Die achte Hilfsreise in die Region Lviv, Ukraine

TAG 4:   Höhen und Tiefen

„Das Wichtigste wäre allerdings das Gefühl, nicht vergessen zu werden“

Wieder unterwegs. Ein Ziel: Das Psychoneurological Internat in Horokhiv (s.u.). Zum Glück gibt es Navis. (Alle Fotos und Filme: Jan van Egmond, Andrew Joy & Friends)

Jan van Egmond und Andrew Joy sind für Kipepeo fair und sozial e.V. zu einer neuen Hilfsreise vom 1. bis 8. Februar in die Ukraine aufgebrochen. Sie berichten hier täglich über ihre Erlebnisse.

Welch ein Tag, mit so vielen unterschiedlichen  Begegnungen! Unser Kopf musste zuerst einmal alles in Ruhe verarbeiten, bevor wir mit der Beschreibung beginnen konnten.

(Jan van Egmond und Andrew Joy)

Unser erstes Reiseziel ist heute Yoshipivka, ein kleines Heim für alte Menschen, welches Gerda und Jan schon sechs Mal besucht hatten. Für Jan ist es heute der siebte Besuch.

Dieses kleines Haus hat immer einen besonderen Platz in unseren Herzen. Eigentlich will man dieses Heim schon seit zwei Jahre schließen, aber weil es keinen anderen Platz für die hier lebenden Menschen gibt, bleibt es weiterhin als Pflegeheim geöffnet.  

Eine Gruppe von sieben Personen auf einer Eingangstreppe. Davor auf den Stufen Kanister, Kartons und Tuben  mit u.a. Reinigungsmitteln
Erstes Reiseziel ist heute Yoshipivka. Hierhin bringen wir immer viele Reinigungsmittel und Inkontinenzartikel mit.

Das Gebäude ist sehr renovierungsbedürftig. Die pflegebedürftigen Menschen leben zu dritt oder zu viert auf einem Zimmer mit nur einem Bett und einem kleinen Nachtschrank pro Person. Das ist alles was sie haben.

Eine kleiner Aufenthaltsraum ist mit Spenden der Abschiedsfeier von Pastor Klaus Engel aus Winterberg-Siedlinghausen eingerichtet worden. Seitdem gibt es einen Raum, wo die Bewohner*innen auch mal bleiben können, wenn sie aus dem Bett aufstehen wollen.

Hierhin bringen wir immer viele Reinigungsmittel und Inkontinenzartikel mit. Gerne auch etwas Persönliches für die älteren Bewohnerinnen und Bewohner. Diesmal konnten wir mit Hilfe einer besonderen Spende aus Winterberg Handcreme und Feuchttücher für alle Seniorinnen und Senioren verteilen.

Weil wir schon mehrmals dort waren, warten die Bewohner, die sich erinnern können, auf uns. Sie freuen sich sehr, dass wir zu Besuch kommen.

Eine Seniorin mit grünem gemusterten Kopftuch und Jan mit einem weißen Karton in der linken Hand begrüßen sich mit Fist-Bump. Zwei Betten links uns rechts. Wand im Hintergrund unten grün oben weiß(grau).
Jan wird freudig mit der Faust begrüßt.

Jan muss mehrmals erzählen, warum seine Frau Gerda nicht mitgekommen ist. Er muss versprechen, dass sie auf der nächsten Reise wieder dabei ist.

Pflegeschwester und Heimleiterin Maria ist auch dieses Mal wieder froh über unsere Unterstützung.

Im Anschluss sind wir über Straßen mit stellenweise Glatteis zu einem weiteren Heim gefahren: zum Psychoneurological Internat in Horokhiv (siehe 1. Bild oben).

Wir sind hier zum dritten Mal. Horokhiv ist der Geburtsort von Svitlana May aus Medebach, die das Haus schon seit vielen Jahren, auch schon vor dem großen Krieg, unterstützt.

Ausladen vor dem Heim in Horokhiv. Sieben Personen stehen und Knien, dahinter die Hilfsgüter in Säcken und Kanistern.
Ausladen vor dem Heim in Horokhiv

Unter Führung von Heimleiterin Yulia Kovalchuk hat sich in dieser Einrichtung sehr viel verbessert. Ca. 150 Männer leben hier. 25 von ihnen sind aus der Ost-Ukraine evakuiert. Seit einiger Zeit sind zwei Soldaten dazugekommen, die nach ihren Kriegserfahrungen schwere psychoneurologische Probleme haben.

Jan begrüßt die sitzenden Bewohner mit Handschlag.
Begrüßung mit Handschlag in Horokhiv

Beim letzten Mal hatten wir einige Musikinstrumenten hierhin gebracht, gespendet durch „Floraband Rijnsburg aus die Niederlanden“, weil hier auch Musik gemacht und die Bewohner an Instrumenten unterrichtet werden.

Nach dem Ausladen unseren Spenden, ist ein Konzert der Bewohner das erste, was uns präsentiert wird.

Begrüßungskonzert

Bei den Menschen in diesem Haus erleben wir wirkliche, von Herzen kommende Freude.

Viele weitere moderne Therapien, welche wir in West-Europa schon länger kennen, versucht man in Horokhiv inzwischen ebenfalls anzuwenden.

Sehr gut ist, dass man hier mit den Bewohnern Deko-Artikel, kleine Geschenke und anderes Handwerk in der Therapie erstellt und anschließend über einen Laden im Dorf verkauft.

Natürlich haben wir selber ebenfalls ein kleines Geschenk gekauft. Darüber freuen sich die Bewohner dann sehr.

Jan kauft ein Geschenk

Ihr neuestes Projekt ist die Einrichtung einer eigenen Bäckerei.

