Das Käthe Kollwitz Museum in Köln

Ein Besuch nach der Neueröffnung

Bild-Text-Collage im vierten Stock am Rundgang vor dem Eingang zum Käthe Kollwitz Museum (foto: zoom)

Am vergangenen Wochenende haben wir das nach dreijähriger Renovierung neu eröffnete Käthe Kollwitz Museum am Kölner Neumarkt besucht.

Ein ungewöhnlicher Eingang: mit einem gläsernen Röhrenaufzug schwebten wir im Inneren einer Einkaufspassage auf die vierte Etage. Dort mussten wir uns auf einem Rundgang orientieren, um die Eingangstür zum Museum zu entdecken.

Vorab: Einen Besuch der aktuellen Kollwitz-Ausstellung kann ich nur empfehlen. Alle Informationen zu Öffnungszeiten, Eintritt und Adresse: https://www.kollwitz.de/besuch

Der gesamte Bestand des Käthe Kollwitz Museum Köln umfasst neben dem kompletten plastischen Werk über 300 Zeichnungen sowie mehr als 550 druckgraphische Blätter.

In der Ausstellung wird eine Auswahl der Werke der Künstlerin, sortiert nach einzelnen Themen vorgestellt: https://www.kollwitz.de/sammlung

Wir haben uns für den Rundgang ca. zwei Stunden Zeit genommen. Danach mussten wir bei Kaffee und Quiche eine Auszeit nehmen, um die Eindrücke zu ordnen. Die Bildbeschreibungen (s. u.) habe ich zum großen Teil der Museumswebsite entnommen.

Käthe Kollwitz (geb. Schmidt; * 8. Juli 1867 in Königsberg (Preußen); † 22. April 1945 in Moritzburg bei Dresden) war eine deutsche Grafikerin, Malerin und Bildhauerin und zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

Die gesellschaftlichen und individuellen Fragen, die sie in ihren Werken aufgreift, sind sehr aktuell: Krieg, Frauenrechte, Soziale Frage, Frieden, Aufstände, Gerechtigkeit, Liebe, Tod …

Wer sich vorab umfassend informieren will, sollte sich die sehr informative Museumswebsite anschauen. Trotzdem bleiben die Eindrücke vor Ort unersetzbar und ich werde versuchen, das Museum auch ein zweites oder drittes Mal zu besuchen.

Die Gestaltung ihres einzigen dreidimensionalen Selbstportraits, die sich über ein Jahrzehnt hinzieht, treibt Kollwitz fast zur Verzweiflung. (foto: zoom)

Käthe Kollwitz ist beinahe 37 Jahre alt, als sie sich der Plastik zuwendet und 1904 in Paris einen achtwöchigen Bildhauerkurs an der Académie Julian belegt. Eine ernsthafte und intensivere Zuwendung zur plastischen Gestaltung ist gar erst ab 1909/1910 nachweisbar. So ist Silvester 1912 in ihrem Tagebuch zu lesen: „Ich habe fast nur plastisch gearbeitet in diesem Jahr.“ Der daran anschließende Kommentar „Ich weiß nicht, ob ich was erreichen werde“ verdeutlicht jedoch ihre Selbstzweifel, die sie auch in den folgenden Jahrzehnten nie ganz überwinden wird.

Im Dezember 1928 notiert Käthe Kollwitz in ihr Tagebuch:

Bin zur Zeit wieder an meinem plastischen Selbstbild, fluchend und schimpfend (…) Doch komm ich nicht los, jeder Tag endet mit neuer Illusion und jeder nächste Tag beginnt mit wütender Depression.
(Käthe Kollwitz, Tagebücher, 30. Dezember 1928)

https://www.kollwitz.de/das-plastische-werk-uebersicht

Liebe, Geborgenheit und Verlustangst: Mutter mit zwei Kindern, 1932-1936 (foto: zoom)

Die Plastik oben zeigt eine am Boden hockende Mutter in einer mächtigen schützenden Umarmung ihrer Kinder. Runde Formen bestimmen die Komposition, alle Körperteile sind auf das Wesentliche abstrahiert.

Als Aktskulptur angelegt ist sie eine Metapher archaischer Mutterliebe, dem für Käthe Kollwitz stärksten Gefühl, das sich überhaupt empfinden lässt. Dieses vitale Gefühl ist jedoch auch stets gepaart mit der Angst vor dem Verlust der Kinder.

