Laufend spekuliert: wie teuer wird das Oversum für Winterberg?

Beim Laufen im Schnee kommt der Mensch auch mal ins Grübeln (foto: zoom)
Beim Laufen im Schnee kommt der Mensch auch mal ins Grübeln (foto: zoom)

In den letzten drei Reden bzw. Verlautbarungen einschließlich der Ankündigung seiner erneuten Kandidatur zur Wahl des Bürgermeisters in Winterberg hat der amtierende BM Werner Eickler buchstäblich nichts gesagt, zum Thema “Oversum” gefühlt weniger als nichts.

Die Westfalenpost hatte am Dienstag von einem Dissenz des SPD-Fraktionsvorsitzenden Harald Koch und CDU-Bürgermeister Eickler über die jährlichen Zahlungsverpflichtung der Stadt für die “Schulden”rückzahlung der Stadt Winterberg berichtet. Koch hatte 800.000 Euro genannt, Eickler 655.000 berichtigt: “Die Stadt Winterberg habe im Haushalt 2014 die vertraglich vereinbarte Zahlungsverpflichtung in der Größenordnung von aktuell 665.000 Euro eingestellt.”

Wer unser Blog zum Thema “Oversum” gründlich gelesen hat und wer insbesondere die Haushalte 2013 und 2014 mit unseren Lesehilfen studiert hat, dem sind die beiden Zahlen nicht fremd:

Ausschnitt aus dem Teilergebnisplan Bäder: Schuldrückzahlung 2014 hervorgehoben (screenshot)
Ausschnitt aus dem Teilergebnisplan Bäder (S. 371): Schuldrückzahlung 2014 hervorgehoben (screenshot)

Im Teilergebnisplan für die Hallen- und Freibäder lese ich für 2014 -665.754 Euro, dort stehen aber auch die Koch’schen 800.000 Euro, exakt   -795.812 Euro.

Bei der ersten Zahl handelt es sich um die Rückzahlung der forfaitierten Schulden gegenüber der Landesbank Baden Württemberg (LBBW). Bei der zweiten Zahl offensichtlich um diese Rückzahlung plus Personalkosten.

Die 800.000 Euro sind zwar eindrucksvoller, aber die Verbindlichkeiten gegenüber der LBBW sind interessanter, denn jedes Jahr der mittelfristigen Ergebnisplanung  von 2015 bis 2017 steigt dieser Betrag um ca. 13.000 Euro.  Wenn ich annehme, dass dies so fortgeschrieben werden wird, überschlage ich einfach so: statt 650.000 nehme ich konservativ 600.000 Euro an und berechne die Summe der 13.000 Euro Verdopplung über 30 Jahre mit dem Faktor 30(30+1)/2 = 465. Also 465 * 13.000 = ca. 6 Mio.

Dann müsste ich nur noch diese 6 Mio. Zinsen auf die ca.  18 Mio (30*0,6 Mio.) addieren und käme auf einen Betrag von 24 Millionen.

Mit dem Heimfall und der Planinsolvenz der aquasphere kämen zu diesen 24 Mio. Euro noch die Schulden des Partners der Stadt Winterberg hinzu, denn es ist das Wesen der PPP-Verträge, dass sich die Kreditinstitute die Städte als Bürgen bzw. Schuldnachfolger nehmen, denn Kreditinstitute sind nicht blöde und wissen, dass die Privaten eher Pleite gehen als die Kommunen.

Diese zusätzlichen Verpflichtungen, die der Heimfall mit sich bringen wird, werden auch im Millionenbereich liegen. Um auf eine runde Zahl zu kommen, nehmen wir 6 Mio an und kommen auf insgesamt 30 Millionen Euro.  Die 6 Millionen entsprechen der Bandbreite, die ich bislang bei Gesprächen an den Theken dieser Stadt (von 4 – 8 Mio.) gehört habe. Leider habe ich bislang vergeblich nach einer Äußerung der Stadt zum Themenkomplex “Verbindlichkeiten der aquasphere” gesucht.

So bin ich beim Laufen auf eine Summe von 30 Millionen Euro gekommen, die die Stadt Winterberg über 30 Jahre zu bezahlen hätte – 1 Millionen Euro pro Jahr.

Wenn ich jetzt noch die 4,5 Millionen Euro Anfangs-Investition der Stadt hinzurechnete, läge ich bei den zuletzt in den Medien genannten 35 Millionen Euro Kosten des Oversums.

Meine Rechnung ist wackelig, aber sicher scheint mir zu sein, dass die zu Beginn von den verantwortlichen Politikern genannten 4,5 Mio Euro Investitionen plus 600.000, manchmal auch 650.000 und auch mal 700.000 Euro “Betriebskosten” im besten Fall eine falsche Botschaft an die BürgerInnen waren.

So schrieb die Westfalenpost noch am 16. Mai 2012: “Zu den 4,5 Millionen Euro an öffentlichen Geldern gesellen sich nun jährlich rund 700 000 Euro Betriebskosten hinzu.”

