Erklärung des Winterberger Rats zum Oversum: „Rechte wahren und das Objekt in gute Bahnen lenken. Winterberger Rat zieht Heimfallanspruch.“

Rathaus Winterberg
Das Rathaus in Winterberg. Hier fand am Dienstag die nicht-öffentliche Sitzung zur „Oversum-Pleite“ statt. (foto: zoom)

Das Oversum Schwimmbad ist seit über acht Wochen geschlossen. Betreibergesellschaften gehen in die Insolvenz. Am Oversum scheint das reinste Chaos zu herrschen. 

Am Dienstag fand eine nicht-öffentliche Sitzung des Winterberger Rats zum Oversum statt. Heute hat der Winteberger Rat auf seiner Website eine Erklärung abgegeben.

Dort heißt es (Bindestriche korigiert):

„Im Ergebnis seiner Sondersitzung am 3. Juli hat der Rat einstimmig entschieden, den Heimfallanspruch für den Bereich des Erbbaugrundstückes am Oversum-Objekt geltend zu machen. Heimfall heißt: Die Stadt Winterberg erhält das Erbbaurecht zurück und wird damit wieder Besitzerin des linken Gebäudeteiles.“

Dazu gehöre das Sport- und Bewegungsbad, die Sauna, Wellness, Fitness, das Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) und die Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH (WTW) sowie die gesamte Haustechnik.

Seit dem 1. Mai erfülle die Objekteigentümerin aquasphere ihre vertraglich vereinbarte Betriebspflicht des Badbereiches nicht.

Es gelte, das an sich gute Geschäftsmodell mit Leben zu erfüllen (s.u.).

Der Rest als Vollzitat:

„Die Stadt Winterberg war immer an Verhandlungsoptionen interessiert und auch in den vergangenen Wochen war immer eine Verhandlungslösung das Ziel der Stadt. Allerdings wurden seitens der aquasphere zugesagte Kostenszenarien und Budgetpläne nicht vorgelegt und Verhandlungstermine nicht eingehalten oder kurzfristig abgesagt, so dass bezweifelt werden muss, ob die aquasphere wirklich an einer Verhandlungslösung interessiert ist.

Nachdem Herr Krall (Jurist und Berater der aquasphere) die vertragliche Betriebspflicht der aquasphere öffentlich zunächst mehrfach betont hat, hat er dies später mit nicht haltbaren Argumenten anders dargestellt. Inzwischen wird der Badbetrieb entgegen der vertraglich klar geregelten Verpflichtung seit mehr als 8 Wochen von aquasphere nicht erfüllt. Nun geht es darum, die Rechte der Stadt Winterberg zu wahren. Es gilt, nicht weiter wertvolle Zeit verstreichen zu lassen, um das Gesamtobjekt wieder in gute Bahnen zu lenken. Ein schneller Heimfall erleichtert auf allen Ebenen, Lösungen für Nachfolgestrukturen zu erarbeiten.

Die Stadt Winterberg stellt sich dieser Herausforderung, Rat und Verwaltung stehen zum Oversum und wollen den Heimfall möglichst bald durchsetzen. Wenn also aquasphere und damit die verantwortlichen Personen, Herr Wolff und Herr Wäscher, schon ihrer Betriebs-pflicht nicht selbst nachkommen, sind sie jetzt aufgerufen, den Heimfall zugunsten der Stadt Winterberg zumindest nicht zu blockieren. Ansonsten, das hat der Rat ebenfalls beschlos-sen, wird die Stadt sofort den Klageweg zur Erreichung des Ziels beschreiten. Bei so einem Verhalten der aquasphere würde das Bad voraussichtlich über Monate hinweg für Bürger, Schüler, Gäste und Vereine nicht geöffnet werden können. Für diesen Fall wird die Stadt Winterberg Ausweichalternativen für das Schul- und Vereinsschwimmen organisieren. Mit den Schulen und Vereinen steht man im Gespräch und das privat betriebene Hallen- und Freibad in Siedlinghausen steht ebenfalls zur Verfügung.

