Schulen im Hochsauerlandkreis: Realschulen und Gymnasien haben die größten Klassen

Anfrage und Antwort (screenshots: zoom)
Anfrage und Antwort (screenshots: zoom)

Düsseldorf. Im letzten Schuljahr 2011/2012 haben alle 18 staatlichen Realschulen und Gymnasien des Hochsauerlandes die Bandbreiten für die Klassengrößen*** überschritten. Die Zahl der Klassen variiert dabei von zwei (Gymnasium Sundern) bis elf (Realschule Neheim), entspechend 10% bzw. 61% aller Klassen der jeweiligen Schule.

Diese Angaben gehen aus einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Abgeordneten Yvonne Gebauer und Ingola Schmitz vom Juli 2012 liegt vor:  mmd16-683

„Insbesondere sehr große Klassen, welche die festgelegten Bandbreiten der jeweiligen Schulformen überschreiten, können den Pädagogen die Gestaltung eines guten Unterrichts … erheblich erschweren“, so Gebauer und Schmitz. Wiederkehrend erreichten die Landespolitik Beschwerden von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrerinnen und Lehrern über unzureichende Unterrichtsbedingungen an den nordrhein-westfälischen Schulen. Schulrechtlich sei die Überschreitung der Bandbreiten*** zwar in begrenztem Maße erlaubt. Dennoch stellten sehr große Klassen die Lehrerinnen und Lehrer vor besondere Herausforderungen.

Da die Daten für das aktuelle Schuljahr 2012/2013 voraussichtlich erst im Januar 2013 vorliegen werden, enthält die Antwort der Landesregierung die Stichtagsdaten für die beiden zurückliegenden Schuljahre 2010/11 und 2011/12 .

Sollte ich die Zahlen insgesamt interpretieren, wäre ich sehr vorsichtig. Bei den Grundschulen sind wahrscheinlich die sinkenden Schülerzahlen angekommen. Die Hauptschulen sind „als Resterampe“ des Systems nicht mehr  begehrt.

Realschulen und Gymnasien fahren in unterschiedlichem Maße Überlast. Hier sollte man weiterverfolgen, ob die „demografische Rendite“ zumindest teilweise in eine Verkleinerung der Klassen einfließt.

Weiterhin wird ab  dem aktuellen Schuljahr folgend der Einfluss der neuen Schulform „Sekundarschule“ (Hauptschule plus Realschule) interessant zu beobachten sein.

In Grund-, Haupt- und Förderschulen, sowie den Berufskollegs finden keine oder nur sehr seltene Überschreitungen der Bandbreiten statt. Von über 60 Grundschulen überschritten 2010/11 lediglich drei Grundschulen mit je einer Klasse die Bandbreite, von den 18 Hauptschulen waren es ebenfalls drei mit je einer Klasse. Im Schuljahr 2011/2012 ändern sich diese Zahlen nur unwesentlich.

Anders sieht es bei den weiterführenden Schulen, den Realschulen und Gymnasien aus.

Nur eine einzige Schule, das Gymnasium Laurentianum in Arnsberg kommt im Schuljahr 2010/11 ohne Bandbreitenüberschreitungen aus.

Spitzenreiter bei den Realschulen ist in absoluten Zahlen mit 11 Klassen die Realschule Hüsten. Prozentual mit 50%, also der Hälfte der Klassen liegt allerdings die RS Neheim vorn. Am Schluß kommen die RS Bestwig mit 3 Klassen (23,1%) und RS am Eichholz in Arnsberg (4 Klassen, 16,7%).

Einsamer Spitzenreiter bei den Gymnasien ist das Petrinum in Brilon mit 8 Klassen und 40%.

Das Schuljahr 2011/12 sieht bei den Realschulen ähnlich aus. Alleiniger Spitzenreiter, sowohl absolut als auch relativ, wird die RS Neheim mit 11 Klassen, das sind 61,1%

Auszug aus dem Zahlenwerk
Auszug aus dem Zahlenwerk

Bei den Gymnasien übernimmt das Geschwister-Scholl-Gymnasium (7 Klassen mit Bandbreitenüberschreitung) Platz 1 bei den absoluten Zahlen (relativ 29,2%). Die Führung bei den relativen Zahlen übernimmt das Gymnasium Schederweg in Meschede: 37,5%.

Vergleicht man beide Schuljahre miteinander so ergeben sich leichte Verschiebungen:

Bei den Realschulen sinkt die absolute Zahl von 68 im Schuljahr 2010/11 auf 56. Die bedeutet auch eine durchschnittliche prozentuale Veränderung von 34,2% auf 29,3%.

Bei den Gymnasien steigt die Zahl der Klassen mit Bandbreitenüberschreitung von 28 auf 35, prozentual von 17,69% auf 23,61%.

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*** Erläuterungen

Für das Schuljahr 2010/11 galten beispielsweise folgende Richtwerte und Bandbreiten:

Hauptschule
Richtwert(RW): 24; Bandbreite(BB): 18-30

Realschule dreizügig
RW: 28; BB: 26-30

Realschule ab vierzügig
RW: 28; BB: 27-29

Gymnasium Sek I bis dreizügig
RW: 28; BB: 26-30

Gymnasium Sek I ab vierzügig
RW: 28; BB: 27-29

Die Bandbreiten dürfen im Umfang von bis zu fünf Schülerinnen und Schülern je nach Schulform überschritten werden.

Klassen bis 35 erlaubt
Konkret bedeutet dies nach den Verwaltungsvorschriften des Landes, dass beispielsweise die Klassenstärke einer 7. Realschul- oder Gymnasialklasse bei Dreizügigkeit bis auf 35 Schülerinnen und Schüler anwachsen darf.

2 Gedanken zu „Schulen im Hochsauerlandkreis: Realschulen und Gymnasien haben die größten Klassen“

  1. @Daniel:
    Du hättest mal die 1. Fassung sehen müssen – nur Zahlensalat und Zitierwüsten.

    Wenigstens ich habe jetzt eine Peilung, wo ich hingucken muss ;-)

    Kennst Du die beiden Abgeordneten? Sie scheinen ja öfter Anfragen zur Schulpolitik zu stellen.

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