Vom Glauben zum Aberglauben: Basenfasten.

Mitteilungsblatt #20 Stadt Winterberg S. 16: aus dem Vereinsleben (foto: zoom)
Mitteilungsblatt #20 Stadt Winterberg S. 16: Aus dem Vereinsleben (foto: zoom)

Geht der katholischen Kirche der Glaube aus? Seit einigen Jahren beobachte ich in den Unternehmensabteilungen eine Abkehr vom Kerngeschäft hin zum Aberglauben.

Ich erinnere mich an Veranstaltungen der Kolpingsfamilie meines Ortes zu persönlichen Engeln, Kräutermedizin und Homöopathie.

Eine Zeit lang habe ich dieses thematische Irrlichtern als Ausfluss exzessiven Weihrauchinhalierens verniedlicht, doch inzwischen halte ich das Ausfransen der katholischen Ideologie in die zeitgeistige Esoterik für gefährlich, da es die Erkenntnisse der Wissenschaft und damit auch die  Grundlage unserer Gesellschaft untergräbt.

Unter der Rubrik „AUS DEM VEREINSLEBEN“ platziert das Winterberger Mitteilungsblatt eine Veranstaltungsankündigung der Kolpingsfamilie Siedlinghausen.

„Basenfasten – Gesund und vital ohne Leistungsverlust!“, lautet die Überschrift.

In  diesem Artikel wird erstens wissenschaftlicher Nonsens verbreitet und zweitens ein kommerzielles Unternehmen beworben; denn  50 Euro sind kein Pappenstiel.

Beispiel: „Ziel des Basenfasten ist es , die Gewebe und den Stoffwechsel zu entlasten, den Körper von Eiweiß-, Toxin- und Fetteinlagerungen zu befreien. Zudem sollen die Darmflora, ein Hauptbestandteil unseres Immunsystems, und indirekt auch das ganze Lymphsystem regeneriert werden.“

Unsinn, denn (wikipedia):

  • Die Eignung als dauerhafte Ernährungsform ist umstritten.
  • Eine Wirksamkeit der basischen Ernährung bezüglich der Vermeidung von Krankheiten konnte bisher nicht nachgewiesen werden, abgesehen von Nebeneffekten durch eine insgesamt gesündere Ernährung.
  • Einen wissenschaftlich anerkannten Nachweis für die Übersäuerungstheorie gibt es nicht.
  • Die hessische Verbraucherzentrale bezeichnet basische Ernährung und entsprechende Nahrungsergänzungsmittel als überflüssig. In ihrer Stellungnahme heißt es: „Die natürlichen Puffersysteme des Körpers, eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Gemüse und Obst, mäßig tierischen Lebensmitteln, viel Trinken sowie Bewegung schützen ausreichend vor Übersäuerung.“

Das pseudowissenschaftliche Geschwafel der Nahrungsesoteriker beeindruckt leider viele Menschen, die dann auch bereit sind viel Geld für pseudomedizinische Verfahren zu zahlen.

Esoterischen, unwissenschaftliche Heilverfahren sind in Deutschland zu einem Milliardengeschäft mit entsprechendem Einfluß auf Medien und Meinungsbildung geworden.

Das ist nicht gut für die Bildungsrepublik Deutschland.

Die Kolpingsfamilie sollte sich an ihrem Gründungsvater Adolph Kolping orientieren und sich der sozialen Frage zuwenden, statt sich im Zwielicht des Aberglaubens zu sonnen.

Vielleicht gibt es dann in naher Zukunft eine Veranstaltung der Kolpingsfamilie zum Thema:

„Engel, Homöopathie und Basenfasten – das Geschäft mit dem Aberglauben“

2 Gedanken zu „Vom Glauben zum Aberglauben: Basenfasten.“

  1. In der Tat, all die mannigfaltigen Fastentherapien sind Kokolores! Im Körper sammeln sich keine Schlaken an und der Säure-Basen-Haushalt lässt sich eleganter regulieren. Allerdings finde ich es nur konsequent, wenn sich Anhänger der großen Konfessionen mit Sachen beschäftigen, die nur glaubbar und nicht wissenschaftlich beweisbar sind. Das fördert nach Aussen zwar nicht den Grad der Seriösität, dafür erhöht es den Unterhaltungswert jedoch drastisch. ;-)

    Je unsicherer die Zeiten werden, desto mehr sehnen sich die Menschen nach einer übergeordneten Erfüllungh und Erlösung. Die monotheistischen Religionen können das in ihrer Unbeweglivchkeit und Fragwürdigkeit (Missbrauch, etc.) nichtz mehr anbieten. Also stricken sichg die Menschen ihr religiöses Ruhebett nach gut dünken zurecht. Ansonsten wäre der Boom sowie der unkritische und kaum hinterfragende Konsum in der Eso- und Wellness-Szene kaum vorstellbar.

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