Ein weiterer Weg zu einem Heimfall könnte sich auch über das von aquasphere selbst bean-tragte Insolvenzverfahren ergeben. Allerdings gibt das Gesetz dem Insolvenzverwalter/dem Insolvenzgericht viele Verfahrensschritte vor, die einzuhalten sind. Im Regelfall zieht sich so ein Insolvenzverfahren über Monate hin, so dass ein Heimfall über diesen Weg auch länger dauern wird.

Fest steht: Die Stadt Winterberg wird ihren Focus darauf legen, so schnell wie möglich mehr Einfluss beim Oversum zu bekommen. Es gilt, das an sich gute Geschäftsmodell mit Leben zu erfüllen.“

31 Gedanken zu „Erklärung des Winterberger Rats zum Oversum: „Rechte wahren und das Objekt in gute Bahnen lenken. Winterberger Rat zieht Heimfallanspruch.““

  1. Nicht nur die Nachrichten im Zusammenhang mit dem Oversum überschlagen sich, auch die Sprache der Rates wirkt zunehmend gehetzt. Die Verantwortlichen wissen wohl selbst nicht mehr so genau, was zu tun ist.

    Der Rat hat beschlossen, „sofort“ den Klageweg zu beschreiten, wenn Herr Wäscher den Heimfall zugunsten Winterbergs blockieren sollte.

    Wer ist Akteur, wer ist Getriebener?

    „Bei so einem Verhalten der aquasphere“, heißt es weiter unten, „würde das Bad voraussichtlich über Monate hinweg für Bürger, Schüler, Gäste und Vereine nicht geöffnet werden können.“

    Bei welchem Verhalten? Wenn die Aquaspere das Bad nicht betreibt? – Tut sie nicht. Wenn sie einen Heimfall an die Stadt „blockiert“? Was heißt eigentlich „blockiert“? Was wurde ausgehandelt?

    „Für diesen Fall wird die Stadt Winterberg Ausweichalternativen für das Schul- und Vereinsschwimmen organisieren. Mit den Schulen und Vereinen steht man im Gespräch und das privat betriebene Hallen- und Freibad in Siedlinghausen steht ebenfalls zur Verfügung.“

    Ganz toll. Schon jetzt werden Schüler der zukünftigen Sportschule NRW mit Bussen zum Lehrschwimmbecken in Siedlinghausen gefahren. Die Kosten für den Transfer dürften zu den rund 700000 € Miete bzw. Betriebskosten jährlich (darüber sind sich die Vertragspartner ja auch nicht einig) hinzukommen.

    An den wenigen heißen Tagen dieses Sommers soll das Freibad Siedlinghausen übrigens völlig überfüllt gewesen sein.

    Es ist doch ein Fiasko, was da passiert! Dennoch beschließt der Rat seine Erklärung „einstimmig“ und will weiterhin „das an sich gute Geschäftsmodell mit Leben (..) erfüllen“, frei nach dem Motto: Augen zu und durch.

  2. So und jetzt sind die heißen Tage da und der Hillebachsee bietet einen traurigen Anblick – so ohne Wasser und Buddelei. Es ist davon auszugehen, dass der „heiße Sommer“ in diesen Gefilden nicht bis Anfang Oktober dauern kann :). Was sollen eigentlich Familien im Sommerurlaub bzw. in den Ferien in Winterberg unternehmen ?
    Ach, deswegen sind wohl auch keine da.

  3. @nofretete
    So treibt man die Gäste langsam aber sicher nach Willingen, Bad Fredeburg oder Olsberg. Übrigens trifft man auch viele Winterberger Bürger in den Saunen der vorgenannten Orte, kein Wunder bei diesen bleib-bloß-weg-Preisen im Oversum!

  4. @nofretete und @Marker:

    Leider kenne ich mich mit Saunen und Anwendungsbädern nicht aus, aber ich denke auch, dass Olsberg und auch Siedlinghausen vom Zusammenbruch der Bäderinfrastruktur in Winterberg profitieren.

