Aphorismen für den Alltag und darüber hinaus: DenkMalAn! von Detlef Träbert

träbertdenkmalan
Detlef Träbert, DenMalAn!, Aphoristische Andenken

Ich schreibe hobbyweise Aphorismen.

So beginnt Detlef Träbert, freiberuflicher Schulberater, Autor und Diplom-Pädagoge seine kleine Sammlung “DenkMalAn! – Aphoristische Andenken”.

Sprachdichtung macht Lyrik,
Sprachverdichtung Aphorismen.

Träbert hat sein 80 Seiten umfassendes Büchlein in mehrere Abschnitte unterteilt: Vorsätze, Gedankensprünge,  Menschen,  Atomkraft und das Kommunizieren.

Über die Politik und die Zeit schreibt der Aphoristiker:

Wer immer mit der Zeit geht,
kann ihr nie voraus sein.

Trödeln ist Widerstand gegen Hektik.

Träbert schreibt gegen den Zeitgeist an, den er für zu oberflächlich, medienorientiert und verblödend hält:

Der Flachbildschirm wurde passend
zum Programmniveau entwickelt.

Das ist amüsant, aber der Flachbildschirm erscheint mir ein wenig zu zeitgemäß, zu wenig zeitlos. Ebenso wie die aus der englischen Sprache entnommene Wendung „nicht wirklich“:

Keine Zeit zu haben ist wie
den Kopf verloren zu haben –
beides stimmt nicht wirklich.

Thematisches und sprachliches Anbiedern an den Zeitgeist? Das ist wohl Geschmackssache.

Wichtige Anliegen Träberts sind Menschlichkeit, Gewaltlosigkeit, Souveränität und Autonomie des Einzelnen sowie Gerechtigkeit. Er plädiert für ein Leben, Denken und Handeln außerhalb eingetretener Pfade:

Flexibilität
ist die Standfestigkeit
des Beweglichen.

Wer es im Kopf nicht aushält,
sollte den Aufenthaltsort wechseln.

Ein gelungener Aphorismus muss einen Teil der Wahrheit enthüllen und verdichten und dem Leser dadurch einen neuen Einblick, ein neues Verständnis ermöglichen. Die kleinen, kurzen Texte von Detlef Träbert zwingen zum Innehalten und Nachdenken über das Leben, die Zeit, das Geld und den Umgang miteinander, über Grundfragen und ganz Aktuelles:

Komasaufen ist
die Abstimmung mit Engelsflügeln
über das Leben im Hier und Jetzt.

Mit viel Freude an der Sprache und an seinen kleinen, ganz großen Ideen siegt bei aller Kritik an den Missständen bei Träbert letztlich doch immer die Hoffnung:

Denken zu können
wurde zum Schicksal der Menschen –
und bleibt ihre letzte Chance.

In diesem Sinne ein empfehlenswertes kleines Buch mit vielen Anregungen für heute und morgen.

Detlef Träbert, DenkMalAn! Aphoristische Andenken, Bochum (Universitätsverlag Brockmeyer) 2011. Auf der neuen Internetpräsenz www.aphorismen.schubs.info kann man im Buch blättern und vieles mehr.

9 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
10 Jahre her

was sagst du zum Klassiker?

Arthur Schopenhauer, \Parerga und Paralipomena: kleine philosophische Schriften\, Band 2

§ 313: \Hoffnung ist die Verwechselung des Wunsches einer Begebenheit mit ihrer Wahrscheinlichkeit.\

§ 320: \Das Geld ist die menschliche Glücksäligkeit in abstracto; daher, wer nicht mehr fähig ist, sie in concreto zu genießen, sein ganzes Herz an dasselbe hängt.\

Das Buch im Original:

http://books.google.com/books?id=WuUOAAAAIAAJ&printsec=frontcover&dq=Schopenhauer&hl=de&ei=UE5VTcW0Mc74sgaQhJzmDA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=2&ved=0CC8Q6AEwAQ#v=onepage&q&f=false

10 Jahre her

“Das Leben verliert dadurch, dass man’s kennenlernt” – Josef Hader

(hab ich gerade in Berlin gesehen – grossartig!)

Chris Klein
10 Jahre her

@Andreas Lichte

Vielen Dank für die interessanten Anregungen. Schopenhauer steht auf der Leseliste.

zoom(@zoom)
10 Jahre her

Den Hader hätte ich auch gern gesehen. Es hat schon Vorteile, in Berlin zu wohnen. Soweit ich sehe kommt er erst im Frühjahr nächsten Jahres in die nähere Umgebung ;-)

http://www.hader.at/content/termine/

10 Jahre her

@ zoom

was soll ich sagen? War echt begeistert … Hader ist ein grossartiger Geschichten-Erzähler … aber selber anschauen!

Kennst du den Film “Der Knochenmann”?

Eine Verfilmung von Wolf Haas, mit Josef Hader (Brenner) und Birgit Minichmayr (Birgit) … mit einer Liebesgeschichte, die es im Buch nicht gibt:

Birgit: “Ich hoffe, du rufst nicht an.”

Brenner: “Ich hoffe, du hebst nicht ab.”

zoom(@zoom)
10 Jahre her

Ich denke, ich werde mal wieder einen Film gucken ;-)

DorisL.
10 Jahre her

Gibt es eigentlich auch Aphoristikerinnen? Mir fällt da gar keine Frau ein.

zoom(@zoom)
10 Jahre her

Marie von Eber-Eschenbach:
“Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel.”

oder

“Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht.”

http://de.wikiquote.org/wiki/Marie_von_Ebner-Eschenbach

Für Aktuelles vielleicht mal hierhin gucken:

http://www.artgerecht-und-ungebunden.de/Biographie.htm

Disclaimer: Bin weder eine Frau noch kenne ich mich mit Aphorismen aus ;-)

10 Jahre her

“Es ist alles so richtig wie es verkehrt ist.”

Otmar Klöver