Unangekündigte Amok-Alarm Übung am Gymnasium in Winterberg

Geschwister-Scholl Gymnasium Winterberg 2010 (archiv: zoom)
Geschwister-Scholl Gymnasium Winterberg 2010 (archiv: zoom)

Am heutigen Freitag drangen aus der Lautsprecheranlage des Geschwister-Scholl Gymnasiums die Worte „Amok – Amok“.  Sie wurden ca. 5 Minuten lang wiederholt.

Lehrer und Schüler verbarrikadierten sich in den Klassenräumen. Es waren nach Aussagen mehrerer Beteiligter sehr bange Minuten, denn der Probealarm war weder Schülern noch Lehrern angekündigt worden. Daher gingen fast alle Beteiligten zunächst von einer „Amok-Lage“ aus, wie es im Polizei-Jargon heißt.

Schüler weinten, viele hatten Angst.  Zahlreiche Kinder berichteten, sie hätten tatsächlich geglaubt, es wären Amokläufer in ihrer Schule – was ja wohl auch Ziel der Übung war.

Was haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht? Dass man auf den Ernstfall am besten dadurch vorbereitet, indem die dazugehörigen Gefühle geprobt werden? Bedauerlich, dass so mit den Ängsten von Kindern gespielt wird, die über ihre Lage ebenso im Unklaren gelassen wurden, wie die sie betreuenden Lehrer.  Pädagogen sollten anders handeln.

An anderen Schulen haben Amok Alarmübungen zu Problemen und Protesten geführt:

Eltern verhindern Probe eines Amokalarms.

Horror-Übung an Plettenberger Schule.

9 Gedanken zu „Unangekündigte Amok-Alarm Übung am Gymnasium in Winterberg“

  1. Meine Fresse,
    nun piss dir mal nicht ins Hemd.
    Son bisschen Übung schadet nicht! Da wirse munter. Und diese dusseligen Amokalarme sind doch sowieso fürn Arsch. Eher wirste beim scheißen vom Blitz getroffen, als wie das ein Kind von einem Amokschützen nieder geballert wird. Ich weiß, das nutzt keinem Blitzopfer und keinem Amokopfer aber es ist gefährlicher über die Straße zu gehen als zur Schule. Oder ins Krankenhaus, das ist echt gefährlich!
    Und heulende Kinder hört der Amokläufer! Erst wenn die Kinder durch so viele echte „Probealarme“ völlig kühl und ruhig bleiben, wird der Amokschütze kein Opfer finden. So ist das!
    Weichei! :-)

  2. @Frank Bien
    Die Freischaltung eines Kommentars wie diesem ist gewissermaßen einer der wenigen Höhepunkte eines Blogbetreibers ;-) Ich gehe mal davon aus, das die Inhaltsleere und Sinnfreiheit einer tiefschürfenden doppelbödigen Ironie geschuldet sind.

    Aber im Grunde genommen beginnt es an dieser Stelle Spaß zu machen. Warum nicht auch Probeentführungen, Probeerschießungen, Probeverkehrsunfälle und Probevergewaltigungen zu Vorbereitung künftiger Opfer auf den Ernstfall.

    Motto: Wennste heute schon zur Probe eine in die Fresse kriegst und einen Zahn verlierst, weisste wenigstens, wie es sich anfühlt, wenn du Morgen eine in die Fresse kriegst und Dir der Oberkiefer gebrochen wird.

    Im Ernst: Ich habe starke Zweifel, ob eine „Übung“ wie im Artikel beschrieben legitim ist. „Legitim“ ist dabei noch die schwache Formulierung.

  3. Ja, was soll ich sagen. In meinen Augen sind solche Übungen (egal ob Brand, Amok, Bombendrohung) oder sonst irgendwas wichtig; Allerdings nur, wenn Sie so realistisch wie möglich gemacht sind.
    Ich finde es gibt nichts schlimmeres, wie wenn eine Übung allgemein bekannt ist und man quasi „immer wieder“ auf die Uhr schaut und den Beginn erwartet, um dann langsam und gemächlich auf den Bekannten Plätzen zu sammeln oder sich einzuschließen.
    So ist / wäre die Realität nämlich nicht, die man hoffentlich nie erleben wird.
    Und das die Menschen (in diesem Fall Kinder) Gefühle haben ist ok, aber man sollte das ganze nicht überbewerten (besser gesagt überspitzen). Ich bin zwar nicht der älteste, aber ich habe auch andere Seiten in der Schule und im Leben kennengelernt. Wir bewerfen uns ja nicht mit Watte, und zum lernen gehören solche Erfahrungen dazu… Und wenn man dann anschließend über die Notlage (die ja eine Übung war) spricht und ausführlich diskutiert, ist es auch gut…

  4. @Jan
    Ich stimme Dir darin zu, dass die Abläufe in einer Katastrophen- bzw. Krisensituation sitzen müssen und dass man diese Abläufe üben muss.