    Willingen war und ist sowieso eine eigene Liga und wird von der ersatzlosen Liquidation der Winterberger Eislaufhalle profitieren.

    Winterberg und seine Großprojekte – ich erinere mich noch an das große TamTam mit dem der Umbau der Sprungschanze gefeiert wurde. Zusätzlich sollte der Bereich im Auslauf zur großen Event-Arena werden. „Ein Top-Highlight“, so damals BM Eickler.

    Heute sieht man: alles heiße Luft.

    Schon damals habe ich mich gefragt: Warum schaffen es die Willinger und nicht die Winterberger. So richtig „schön“ ist es in Willingen doch eigentlich nicht.

    Heute ist Winterberg die höchstverschuldete Kommune im HSK, und ich frage mich, warum die Kommune nicht vom Wintersport profitiert. Irgendwie scheinen die Gulden und Ruhrgebietstaler am Stadtsäckel vorbeizulaufen. Grübel, grübel …

    Ich schweife ab. Zurück zum Thema.

    „Was sollen eigentlich Familien im Sommerurlaub bzw. in den Ferien in Winterberg unternehmen?“

    Gute Frage! Als ich noch nicht in Winterberg wohnte, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, hier Sommerurlaub zu machen. Aber da müsste man mal die aktuellen Sommergäste nach ihren Erwartungen befragen.

    Zum Hillebachsee: habe den Kommentar zum Anlass genommen, heute dort vorbeizuschauen. Werde das Bild gleich hochladen.

  5. Um mal wieder die alten Lateiner zu zitieren:

    Abyssus abyssum invocat.

    Frei übersetzt: Eine Dummheit folgt der anderen.

    Die Forcierung des Heimfalls ist die nächste große Dummheit, die Rat und Verwaltung begehen.

  6. NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans soll sich 2011 anläßlich seines Besuchs der Oversum Baustelle folgendermaßen geäußert haben:

    „NRW-Finanzminister Dr. Walter-Borjans betonte, den Fortgang des Projekts mit Interesse weiter zu verfolgen. Er empfahl, dass sich möglichst viele Vertreter der Kommunalpolitik selbst ein Bild von dem Projekt machen sollten. sab plant bereits für das Frühjahr 2012 eine ÖPP Konferenz in Zusammenarbeit mit der NRW Task Force, die in der neu geschaffenen Kultur- und Kongresshalle stattfinden soll. Dass dieses für die Zukunft Winterbergs so wichtige Impulsprojekt bereits 70 Mio. Euro Folgeinvestitionen ausgelöst habe, sei eine beachtliche Leistung, erklärte Dr. Walter-Borjans. “ http://www.kommunaldirekt.de/content/1magazin/archiv/2011/2011_05/finanzen/02.html

    Die NRW PPP Task Force gehört zum Finanzministerium, Leiter der Task Force ist Walter-Borjans.
    http://www.ppp-nrw.de/allgemein/navi/impressum.php

    Winterberg und das Oversum finden sich nicht (mehr?) auf den Seiten der Task Force, seinen Vorbildcharakter hat das Projekt vermutlich inzwischen eingebüßt.

    Der noch immer amtierende Finanzministers hat also bereits 2011 70 Mio. Euro Folgeinvestitionen gesehen. Es wäre interessant zu erfahren, an welchen Stellen der Minister für Finanzen, der in seiner politischen Karriere immer elegant zwischen öffentlichem Amt und privater Wirtschaft changierte, diese Folgeinvestitionen beobachtet hat.

  7. SPD-Kader scheinen im PPP-Netzwerk nicht unwesentliche Positionen zu haben. Führend verflochten der ehemalige Verteidigungsminister Scharping und nun in NRW Finanzminister Borjans. Mich würde auch interessieren, wie er damals auf die 70 Mio gekommen ist.

