Freiwillige können an Menschen erinnern, die aus Belgien und Frankreich nach Auschwitz deportiert wurden
Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Auch 81 Jahre später ist die Aufarbeitung der historischen Quellen und die Dokumentation der Namen der Ermordeten noch nicht abgeschlossen. Um die Erinnerung an jedes einzelne Schicksal zu bewahren, rufen die Arolsen Archives zum kommenden Holocaust-Gedenktag zur Challenge #everynamecounts auf.
Ziel ist es, gemeinsam noch nicht digitalisierte Informationen von rund 58.000 Dokumenten zu erfassen. Im Fokus stehen in diesem Jahr Dokumente vom Archivdienst für Kriegsopfer aus dem Belgischen Staatsarchiv.
Karteikarten über Männer, Frauen und Kinder, die als Juden, Sinti und Roma verfolgt wurden
Die Kartei enthält wertvolle Hinweise zu den NS-Opfern, die die SS vielfach über das Sammellager Mechelen in Belgien oder verschiedene Lager in Frankreich wie Drancy nach Auschwitz deportierte. Die Karten wurden zwischen 1941 und 1944 vom Sicherheitsdienst der deutschen Sicherheitspolizei (Sipo-SD) erstellt.
Unter den Deportierten war auch die 18-jährige Wienerin Edith Fuchs. Sie war mit ihrem Vater und zwei Geschwistern nach Brüssel geflohen, nachdem das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938 Österreich annektiert hatte. Im Oktober 1942 wurde Edith verhaftet und in die Dossin-Kaserne in Mechelen (Belgien) verschleppt. Die Kaserne liegt auf halber Strecke zwischen Brüssel und Antwerpen, heute befinden sich hier eine Gedenkstätte und ein Museum. In der Kaserne trieb die SS als jüdisch verfolgte Menschen sowie Sinti und Roma für die Deportation in die Vernichtungslager zusammen. Acht Tage nach ihrer Verhaftung wurde Edith Richtung Auschwitz deportiert und dort, wie ihr Vater, direkt ermordet.
Die Kartei aus Brüssel enthält auch Karten zu Menschen, die untertauchen oder fliehen konnten und so der Deportation entkamen.
Mitmachen ist einfach
Schon wenige Minuten am Computer oder Smartphone reichen aus, um Namen und Schicksale von NS-Verfolgten sichtbar zu machen. #everynamecounts lädt dazu ein, am größten digitalen Denkmal für die Opfer und Überlebenden der NS-Zeit mitzuwirken und gemeinsam ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.

Die #everynamecounts-Challenge auf einen Blick
- Rund 58.000 Dokumente aus dem belgischen Archivdienst für Kriegsopfer werden am Montag, den 26. Januar um 8 Uhr online gestellt
- Die Eingabe der Daten erfolgt über ein leicht verständliches, intuitiv nutzbares Tool: everynamecounts.arolsen-archives.org
- Teilnehmende können einen eigenen Account anlegen und eine Gruppe gründen, um sich gemeinsam mit Freund*innen, Familie oder Kolleg*innen zu engagieren
Über die Arolsen Archives
Die Arolsen Archives sind das weltweit größte Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.
