‚Awesome‘ oder grausam? Trailer für die Bob und Skeleton WM 2015 in Winterberg

Kürzlich sah ich im Winterberger Kino diesen Trailer, der für die Bob und Skeleton WM in über einem Jahr wirbt.

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Video-Link: http://youtu.be/twIHnuNGxh0

Mein erster Gedanke: Den werde ich wohl noch häufiger zu sehen bekommen. „It’s awesome!“ ruft der Kommentator begeistert. Schnelle Schnitte, extreme Nahaufnahmen, dynamische und mitfiebernde Athleten. Alle wirken ein wenig hyper.

Doch plötzlich kippt ein Bob um und rutschte eine ganz Weile auf der Seite durch den Eiskanal. Werbung für den Bobsport? Schließlich kann man dabei sterben.

Das wäre ja so, als würde man Skirennen mit spektakulären Stürzen bewerben. Gut, der Bob richtet sich wieder auf, von Verletzungen sehen wir nichts. Doch ich bin irritiert. Meine Kinonachbarin auch. Fehlt uns die nötige Begeisterung für den Bobsport, oder ist dies kleine Filmchen geschmacklos?

21 Gedanken zu „‚Awesome‘ oder grausam? Trailer für die Bob und Skeleton WM 2015 in Winterberg“

  1. 48 Szenen in 47 Sekunden, also eine Durchschnittslänge zwischen den Schnitten von etwas weniger als 1 Sekunde: mehr Hektik geht kaum! Bobfahren ist zwar rasant, aber dieser Film wirkt auf mich verwirrend.
    Ruhig wird es am Schluss, wenn die großen Biergläser einer einheimischen Brauerei zu sehen sind…

  2. @Johanna:
    Seid froh, wenn ihr in Winterberg diesen Trailer noch häufiger zu sehen bekommt. Denn ihr habt ja noch ein Kino…
    So etwas fehlt uns in Brilon schon seit Jahren.

    1. Winterberg ist momentan nicht zu beneiden. Die fortdauernde Hängepartie rund um das Oversum. Der grüne Start in die Wintersaison. Keine Alternative zum Skitourismus. Die Weltmeisterschaften müssen auf Gedeihen und Verderben beworben und vermarktet werden.

  3. @Zoom
    Gibts denn wenigstens noch ein paar kostenlose Parkplätze? Vielleicht beim Oversum? Oder mischen da auch schon private Knöllchen-Damen das trostlose Gelände auf?

  4. @Zoom:
    „auf Gedeih und Verderben“, koste es was es wolle.
    Die Verschuldung der Bobbahngesellschaft steigt nach den Wirtschaftsplänen, die dem Kreistag vorgelegt wurden, von 1.846 T€ zum Jahresende 2012 um etwa 800 T€ auf 2.637 T€ zum Jahresende 2014, also in nur 2 Jahren. Falls es „ungeplante“ Kostensteigerungen geben sollte, könnten die Schulden noch mehr steigen.
    Laut Vermögensplan ist „die Rückführung der Darlehen“ „durch die zukünftigen Investitionskostenzuschüsse der Gesellschafter geplant“.
    Die Gesellschafter HSK und Stadt Winterberg leisten pro Jahr einen Investitionszuschuss von 204 T€. Selbst bei der unrealistischen Annahme, dass in den nächsten 13 Jahren keine einzige Investition mehr stattfindet, würde es bis zum Jahr 2027 dauern, bis die Verschuldung abgebaut ist. In der Zwischenzeit würden die Betriebsergebnisse mit insgesamt ca. 600 T€ an Zinszahlungen belastet. Faktisch ist der Abbau der Verschuldung nicht absehbar.
    Außerdem gibt es ein jährliches Defizit bei den Betriebskosten in Höhe von ca. 800 T€.

  5. „Das wäre ja so, als würde man Skirennen mit spektakulären Stürzen bewerben. “

    Darin dann zwecks Entschleunigung unbedingt mittenmang ne Sequenz „Die Entdeckung der Langsamkeit – Kanzlerin in Loipe“ einmontieren.

    „… oder ist dies kleine Filmchen geschmacklos?“

    Nur „geschmacklos“ ist fast ein Kompliment. Der Clip ist handwerklich und inhaltlich grottenschlecht gemacht.

