The Pause that Dreams Against Erasure
Die Catherine Opie Ausstellung „The Pause That Dreams Against Erasur“ im Kasseler Fridericianum ist seit dem 19. Juli beendet. Mitte des Monats Juli war einer dieser heißen Tage, die man am besten im Museum verbringt. Außerdem ist am Mittwoch immer freier Eintritt.
Die Fotografin Catherine Opie wurde 1961 in Sandusky, Ohio, geboren und lebt heute in Los Angeles. Opie will an die Traditionen der sozialorientierten Fotografie des 20. Jahrhunderts anknüpfen.
Das Fridericianum zeigt die erste institutionelle Einzelausstellung von Catherine Opie in Deutschland, parallel zur Schau der Künstlerin in der National Portrait Gallery in London. Die Präsentation ist von der Künstlerin als ortsspezifische Setzung angelegt, in der sie in einen Dialog mit der Architektur und Geschichte des historischen Gebäudes tritt. Gezeigt werden zentrale Werkgruppen aus einem Zeitraum von über dreißig Jahren: von den frühen Porträtaufnahmen in den LSBTIQ*-Gemeinschaften, über fotografische Serien, die Landschaften als Resonanzräume für Identität, Hoffnungen und Traumata erkunden, bis hin zu den Dokumentationen von Bewegungen wie Black Lives Matter oder von Protestmärschen im Kontext der Präsidentschaft von Donald Trump.
https://fridericianum.org/de/ausstellungen/catherine-opie/
Da die Ausstellung in Kassel abgeschlossen ist, kann ich euch mit diesem Blogbeitrag nicht mehr zu Catherine Opie ins Fridericianum locken.
Ich fand Opies Werk sehr anregend. Die Ausstellung zerfiel in mehrere Teile: Portraits ihrer Freund*innen aus der queeren Community, Landschaftsaufnahmen, politische Monumente und Demonstrationen, wie den Friedens-, Frauen- und Immigrationsmarsch.
Wenn ihr euch genauer informieren wollt, schaut auf die Website des Museums.
Ihre Kunst erklärt Opie in einem Interviefilm, der im Museum auf einer großen Leinwand gezeigt wurde.
Catherine Opie erklärt ihre Kunst
Diesen Film habe ich mir in Ruhe, auf einer Bank sitzend, angeschaut. Während ich über den Einfluss von Bauhaus, August Sander und die documenta auf Opie nachdachte, begann eine kleine Geschichte in der größeren Geschichte:
Eine ältere Dame sprach mich wie aus dem Nichts im abgedunkelten Filmraum von hinten links an. „Was halten sie von der Ausstellung?“
Ich war überrascht, dachte kurz nach und antwortete: „Interessant!“
Woraufhin sie erwiderte: „Die Ausstellung ist schrecklich, sehr schlecht.“ Die Aufnahmen seien viel zu statisch, so habe man vor einigen Jahrzehnten fotografiert.

Sie könne das beurteilen, denn sie sei Fotografin und Künstlerin. In Kassel sei sie geboren, aber viel gereist und habe auch zehn Jahre in der Schweiz gelebt.
Wenn sie Menschen in der Königsstraße fotografiert hätte, wäre ihr die Bewegung im Zusammenhang wichtig gewesen. Die Personen als Teil ihres sozialen Raums.
Ich fragte, ob sie die Philip Montgomery Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen gesehen hätte. Montgomery hätte mit viel Dynamik die erste Trump Ära fotografiert. Man könne Opie und Montgomery vielleicht daran messen und vergleichen, wie beide dieses Stück Zeitgeschichte abbilden.
Dafür, so die Kasseler Fotografin habe sie keine Zeit mehr. Sie sei „aus dem Spiel genommen“. Oder sagte sie gar „kaltgestellt“? In der Austellung sei sie heute nur, weil sie von ihrer Pflegerin – sie deutet auf eine jüngere Frau, die hinter ihr steht und den Gehwagen (Rollstuhl?) festhält – betreut werde.
86 Jahre sei sie inzwischen alt, könne nicht mehr reisen und Ausstellungen besuchen. Ins Fridericianum käme sie gerne, weil die ehemalige Leiterin, nun am Museum in Frankfurt, sehr kompetent und inspirierend gewesen sei.
Nein, nein, sie habe keine Zeit, keine Geduld mehr. Ich solle mir doch ihre Website anschauen. Dort habe sie alles gesammelt, was sie im Laufe ihres Leben bewegte: Bilder, Gedanken, Artikel…
Ihr Künstlername sei Rosa Dora und ihre Website rosadora.de: ROSADORAS KUNSTGARTEN
Als ich aus dem kühlen Museum in die Hitze des Friedrichplatzes trat, schwirrte mir der Kopf.
Abends in der Kasseler Gästewohnung habe ich viel über Catherine Opie nachgelesen, aber noch mehr über die Künstlerin Rosadora Trümper Tuschick.
Um diese Gedanken zu ordnen, werde ich bei Gelegenheit einen weiteren Blogartikel schreiben. Denn sonst starte ich bei Opie, mache Pause bei Montgomery und lande mit Rosadora im Kasseler Nordpark.
Stay tuned.





