Der Winterberger Handelsmann als Lobbe-ist

Jetzt ist er platt, der Handelsmann am Extrablatt

Die Handelsmann-(und Frau- und Kind-) Figurengruppe heute neben dem Schrottcontainer (foto: zoom)

Als ich heute mit dem Fahrrad den steilen Weg zum Rauhen Busch hinauf fuhr, traute ich meinen Augen nicht. Eingezäunt stand dort neben dem Container des Entsorgungsunternehmens Lobbe der Winterberger Handelsmann mit Frau und Kind.

Sollte der frischgebackene Lobbe-ist nicht auf dem Marktplatz stehen?

Auf der Website der Stadt Winterberg habe ich sofort nach der Rückkehr nachgelesen:


Statue Handelsmann, Marktplatz „Untere Pforte“

Entdecke die historische Statue Handelsmann…

…das Herzstück der Altstadt am Marktplatz Untere Pforte. Einst zogen die Winterberger als sogenannte Kiepenkerle bis nach Holland, um ihr karges Einkommen mit handgemachten Holz- und Eisenwaren aufzubessern. Heute erinnert dieses beeindruckende Denkmal an den fleißigen Berufsstand vergangener Jahrhunderte. Erlebe den Kaufmann in typischer Tracht mit Hut, Mantel und schwerem Warenbündel hautnah. Der Platz ist ein lebendiger Begegnungsort mit gemütlicher Gastronomie, was ihn zu einem idealen Ausflugsziel im Sauerland macht. Schnapp dir deine Kamera, denn die Statue gilt als beliebtes Fotomotiv. Verbinde deinen Ausflug mit einem entspannten Stadtbummel und tauche in die spannende Geschichte dieser Sehenswürdigkeit in Winterberg ein.

Screenshot der Winterberger Website von heute 20.30 Uhr

„Schnapp dir deine Kamera, denn die Statue gilt als beliebtes Fotomotiv.“

Das beliebte Fotomotiv steht, wie auf dem Bild von heute Abend zu sehen ist, nicht mehr auf seinem Platz. Das „Herzstück der Altstadt am Marktplatz Untere Pforte“ sei vor ungefähr ein bis zwei Monaten abgebaut worden, sagte mir eine Mitarbeiterin der Restaurationskette.

Dort, inmitten der Außengastronomie, müsste der Handelsmann mit Frau und Kind eigentlich stehen. (foto: zoom)

Wäre ich heute nicht zufälligerweise am Lobbe-Container vorbeigeradelt und hätte sich mir in der Nachmittagshitze nicht der (müde) Kalauer vom Handelsmann als Lobbe-isten aufgezwungen, wer weiß ob ich im gastronomischen Gewusel an der Unteren Pforte das Fehlen „dieses beindruckende[n] Denkmal[s]“ bemerkt hätte.

Oder noch flacher: Jetzt ist er platt, der Handelsmann am Extrablatt.


Sind wir nicht alle ein bisschen Google: Die Beobachtung der „Unteren Pforte“ in Winterberg durch eine sogenannte Webcam.

Das sit schon ein ziemlicher Bolide im Dachfenster mit Blick auf die Untere Pforte. (foto: zoom)
Keine mickerige Webcam – das ist schon ein ziemlicher Bolide im Dachfenster vom Café Krämer mit Blick auf die Untere Pforte. (foto: zoom)

Alle fünf bis zehn Sekunden sendet die Kamera am Dachfenster von Café Krämer ein Bild der „Unteren Pforte“ in  Winterberg in das weltweite Netz. Wer sich dort aufhält, wird in einem ständigen Stream von Einzelbildern erfasst.

Die „Untere Pforte“ ist ein öffentlicher Platz, die abgebildeten Personen sollen nur Beiwerk sein. Wer sich an der „Unteren Pforte“ in Winterberg aufhält, ist also alle 5 bis 10 Sekunden lediglich Beiwerk in einem beständigen Strom von Einzelbildern.

Unter Webcams habe ich mir bisher immer diese kleinen Plastikteile am USB-Port oder die Mini-Kameras im Monitorgehäuse vorgestellt. Da war ich wohl zu naiv.

Die Kamera, die hier in Winterberg zum Einsatz kommt, hat mich im ersten Moment erschreckt, erinnert sie mich doch in Form und Größe an die Sicherheitssysteme in Großbritannien, an deutschen Kraftwerken oder an militärischen Einrichtungen.

Hier ein Bild ohne Zoom. Wer sich an der Pforte aufhält, weiß von wo Serienbilder geschossen werden.
Hier ein Bild ohne Zoom. Wer sich an der Pforte aufhält, weiß von wo Serienbilder geschossen werden.

Darf man das? Scheint so, oder? Auf Wikipedia lese ich:

Bei der Aufnahme von Personen sind die Rechte am eigenen Bild, sowie die Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten. Mit einer Webcam dürfen ohne Einwilligung der Betroffenen keine Bild- und Tonaufnahmen gemacht werden, auf denen Personen identifiziert werden können. Das gilt auch für Merkmale, welche eine Identifizierung ermöglichen. Webcams im Öffentlichen Raum unterliegen diesen Bestimmungen genauso wie solche, die lediglich innerhalb von Unternehmen oder Institutionen betrieben werden.

Um eine Webcam im öffentlichen Raum beständig zu betreiben, sollte man drauf hinweisen, dass diese keine Personen, sondern nur den sichtbaren öffentlichen Raum abbildet. Alle zu erkennenden Personen sind gemäß Kunst-Urhebergesetz § 23 nur Beiwerk.

Und so sahen die Aufnahmen heute beim Stadtfest aus. Dies ist ein Screenshot. Die Auflösung auf der aktuellen Website waren etwas schärfer.

So sah das Stadtfest heute Nachmittag auf der sogenannten Wetter Webcam aus. (screenshot)
So sah das Stadtfest heute Nachmittag auf der sogenannten Wetter Webcam aus. (screenshot)

Die Website nennt sich Wettercam-Winterberg und wird von einem CDU-Ratsmitglied betrieben. Ein Geschmäckle hat das schon, oder?