Wie Josef Neckermann von der „Arisierung“ der jüdischen Textilmanufaktur Karl Joel profitierte

Anfang der 1930er Jahre zählte die Nürnberger Wäschemanufaktur Karl Joel zu den Großen der Branche. Im Zuge der systematischen Verdrängung von Jüdinnen und Juden aus dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben im Nationalsozialismus musste Karl Amson Joel, Großvater des bekannten US-Musikers Billy Joel, seinen Betrieb weit unter Wert verkaufen – an den Versandhändler Josef Neckermann. Das Schicksal der Joels zeigt, wie nichtjüdische Firmen von der Verfolgung und Enteignung jüdischer Familien profitierten.
(Zitiert aus den Arolsen Archives)
Ein paar Zeilen zu Josef Neckermann: „Neckermann war zum 1. Oktober 1933 der Reiterstaffel der SA beigetreten, am 14. Juni 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.516.510).
Im Jahr darauf, 1934, entstand durch Arisierung des Unternehmens von Karl Amson Joel, (dem Großvater des US-amerikanischen Singer-Songwriters Billy Joel und des Dirigenten Alexander Joel) – er hatte sich in Nürnberg und in Berlin ein florierendes Textilherstellungs- und -versandunternehmen aufgebaut – die Wäsche- und Kleiderfabrik Josef Neckermann. Neckermann, nun selbständig, drückte den Kaufpreis und richtete beim Bankhaus Hardy & Co. in Berlin ein Treuhandkonto auf – wie sich im späteren Wiedergutmachungsprozess herausstellte – seinen eigenen Namen ein. Neckermann begründete dies damit, dass er das Geld vor dem Zugriff der NSDAP schützen wollte. Der mittlerweile in die Schweiz geflüchtete Joel klagte auf Auszahlung des Geldes, die Klage wurde aber mit der Begründung abgewiesen, er sei „Devisenausländer“.
Neckermann besaß damit das viertgrößte deutsche Textil-Versandhaus (nach Quelle, Witt Weiden und Schöpflin). Mit den Unternehmen Joels übernahm Neckermann auch den Mietvertrag von dessen Villa in der Tannenbergallee im Berliner Westend, die er mit seiner Frau Annemarie Neckermann bezog.“ (Quelle: Wikipedia)
Den interessanten Artikel zur Enteignung der jüdischen „Textilmanufaktur Karl Joel“ könnt ihr hier bei den Arolsen Archives lesen:
https://arolsen-archives.org/news/die-enteignung-der-familie-des-musikers-billy-joel-zur-ns-zeit/