Schulkonkurrenz im Hochsauerland? Brilon legt vor. Mein Diskussionsvorschlag: „Gesamtschule Olsberg“.

Nach dem Beschluss des Schul- und Sportausschusses des Rates der Stadt Brilon scheint klar zu sein, dass die Eduard-Pape Hauptschule geschlossen wird, während an die Heinrich-Lübke-Hauptschule ein Realschulzweig angegliedert wird. Siehe auch hier den Bericht von Paul Rötz in der Westfalenpost.

Neben der katholischen Marienschule wird es dann für die Briloner die Option auf eine staatliche, nicht weltanschaulich geprägte Realschule geben.  Der Beschluss erscheint aus Briloner Sicht konsequent und folgerichtig. Ein breit gefächertes Bildungsangebot macht die Stadt für hoch qualifizierte Arbeitnehmer attraktiver und ist somit auch im Interesse derjenigen Betriebe und Einrichtungen, die einen Bedarf an Fachhochschul- und Universitätsabsolventen haben.

Gleichzeitig ist das erweiterte Bildungsangebot eine Herausforderung für die umliegenden Städte und Gemeinden, die bislang in ihren Schulen den „Schülerüberschuss“ aus Brilon aufgenommen haben.

Es wird, auch angesichts sinkender Schülerzahlen, eng in der zerstückelten Bildungslandschaft des Hochsauerlandes.

Da jeder Bürgermeister Wert auf eine eigene höhere Bildungsanstalt, soll heißen mehr als Hauptschule, in seiner Stadt Wert legt, beobachten wir in Winterberg, Medebach und Hallenberg eine Zerklüftung des Schulwesens: Gymnasialstandort in Medbach ohne Oberstufe, ein gestückelter Realschulzweig in Hallenberg/Medebach und ein Gymnasium in Winterberg.

In der Schokoladenwerbung hieß das früher: „Hier ein Stückchen, da ein Stückchen,. Danke schön rief man im Chor. Danke schön, Sarotti Mohr.“ Heute ist dieses die Sarotti-Methode schwarzer Bildungspolitik im ländlichen Raum.

Das an der Ruhrschiene gelegene Olsberg kann sich den Partikularismus des äußeren Südostens nicht erlauben. Zu schnell könnten hier Schüler abwandern. Die Wege sind kürzer als beispielsweise in Hallenberg. Olsberg benötigt ein schlüssiges Schulkonzept aus einem Guss, zumal die Hauptschule mangels Schülermassen nicht mehr lange eigenständig bleiben wird. Die Ökonomie wird mindestens den Anschluss der Hauptschule an die Realschule erzwingen.

Falls die Bürger und Politiker in Olsberg in der Lage sind,  alte ideologisch befrachtete Diskussionen hinter sich zu lassen, sollten sie sich dem Bildungsgespenst Nr. 1 ohne Scheuklappen und Vorurteile zumindest nähern und das „G“-Wort in den Mund nehmen.

Eine Gesamtschule würde den Ort Olsberg in die bildungspolitische Mitte des Hochsauerlandes katapultieren und den jetzt schon vorhandenen kompakten Bildungshügel mit Berufskolleg, Realschule und Noch-Hauptschule näher Richtung Bildungsolymp rücken.

Hauptschule + Realschule kommt sowieso. Warum dann nicht noch eine gymnasiale Oberstufe oben draufsatteln? Die Realschule würde nicht nach unten abgewertet, sondern nach oben gezogen.

Zu überlegen wäre, inwieweit diese gymnasiale Oberstufe durch Kooperation mit dem benachbarten Berufskolleg, welches heute schon auf einer schmalen Spur das Abitur ermöglicht, an weiterer Attraktivität gewinnen könnte.

Überlegt es Euch! Ein Gymnasium bekommt Ihr nicht, aber das andere „G“ solltet Ihr zumindest in Erwägung ziehen. Bildung können wir selbst, der Rest wird in China hergestellt.