    Durch sein politisches Handeln und die Äußerungen in Bezug auf das Oversum, rückt er in den Kreis derer auf, die die Winterberger Lokalpolitiker in ihrer Hybris bestärkten.

    Ja – wie sollen denn da die Winterberger Genossen misstrauisch werden, wenn ihre eigenen Genossen in Land und Bund PPP propagieren?

    Ein weiterer führender PPP Propagator ist nach Angaben der Financial Times Deutschland ein gewisser Peer Steinbrück: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:peer-steinbrueck-im-bett-mit-den-banken/70102545.html

  8. @ Johanna:

    Da haben Sie tatsächlich interessantes Material ausgegraben. Aushebelung der Budgethoheit, vom NRW-Finanzminister für salonfähig erklärt: Bemerkenswert! Das dürfte die Lobbyisten ein paar Euro gekostet haben.

    Aber es passt ja leider ins Bild dieser Person, wenn man nur mal an die seriell begangene Hehlerei und die Anstiftung zum Diebstahl beim Ankauf gestohlener Steuerdaten-CD’s denkt.
    Es wird immer offenkundiger, dass wir den Begriff „Rechtsstaat“ weicher definieren oder gleich streichen und durch „Unrechtsstaat“, crony capitalism, Neofeudalismus o.ä. ersetzen müssen.

    @ zoom:

    Ihre Ausführungen sind absolut zutreffend. Um das Gesamtbild um eine wesentliche Facette zu bereichern: Schröder war als Kanzler der Türöffner der PPP-Branche in Deutschland. Schrieb dazu schon an anderer Stelle.

    Damit setzen sich die maßgeblichen politischen Steigbügelhalter der PPP-Branche in Deutschland nahezu ausschließlich aus SPD-Kadern zusammen. Es ist mir vollkommen unverständlich, warum ausgerechnet die SPD als „soziale Arbeiterpartei“ eine Truppe von Finanzjongleuren und Investmentbankern protegiert, die nicht Steuerzahlerwohl und „den kleinen Mann“, sondern ausschließlich rent seeking im Sinn haben.

    Erklären kann ich mir das nur mit der Grundtendenz in dieser Partei, das Geld des Steuerzahlers mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen. Lästige (staats-)rechtliche Restriktionen wie z.B. die Budgethoheit will man offenbar so aushebeln. SPD: Sichere Pleite Deutschlands

    Und weil ich keiner Partei das Wort reden will: Die CDU ist keinesfalls besser. Auch sie will uns in einer Schuldenknechtschaft unterjochen. Ihr Mittel wiederum ist die alternativlose Euro- und Bankenrettung.

    Im Ausland lacht man sich berechtigterweise über uns schlapp, beispielsweise hier:
    http://www.aargauerzeitung.ch/ausland/mit-diesem-wahlplakat-fuehrten-merkel-und-co-die-deutschen-1999-hinters-licht-125068317

    Zeit für eine Revolution!

  9. Das fand ich bemerkenswert: „Eine Dummheit folgt der anderen.“ Bin nicht so gut in Latein, deswegen in deutsch.
    Morgen also die nächste Bürgerversammlung im „Oversum“. Thema: das selbige. Komisch, ich hatte nichts im Briefkasten… Meine Nachbarn auch nicht. Die wissen es jetzt von mir und dank dieser Seite. Ein Nachbar meinte: „Warum schreiben die das nicht in die Zeitung.“ Schulterzucken meinerseits – soviel zur freien Presse. Und die Nachbarn wollen auch kommen. Wir werden wohl nichts Neues und nichts Positives erfahren. Aber wie heißt es so schön: Dabei sein ist alles. Kleiner Tipp an das Hotel „Oversum“ -zeigen Sie sich gastfreundlich…

  10. @nofretete
    Halt, Stopp!!! Ich weiß nichts von einer erneuten Versammlung zum Thema Oversum. Wenn es keine Versammlung gibt, kann es auch keine Infos im Briefkasten geben. Einige Kommentare bezogen sich auf die letzte Bürgerversammlung. Es gibt meines Wissens als letzte Information die Verlautbarung des Rats zu den Ergebnissen der nicht-öffentlichen Sitzung vom Dienstag letzter Woche.