  6. @ gp

    Betrachte man nur mal die Formel 1 (ein Spektakel, dass ich persönlich zutiefst ablehne): wo am Ring befinden sich die meisten Fans? Da, wo es am ehesten knallt, in der Kurve, wo die Boliden absegeln. (Gilt natürlich auch für alle andere Arten des Motorsports). Der Zuschauer ist auch Voyeurist, sucht die Sensation. Ein stürzender Bob ist halt aufregend und bedient die Sensationsgier. Insofern kann ich die Sequenz aus dem Clip nachvollziehen, obgleich eine gewisse Geschmacklosigkeit nicht wegzureden ist. Und ich stimme hundertprozentig zu: „Der Clip ist handwerklich und inhaltlich grottenschlecht gemacht.“ Wer hat das produziert? Sicherlich nicht renommierte Kreativ-Profis mit Erfahrung und Kompetenz auf diesem Gebiet. Ein wirklich fader Clip mit viel zu vielen Schnitten …

  7. Es stimmt. Der Film ist wirklich schrecklich. Und das obwohl man gerade in und um den Eiskanal so tolle Bilder kriegen kann. Bei den Herrschaften ist wirklich immer gute Stimmung und es sind super Typen dabei. Wie sagte doch der neue Trainer, der zum ersten Mal an der Winterberger Bobbahn war: „Hier in Regenberg…“. Ich habe heute die ersten Frühblüher gesehen. Gute 5 cm sind sie draußen. Und die Ziege eines befreundeten Bauern hat heuer kein Winterfell bekommen… Das lässt nichts Gutes ahnen.

  8. @ nofretete

    Du sagst: „Und das obwohl man gerade in und um den Eiskanal so tolle Bilder kriegen kann. Bei den Herrschaften ist wirklich immer gute Stimmung und es sind super Typen dabei.“
    Genauso ist es. Imposante Motive, eindrucksvolle Szenerie und vor allem interessante Typen gäbe es reichlich an Bobbahn, Kappe und Umgebung. Das Archiv hätte man auch bemühen können. Und warum eigentlich nicht ein Clip von wenigstens zwei Minuten? Und diese IRRE vielen cuts, hat da jemand den Trailer im Après Ski-Delir geschnitten, ääh … verstümmelt?

  9. Naja, das ist ein Teaser und kein Dokumentarfilm. Er soll in kurzer Zeit die Dynamik und Emotionen des Bob/Skeletonsports zeigen und das gelingt ihm gut. Ua. auch durch das Einbinden der Sturzszene, die ja gerade dadurch spannend wird, dass der Bob seine Fahrt fortsetzen kann.
    „Schnelle“ und „viele“ Schnitte ist immer relativ; es geht noch schneller oder eben mit anderem Rhytmus aus langsamer. Ich find‘ den Spot okay…

  10. Ich weiß auch nicht was an dem Teaser so schlecht sein soll. Er vermittelt letztlich in kürze genau das was die Formel 1 des Wintersports zu bieten hat. Spannung, Action und die unfassbare Freude an diesem Sport, sei es durch Zuschauer oder durch die Sportler selbst. Ich hab schon schlechtere Trailer gesehen, von daher find ich den richtig gut ;)

    (Nicht soviel Aufregen sondern erstmal selber hinbekommen, woll !?)

  11. @Winterberg gegen RVL

    Das ist eben alles Geschmackssache. Meiner ist es nicht. Mir ist das viel zu brutal und zu hektisch. Keine zehn Pferde würden mich dahin kriegen. Aber jeder nach seiner Fasson …

  12. Ich sags ja auch nur. Das Bobs schonmal umkippen gehört eben zum Sport dazu. Genau wie bei Rallys Autos umkippen können, wenn se zu schnell durch die Kurve fahren. Aber deswegen gleich alles als Geschmacklos zu betiteln finde ich persönlich lächerlich. Wer dagegen ist soll doch einfach zum Golfen gehen ;)

    1. @§reiter und @Winterberg gegen RVL:

      Ja, das Golfspielen: http://www.schiebener.net/wordpress/?p=24571

      Und dann die Welt am 4.7.2012: „Warum Golf zu den risikoreichsten Sportarten zählt – Jährlich kommen 4500 Menschen auf Golfplätzen ums Leben, Golf gehört damit zu den Top Ten der risikoreichsten Sportarten.“ ;-)

      http://www.welt.de/sport/golf/article107808511/Warum-Golf-zu-den-risikoreichsten-Sportarten-zaehlt.html

      Der Bobsport hingegen:
      In den 20 Jahren von 1951 bis 1971 kamen mindestens zehn Sportler in Bobs um, darunter auch der deutsche Meister Anton Pensperger.

