
Das Mescheder Friedensforum (MFF), ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern, die sich für friedliche Konfliktlösungen engagieren, hat am vergangenen Freitag kurzerhand Meschede zu einer „Stadt des Friedens“ ausgerufen. Der Ortseingang wurde (symbolisch und vorübergehend) mit einer entsprechenden Ergänzung versehen.
(Pressemitteilung MFF)
Zuvor hatten die Mescheder Friedensfreund*innen an ihrem mittlerweile achten Infostand Hunderte Flugblätter verteilt und über die bundesweite wie über die örtliche Vorbereitung auf den Kriegsfall informiert. „Der Operationsplan Deutschland und seine Bedeutung in den Kommunen sind vielen Menschen immer noch unbekannt“, so die Friedensaktivist*innen. „Dabei wäre auch Meschede erheblich davon betroffen.“
Der Operationsplan Deutschland der Bundeswehr sehe vor, dass im Spannung- bzw. Ernstfall 800.000 US-Soldaten in Vlissingen (NL) anlanden und mit 200.000 Fahrzeugen nach Osteuropa marschieren, um die russischen Armeen niederzukämpfen, von denen man ausgeht, dass sie voraussichtlich ab 2029 Natogebiete angreifen werden.
Parallel zum militärischen Teil des Operationsplans Deutschland würden in allen Kreisen und Kommunen Anstrengungen unternommen, um die Zivilgesellschaft bestmöglich kriegstüchtig zu gestalten. Dazu gehörten Alarmpläne, Ausbau einer „krisensicheren“ Infrastruktur zur Sicherstellung kommunaler Regierungsfähigkeit, Versorgung der Bevölkerung mit dem Nötigsten und Bereitstellung der Gesundheitsinfrastruktur zur Versorgung der Kriegsverletzten.
MFF-Aktivist Josef Lödige kritisiert die Einstimmung der Bevölkerung auf den Kriegsfall durch die Werbemaßnahmen der Bundeswehr in Schulen, die öffentlichen Gelöbnisse wie kürzlich in Medebach, die pompöse Präsentation des Veteranentages und die tägliche Berieselung in den Medien.
„Russland hat zweifelsohne einen völkerrechtswidrigen Krieg begonnen, aber die Antwort liegt nicht in einer unterkomplexen mittelalterlich anmutenden Rüstungseskalation und Kriegsvorbereitung bei gleichzeitigen massiven Angriffen auf den Sozialstaat.
An der Schwelle eines Atomkrieges kann die Antwort nur in der vertrauensbasierten Entwicklung einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur in Europa liegen – und zwar mit und nicht gegen Russland. Nur so ist ein langfristiger, stabiler Frieden erreichbar.“
Gesprächsthemen am Infostand waren aber auch die Friedensbildung an Mescheder Schulen und die internationale Begegnungs- und Kulturarbeit von Stadt und Vereinen. Nach Auskunft des Friedensforums haben sich auch diesmal wieder Interessierte gemeldet und ihre Ideen eingebracht, was man vor Ort für den Erhalt des Friedens tun kann.
Friedensgruppen gibt es inzwischen wieder in zahlreichen Städten. Die Mescheder Gruppe ist auch außerhalb ihrer Infostände erreichbar unter Meschederfriedensforum@gmail.com