Wieder einmal: Gekaufter Journalismus. Vorsicht Manipulation.

Es ist alles nur gekauft: Neues von den Sauerländer Skipisten im Sauerlandkurier
Es ist alles nur gekauft: Neues von den Sauerländer Skipisten im Sauerlandkurier von heute (foto: zoom)

Vor drei Wochen habe ich nachgewiesen, dass sich die Westfalenpost gekaufter Reklame- Artikel bedient und sie im Schein journalistischer Objektivität im redaktionellen Teil der Zeitung veröffentlicht.

Heute lag das Reklameblatt der Region, der Sauerlandkurier, in meinem Briefkasten: Ein Wintersportartikel auf Seite 9.

Es war leicht zu sehen/lesen: So etwas schreibt kein freier Mitarbeiter, so etwas schreibt kein Angestellter des Sauerlandkurier, so etwas bekommt der Sauerlandkurier mindestens für umsonst in den Briefkasten gesteckt, geschrieben von einer Werbeagentur:

Frisch aus der Werbeagentur in die Redaktion
Frisch aus der Werbeagentur in die Redaktion (screenshot vom 22. November)

Wer muss nicht bezahlen? Der Sauerlandkurier.

Wer verdient? Die Werbeagentur.

Wer bezahlt?  Na!?

Wer wird manipuliert? Der Leser!

Ja – so läuft das …

14 Gedanken zu „Wieder einmal: Gekaufter Journalismus. Vorsicht Manipulation.“

  1. Ist das nicht fast schon normal bei den Gratis-Wochenblättern? Nicht falsch verstehen, ich heiße das nicht gut, aber diese Blättchen sind doch, wie Du schon sagst, Werbeblättchen. Das bisschen Redaktion, das dem Leser in solchen Schweineblättern vorgegaukelt wird, muss ja irgendwoher kommen. Und das sind eben meist Pressemitteilungen. Und so lange die Zeitung das 1:1 übernimmt, denkt sich die PR-Agentur: Hey, wir haben alles richtig gemacht! Und so wird sich auch nächste Woche und übernächste Woche und immer wieder PR-Material in solchen Werbeblättern finden. Ernst gemeinte Redaktion darf man dort einfach nicht vermuten.

  2. Das ist leider schon seit Jahren gängige Praxis in Deutschlands Medien. Und wenn ich mal im Sauerland bin und den Sauerlandkurier sehe, wundere ich mich immer, wie man mit so einem redaktionell schlechten Produkt wirtschaftlich so erfolgreich sein kann.

  3. Was will man auch machen?

    Demokratie ist offenbar schon seit längerem eine Sache des Geldes: jetzt wird eben auch zu jeder Tageszeit über die Medien manipuliert, was das Zeug hält. Seien es Umfragen zu diesem oder jenem Thema (da niemals die Fragestellung im Wortlaut abgedruckt wird, sind die gewonnenen Ergebnisse der meisten Umfragen für die Katz), sei es gezielte Meinungsmache über das Hinzudichten oder Weglassen von wichtigen Informationen … alles dient dazu, den Bürger zu beeinflussen und eine bestimmte Reaktion zu provozieren.

    Und da wundern wir uns noch, wieso die Wahlen so ausgehen, wie sie ausgehen? Wieso ausgerechnet jene gewählt wurden, die für grenzenlosen Kapitalismus und Gier stehen, nur das Deckmäntelchen des sozialen Staates noch tragen?
    Weil der gemeine Bürger ohne Ende manipuliert ist und es gar nicht mehr realisiert.

    Da sind als redaktionelle Inhalte getarnte Anzeigen fast noch harmlos.

  4. Ja, wer bezahlt den Sauerlandkurier? Liegt der anzeigenfinanziert kostenlos im Briefkasten oder ist das ein kostenpflichtiges Abo?

  5. @Marc:
    Anzeigenfinanziert. Das entschuldigt meiner Meinung nach aber nichts, zumal hier im Hochsauerland der Sauerlandkurier unter den Leserinnen und Lesern oft als „echte“ Zeitung wahrgenommen wird.
    Noch etwas: Auch die Abo-Zeitungen sind anzeigenfinanziert, wenn auch nicht komplett.

  6. Bei Anzeigenblättchen wirst Du dann aber laufend solche Artikel „aufdecken“. Und die werden nicht nur von Tourismusverbänden sondern auch von kommunalen Pressestellen kommen.

    Allerdings wäre es schon wichtig, wenn die entsprechend gekennzeichnet wären (oder gar nicht im Gegensatz zu anderen Artikeln). Was aber vor nichts schützt, denn bei den Blättern sind Koppelgeschäfte (Artikel über einen neuen Laden der zufällig eine Anzeige schaltet) gang und gäbe.