Am 6. September 2013 lesen wir hingegen: “finanziell kostet das Bad trotz Schließung immer noch rund 600.000 Euro jährlich. Mit diesem Geld werden aufgenommene Kredite für den Bau der Erbpachtfläche des Oversum, also u.a. das Sportbad, die Fitness-, Wellness- und Saunabereiche, die Tourist-Info und das MVZ, bedient. Klar ist also, würde die Stadt das Bad in Zukunft selbst übernehmen und betreiben, kämen zusätzliche Betriebskosten hinzu.”

Bei dem Betrag handelt es sich also nicht um “Betriebskosten”, sondern um feste Rückzahlungen, die fällig sind, egal ob das Oversum geöffnet oder geschlossen ist.

Die Betriebskosten, Personalkosten, Instandhaltungs- und Renovierungskosten, die Kosten für Rechtsanwälte und Gutachten  usw. habe ich hier nicht eingerechnet.

20 Comments
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nofretete
7 Jahre her

Das kommt daher, weil die WP offenbar immer völlig unwidersprochen alles aufschreibt, was ihr diktiert wird. Neuerdings steht ja nicht mal mehr der Verfasser des Artikels zum Oversum darunter. Wahrscheinlich weil sie eh’ im Rathaus verfasst werden. Richtig wäre doch, meiner altmodischen Ansicht nach, wenn ein Redakteur zur Recherche diesen Themas (und da gäbe es jede Menge zu recherchieren) abgestellt würde. Aber wenn der BM verfügt “geheim” dann ist es für die WP eben geheim. Und sol lesen wir weiter die interessanten Vereinsnachrichten, Termine und über Häkel-Weltmeister… Man könnte ja uch mal die NSA fragen, die wissen über das Zahlenwerk… Read more »

nofretete
7 Jahre her

Ja, da ist so manches denkbar – aber ich glaube, es wird ein “böses Erwachen” geben. Nach der BM-Wahl müssen sie ja mit der Sprache raus. Gerade im Print und gerade zu diesem Thema habe ich die Autoren-Kürzel vermisst. Es ehrt Sie, dass sie die Redakteure in “Schutz” nehmen. Aber wenn sich mein Abo lohnen soll, würde ich auch gerne umfassend über die Lokalpolitik informiert werden. Das Abo wird auch bei der Funke-Gruppe immer teurer ebenso die Anzeigenpreise…Nur derjenige der morgens die Zeitung bei Wind und Wetter austrägt für den bleibt nichts übrig – deswegen werden auch immer neue “Dumme”… Read more »

Reinhard Loos
7 Jahre her

Eine etwas genauere Rechnung:
Wenn ein Betrag von 655 TEuro jährlich um 2% steigt, sind daraus im 30. Jahr 1.163,2 TEuro geworden, 6.922 TEuro mehr als ohne die jährliche Steigerungsrate. Als Summe über die 30 Jahre ergeben sich dann 26.572,1 TEuro. Plus 6,0 Mio Euro Verpflichtungen aus dem Heimfall plus 4,5 Mio Euro Anfangs-Invest sind wir bei 37,1 Mio Euro!
Dafür hätte man viele Winterberger Freibäder sanieren können…

§reiter
7 Jahre her

Wahl hin oder her… es gibt ein laufendes Verfahren zum Oversum, bzw. Aquasphere. Ich kann das Schweigen insofern nachvollziehen. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist die Verschiebung des Prozesstermins. Bei Wäscher und Co. sollte man im Gegenteil knallhart ein Gerichtsurteil erzwingen (oder sich die Tendenz des Richters anhören), bevor man auf fadenscheinige Verhandlungsangebote eingeht.

Johanna
7 Jahre her

Wie die WP heute berichtet, sollen Skilangläufer freiwillig für die Nutzung von Loipen zahlen, denn “Loipen schneit es nicht vom Himmel” informiert Tourismusmanager Michael Beckmann die ungläubigen WP-Leser.

Wenn Winterberg Geld benötigt, wir haben weitere Vorschläge:

Gebühren für die Nutzung von Wanderwegen, Radwegen und geräumten Gehwegen. Die im Artikel angekündigten “Premium-Winterwanderwege” wären selbstverständlich etwas teurer. Bezahlen könnten Besucher und Einheimische für die gute Luft, schöne Aussicht in Wald und Wohnung sowie gebührenpflichtige Sitzbänke. Weitere Ideen?

http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-winterberg-medebach-und-hallenberg/langlaeufer-sollen-fuer-loipen-rund-um-winterberg-freiwillig-zahlen-id8931589.html

Rüdiger
7 Jahre her

@ Johanna

Wir lieben die Nordsee und verbringen jedes Jahr einige Tage auf einer der ostfriesischen Inseln … ich stelle mir gerade vor, ich müsste fürs Schwimmen im Meer eine extra Gebühr entrichten, oder es wäre nach jeder Dünenwanderung ein Obolus fällig, errechnet aus den zurückgelegten Kilometern. Na, ja, und morgendliches Joggen am Strand sollte man sich schon etwas kosten lassen … ;-((

Reinhard Loos
7 Jahre her

@Johanna:
Winterberg benötigt also Geld.
Wie wäre es denn mit kostenpflichtigen Führungen durch die stillgelegten Teile des Oversums? Nebeneffekt: Das Bad würde dann nicht in Vergessenheit geraten…

Johanna
7 Jahre her

Loos

Gute Idee, bei der Elbphilharmonie sollen die Baustellenführungen gut angenommen werden. Könnte man noch mit einer Nostalgie-Tour durch das alte Bahnhofsgebäude verbinden, jedenfalls solange er noch steht.