  11. @zoom
    Danke. Ich sag den Nachbarn bescheid. Hab ich wohl was missverstanden. Trotzdem ist unmissverständlich, dass sie dieses „Ding“ nicht hinter verschlossenen Türen stemmen können.
    Na ja, und mit der Gastfreundschaft für ein „4-Sterne plus- Haus“ hab ich auch recht.
    Jetzt radel ich zum Hillebachsee und springe in die „Badebucht“! :)

  12. @ nofretete:

    Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Den Waltenberg hoch, auf Höhe des Hubertushofs rechts ab in Richtung Büretal und gegenüber von Ussas Hütte bzw. Quicks in den Beschneiungsteich springen. Angenehm temperiert! Alternativ ein paar hundert Meter weiter in den Ahlener Teich. Doch Obacht, die Enten dort sind bissig.

    War übrigens gestern dort unten und musste an @zooms Bemerkung zur Eventarena im Auslaufbereich der Sprungschanze denken. Auch ich erinnere noch die hochtrabenden Pläne. Realität aber sind zwei längliche Stehflächen mit Stahlrohrgeländer, Werbetafeln und Unkraut. Eine Eventarena sieht wohl anders aus. Sowieso ist das ganze Büretal mit unansehnlichen, rein zweckorientierten Bauwerken verschandelt. Einzig den Erbauern des Quicks kann man ein ästhetisches Gespür und architektonisches Bemühen bescheinigen.

    Vor dem Hintergrund der Bemerkungen von @zoom fällt auch mir auf, dass man in Willingen offenbar unternehmerisch denkt und Geld verdient, während man sich in Winterberg nur auf „imposant bauen“ versteht und sich Sport- wie Renommierbauten meist schon nach kurzer Zeit als Millionengräber erweisen. Der Wille (und/oder die Fähigkeit) zur profitablen Bewirtschaftung des eigentlich so potenten Wintersport- und Tourismusstandorts Winterbergs fehlt der Verwaltung offenbar völlig.

  13. Ich finde es verdammt traurig, dass es in Winterberg so weit kommen muss. Ein inzwischen über 10 Wochen geschlossenes Hallenbad … ein absolutes Armutszeugnis! Daneben gammelt das tolle Freibad vor sich hin, mittlerweile ist mir zu viel schief gelaufen…

    Naja, meine 10-er Karte werde ich wohl wegschmeißen, mich wird im Oversum-Hallenbad so schnell niemand mehr sehen, falls es mal wieder in Betrieb geht.

  14. @Nofretete

    So sehe ich da ebenfalls. Ich habe die ganzen Eröffnungen miterlebt und jedesmal kam nur eine Bauchlandung dabei heraus.

    Die Politiker-Reden hättest Du damals hören müssen. Alles „Top-Highlights“ ;-)

    Meine Vermutung: ein paar wenige Menschen verdienen in Winterberg richtig viel Geld mit dem Ski-Karussel und bestimmen die Politik des Rates in ihrem Sinn. Anders kann ich mir als Außenstehender dieses Hecheln nach Fördergeldern für irgendwelche Anlagen ohne Nachhaltigkeit nicht erklären.

    Nur so erklärt sich für mich auch, warum es in Winterberg keine soziale(!) Basis für eine andere Politik zu geben scheint.

    Ich wäre wirklich dankbar für eine andere Erklärung.

    @Leon R.

    „Naja, meine 10-er Karte werde ich wohl wegschmeißen, mich wird im Oversum-Hallenbad so schnell niemand mehr sehen, falls es mal wieder in Betrieb geht.“

    Nicht wegschmeißen! Habe auch noch einen Punkt auf meiner Karte. Wenn das Bad wieder öffnet, müssen wir dabei sein.

    Sonst kaufe ich Dir deine Karte ab.

