8. März: Weltfrauentag – beispielsweise Lotte Laserstein

“Am 8. März begehen Frauen in aller Welt den Internationalen Frauentag. Seit mehr als 100 Jahren fordern sie an diesem Tag Gleichberechtigung und prangern die nach wie vor herrschende Gewalt gegen Frauen an. Auch im Arbeitsleben sind Frauen gegenüber Männern nach wie vor benachteiligt.
[…]
Der Weltfrauentag hat eine über 100-jährige Geschichte. In Deutschland wurde der Internationale Frauentag während der NS-Herrschaft als sozialistischer Feiertag verboten. Stattdessen propagierten die Nationalsozialisten den Muttertag und die “biologische Verpflichtung” der Frau.”

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

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Wie es der Zufall will, habe ich kurz vor dem Weltfrauentag eine großartige Künstlerin kennenlernen dürfen, nicht persönlich, sondern ihr Werk. Noch bis zum 17. März könnt ihr im im Städel Museum (Frankfurt) die Ausstellung Lotte Laserstein “Von Angesicht zu Angesicht” besuchen.

In Laserstein kreuzt sich die Weimarer Moderne mit der Vernichtung von Menschen, Kunst, Kultur und Wissenschaft durch den Nationalsozialismus.

In den 20er Jahren war Lotte Laserstein auf der Höhe ihrer Kreativität. Faszinierend die intime Zusammenarbeit mit ihrem Modell Traute Rose.

Ich habe vor einigen ihrer Bilder gestanden und gedacht, dass die porträtierten Frauen (und Männer), eigentümlich modern, von heute sein könnten. Der Spannungsbogen reicht aus der Geschichte der Weimarer Zeit über nahezu 100 Jahre hinüber in die Jetztzeit.

1937 hat es Lotte Laserstein als sogenannte Halbjüdin geschafft, sich in die Emigration nach Schweden zu retten. Einen Großteil ihrer Arbeiten konnte sie mitnehmen.

Erst in unserem Jahrtausend ist sie als Künstlerin mit ihrem Leben und Werk “wiederentdeckt” worden.

Wer kann, sollte sich vor Ort die Ausstellung im Städel ansehen.

Die Website des Museums bietet erste Informationen.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=SCztzlFYk3Y
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gp
2 Jahre her

-> “1937 hat es Lotte Laserstein als sogenannte Halbjüdin geschafft, sich in die Emigration nach Schweden zu retten.”

Irgendwie kommt mir gerade eine nicht bildnerisch agierende geniale Frau aus der Epoche in den Sinn.

Scharfer Verstand in Höchstform. Erkenntnisse via Papier und Stift eher abstrakt dokumentiert … – Lise Meitner war eine große “Künstlerin”.

https://www.spektrum.de/magazin/lise-meitner-und-die-kernspaltung/824545

https://de.wikipedia.org/wiki/Lise_Meitner

Andreas Lichte
2 Jahre her

@ zoom

Lotte Lasersteins Arbeiten habe ich – noch ohne wikipedia – der “Neuen Sachlichkeit” zugeordnet, das ist wohl das, was Du mit “eigentümlich modern, von heute” meinst.

Ein “Urteil” über die Bilder möchte ich nicht abgeben, dazu müßte ich die Originale sehen.

Aber zu dem Werbe-Film des Städel Museums gebe ich ein Urteil ab:

es ist für mich nicht erstrebenswert, wenn Frau und Mann den selben Blödsinn erzählen: “… dezidiert … rezipiert …” finde ich nicht emanzipiert, sondern einfach nur “…”

Andreas Lichte
2 Jahre her

@ gp

“geniale Frau”

“Es gibt keine großen Menschen mehr, keine Genies. Nun sind wir endlich von diesen Schneiderpuppen mit dem bösen Blick befreit: Sie sind eine Erfindung der Griechen, wie die Zentauren und die Greifen. Ebensowenig Genies wie Einhörner. Drei Jahrtausende hatten wir dermaßen Angst davor!

Die Menschen sind nicht groß. Der Mensch an sich ist groß. Wunderbar ist nicht, ein außergewöhnlicher Mensch zu sein. Sondern ein Mensch zu sein.”

Jean Dubuffet