      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44915053.html

      Das sind also 1/2 tote Sportler pro Jahr beim Bobsport gegen 4500 Tote beim Golfspielen.

      Da führe ich doch lieber Bob :-))))))

      P.S. Klasse, was man mit Statistik alles machen kann …

  13. Mit Hilfe dieses Videos versucht der einzige indische Olympiateilnehmer Shiva Keshavan Geld für seine Teilnahme im Rodeln einzuwerben. Nebenbei zeigt das Filmchen auch Möglichkeiten, ohne Schnee und Eiskanal zu rodeln. Eine Perspektive für Winterberg?
    Viel Spaß!

    http://gu.com/p/3mx75

  14. In Sachen Bob-Sport gibt es auch positives zu berichten – die folgenden interessanten Ausführungen habe ich eher zufällig bei http://www.queer.de gefunden:

    Sotschi: Homo-Gruppe sponsert australische Bobfahrer

    Australische Wintersportler wollen in Russland öffentlich zeigen, dass sie mit dem Gesetz gegen Homo-„Propaganda“ nicht einverstanden sind.

    Das australische Bob-Team hat am Montag bekannt gegeben, dass die LGBT-Gruppe „Principle 6“ der offizielle Sponsor für den Rest der Wintersportsaison sein wird. Alle australischen Bobfahrerinnen und Bobfahrer werden etwa bei Weltcuprennen das Logo der Organisation tragen, die sich gegen homofeindliche Gesetze in Russland einsetzt.

    „Principle 6“ wurde erst vor einem Monat von den beiden LGBT-Gruppen „Athelte Ally“ und „All Out“ gegründet. Zum ersten Mal wird das Bob-Team bei einem Weltcuprennen diese Woche im amerikanischen Lake Placid das Logo tragen. Für das Sponsoring müssen die Homo-Aktivisten nur einen symbolischen Betrag an die Bobfahrer-Organisation überweisen.

    „Wir sind gegen Diskriminierung im Sport. Das bedeutet auch, dass wir Diskriminierung von schwulen und lesbischen Sportlern verurteilen“, erklärte Heath Spence, der Kapitän der australischen Bobmannschaft. Spence sagte weiter, dass einige der „loyalsten Unterstützer“ seines Teams homosexuell seien. „Die haben uns unterstützt, also wäre es heuchlerisch, wenn wir nicht dasselbe tun“. Er sei „stolz“ darauf, dass seine Mannschaft für gleiche Rechte kämpfe.

    Bereits vergangenen Monat hatte die lesbische australische Snowboarderin Belle Brockhoff angekündigt, während der Olympiade Outfits mit dem Logo und Botschaften von „Principle 6“ zu tragen.

    Gegen Putin-Propaganda

    LGBT-Aktivist Brian Ellner von „Athlete Ally“ erklärte, das Sponsoring solle verhindern, dass die Spiele zu einer Propagandaveranstaltung von Präsident Wladimir Putin werden: „Während Putin versucht, seine Schokoladenseite vor der Eröffnungsfeier zu zeigen, ist es sehr wichtig, dass wir auf die grauenhaften homophoben Gesetze in Russland aufmerksam machen“, so Ellner. Es sei vielversprechend, dass sich inzwischen viele Wintersportler in aller Welt gegen Diskriminierung ausgesprochen hätten.

    In der IOC-Charta ist festgelegt, dass „jede Form der Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Geschlecht oder aus politischen und sonstigen Gründen“ verboten sei.

    Vor einem halben Jahr hat Russland das Gesetz gegen Homo-„Propaganda“ eingeführt, das es untersagt, sich in der Öffentlichkeit positiv über Schwule und Lesben zu äußern (queer.de berichtete). Homosexuelle Sportler haben das Internationale Olympische Komitee (IOC) bereits dafür kritisiert, dass es nicht genug tue, um schwule und lesbische Sportler zu schützen. Die frühere Tennisspielerin Martina Navratilova und der Basketballprofi Jason Collins erklärten etwa, das IOC stecke seinen „Kopf in den Sand“ (queer.de berichtete). (dk)

  15. Wie sollen die schon trainieren? Auch nicht anders als wir im Sommer. Die haben da in Australien auch ihre Sommer-Anschub-Strecken. Im Winter gehts dann ganz normal in den Eiskanal.

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