Abschiebung nach 21 Jahren in Brilon soll 32-jährige Ehe auseinander reißen.

In unserem Briefkasten„Wenn die mich abschieben, bin ich innerhalb von 2 Monaten tot“, sagt Nazmi Herceg voller Verzweiflung. Dem 49-jährigen aus dem Kosovo stammenden Rom (Roma) und seiner 47-jährigen Ehefrau droht nach 21 Jahren Duldung in Deutschland die Abschiebung in den Kosovo und nach Mazedonien.

Die Gewissheit, dass die Abschiebung die 32-jährige Ehe zerstören würde, raubt Herrn Herceg jeglichen Lebensmut. Frau leidet an psychischen Erkrankungen, Diabetes und hat bereits zwei Suizidversuche hinter sich. Eine Abschiebung könnte sie in ihrem labilen psychischen Zustand das Leben kosten.

Herr Herceg arbeitete viele Jahre, beide sind Steuerzahler und leben trotz ihrer schwachen Gesundheit unabhängig vom Staat. Mit Schock in den Augen berichtet er über die Abschiebung seines Sohnes Adil vor einem Jahr: „In der Nacht stürmten vermummte Polizisten in die Wohnung meines Sohnes, der hier in Deutschland eine Frau und ein Kind hat, und schoben ihn ab“. Damals berichtete der WDR über die inzwischen als rechtswidrig anerkannte Abschiebung der Ausländerbehörde des Hochsauerlandkreises. Auch dieses Mal leitete jene Ausländerbehörde den Abschiebeprozess ein. Nun liegt der Fall beim Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtages.

Die Hercegs leben seit 21 Jahren ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in Brilon und haben sich dennoch in ihr soziales Umfeld integriert. Auf Anfrage bestätigt Herr Hercegs Arbeitgeberin, dass sie mit seinen Arbeitsleistungen „überaus zufrieden“ ist. Seit 2012 ist er sogar unbefristet angestellt. Auch Frau Herceg arbeitet trotz Krankheiten in Teilzeit.

Während des Aufenthaltes in einer überfüllten Asylbewerberunterkunft („Übergangsheim“) wurde Herr Herceg straffällig. Die beengenden Lebensumstände und der andauernde Stress dort führten zu unüberlegten Handlungen, für die Herr Herceg Verantwortung übernommen hat. Alle Straftaten sind mittlerweile beglichen. Seitdem die Familie in einer eigenen Wohnung zur Ruhe gekommen ist, ist Herr Herceg nicht wieder strafrechtlich in Erscheinung getreten. Frau Herceg selber wurde nie straffällig.

Wird die Familie in den Kosovo bzw. nach Mazedonien abgeschoben, so ist das Ausmaß dieser humanitären Katastrophe vorhersehbar. Die notwendigen Medikamente sind dort unerschwinglich. Ein Haus, in das sie zurückkehren könnten, existiert nicht mehr. Als Angehörige der vom Staat und großen Teilen der Bevölkerung diskriminierten Ethnie sind sie Verfolgung ausgesetzt. Bei der Vergabe von Arbeitsplätzen und Wohnungen werden sie nicht berücksichtigt und sind somit einer perspektivlosen Zukunft ausgesetzt. Sie werden systematisch arm gehalten und vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt. Berichte von Organisationen wie „amnesty international“ über nach Serbien, Mazedonien und in den Kosovo abgeschobene Roma-Familien bestätigen diese Einschätzung.

Familie Herceg geht es seit der Einleitung des Abschiebeverfahrens zunehmend schlechter. Der Verlust von Wohnung und unbefristeter Arbeit, die erzwungene Trennung der beiden und das unfreiwillige Verlassen Brilons ohne medizinische Versorgung kann nur noch vom Petitionsausschuss verhindert werden. Die Familie sowie ihre Unterstützer*innen bitten um Solidarität und Wahrung der Menschenwürde.

Wir fordern einen dauerhaften Aufenthalt für die Familie, um den andauernden Stress durch ein Leben in Duldung und permanenter Angst vor einer möglichen Abschiebung zu beenden und ihnen endlich die vollständige Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen!

Für Rückfragen bezüglich eines Interviews mit Herrn Herceg oder sonstigen Informationen wenden Sie sich bitte an seine Anwältin oder an den Unterstützer*innenkreis der Familie:

RA Herbe: 05251/8773994

Unterstützer*innenkreis:
Tel: +491707200821
Email: Soligruppe-herceg@hotmail.com

16 Gedanken zu „Abschiebung nach 21 Jahren in Brilon soll 32-jährige Ehe auseinander reißen.“

  1. Was sollen da die vielen Lobeshymnen auf die tolle Integrationsarbeit!? Hier werden wieder einmal Menschenrechte in eklatanter Weise verletzt. Das ist unsäglich traurig.