    Allerdings muss ich dann noch sehen, wie die Öffnungszeiten sein werden. Abends bis 21 Uhr fand ich persönlich sehr gut.

    War jetzt ein paar Mal in Siedlinghausen und Olsberg. Bei schönem Wetter ist Siedlinghausen richtig voll.

  15. @ zoom

    „Meine Vermutung: ein paar wenige Menschen verdienen in Winterberg richtig viel Geld mit dem Ski-Karussel und bestimmen die Politik des Rates in ihrem Sinn. Anders kann ich mir als Außenstehender dieses Hecheln nach Fördergeldern für irgendwelche Anlagen ohne Nachhaltigkeit nicht erklären.“

    Diese Vermutung teile ich absolut: gerade aus den Kreisen einer bestimmten Klientel, die „fette Kohle“ mit dem Ski-Karussel macht, ist erstaunlicherweise nie Kritik an den Fehlentscheidungen der Winterberger Verwaltung zu vernehmen, warum sollte man sich auch selbst Steine in den Weg legen: ich sage nur „Erbpachtgrund … Baugenehmigungen … Abholzung von Waldbeständen … Wasserreservoire für Schneekanonen etc“, sogar „Ski-Brücken“ über Hauptverkehrsstrassen kriegt man genehmigt, wenn man „auch immer schön artig gewesen ist“.
    In der Domstadt spricht man da vom „Kölsche Klüngel“ …

  16. @ zoom und Rüdiger:

    Die Indizien sprechen für Ihre Sicht der Dinge. Unsere Altvorderen kannten noch den Spruch: „Wer das Gold hat macht die Regeln.“

    Aufgabe der Verwaltung und der lokalen Politik ist es durchaus, die heimische Skiwirtschaft zu fördern und sie nicht etwa durch überbordende Bürokratie und Regulierung zu hindern. Immerhin hat man Winterberg so zu einem winterlichen Ausflugs- und Urlaubsziel gemacht. So weit so gut.

    Aufgabe der Verwaltung und der lokalen Politik ist es aber (zuvorderst!) auch, die Interessen der Bürger gegenüber der privaten Skiwirtschaft zu vertreten: Auswüchse vermeiden, Entwicklungen in geordnete Bahnen lenken und den Bürgern einen gebührenden und direkten (!) Anteil am Geldsegen sichern. Hier und insbesondere bei letzterem sind erhebliche Defizite und massive Fehlallokationen zu konstatieren.
    Transferzahlungen werden wohl nicht unabsichtlich nebulös gehalten, nicht ausdifferenzierte Vorteile für den Wirtschaftsstandort Winterberg und seine Bürger geradezu mythologisiert. Unmittelbar machen sich beim kleinen Bürger allerdings vor allem die Nachteile bemerkbar: Das nächtliche Heulen der Schneekanonen, Parkplatznot beim Einkauf, Straßenverstopfungen, die (trotz allem?!) leere Stadtkasse etc.

    Warum hat die Politik beispielsweise nie eine Art Quellensteuer auf Liftgebühren erwogen?! An eine Zweitwohnungssteuer hat man sich doch ganz ungeniert herangetraut. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?
    Es drängt sich der Eindruck auf, dass Verwaltung, lokale Politik und auch wir selbst viel zu bereitwillig Beihilfe zu einer Sozialisierung von Verlusten und einer Privatisierung von Gewinnen leisten.

  17. @zoom

    Naja, ich warte mal noch ab, aber es ist ja sowieso fraglich ob die alten Karten noch gültig sind, wenn das Bad wiedereröffnet wird.
    In Siedlinghausen war ich diese Jahr auch schon, das Freibad ist schon nicht schlecht! Ansonsten ist auch Bad Berleburg nach wie vor zu empfehlen. Von euch allerdings recht weit…
    Die Optimallösung fehlt einfach immer noch. Ach halt falsch, das Winterberger Freibad fehlt schlicht und ergreifend immer noch!