13 Gedanken zu „Schulkonkurrenz im Hochsauerland? Brilon legt vor. Mein Diskussionsvorschlag: „Gesamtschule Olsberg“.“

  1. Das wäre eine tolle Chance für Olsberg: die erste Gesamtschule im HSK!
    Schülerpotential müßte reichlich vorhanden sein, wenn man bedenkt, wieviele Schüler derzeit von Olsberg zu den Gymnasien in Brilon und Meschede sowie zur Marienschule nach Brilon fahren! Viele weitere Gesamtschüler für Olsberg könnten aus Brilon kommen, weil sie keinen G8-Stress am Gymnasium in Brilon machen möchten.

  2. Die Eltern sollten die Initiative ergreifen! In anderen Landkreisen konnten Eltern erfolgreich die Einrichtung von Gesamtschulen durchsetzen, sogar gegen den ursprünglichen Willen der Bezirksregierung.

  3. Nein, das wird nichts werden mit der Gesamtschule in Olsberg. Was dem konservativen Amerikaner ein staatliches Gesundheitssystem, das ist konservativen Deutschen die Gesamtschule: Sozialismus pur.

    Haben Sauerländer Kommunalpolitiker noch nicht gemerkt (oder wollen sie es nicht merken), dass ihre eigene CDU in anderen Bundesländern ein Zweisäulenmodell mit Gesamtschule und Gymnasium durchsetzt? Somit ist die deutsche Gesamtschule gar keine Gesamtschule, da sie nicht die gesamte Schülerschaft umfasst.

    Doch im HSK findet nicht einmal eine Diskussion über diese hier tabuisierte Schulform statt, so als wäre das etwas Unanständiges. Dabei steht in jedem verbindlichen Grundschulgutachten in NRW die Gesamtschule als empfohlene Schulform – nur im Hochsauerland existiert für die meisten Eltern und Schüler keine Alternative zu Haupt-, Realschule und G8-Gymnasium. Wie paradox.

    Aber wer ideologisch so verbohrt ist, der erkennt keine vernünftigen Argumente an und somit sehe ich schwarz für eine Gesamtschule in Olsberg.

  4. Eine Gesamtschule in Olsberg ha ha er geht die Sonne im Westen auf. im oberen Ruhrtal zählt nur ein Abi bei den Benis!!

  5. @ein Olsberger:
    Verstehe ich nicht. Dürfen Schülerinnen und Schüler mit einem Abitur von anderen Gymnasien nicht studieren? Die Erklärung dessen, was „zählt nur“ bedeutet, würde mich schon interessieren.

  6. Zoom,
    der Kommentar war er sarkastisch gemeint,
    selbstverständlich darf jeder mit Abitur studieren,aber warum gibt es den jährliche Kampf um einen Platz in Meschede? Ein Abi dort gilt angeblich als Gütesiegel und hilfreich bei der Studienplatz suche. Eine Gesamtschule wäre doch nur für den „Rest“, oder glaubt jemand das die „Leistungsträger“ nicht weiter versuchen werden, ihren Nachwuchs an den „Eliteschulen“ unterzubringen. Aber solange unser Sauerland so schwarz ist, wird es sowieso keine Gesamtschule geben.

  7. @ein Olsberger:
    Sorry: es ist manchmal schwer, Sarkasmus oder Ironie zu erkennen ;-)
    Die Elite oder diejenigen, die sich dafür halten, werden immer einen Weg finden, und sei er noch so weit und noch so teuer.
    Olsberg habe ich lediglich als Beispiel genommen, um der Utopie einen realen Ort zu leihen. Eine qualitativ gute GS, die die Fehler der Siebziger Jahre vermeidet, wäre für viele Eltern, Schüler, aber vielleicht auch den ein oder anderen Lehrer eine Alternative bzw. Bereicherung, für den HSK sowieso.

    Der Kreis müsste einfach mal den Elternwillen abfragen. Wenn die Eltern insgesamt eine GS ablehnen, hätte sich die Angelegenheit erledigt. Ansonsten müsste man die Zahl der Schüler und die Standorte durchrechnen.

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