Wahlplakate VI: Einer von uns – das Paralleluniversum

"Einer von uns" notiert sich etwas. (foto: zoom)
„Einer von uns“ notiert sich etwas. (foto: zoom)

Das Wahlplakat von Patrick Sensburg (CDU) hat mich ratlos gemacht. Was ist gemeint, wenn es heißt: „Einer von uns“?

Das Werbemittel ist offensichtlich ein CDU-Wahlplakat. Also sagt die CDU, dass Patrick Sensburg einer von ihnen sei.

Aber das weiß ich doch. Sonst würde der Mann doch nicht für die CDU kandidieren.

Das löste eine Assoziation aus. (bild: wikipedia commons)
Das löste eine Assoziation aus. (bild: wikipedia commons)

Was er sich aufschreibt, während er mich vom Plakat aus betrachtet, fällt mir schwer zu erahnen.

Inhalte kann ich dem Plakat nicht entnehmen.

Die Pose von Sensburg hat bei mir eine Assoziation ausgelöst, die dann bei Holbeins Erasmus von Rotterdam (siehe links) endete.

Viele Menschen werden Patrick Sensburg auch wegen dieser schönen Pose wählen.

Da ich kein Mitglied der CDU bin, kann ich nicht sagen: „Einer von uns“.

Patrick Sensburg ist gegen den gesetzlichen Mindestlohn. Das reicht aus, ihn für mich unwählbar zu machen.

Die Westfalenpost macht heute, zwei Tage vor der Wahl, redaktionelle Wahlwerbung für Patrick Sensburg. Ein breites Bild auf der Hauptseite des Lokalteils mit dem Kandidaten in der üblichen Pose neben anderen wichtigen Männern der CDU. Der letzte Satz in der Bildbeschreibung: „Es kommt auf jede Stimme an!“

Der Facebook Seite von Patrick Sensburg entnehme ich, dass er unter vielen „Interessen und Sonstiges“ auch „Opus Dei“ aufgeführt hat. Innerhalb der katholischen Kirche gelte das Opus Dei, so der Berliner Tagesspiegel im April, als reaktionäres Schreckgespenst außerhalb als Geheimbund.

Patrick Sensburg, soweit sage ich es mal für mich, ist politisch nicht einer von uns. Er werkelt in einem Paralleluniversum oder wie es einer unserer Leser als Collage darstellt:

Wer sind eigentlich diese "uns"? (fotomontage: ibanozzie)
Wer sind eigentlich diese „uns“? (fotomontage: ibanozzie)

9 Gedanken zu „Wahlplakate VI: Einer von uns – das Paralleluniversum“

  1. Was er sich aufschreibt, während er mich vom Plakat aus betrachtet, fällt mir schwer zu erahnen.

    Mal Lob der Torheit (Laus stulticiae) lesen, wird er sich vermutlich nicht notieren …

    Mit dieser – Thomas Morus gewidmeten – Satire entgegnete Erasmus v. Rotterdam 1509 mit Spott und Ernst tief verwurzelten Irrtümern und trat für vernünftige Anschauungen ein.

  2. herrlich, dieses bild von erasmus! ein wunderbarer schlüssel für die interpretation des sensburg-plakats.

    was mag sich der kandidat nur aufschreiben? und was sagt dieses astrale grinsen? ein alien? ist er für oder gegen uns?

    wir verstehen, die cdu-ortsgruppe muss dazu versichern: das ist tatsächlich einer von uns. habt vertrauen! bitte weiterwählen!

    unser cdu-kandidat im wahlkreis nordfriesland wird im selben plakatstreifen beworben mit: „stark für die küste“. man kann ihn also bei sturmflut in den deich stopfen.

  3. Ich hab ihn heute gesehen – allerdings wieder nur dieses Foto auf einem schwarzen Mini mit Münchener Kennzeichen geklebt, den die JU Hochsauerland durch die Gegend fährt.
    „Opus Dei“ sehr interessant. Da dürfte ihn das aktuelle Interview vom Papst schrecken. Die Wahlmanipulationen sind ja sehr zahlreich. Heute die BILD kostenlos im Zeitungsrohr. Ebenso erschreckend – darin Werbung von Deutscher Bank, Deutsche Vermögensberatung, irgendein Markt vergibt „Wahlgeld“´, wenn man bei ihm einkauft…etc. Und Kai Diekmann als Krönung. Zur Axel-Springer-Zentrale ungelesen zurückgeschickt. Es reichte mir schon, dass private Krankenkassen vor der Bürgerversicherung und Rot-Grün gewarnt haben. Wir haben die Wahl – auch bei der Auswahl von Lektüre.

  4. @tino und Johanna: „und was sagt dieses astrale grinsen“

    Man muss sich Holbeins Erasmus und die Mona Lisa zusammendenken, um die Pose letztendlich zu entschlüsseln.

    http://www.schiebener.net/wordpress/wp-content/uploads/2013/09/MonaLisa.jpg

    @nofretete:
    Deshalb habe ich unter anderem auch schon lange per Briefwahl meine zwei Stimmen abgegeben. Ich finde, Wahlkampf gehört zur Wahl dazu. Es ist eine Zeit der intensiveren Diskussion und Auseinandersetzung möglich. Soweit das Positive. Die Offensive von u. a. Springer (BILD) und Funke (Westfalenpost, WAZ, Abendblatt usw.) nervt mich mehr als dass sie mir Erkenntnisse lieferte.

    Ich hatte schon überlegt gehabt, die Westfalenpost zu abonnieren, aber die letzte „Sensburg“-Offensive hat mich wieder abgeschreckt.

  5. Die WP zu abonnieren – davon kann ich nur abraten. Ich persönlich ärgere mich jeden Morgen und bin froh, dass noch ein paar Leserbbriefe abgedruckt werden, die in etwa die Meinung der Bürger in dieser Stadt widergeben. Außerdem freue ich mich, dass ich in Winterberg „SZ“ und „Die Zeit“ im Bücherladen bekomme.

  6. Als ich in meiner Jugend (welch‘ eine Phrase) Zeitung lesen lernte, gab es die wichtigen und unwichtigen Tages-, Wochen- und Monatszeitungen in der Bücherei zu lesen.

    Das war dann so eine Art Papier-Internet. Die Flatrate war der Bibliotheksausweis.

    Wer sich auf eine Zeitung beschränkt, ist doch beschränkt.

    Das gilt heute genau so wie damals, in der Vor-Internet-Zeit.

    Leider gibt es in Winterberg keine Bibliothek. Aus Gründen :-(

    Meine Bibliotheksbedürfnisse muss ich also in Olsberg und Dortmund befriedigen, wobei Dortmund die erste Adresse ist.

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