  18. Jetzt wird also dieser lange, lange Weg beschritten, den BM Eickler als letzte Möglichkeit in der Bürgerversammlung prognostiziert hat. Das heißt: Bad wird nicht wieder geöffnet, es wird nichts instand gesetzt, über Geheimverträge wird weiterhin nicht gesprochen (keine Transparenz) und überhaupt wird nicht mehr darüber gesprochen, weil es ja um ein „schwebendes Verfahren“ geht. (Die Lieblingsausrede von Beteiligten und Anwälten).
    Dann werden sich allerding „Kritischer Unternehmer@“ und auch andere Unternehmer und Geschäftsleute fragen, warum sie eigentlich die Tourismusabgabe an die Stadt zahlen sollen ?!

  19. Die Nachricht bei Radio Sauerland ist zur Zeit noch „allein im Netz“ und allzu viel Inhalt transportiert auch nicht. Mal abwarten, was da noch kommt. Es ist mir auch nicht klar, ob Radio Sauerland eine Pressemitteilung erhalten oder selbst nachgefragt hat.

    Wenn es eine PM war, wird es morgen auch in der WP stehen …

    @Leon R.
    Die Stadt Winterberg wird sich hüten, unsere 10er-Karten zu entwerten. Eine schlechtere Reklame könnten sie sich auf diese Art und Weise gar nicht bekommen. Im Gegenteil sollten sie uns bei der Neueröffnung eine Anerkennungs-10er-Karte- überreichen.

    @Nofretete
    Heute habe ich einen interessanten Vorschlag gehört: auf die Gewinne der Skiliftsbetreiber solle doch die Stadt eine Art „Quellensteuer“ erheben. Dann müsste der Bargeldverkehr im Skigebiet mindestens so gut kontrolliert werden wie die Parkautomaten.

    Der letzte Satz ist natürlich Unfug, wobei aber immer noch die Frage offen ist, wo das ganze Geld bleibt, das die Touristen in die Touristenhochburg NRWs schleppen.

    Und so kämen wir dann zu den Aussagen von @Rüdiger im oberen Kommentar, die sich irgendwie schlüssig lesen. Man müsste das untersuchen können/dürfen.

    Vielleicht erhält Winterberg demnächst als höchstverschuldete Gemeinde des HSK den Soli aus Olsberg ;-) http://www.derwesten.de/politik/reiche-nrw-staedte-sollen-ab-2014-soli-fuer-arme-kommunen-zahlen-id8198366.html

  20. @ zoom:

    Den Floh mit der Quellensteuer habe ich Ihnen möglicherweise ins Ohr gesetzt, Posting vom 19. Juli um 11.42 h. Bitte vielmals um Entschuldigung! Oder haben Sie ähnliches auch von einem Dritten gehört? Frage deshalb, weil ich ähnliches in Winterberg noch nie gehört habe. Ist es nicht offensichtlich genug oder wird es totgeschwiegen, um die private Skiwirtschaft („Wer das Gold hat macht die Regeln.“) nicht gegen sich aufzubringen? Immerhin sind Verwaltung und Lokalpolitiker doch sonst so „findig“, wenn es um die Erschliessung von Einkommensquellen geht. Zweitwohnungssteuer trotz Ruhrgebietspädagogenaufstand, Fremdenverkehrsbeitrag trotz Ärzterevolte, Winterräumgebühr usw.

    Es wäre so einfach, auf verkaufte Liftkarten einen fiskalischen Obulus zu erheben, zumal die Erhebung unmittelbar an die Liftnutzung gebunden wäre und Manipulation daher weitgehend auszuschließen ist. Es wäre quasi die Kurtaxe der Skifahrer.
    In praxi könnte es beispielsweise so aussehen: Ein Euro pro Skifahrer und Tag vermittels der Liftgebühr an der Quelle erheben und von den Liftbetreibern direkt ins Stadtsäckel abführen lassen. Oh, ein warmer Geldregen mitten im Winter!

