
Angesichts zunehmender Hitzeperioden wächst der Handlungsdruck auf die Kommunen. Fachleute fordern mehr Grünflächen, weniger Versiegelungen sowie verbindliche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Dafür müssen die Kommunen auch mit ausreichenden Finanzmitteln versehen werden und wir alle müssen uns der Hitze anpassen, betont die Landessenior*innenvertretung NRW (LSV NRW).
(Pressemitteilung LSV NRW)
Seit dem Jahr 2003 hat sich die Wahrscheinlichkeit für extreme Hitzetage verzehnfacht. Karl-Josef Büscher, der Vorsitzende der LSV: „Immer wieder hören wir dennoch den Satz ‚Früher war es auch heiß‘. Aber Temperaturen über 40 Grad, so oft und langanhaltend – das gab es in der Vergangenheit nicht.“ (siehe Grafik)
Wie gehen wir nun damit um? Sicher müssen die Menschen sich an die Hitze anpassen. Maßnahmen dazu sind bekannt, nicht zuletzt auch, weil viele Senior*innenvertretungen vor Ort dazu vorbildlich und präventiv informieren. „Machen Sie bitte so weiter!“, unterstützt der Vorstand der LSV NRW seine Mitglieder auf diesem guten Weg, die Menschen mit den notwendigen Maßnahmen wie etwa Hitzetelefone und vieles mehr zu erreichen. Wichtig ist und bleibt, so banal es klingen mag, ausreichend zu trinken und möglichst kühle Orte aufzusuchen. Konkrete Handlungshinweise und umfassende Informationen auch für Multiplikatoren, wie es die kommunalen Seniorenvertretungen sind, finden sich auf der Website des Landesamtes für Gesundheit und Arbeitsschutz.
Allerdings haben Anpassungen ihre Grenzen, denn Körper und Gehirn sind letztlich nicht für diese Hitze gemacht. Besonders deutlich wird das bei Kindern, bei kranken, alten und pflegebedürftigen Menschen. Die Verantwortung für einen wirksamen Hitzeschutz liegt vor allem bei den Städten und Gemeinden, obwohl Bund und Länder bereits verschiedene Strategien und Förderprogramme auf den Weg gebracht haben. Im Mittelpunkt müssen Maßnahmen stehen, die die Gesundheit schützen und die Aufenthaltsqualität verbessern. Dazu gehören die Entsiegelung von Flächen, die Pflanzung zusätzlicher Bäume, der Erhalt bestehender Grünflächen sowie die Schaffung von schattigen Aufenthaltsbereichen. Begrünte Dächer und Fassaden sowie klimaangepasste Stadtquartiere können die Aufheizung der Innenstädte deutlich reduzieren.
Besonders wichtig ist der Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen, insbesondere älterer und pflegebedürftiger Menschen sowie von Kindern. Bei der letzten Hitzewelle wurde es deutlich: Die Situation in Pflegeeinrichtungen und in Krankenhäusern ist zum Teil dramatisch. Hierzu sind Maßnahmen in der Planung und in Umsetzung.
Viele Kommunen entwickeln bereits Hitzeaktionspläne oder setzen bestehende Konzepte um. Kommunale Seniorenvertretungen beteiligen sich auch hier schon vielfach aktiv. Häufig fehlen vor Ort aber noch immer öffentliche Trinkwasserangebote und dazu Toiletten, kühle und kühlende Aufenthaltsorte, Frühwarnsysteme sowie gezielte Informationsangebote für Pflegeeinrichtungen, Kitas und Gesundheitseinrichtungen. Als größte Hindernisse werden in der Diskussion neben noch mangelnder Verhaltensprävention fehlende finanzielle Mittel, unklare Zuständigkeiten und mangelnde verbindliche Vorgaben für die konsequente Umsetzung des Hitzeschutzes genannt. Dabei ist Klimaanpassung eine zentrale kommunale Zukunftsaufgabe: Investitionen in Stadtgrün, Wasserflächen und klimaresiliente Infrastruktur erhöhen langfristig auch die Lebensqualität in den Städten und Gemeinden. Auch für die Wirtschaft sind sie unabdingbar.
Der letzten Hitzewelle fielen laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) rund 5.100 Menschen (neu: fast 10.000 s.u.) in Deutschland, davon in Nordrhein-Westfalen über 1.200 Menschen, zum Opfer. „Ein nationaler Hitzeschutzplan würde mehr konkrete und notwendige Unterstützungen der Kommunen ermöglichen. Wenn die Gemeinschaftsaufgabe ‚Hitzeschutz‘ eine Änderung des Grundgesetzes erforderlich macht, ist dem zuzustimmen“, so Karl-Josef Büscher.
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Anmerkungen:
Neue Zahlen: Hitze tötet mehr Menschen als je zuvor. Das Robert-Koch-Institut bilanziert fast 10.000 Todesopfer für dieses Jahr.
https://taz.de/Neue-Zahlen-zu-Hitzetoten/!6200314/
Zum Thema siehe auch den neunteiligen Thread der Journalistin Silke Jäger auf Mastodon: https://reporter.social/@silkjag/117009622551333762
„Die Situation in Pflegeeinrichtungen und in Krankenhäusern ist zum Teil dramatisch. Hierzu sind Maßnahmen in der Planung und in Umsetzung.“
Bei den „Maßnahmen in Planung und Umsetzung“ bin ich skeptisch. Siehe dazu: „Mangelnder Hitzeschutz Über 30 Grad im Pflegeheim, aber wer bezahlt die Klimaanlage?“ https://www.hessenschau.de/gesellschaft/mangelnder-hitzeschutz-ueber-30-grad-im-pflegeheim-kein-geld-fuer-klimaanlagen-v1,hitzeschutz-pflegeheim-100.html
„Allerdings haben Anpassungen ihre Grenzen, denn Körper und Gehirn sind letztlich nicht für diese Hitze gemacht.“
Anpassung hin oder her. Wir müssen endlich aus der Fossilindustrie aussteigen. Am besten vorgestern, denn der Klimawandel und damit die Klimakrise ist menschengemacht.
Hitzeschutz in deutschen Städten: Zwischen Konzept und Wirklichkeit
Trinkbrunnen, Hitzewarnungen oder nur Verhaltenstipps. Solche Maßnahmen sind Teil von Hitzeaktionsplänen, die deutsche Städte zunehmend ausarbeiten. Unsere Recherche zeigt: Entscheidend ist nicht, ob ein Plan existiert – sondern ob daraus echter Schutz wird. Welche Städte ihre Bewohnerinnen und Bewohner schützen und welche nicht.
Das Gendern geht auf meine Kappe: Senior*innen, statt Senioren