    Es ist völlig in Ordnung, einen unangekündigten Feueralarm duchzuführen.

    Ich widerspreche allerdings vehement einem unangekündigten Amok-Alarm, bei dem die Beteiligten davon ausgehen müssen, dass gerade ein schwerbewaffneter Irrsinniger sinnlos mordend durch ein Gebäude marodiert.

    Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden in eine potentiell traumatisierende Situation genötigt in der sie eventuell Todesängste haben. Niemand hat meiner Meinung nach ein Recht Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die ihm anvertraut sind zu Übungszwecken zu „missbrauchen“.

    Es kann hier nicht nonchalant nach der Methode „was uns nicht tötet, macht uns nur hart und smart“ verfahren werden.

    Zugespitzt: Die Beteiligten werden hier zu „Geiseln“ einer undurchdachten und rechtlich bedenklichen Aktion.

    „Und wenn man dann anschließend über die Notlage (die ja eine Übung war) spricht und ausführlich diskutiert, ist es auch gut“

    Jan – die Übung fand in der 6. Stunde statt und niemand hat da noch irgendetwas diskutiert.

    Da ich selber betroffen bin, habe ich im übrigen den Artikel nicht verfasst. Mir hätte die nötige Distanz gefehlt.

    Ich habe unmittelbar, nachdem ich von der Übung erfahren hatte, nämlich um 14 Uhr, die Schule angerufen. Die Schulleitung war nicht zu erreichen, lediglich die Sekretärin.

    Ich habe dann bei der Polizei des HSK angerufen, in der Annahme, dass eine derartige Übung nur in Zusammenarbeit mit der Polizei durchgeführt wird, um einen kompetenten Mitarbeiter in Sachen „Amok-Übung“ zu sprechen.

    Ich wurde von Meschede aus telefonisch nach Winterberg weitergeleitet.

    Die erste Reaktion der Winterberger Polizei war, ob ich eigentlich wüsste, wann ich anriefe? Gemeint war, dass es sich um den Freitag Nachmittag handele. Ich wurde dann auf den Montag verwiesen.

    Kurz und gut: ich habe keinen Verantwortlichen erwischt.

    Ich habe viele offene Fragen.

    „das die Menschen (in diesem Fall Kinder) Gefühle haben ist ok, aber man sollte das ganze nicht überbewerten“

    Ich kann Dir sagen, wie in anderen Rechtssystemen der Wert von Traumata bemessen wird: durch Sammelklagen der betroffenen Eltern und die entsprechenden Entschädigungszahlungen.

  5. Das Vorgehen der Leitung des Geschwister-Scholl- Gymnasiums in Winterberg ist – vorausgesetzt sie hat dies zu verantworten – keineswegs nur „bedauerlich“, sondern eine Abfolge strafbarer Handlungen. Mag man # 1 von Frank Bien noch für scherzhaft halten, ist dies bei Jan (# 3) für mich nicht erkennbar.
    Mag sein, dass mir jetzt der Vorwurf der Humorlosigkeit gemacht wird. Aber wenn es um Kindesmisshandlung geht, nehme ich einen solchen Vorwurf in Kauf.

  6. Damit man mich hier richtig versteht: ich verurteile hier jede Art von Misshandlung und strafbaren Handlungen. Wenn man zu dem Schluss kommt, das dabei eine strafbare Handlung vorgelegen hat ist dies zu verfolgen.

    @zoom:
    Das man keinen Verantwortlichen erwischt und sich keiner zur Rede stellt und das man nicht darüber diskutiert ist in meinen Augen der Skandal, nicht die eigentliche Übung an sich.

    Ich widerspreche Dir allerdings, das es einen Unterschied zwischen einer Feuer- und einer Amokübung gibt im traumatisierenden Sinne. Feuer verursacht ebenso ein Trauma wie z.B. ein Amoklauf.

    Es kann aber nicht sein, das eine Feuerübung, die es an Schulen wie auch in Betrieben schon seit ewigen Zeiten gibt einfach als (ich nenn es jetzt mal extra salopp) lästiges Übel zur Kenntnis nimmt und sagt es ist so und es gehört dazu und Amokübungen (schlimm genug das es sowas geben muss) werden zerissen weil es Sie in dieser Form noch nicht gab und Sie Traumatas oder so auslösen würden (was nicht bewiesen ist).

    Ich denke das keiner von uns beides in irgendeiner Art und Weise kennenlernen will.

  7. Was hätten die gemacht wenn ein kind eine panikattacke bekommen hätte und sich dabei verletzt hätte???
    Dann wär die schule am arsch

    1. Das sehe ich auch so. Die haben unglaubliches Glück gehabt, dass so etwas nicht passiert ist. Über die ganze Aktion gibt es bis heute keine Auswertung für Schüler und Eltern.

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