    Inwiefern die Liftbetreiber den Obulus auf die Preise umlegen wäre ihre betriebswirtschaftliche Entscheidung, doch die Umlage könnte zweifellos voll erfolgen. Die wenig preissensiblen Skifahrer würden es kaum merken, der Verwaltungsaufwand für die Liftbetreiber ist minimal, der Verwaltungsaufwand für die Stadt noch geringer. Und die Stadtkasse würde endlich mal vom Wintersport direkt profitieren.

    Warum also ist Winterberg überhaupt die am höchsten verschuldete Gemeinde?! CDU und SPD, als Parteien getarnte Alpinskivereine?

    1. Interessierter Bürger: die Quellensteuer geht an Sie ;-) Ich hatte gestern so viele Gespräche über Winterberg im Allgemeinen und Besonderen geführt, dass sich die Gedächtnisinhalte auf Irrwege begeben haben. Gut, dass wir das meiste verschriftlichen.

  21. In den Fakten kann ich nicht hilfreich zur Seite stehen – aber mit einigen Anmerkungen dienen.
    Eine alte Winterbergerin hat einmal zu mir gesagt: „Die Winterberger haben einen Dünkel“. Laß ich mal so stehen.
    Und wiederum ein etwas älterer Herr aus Winterberg bemerkte vor Jahr und Tag: „Sie saßen alle solange im Stadtrat bis sie ihren Lift hatten.“

  22. @ nofretete

    à pro pos „Skilifte“ :
    früher waren die Skilifte am Wald, jetzt ist der Wald (respektive das Wäldchen) zwischen den Skiliften …
    Wachstum, Wachstum, Wachstum – eine rein profitorientierte marktwirtschaftliche Zielsetzung, die Mutter Erde an den Rand des Kollaps bringen wird …. es fängt an bei der Rodung von Fichtenwäldern für den Freizeitsport, es endet bei der Vernichtung Millionen Jahre alter Regenwälder für die Gewinnung von Palmöl … daran „verdienen“ letztendlich wenige, darunter leiden werden einmal ganze Generationen … ich persönlich kriege immer wieder das kalte Ko**en, wenn ich mir die Verantwortungslosigkeit und Ignoranz der „Fun-Gesellschaft““ zu Augen führe: „Partymachen ist so geil – den Verstand einsetzen dagegen uncool!“

  23. Rüdiger@ nun genau in dieser Beziehung schwimmen wir auf einer Wellenlänge. Vielleicht hat es mit dem Alter zu tun… Aber andererseits – schon als ganz junges Mädchen, skifahrend in den Alpen, habe ich mir immer gedacht: Wenn der liebe Gott herabschaut und sieht diese ganzen kleinen Menschen den Berg heraufkraxeln und wieder runter fahren, was denkt er wohl ? Heute ist es noch schlimmer. Sie lassen sich von High-Tech-Liften (am liebsten 8er?) heraufziehen und sind ( zumindest in Winterberg) mit gerade mal drei Schwüngen wieder unten. Absurd! Und über das Schneemachen mit Energiefressern wie den handelsüblichen Schneekanonen befragen wir den lieben Gott besser nicht.

    1. Mmhhh … steht diese Firma (siehe Impressum) in einem Rechtsverhältnis zur Stadt Winterberg?

      TBE-net
      Technologie Beratung Entwicklung
      K. Achtelik
      Zur Schweimecke 1
      59955 Winterberg

      Oder hat sie sich lediglich als Aggregator versucht?

      Sieht auch auf Facebook wie ein „Reklameblättchen“-Versuch aus.

      Anscheinend haben sie keine Zeit, um ihre Website vernünftig zu pflegen.

  24. Rüdiger@ Schon schön, oder… oder mit den Worten des Kanzlerkandidaten zu sprechen: „Hätte, hätte Fahradkette…

  25. zoom@ oder Sie können die Firma besuchen. Hinradeln sozusagen. Winterberg, Remmeswiese 1. Steht groß auf dem Schild. Wie schrieb neulich jemand: Warum in die Ferne schweifen…

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