  2. @Gabi
    Bei den „vielen Lobeshymnen“ handelt es sich ja vor allem um Eigenlob. Mir kommen die sogenannten Integrationskonferenzen im Kreishaus mittlerweile vor wie Show-Veranstaltungen, weit weg von vielen Schicksalen, für die die Ausländerbehörde in Meschede erbebliche Mitverantwortung trägt.

  3. Ich frage mich, ob es sich unsere Gesellschaft erlauben kann, Menschen, die durch Lohnsteuerzahlungen, diesen Staat mitfinanziern abzuschieben. Es heißt duch immer wir hätten Fachkräftemangel.

  4. Ein solches Auseinanderreissen von Familien ist ein absolutes Armutszeugnis für ein Land, in dem vor nicht allzu langer Zeit Deportationen an der Tagesordnung waren.

    Sie weisen zudem auf gravierendste Fehler in der Einwanderungs- und Integrationspolitik hin. Wegen der verlogenen Political Correctness in deutscher Politik und Diskussionskultur sind tragfähige Lösungen auf absehbare Zeit leider nicht zu erwarten.

    @ Stefan:
    Es ist inzwischen Allgemeinwissen, dass der Fachkräftemangel eine Lüge ist. Zum Einstieg:
    http://www.wiwo.de/erfolg/management/arbeitsmarkt-der-so-genannte-fachkraeftemangel/7550358.html

  5. @Gabi:
    Kein Wunder, dass bei dieser Art von Abschiebemaschinerie und dem rücksichtslosen Umgang mit hervorragend integrierten Menschen im HSK noch keine AFD sichtbar ist und im Jahr 2015 der HSK der einzige Landkreis in NRW mit schrumpfender Bevölkerungszahl war…
    (flüchte mich in reinen Sarkasmus!!)

  6. Gleicher Fall – Anderer Bericht. Die WP legt die Gewichtung anders und zwar auf die Schule, die (mutige) Lehrerin und die Bezirksregierung.

    http://www.derwesten.de/wp/staedte/nachrichten-aus-meschede-eslohe-bestwig-und-schmallenberg/abschiebung-sorgt-fuer-wirbel-an-realschule-id11613028.html

    Und noch ein WP-Artikel (mit teils ziemlich heftigen Kommentaren):

    http://www.derwesten.de/wp/staedte/nachrichten-aus-meschede-eslohe-bestwig-und-schmallenberg/fluchtversuch-armenischer-realschueler-nicht-abgeschoben-id11615169.html

  7. Glückwunsch zum couragierten Verhalten von Schulleitung und Lehrerin. Bedauerlich, dass die Bezirksregierung Arnsberg sofort an ein Disziplinarverfahren denkt. Mündig soll der Bürger sein, aber als Untertan ist er der Obrigkeit offenbar doch lieber.

  8. @Courage und Gabi:

    Gabi, ich lasse mir meine Synapsen nicht mit dieser verschlagenen Dauer-Dummheit vieler Kommentatoren verkleben.

    Viele wichtiger ist es doch, dass es so couragierte Menschen gibt, wie den Lehrer/die Lehrerin, ihre Klasse und ihren Schulleiter.

    Was die Klasse gemacht hat, war doch absolut richtig, Staatsbürgerunterricht/ Gesellschaftskunde/Politik der als Unterrichtsgang gewiss noch nachbereitet wird. Die Schülerinnnen und Schüler der Realschule werden, da bin ich sicher, in einer Woche mehr lernen als in einem Jahr normalem „Lern- und Paukunterricht“.

    Wäre ich Bürgermeister der Stadt Meschede, würde ich die Schule uneingeschränkt schützen und unterstützen.

    Wenn die Lokalzeitung ihren Artikel mit den möglichen Repressionen durch die Schulbürokratie aufmacht, statt den „Fall selbst“ in den Vordergrund zu stellen, stärkt sie die Diederich Heßlings dieser Welt und nicht die mündigen Staatsbürger.

    Die wollen wir doch, oder? Letztere meine ich :-)

  9. Heute ist Kreistagssitzung in Meschede. Reinhard Loos, Sprecher der Kreistagsfraktion SBL/FW, stellte zu der Abschiebung der Geschwister aus Bestwig am 03.03. kurz vor Mitternacht einen Dringlichkeitsantrag. Und der steht hier:

    http://sbl-fraktion.de/?p=6510

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