltend hohe Durchschnittstemperaturen in den Sommermonaten können zu erhöhten Sterbefallzahlen führen, da die Hitze in Kombination mit Vorerkrankungen das Sterberisiko erhöht. In der zweiten Junihälfte des Jahres 2026 lagen in NRW an 11 aufeinanderfolgenden Tagen Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes vor, darunter 8 Tage mit der höchsten Warnstufe. Damit gab es bereits im Juni 2026 doppelt so viele Tage mit extremer Wärmebelastung wie bisher maximal in einem Kalenderjahr vorlagen – gemessen seit Einführung des amtlichen Hitzewarnsystems im Jahr 2005. Laut Robert-Koch Institut lag die geschätzte Anzahl hitzebedingter Sterbefälle in NRW im Jahr 2026 bis einschließlich der 36. Kalenderwoche bei 3.040 Menschen. Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2016. Die zweithöchste Zahl hitzebedingter Sterbefälle wurde für das Jahr 2018 mit 2.320 Gestorbenen in NRW ermittelt.

Hinweise zur Statistik

Die Statistik der Sterbefälle basiert auf Meldungen der Standesämter, die Angaben zu den Sterbefällen an die Statistischen Landesämter liefern. In dieser Auswertung wurden alle Gestorbenen gezählt, für die ein Wohnort in NRW gemeldet wurde.

Bei den Daten zu Sterbefällen der Jahre 2000 bis 2025 handelt es sich um endgültige Ergebnisse der Statistik. Die Daten für das Jahr 2026 sind vorläufig und können sich im Prozess der Datenaufbereitung noch ändern. Die endgültigen Ergebnisse für das Jahr 2026 werden im Juni 2027 vorliegen.

Welchen Einfluss neben Hitze das Infektionsgeschehen in den Wintermonaten auf die Sterblichkeit hat und welche Rolle das Alter der Gestorbenen spielt, betrachtet die Analyse „Sterbegeschehen in Nordrhein-Westfalen” anhand des neuen Sterbefallkalenders NRW. Dieser stellt auf Basis der endgültigen Sterbefallzahlen für den Zeitraum 2015 bis 2025 tagesscharf die Sterbefälle nach Altersgruppen bereit und verknüpft diese mit ergänzenden Daten des Deutschen Wetterdienstes und des Robert Koch-Instituts.

Die Hitzewarnungen werden durch den Deutschen Wetterdienst auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte veröffentlicht. Wenn an einem Tag eine Warnung für einzelne Kreise ausgegeben wurde, wird das in der vorliegenden Pressemitteilung als eine Hitzewarnung für Nordrhein-Westfalen angegeben. Das Robert Koch Institut veröffentlicht die geschätzte Anzahl hitzebedingter Sterbefälle für die Bundesländer regelmäßig.

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