Johanna
7 Jahre her

Facts and Figures:

Die WP berichtet: Winterberg ist verschuldet und die Verschuldung steigt. In “diesem Jahr … auf 49,16 Millionen Euro”. Auch die Bobahn ist mit rund 2,64 Millionen Euro verschuldet. Hier ist die Stadt am Kahlen Asten zur Hälfte beteiligt. Winterberg zahlte 2012 einen Zuschuss von 343 000 Euro und 483 758 Euro in 2013.

Die Winterberger Politiker weisen auf den enormen Marketing- und Imagewert der Bobbahn hin, nach Ansicht von Andreas Piper (CDU) ist der Preis dafür jedoch zu hoch.

Und wie hoch sind die Kosten für das Oversum?

http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-winterberg-medebach-und-hallenberg/winterberger-politik-kritisiert-kostenspirale-bei-der-bobbahn-id8934953.html

Reinhard Loos
7 Jahre her

In der Haushaltsdebatte am 14.12.2013 im Kreistag hatte die SBL beantragt, dass ein Entschuldungskonzept für die Bobbahn vorgelegt werden soll. Der Antrag wurde noch nicht beschlossen, sondern verschoben.
Über die Zahlen und Daten zur Bobbahn haben wir z.B. hier berichtet:
http://sbl-fraktion.de/?p=3798
Im Kreistag hat uns die SPD bei diesem Thema noch nicht unterstützt. Vielleicht ändert sich das ja jetzt…

Interessierter Bürger
7 Jahre her

Zitat von zoom: “Die Bob-WM – Brot und Spiele in Zeiten der Götterdämmerung?” Brot und Spiele, völlig richtig. Götter sind es allerdings nicht, die da dämmern: Zu viel der Ehre für in ihrem Horizont eigentümlich begrenzte Lokalpolitiker. Ersetze also “Götterdämmerung” durch “Autoritätendämmerung”. Aber apropos Götter: Unsere Lokalpolitiker huldigen den falschen: In die Bildung unserer Kinder wären die Millionen besser investiert als in die Oberschenkelmuskulatur einiger Leistungssportler und eine der in der Gesamtrechnung defizitärsten Sportarten überhaupt. Zumal die Leistungssportler im gesponsorten Audi zum Training fahren, während die Kinder nicht nur unter schlechter Schulbusversorgung in die Dörfer leiden, sondern sogar die Schulbausubstanz… Read more »

Interessierter Bürger
7 Jahre her

Keine aktuellen Informationen, da der Nachwuchs vor einigen Jahren erfolgreich abschloss.

Themen waren damals sanitäre Einrichtungen, Schimmelgerüche, Asbestverdacht, Baustelle Flachdach, Fenster, Bestuhlung. Etc. pp. Von allein bessert sich so was nicht. Und die Stadt setzt ihre finanziellen Mittel bekanntlich lieber andernorts ein.

Einfach mal mit offenen Augen einen Spaziergang um den “Plattenbau” machen. Auf die Bausubstanz achten. Die prächtige Kommunikationsinsel bestaunen. Die stimmige Wandbemalung diverser Abiturjahrgänge goutieren.
Aber Obacht vor dem Kater vom Hausmeister: Dicke Klöten und bissig!

Marker
7 Jahre her

Offensichtlich findet am 27.03.2014 eine Gläubigerversammlung im Amtsgericht Arnsberg statt. Hier die öffentliche Bekanntmachung: Amtsgericht Arnsberg, Aktenzeichen: 10 IN 105/13 Über das Vermögen der im Register des Amtsgerichts Arnsberg unter HRB 8876 eingetragenen aquasphere Winterberg GmbH, Am Kurpark 6 – 8, 59955 Winterberg, gesetzlich vertreten durch den Geschäftsführer Manfred Gustav Norbert Wolff, 22 Malacca Street 03-02, SGP- Singapore 048980 wird wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung heute, am 31.01.2014, um 13:52 Uhr das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Eröffnung erfolgt aufgrund des am 21.06.2013 bei Gericht eingegangenen Antrags der Schuldnerin. Zum Insolvenzverwalter wird ernannt Dr. Axel Kampmann, Lissaboner Allee 1, 44269 Dortmund. Forderungen der… Read more »