    Hier in einem Stadtteil gibt es ein Wochenblättchen, das recht erfolgreich davon lebt Pressemitteilungen fast 1:1 durchzuschalten und ein paar eigene Artikel dazwischen zu streuen. Jeder weiß dort, dass der Artikel über die Mädchenmannschaft des Fußballvereins vom Verein kommt und keiner mault. Und da auch die Vereins- oder Baustellentermine 1:1 gedruckt werden, warten die Leute jeden Donnerstags gerne auf das Blättchen.

    Was mir dabei aber auffällt: Am besten kommen die Nachrichten kostenlos, egal, wie die Redaktion sich finanziert. Dann aber wird beklagt, dass sie unkritisch oder werbend sind. Das passt nicht zusammen. Also müssten die Leser die Zeitung und ihre Journalisten komplett bezahlen, wenn sie Fremdeinflüsse ausschließen wollen.

    Wird dann vermutlich nur vielen zu teuer. Und da man meisten ja nur wissen will, wohin man am Wochenende gehen kann, reicht wieder das wöchentliche Anzeigenblättchen, bei dem man auch noch die Garantie hat, dass die Meldungen 1:1 von den Veranstaltern übernommen werden.

  7. @Marc:
    Ich will gar nicht laufend solche Artikel „aufdecken“. Es kam mir nur darauf an, ein paar Beispiele heraus zugreifen, um genau das, was du in deinen Anmerkungen schreibst an einigen wenigen Fälle zu belegen.

    Es ist vielleicht naiv, von Reklamezeitungen und leider auch Abo-Zeitungen, angesichts der auch von dir geschilderten Umstände, die ich genau so kenne und beobachte, „objektiven“ Journalismus zu erwarten.

    Aber ich nehme mir die Freiheit, genau das zu erwarten. Das ist dann meine Messlatte.

    Von mir aus können alle Pressewarte sämtlicher Vereine ihre Berichte von den Generalversammlungen an die Zeitungen schicken. Die Zeitungen sollen es auch abdrucken. Das ist Service. Die Leserinnen und Leser wissen das, können die Artikel einschätzen und alle sind zufrieden.

    Wenn es aber um politische, strittige Themen geht, dann erwarte ich Journalismus, vom Käseblatt ebenso wie von der Abo-Zeitung, ohne Wenn und Aber.

    Wenn eine Zeitung bei politischen Themen kneift und einfach nur Pressemeldungen, beispielsweise aus dem Rathaus oder von PR-Agenturen, übernimmt, dann ist das ein Armutszeugnis.

    Die Entwicklung des Skisports und anderem Freizeittourismus im Hochsauerland mit Schneekanonen, großen Bauprojekten in idylischen Tälern, Aufrüstung einer bislang erfolglosen Ski-Schanze usw. hat verschiedene Aspekte und ist sehr politisch. Nicht jeder Bewohner des Hochsauerlandes teilt den „Wintersportoptimismus“ der Skiliftbetreiber.

    Eigentlich ein Fressen für einen Journalisten. Statt dessen PR.

    Die Medienkundigen unter uns wissen natürlich, dass ein Artikel, der weder Autorennamen noch Kürzel ausweist, keine Eigenleistung der Zeitung ist. Ich habe allerdings festgestellt, dass die Leserinnen und Leser das nicht unterscheiden: „Es steht in der Zeitung.“ Punkt.

    Koppelgeschäfte sind mir auch bekannt. Die finde ich ganz übel.

    Bei der Zeitung wird offiziell niemand sagen, dass es diese Koppelgeschäfte gibt, aber selbst bei mir haben sich schon Geschäftsleute darüber beklagt, dass ihre Ankündigungen nicht abgedruckt wurden.

    „Wir berichten immer gerne über ihre Veranstaltungen. Sehr schön. Übrigens – könnten Sie sich vorstellen bei uns eine Anzeige zu schalten … ?“

    So weit erst einmal …

  8. @Marc
    Ich gebe Dir völlig recht. Die eingeschickten Texte, die von Vereinen oder irgendwelchen Organisationen kommen und ohne redigiert zu werden ins Blatt kommen, finde ich mindestens genauso kritisch. Und so komme ich zu zoom, denn:
    Du findest offenbar eingeschickte Texte von Vereinen u.ä. nicht allzu schlimm: \Von mir aus können alle Pressewarte sämtlicher Vereine ihre Berichte von den Generalversammlungen an die Zeitungen schicken. Die Zeitungen sollen es auch abdrucken. Das ist Service. Die Leserinnen und Leser wissen das, können die Artikel einschätzen und alle sind zufrieden.\

    Das ist falsch! Wie soll der Leser denn merken, dass der Artikel vom Verein stammt? Darunter steht nämlich in der Regel nicht, dass der Text nicht aus der Redaktion stammt qua Kürzel.
    Und: Wie so oft sind die Grenzen fließend. Du forderst Eigenständigkeit in politischen Themen, Vereinsgeschichten dürfen unreflektiert übernommen werden. Genau solche Toleranzgrenzen führen früher oder später zum Missbrauch!