Erwartet und erlösend: der Ruf des Todes (foto: zoom)

Käthe Kollwitz äußert bereits 1922 in ihrem Tagebuch erstmals den Plan, das Thema Tod in einer druckgraphischen Folge zu gestalten. Fünf Jahre später, im Februar 1927 – einer Zeit, in der die Künstlerin vor allem mit ihrem plastischen Hauptwerk, dem Mahnmal »Trauernde Eltern« beschäftigt ist und die Alterstraurigkeit besonders stark auf ihr lastet – schreibt sie:

… ich muß […] noch einmal graphisch mich zusammenreißen.
Zum Thema Tod muß ich noch Blätter machen. Muß muß muß!
(Käthe Kollwitz, Die Tagebücher, 13. Februar 1927)

https://www.kollwitz.de/folge-tod-uebersicht

Käthe Kollwitz, Arbeiter vom Bahnhof kommend (Bahnhof Prenzlauer Allee), 1897-1899 (foto: zoom)

Käthe Kollwitz erlebt während ihres Studiums in München den Durchbruch des Naturalismus mit seinen Schilderungen des alltäglichen Lebens aus dem einfachen Volk. Sie schließt sich dieser Bewegung an, die in der bildenden Kunst von Max Liebermann (1847–1935) und Fritz von Uhde (1848–1911) angeführt wird.

Analog zu naturalistischen Dichtern wie Émile Zola (1840–1902) oder Gerhart Hauptmann (1862–1946) stellt die Künstlerin das großstädtische Proletariat in den Mittelpunkt ihrer Arbeit – vorerst ohne jegliche Tendenz, sondern weil sie es als schön empfindet nach der Maxime: »Wie Zola oder jemand einmal sagte ›Le beau, c`est le laid‹.« (Käthe Kollwitz, Tagebücher, Rückblick 1941).

Erst die direkte Begegnung mit den Arbeiterinnen und Arbeitern im Norden Berlins und in der Arztpraxis ihres Mannes veranlasst Käthe Kollwitz später zu sozialkritischen Werken.“ (https://www.kollwitz.de/fruehe-einzelblaetter-uebersicht)

Der Zyklus „Ein Weberaufstand“ (foto: zoom)

Im Februar 1893 erlebt Käthe Kollwitz die Uraufführung des Dramas Die Weber von Gerhart Hauptmann in einer privaten Inszenierung für die Mitglieder des Theatervereins ›Freie Bühne‹ im Neuen Theater Berlin (dem heutigen Theater am Schiffbauerdamm).

Noch im selben Jahr beginnt Käthe Kollwitz mit der Arbeit an ihrem Zyklus »Ein Weberaufstand«

https://www.kollwitz.de/zyklus-ein-weberaufstand-uebersicht

Zyklus „Bauernkrieg“ (foto: zoom)

Die Revolte der Bauern hatte die Aufhebung von Standesunterschieden und die Abschaffung des Frondienstes zum Ziel. Die Künstlerin überträgt das Sujet als nicht historisch definierte Darstellung von Leid und Unterdrückung in die Gegenwart, um damit auf die Zustände ihrer eigenen Zeit anzuspielen. In sieben Szenen führt sie durch den historischen Bauernkrieg – und setzt damit zugleich die zeitgenössische Revolte der Arbeiterschaft ins Bild.

https://www.kollwitz.de/zyklus-bauernkrieg-uebersicht

Ein ikonisches Plakat „Nie wieder Krieg“ (foto: zoom)

Die Kollwitz-Forschung kennt heute rund 20 Plakatentwürfe der Künstlerin. Unter den realisierten Arbeiten finden sich einige ihrer bekanntesten Werke überhaupt, so u. a. die Lithographie Nie wieder Krieg – bis in die 1980er Jahre eine Ikone der Friedensbewegung.

https://www.kollwitz.de/plakate-und-flugblaetter-uebersicht

Schwangere, ins Wasser gehend (foto: zoom)

Seit 1908 arbeitet Käthe Kollwitz für die satirische Wochenzeitschrift Simplicissimus, indem sie regelmäßig Zeichnungen an die Redaktion nach München schickt.

Bei der Wahl der Themen und der Gestaltung ihrer Blätter lässt die Redaktion Käthe Kollwitz freie Hand. Die gesellschaftskritische Einstellung des Simplicissimus ermöglicht ihr zum ersten Mal die lauten und stillen Großstadttragödien zu thematisieren. Ihre ausgeführten Zeichnungen behandeln Hunger, Kindersterblichkeit, Heimarbeit der Frauen oder die Arbeitslosigkeit und ihre Folgen.

https://www.kollwitz.de/sozialkritik-uebersicht

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