Neue IWV-Zahlen: auch die heimische Westfalenpost verliert weiter an Auflage.

WP/WR in Meschede. Anfang 2011 (archiv: zoom)
WP/WR in Meschede. Anfang 2011 (archiv: zoom)

Nach der aktuellen Auflagenerhebung der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IWV) sanken die Auflagen und Gesamtverkäufe der Zeitungen und Zeitschriften am deutschen Medienmarkt auch im vergangenen Jahr. Auch die zur Funke Gruppe gehörende Westfalenpost muss kräftige Einbußen hinnehmen.

Die Tagespresse insgesamt verliert, so Gert Hautsch in einer Analyse für die Gewerkschaft ver.di , gegenüber dem Vorjahr rund 3,53 Prozent ihrer verkauften Auflage (4/2012: 20,84 Mio. Exemplare). Im vorangegangenen Quartal habe dieser Rückgang noch bei 3,64 Prozent gelegen.

Die Zahlen unserer heimischen Westfalenpost mit den Redaktionsstandorten Brilon und Meschede sehen im Vergleich der Quartale IV/2012 bis IV/2013 noch etwas schlechter aus.

Die Druckauflage der WP (Brilon/Meschede) sank beispielsweise um 6,35% (absolut: 2.405), die Zahl der Abonnenten um 5,54% (absolut: 1.795):

Westfalenpost Brilon/Meschede mit starken Verlusten. (screenshot: IWV Website)
Westfalenpost Brilon/Meschede mit starken Verlusten. (screenshot: IWV Website)

Im Vergleich zum Zeitraum 2011/2012 hat sich der Abwärtstrend damit noch einmal beschleunigt. Damals war von IV/2011 bis IV/2012 die Druckauflage um 3,34% (absolut: 1.310) und die Zahl der Abonnenten um 3,66% (absolut: 1.233) gesunken.

Im Vorjahreszeitraum ging es noch moderater abwärts. (screenshot)
Im Vorjahreszeitraum ging es noch moderater abwärts. (screenshot)

Die Funke-Gruppe, zu der die Westfalenpost gehört, hat die „Berliner Morgenpost“, das „Hamburger Abendblatt“ und die „Bergedorfer Zeitung“ samt zugehörigen Anzeigenblättern zum 1. Januar 2014 gekauft. Der Konzern musste sich weiter verschulden. Kreditgeber ist unter anderem der Springer-Verlag, der vormalige Besitzer der Zeitungen.

In den Verlagen drehen sich große Räder. Es wird “interessant” sein, zu beobachten, auf wessen Kosten die Schuldensanierung stattfinden wird.

Insgesamt sieht Gert Hautsch in der ver.di Analyse bei Funke den Trend zu Zentralisierung und Personalabbau (siehe Teil I, Seite 23).

Was die Funke-Gruppe mit ihren neu erworbenen Zeitungen vorhabe, sei noch nicht ganz klar. Man könne sich aber ein Bild machen, wenn man die Maßnahmen betrachte, die sie auf ihrem Stammmarkt, dem Ruhrgebiet, umgesetzt hat.

Der Konzern, der damals noch WAZ-Gruppe hieß, vertreibt dort vier Titel: die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) in Essen, die „Westfälische Rundschau“ (WR) in Dortmund, die „Neue Ruhr/Rhein Zeitung“ (NRZ) in Düsseldorf und die „Westfalenpost“ (WP) in Hagen.

Schon 2009 seien die Redaktionen der vier Zeitungen von 900 auf 600 Personen verkleinert und in ähnlichem Umfang Verwaltungspersonal entlassen worden. Im Januar 2013 wurde bei der WR dann die komplette Redaktion auf die Straße gesetzt.

Ob bei der Westfalenpost selbst noch einmal die Kostenschraube angesetzt werden wird, kann ich auf Grund der mir fehlenden Informationen nicht beurteilen. im Hause selbst scheint vorsichtiger Optimismus zu herrschen. Schließlich habe man schon vor Jahren seine Hausaufgaben bei Stellenabbau und Konsolidierung gemacht.

8 Comments
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Grafzahl
7 Jahre her

Schon richtig, dass Printauflagen sinken. Gleichzeitig steigen Reichweiten durch online. Man sollte fairerweise das Ganze betrachten.

grafzahl
7 Jahre her

Ja, Sie haben sich verlesen, weil Sie müssten die Ortsausgaben vergleichsweise heranziehen. Intern werden wohl tagesaktuelle Statistiken verschickt. Die Artikel Print + Online werden wie bei allen Zeitungen und Zeitschriften so viel gelesen wie noch nie. Die Zugriffszahlen gleichen die Print-Rückgänge dicke aus. Aber es passt natürlich schöner in gewisse Weltbilder stetig nur auf sinkende Printzahlen zu schauen, während tatsächliche Reichweiten so hoch sind wie noch in der Geschichte der Bundesrepublik. Was das wirtschaftlich macht? Zunehmend profitable Online-Portale, die sich ergänzt mit Paid Content in naher Zukunft tragen werden.

tino
7 Jahre her

“Die Artikel Print + Online werden wie bei allen Zeitungen und Zeitschriften so viel gelesen wie noch nie. Die Zugriffszahlen gleichen die Print-Rückgänge dicke aus. Aber es passt natürlich schöner in gewisse Weltbilder stetig nur auf sinkende Printzahlen zu schauen, während tatsächliche Reichweiten so hoch sind wie noch in der Geschichte der Bundesrepublik. Was das wirtschaftlich macht? Zunehmend profitable Online-Portale, die sich ergänzt mit Paid Content in naher Zukunft tragen werden.”

klingt nach jemandem, der um seinen job kämpft. geschäftsführer der wp-unit oder netz-dienstleister, der online-statistiken gestaltet.

der blinde fleck: was haben wir menschen davon?

Interessierter Bürger
7 Jahre her

Nomen est omen verengt Grafzahl den Fokus auf das Zahlenwerk und mithin das Wort “Reichweite” auf die ertragsorientierte Umdeutung. Vernachlässigt wird dabei, dass ein Print-Exemplar eine tatsächliche Reichweite von weit mehr als Eins hat, da es z.B. im Familien- oder Kollegenkreis herumgereicht wird. Die Annahme eines Faktors Drei für eine lokale Tageszeitung erscheint nicht unrealistisch. Mithin ist in Frage zu stellen, ob steigende Zugriffe im Online-Angebot die sinkenden Zahlen Print auch nur annähernd überkompensieren können. Einem Kaufmann im Verlagswesen mögen solche Spitzfindigkeiten hinsichtlich des Worts Reichweite egal sein, einem Journalisten mit Berufsethos und Langfristorientierung jedoch nicht. Im übrigen gilt: Die… Read more »

Gerüchte
7 Jahre her

Mediemoral: “in der aktuellen Ausgabe des “journalist” ist eine Geschichte erschienen, die sich ausführlich mit dem Abgang von Christian Nienhaus bei der Funke Mediengruppe beschäftigt, und dabei auch intensiv die hier im Blog veröffentlichten freitäglichen Rundmails auswertet. Die Zustandsbeschreibung der Funke Mediengruppe ist zutreffend. Wirklich belastbare neue Fakten liefert die Geschichte “Der Rest ist Himbeersauce” aber nicht, was auch an der restriktiven Auskunftspolitik der Pressestelle der Funke Mediengruppe liegt, die auf konkrete Fragen selten konkrete Antworten liefert, worüber sich der Autor, der frührere taz- inzwischen NDR-Mann Steffen Grimberg, zurecht beschwert. Problematisch wird es allerdings, wenn auch noch nicht wirklich belegbare… Read more »