Der erste Teil des Rohbaus ist schon fertig, aber es fehlt an weiteren finanziellen Mitteln. Die Einrichtung hofft auf Spenden, um das Projekt zu Ende führen zu können.

Diese Bäckerei wird für den Ort eine Auswahl an Brot und Kuchen anbieten.

Der Rohbau einer Bäckerei mit Plastikplane geschützt. Davor eine Straße mit Schneematsch. Rechts daneben und im Hintergrund weitere gelbe Gebäude.
Der Rohbau ist noch mit einer Plastikplane geschützt.

Es sind zwei Extreme, das total vergammelte Heim in Yoshipivka und dann dieses Heim in Horokhiv, wo schon viel modernisiert ist. Das sind genau die Höhen und Tiefen, die wir häufig in der Ukraine spüren.

Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist groß, und gerade für ältere Menschen, ohne eigene finanzielle Mittel, ist das Leben sehr schwer. So war es schon immer, aber mit diesem Krieg ist es noch viel gravierender geworden.

Als letzten Teil des Tagesprogramms, besuchen wir das Allgemeine Krankenhaus von Lviv.

Jan knieend vorn. Hinten links Andrew stehend. Stehen fünf Frauen, die einen Wagen mit Gerät halten Im Hintergrund große Plastiksäcke gestapelt.
Jan und Andrew gemeinsam mit den die Soldaten pflegenden Frauen im Krankenhausgang

Wir hatten einen Termin mit einer Gruppe von Frauen ausgemacht, welche sich jeden Mittwochabend um verwundete Soldaten kümmern.

Mit viel Herzblut besuchen sie diese jungen Männer, welche oft ohne Familien weit weg von Haus und Heim versuchen wieder fit zu werden, um mit ihren Verletzungen und schweren Erinnerungen in das normale Leben zurückzufinden.

Wir brauchen nicht zu erzählen, welch ein Leid, und welche Gedanken uns hier begegnen.

Nach dem Gräberfeld am ersten Tag, sehen wir hier die Jungen, welche den Krieg überlebt haben, aber mit den Folgen ein Leben lang zurechtkommen müssen.

Diese Foto, erscheint mit Zustimmung des jungen Mannes:

Vorn links ein junger Mann im Rollstuhl mit einem rechts amputierten Bein. Im Hintergrund Jan mit einem Karton in den Händen.
Lebensmut: Dieser junge Soldat trainiert trotz Prothese und längerer Wiederherstellungsphase inzwischen für Wettbewerbe an Kletterwänden. Vielleicht sehen wir ihn bei den nächsten Paralympischen Sommerspielen im Fernsehen wieder.

21 Jahre alt ist er, und hat schon ein längere Revalidierung (medizinisch: Wiederherstellung nach Unfall, Verletzung, OP usw.) hinter sich. Er benötigte aber eine neue Operation, um seine Prothese besser nutzen zu können.

Stolz zeigt er uns auf einem Video, wie er trainiert und bei Kletterwettbewerben an einer Kletterwand teilgenommen hat.

Vielleicht sehen wir ihn bei den nächsten Paralympischen Sommerspielen im Fernsehen wieder.

Er könne damit leben, sagt er und sei froh über das, was er noch tun könne. Wie anders geht es hingegen vielen anderen Menschen!

Sofort waren wir mit unsere Gedanken zurück beim gestrigen Tag, als wir Yurih und Taras beim Zusammenstellen der Rucksäcke mit lebensrettende Medikamenten und Hilfsmitteln besuchten.  Es gibt noch immer eine Warteliste mit Ärzten an der Front, die sich solch einen Rucksack wünschen.

Wir sprachen mit einer Mutter, die bei ihrem Sohn im Krankenhaus war.

Ihre Geschichte :  

Die Mutter heißt Galina, ihr Sohn Yaroslav. Er wurde durch eine feindliche Drohne verletzt, die in sein Auto flog. Im Auto befand sich ein Benzinkanister, weshalb er Verbrennungen am ganzen Körper erlitt. Er wurde anderthalb Monate lang in Kiew behandelt und ist nun seit zwei Wochen in Lviv.

Wo schlafen Sie denn, wenn Sie ihren Sohn besuchen, fragen wir sie, weil sie aus einem ganz anderen Teil der Ukraine kommt.

Sie zeigt auf ein Klappbett, welches hinter dem Bett ihres Sohnes steht:  einfach hier im Krankensaal meines Sohnes, wo auch drei andere verwundete Männer liegen.

Mein Sohn muss mit allem versorgt werden. Ich mache das einfach alles, schon von Anfang an.

Wir brauchen nicht zu erzählen, wie schwer beeindruckt wir wieder in unsere Pension zurückgekehrt sind.

Mit uns bleiben die guten Gedanken, dass es glücklicherweise überall Menschen gibt, die sich um Menschen in Not kümmern, wie beispielsweise jene Gruppe von Frauen, welche jeden Mittwoch versucht, ein bisschen Licht ins Leben der verletzten Menschen im Krankenhaus zu bringen.


Für Spenden an Kipepeo – fair und sozial e.V. stehen folgende Konten zur Verfügung:

IBAN DE94 4606 2817 5191 0311 00 Volksbank Sauerland eG oder
IBAN DE44 4665 0005 0000 0042 75 Sparkasse Mitten im Sauerland

Kontoinhaber: Kipepeo – fair und sozial e.V.
Verwendungszweck: Spende Ukraine Aktion

Weitere Infos: Jan van Egmond

E-Mail: verein@kipepeo-fair-sozial.de

oder

www.kipepeo-fair-sozial.de

Marktstraße 4, 59955 Winterberg

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