    1. @nico: ja, du hast Recht. Eine Positiv-Auszeichnung aller Quellen ist (mindestens)nötig: Autor/Agentur/Pressewart/… Hier im Blog setze ich deshalb immer den Briefkasten vor die Pressemeldung. Mehr dazu später. Wie würdest du im Lokaljournalismus mit Berichten aus Vereinen umgehen, wenn du die Verantwortung und Möglichkeit hättest? Das interessiert mich ernsthaft!

  9. Ich habe die Verantwortung und die Möglichkeit. Und: Ich komme manchmal nicht drum herum. Sonst hätten wir weiße Flecken im Blatt. Je lokaler es wird, desto eher ist man leider auf solche Texte angewiesen. Natürlich kürzen wir die Texte.
    Bei Vereinen glaube ich, weiß vielleicht sowieso in den kleinen Ortchaften, woher die kommen. Aber man darf sich ja streng genommen nicht drauf verlassen.
    Die Frage ist auch: Wie sehr sind diese Texte gewollt? Selbst wenn man Leser fragt, ob Kommunalpolitik oder Schützenverein wichtiger ist, bekommt man bei zwei Lesern drei Meinungen. Es ist schwierig.

  10. @nico:
    „Ich habe die Verantwortung und die Möglichkeit. Und: Ich komme manchmal nicht drum herum. Sonst hätten wir weiße Flecken im Blatt. Je lokaler es wird, desto eher ist man leider auf solche Texte angewiesen. Natürlich kürzen wir die Texte.“
    Du arbeitest für eine Lokalzeitung? Ist das obere Zitat nicht ein Widerspruch zu deinem älteren Kommentar:
    „Das ist falsch! Wie soll der Leser denn merken, dass der Artikel vom Verein stammt? Darunter steht nämlich in der Regel nicht, dass der Text nicht aus der Redaktion stammt qua Kürzel…“

    Ich frage deshalb, um Missverständnissen meinerseits vorzubeugen.

    Kleine Geschichte zu den Pressewarten: Als ich ins Sauerland gezogen war, verwunderte es mich, dass jeder Verein zu ein und dem selben sportlichen Ereignis einen eigenen Bericht in den Lokalzeitungen absetzte, bzw. abzusetzen versuchte und dabei jeweils die eigenen Teilnehmer/innen ohne Bezug auf die Gesamtleistungen in den Vordergrund zu stellte. Falls ich mich recht erinnere ging es um den Silvesterlauf von Werl nach Soest. Ich habe damals einen Artikel geschrieben, bei dem ich mir vorher das Verbreitungsgebiet überlegt hatte, und dann aus den Ergebnislisten alle Läuferinnnen und Läufer aus sämtlichen Vereinen und Orten zusammengestellt. War viel Arbeit, aber so fand ich es damals gut und gerecht.

    Soweit erst einmal …

  11. Mit \das ist falsch\ meinte ich, dass es die Leser wissen. Davon darf man nicht ausgehen. Ja, ich arbeite für eine Lokalzeitung. Widerspruch aufgelöst?

  12. Vielen Dank für die Antwort.

    Um Missverständnissen vorzbeugen, wiederhole ich es wie verstanden:

    Du meinst also, dass die Leser es >>nicht>> wissen!?

    Wenn, das jetzt stimmt, dann hatten wir hier aber eine Zangengeburt ;-)

    Noch mal meine Erfahrung:

    Die Leserinnen und Leser unterscheiden in der Regel nicht, ob es ein redaktioneller oder eingeschickter Artikel/Bericht ist.

    Ergo: Wir stimmen überein! Oder?

    (Bei namentlich gezeichneten Artikeln gilt das Gesagte übrigens nicht.)

    „Kommunalpolitik“ oder „Schützenverein“ würde ich in zwei verschiedenen Schubladen stecken. Letzteres ist Service. Wenn die Lokalzeitung ein lokalpolitisches Profil hätte, würde sie eben in erster Linie wegen der Lokalpolitik gekauft und abonniert. Will sie sich über Schützenfeste profilieren gerät sie in Konkurrenz zu den Umsonst-Reklameblättern. Kann sie ja auch machen, aber auf dem Niveau „Schützenfestbilderstrecken“ gewwinnen die Reklameblätter.

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