Armut, Reichtum, neoliberale Gier & soziale Gerechtigkeit (neue Oxfam Studie 2026)

Umwelt – Ökologie und soziale Gerechtigkeit: Ohne soziale Gerechtigkeit ist Nachhaltigkeit nicht zu erreichen

Grafik: mitwelt.org

Das Problem ist nicht nur die Gier der Konzerne und Milliardäre. Das Problem sind die „Wir erlauben Konzernen & Milliardären immer alles-Parteien und Medien“. In Deutschland sind dies vor allem CDU, CSU, FDP, AfD und die Springerpresse. Zorn gegen Unrecht entsteht nicht, solange es die Superreichen, die BILD-Zeitung und marktradikale, libertäre und rechte Parteien schaffen, dass die Menschen nach oben buckeln und nach unten treten.

(Übernahme eines Artikels von Axel Mayer: https://www.mitwelt.org/armut-reichtum-gier-neoliberalismus-soziale-gerechtigkeit)

Beginnen wir mit einer schwierigen Aufgabe. Stellen Sie sich eine Milliarde Dollar oder Euro vor. Eine Milliarde sind tausend Millionen. Denken Sie an eine Milliarde Kügelchen mit einem Durchmesser von einem Millimeter. Aneinandergereiht würden die Kügelchen eine Kette von einer Milliarde Millimeter oder 1000 Kilometer ergeben, etwas länger als die Entfernung von München nach Rom.

Öl- & Gas: Die Profite der Klimakatastrophenverantwortlichen

„Einer auf Weltbank-Daten basierenden wissenschaftlichen Studie von 2022 zufolge haben allein die Öl- und Gaskonzerne und die Petrostaaten von 1970 bis 2020 inflationsbereinigt etwa eine Billion US-Dollar pro Jahr Gewinn gemacht. Knapp drei Milliarden Dollar pro Tag. Jeden Tag, fünfzig Jahre lang. Gewinn, nicht Umsatz. Am meisten verdienten die Konzerne in den letzten 20 Jahren. 2022 stellten sie einen neuen Rekord auf.“ schreibt der Spiegel

Armut, Reichtum und die demokratiegefährdende Macht der Konzerne, Milliardäre und West-Oligarchen (Grafik: mitwelt.org)
Ergebnisse des Oxfam Berichts 2026: (Eine Milliarde sind tausend Millionen)
  • Rekord-Reichtum: Im Jahr 2025 ist das Vermögen von Milliardär*innen um 2,5 Billionen US-Dollar gewachsen – auf den Rekordwert von 18,3 Billionen US-Dollar.
  • Die ärmere Hälfte: Dieser Anstieg in nur einem Jahr entspricht fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung, das sind mehr als vier Milliarden Menschen.
  • +80 Prozent: Seit 2020 ist das Vermögen von Milliardär*innen inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent gestiegen.
  • 4 Sekunden: In vier Sekunden verdient Elon Musk, der reichste Mann der Welt, so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem Jahr.
  • Fast die Hälfte der Weltbevölkerung – 3,77 Milliarden Menschen – leben in Armut, also von weniger als 8,30 US-Dollar pro Tag.
  • Rund 2,3 Milliarden Menschen sind von moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen. Diese Zahl stieg zwischen 2015 und 2024 um 42,6 Prozent.
Auch in Deutschland wächst der Superreichtum:
  • 2025 ist die Gesamtzahl der Milliardär*innen um ein Drittel auf 172 gestiegen. Deutschland hat die viertmeisten Milliardär*innen weltweit.
  • Ein*e deutsche*r Milliardär*in verdient in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland.
  • Das Gesamtvermögen aller deutschen Milliardär*innen stieg 2025 inflationsbereinigt um 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar.

Quelle: Oxfam – Bericht zur sozialen Ungleichheit 2026

Trübe Aussichten für Arbeitnehmerrechte: ‚Zero-Hours Contracts‘ in Großbritannien

LondonEye
Trübes Wetter in London (archiv: chris)

Würden Sie einen Vertrag unterschreiben, der Ihnen ‚Null Stunden‘ Arbeitszeit garantiert, der aber gleichzeitig von Ihnen verlangt, jederzeit dem Arbeitgeber zur Verfügung zu stehen?

Offiziell haben in Großbritannien 250.000 Menschen einen solchen Vertrag. Wie die britischen Medien unter Berufung auf eine Untersuchung des Chartered Institute of Personnel and Development berichten, ist die Zahl der Betroffenen jedoch wesentlich höher. Tatsächlich schlagen sich vermutlich mehr als eine Millionen Briten mit Zero-Hours Contracts durchs Leben.

Beschäftigte arbeiten beispielsweise in einer Woche 16 Stunden, in der nächsten 40 Stunden und dann eine Woche gar nicht. Sie bieten dem Arbeitgeber ihre permanente Bereitschaft, ohne jedoch dafür eine Gegenleistung zu erhalten. Lohn wird erst gezahlt, wenn die Arbeitskraft angefordert wurde. Krankengeld gibt es nicht, Urlaubsgeld eher selten.

Die meisten Zero-Hours Arbeiter sind im Dienstleistungssektor beschäftigt, sie arbeiten in Hotels, der Gastronomie, im Bildungs- und Freizeitbereich sowie im Gesundheitssystem.

Die Beschäftigten wissen am Anfang des Monats nicht, wie hoch ihr Einkommen am Ende sein wird.

Zahlreiche Unternehmer begrüßen Zero-Hours Contracts, da ohne sie die Zahl der Arbeitslosen angeblich höher wäre. Zudem ermöglichen die Verträge den Firmen eine große Flexibilität im Umgang mit den Beschäftigten. So arbeiten bei McDonald’s allein 82.000 Mitarbeiter auf der Basis von Null-Stunden Verträgen, auch Subway, die Drogeriekette Boots und selbst der Buckingham Palace nutzen diese Art der Verträge.

Andere Arbeitgeber verzichten hingegen ganz auf den Einsatz von Null-Stunden Beschäftigten, denn sie fürchten einen Imageschaden für das Unternehmen. Außerdem sei gerade im Dienstleistungsbereich ein motivierter Beschäftigter häufig profitabler als ein Mitarbeiter, dessen Einkommen kaum den Lebensunterhalt sichert.

Kommentator Larry Elliott fragt im Guardian voller Sarkasmus, warum man den eingeschlagenen Weg nicht konsequent weitergehe und alte Arbeitsschutzrechte gänzlich abschaffe. Warum solle Kindern unter 10 Jahren verboten sein, in Fabriken oder im Bergbau unter Tage zu arbeiten? Denn, so Elliott, auch die Child Labour Laws aus dem 19. Jahrhundert stellen im Kern eine Regulierung des Arbeitsmarktes dar und behindern somit dessen Flexibilisierung.