Die Grube Siedlinghausen: weg vom Techno-Image hin zu Musik und Kultur.

Alte Zeiten:  Schieferabbau, Wandbild in der Grube (fotos: zoom)
Alte Zeiten: Schieferabbau, Wandbild in der Grube (fotos: zoom)

Die “Grube” in Siedlinghausen hat einen zweifelhaften Ruf. Die “Grube”, das ist die Werkhalle eines alten Schieferbergwerks. Aus dem flachen Gebäude am Ortsausgang von Siedlinghausen Richtung Rehsiepen wummern in manchen Nächten die Bässe der Techno-Partys vom späten Samstag Abend bis in den Sonntag Mittag hinein.

Zu den GOA und Sub-Tech Nächten tanzen sich Besucher aus dem Siegerland, Ruhrgebiet, Kassel und Köln bei 120 bis 180 bpm in Trance.

Einheimische Siedlinghäuser und Siedlinghäuserinnen kommen nur, wenn einmal im Jahr die lokale Spaßparty-Truppe “Partysanen” den Laden mietet und es mit “Eintritt-Getränke-Musik-All-inclusive” so richtig krachen lässt.

Seit dem 1. März ist der 46-jährige Kaufmann Dirk Fieseler in die Geschäftsführung der Grube eingestiegen. Zusammen mit dem bisherigen Betreiber Ulli Pretzsch will er das Profil der Grube sanft und doch radikal verändern.

“Wir wollen weg vom reinen Diskothekenbetrieb, hin zu Musik und Kultur”, sagt er als er uns vor zwei Wochen zu einer Ortsbesichtigung eingeladen hatte.

Musik vom Feinsten: Reservoir Dog am 13. März in der Grube
Musik vom Feinsten: Reservoir Dogs am 13. März in der Grube

Sein Vorbild seien der Schlachthof in Soest und der Bahnhof Langendreer in Bochum.

Die Einrichtung der Grube – langer Tresen, Nebenräume, Küche und Bühne – erinnern eher an die Fabrik in Hamburg als an eine Disko auf dem flachen Land.

Das Frühjahrs-Programm stehe fest. Rock, Punk-Pop, Elektro-Punk, neuer Pop und Motiv-Partys und zwischendurch auch die “Brot und Butter” Techno-Veranstaltungen.

Fieseler zählt auf:

  • am 1. April Ärzte Cover: “Die Älke
  • am 8. April punkiger Power-Pop von “Großstadtgeflüster
  • am 17. April Opa-Deutsch-Spaß-Punk von “Extrabreit
  • 24. April Bad Taste Party, Mainstream mit 80er und 90er Jahre Musik
  • im Juni komme Pink Pulse: 11 Musiker covern Pink Floyd, “so originalgetreu, echt Klasse”
  • im August ein Zirkus mit 4-Mast Zelt

Dazwischen die Oberstufen-Fete des Briloner Gymnasiums “Petrinum” (26. März) und, so Fieseler, “am 29. Mai der dicke Hammer, die “Partysanen” laden nach dreijähriger Pause wieder zur Party.”

Die misslungene Generalprobe für das neue Konzept war der Auftritt der “Reservoir Dogs” am 13. März, die wir hier im Blog angekündigt hatten. Eine handvoll zahlender Zuschauer und der Berichterstatter waren von einer Spitzenband begeistert, die eine volle Halle verdient gehabt hätte.

Das neue Konzept der Grube hatte sich noch nicht herumgesprochen. Die neuen Betreiber werden ein dickes Brett bohren müssen.

Wir wünschen ihnen, das es klappt, denn wir wollen auch mal in Siedlinghausen am Tresen stehen und Dieter Nuhr sehen ;-)

Grube: Getränkekarte
Grube: Getränkekarte

Die Preise sind mehr als moderat. Über den Preis von 0,3 l gezapftes Bier für 2 Euro kann man nicht meckern. Die Verzehrkarte von 10, 20 oder 30 Euro wird beim Eintritt erworben und transparent gelocht. “Das Guthaben zahlen wir wieder aus”, so Dirk Fieseler, “das unterscheidet uns von vielen anderen Discos im Umkreis”.

8 Comments
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gruben geher 90er
9 Jahre her

wie soll das funktionieren? kultur in so einem kaff, wo hase und igel sich gute nacht sagen und nur jeder fünfte über abitur verfügt? die grube war so erfolgreich in den 90ern und anfang 00er weil es ein freiraum inmitten der natur war, der freaks aus ganz nrw angezogen hat. subkultur pur. eine location der größe mit mainstream publikum funktioniert nicht in ländlichen regionen.

LSD-Mann
6 Jahre her

Die Grube hat mehr als genug Kunst und Kultur. Schmeißt die nervigen, kauenden MDMA-Zombies da raus, dann ist die Grube ein Tripping-Wallfahrtsort! Nur weil die Gesellschaft das böse Wort “Drogen” hört, hat die Grube einen “Zweifelhaften Ruf”? lächerlich….. Aber gerade das macht die Grube aus: Psychedelischer Widerstand in einem zutiefst Erzkatholischen und Konservativen Sauerland. Peace out and have a nice Trip :)

gp
6 Jahre her

@ zoom

Dieter Nuhr halte ich inzwischen für einen Spießer und Reaktionär, den ich nicht mehr sehen möchte …

Bedankt für Nuhr-Verortung. Vor einigen Wochen ergab sich bei einer Fete ein Gespräch über dt. Kabarett-Szene. Dabei rutschte mir bzgl. Dieter Nuhr der Spruch “Nuhr – der Kabarett-Discounter” oder so raus.
O ha, hab’ ich verbale Senge gekriegt … – und die dann mehrheitlich von Fetenbesuchern/Innen mit Lehrauftrag … :-)

no fun till doomsday
6 Jahre her

@ zoom

“Dieter Nuhr halte ich inzwischen für einen Spießer und Reaktionär, den ich nicht mehr sehen möchte”

genau.

aber die smilies müssen weg: Nuhr ist nicht lustig, nicht traurig, Nuhr gar nichts

Trippbrettfahrer
5 Jahre her

Ich war am Wochenende noch da und bin echt enttäuscht man kommt rein keine deko ich finde auf einer Goa ist die deko so wichtig wie die Musik das macht doch gar kein Spaß mehr sich da eine Pappe zu kleben war für lange Zeit mein letzter besuch das halbe Schwarzlicht ist kaputt de Micha muss mal investieren wenn er den laden nicht vor die wand fahren will das ist nicht mehr die Grube wie ich sie kenne das gesamt packet muss stimmen der soll den laden nicht so verkommen lassen und was für sein puplikum tun