Antwort zur Abschiebung einer Roma-Familie steht immer noch aus

Wie wir berichteten, hat der Hochsauerlandkreis im Mai 2011 wieder drei Menschen in den Kosovo abgeschoben. Der „Rauswurf“ traf eine Roma-Familie, die seit über 20 Jahren in Meschede wohnte.

Vater, Mutter und jüngste Tochter Tatjana (19 Jahre) wurden für sie selbst und für ihre Angehörigen völlig überraschend spät abends aus ihrer Wohnung geholt und zum Flughafen Baden-Baden gefahren. Rund 15 Mitarbeiter vom Ausländeramt und Polizeibeamte hätten sich gegen 23.00 Uhr Zutritt zur Wohnung verschafft. Die Drei hätten kaum Zeit gehabt, das Nötigste für die Reise, für ihr zukünftiges Leben im Kosovo zu packen, berichteten die Verwandten.

Die Sauerländer Bürgerliste (SBL) hatte am 24.05.2011 an den Landrat eine Anfrage zu den Gründen und zum Hergang der Abschiebung gestellt. Laut Geschäftsordnung des Hochsauerlandkreises muss die Verwaltung Anfragen von Fraktionen und Kreistagsmitgliedern innerhalb von zwei Wochen beantworten. Doch bis heute (13.07.2011, also nach mehr als sieben Wochen) kam kein inhaltliches Antwortschreiben. Zwischenzeitlich schickte die Kreisverwaltung der SBL lediglich einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Arnsberg zu (wir berichteten). Darin wird aber nur über die formale Zulässigkeit und nicht über die humane Rechtfertigung der Abschiebung entschieden. Als Grund für die „Noch-Nicht-Beantwortung“ der Anfrage hieß es auf telefonische Nachfrage der SBL, das Ausländeramt hätte personelle Engpässe und andere wichtige Aufgaben, z.B. im Bereich Integration.

„Integration“ ist ein gutes Stichwort. Warum hat der Hochsauerlandkreis der in Meschede geborenen und aufgewachsenen Tatjana Z. im Mai alle Wege zur endgültigen Integration abgeschnitten? „Integration“ sollte nicht nur öffentlich ausgestellt, sie sollte viel mehr gelebt werden! Gleichzeitig rühmt sich die Kreisverwaltung dafür, in ihrer Ausstellung „positive Seiten von Integration“ zu präsentieren (siehe: http://www.hochsauerlandkreis.de/presse/2008/presseservice800269.php)??

3 Comments
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denk mal
10 Jahre her

Fremdenhass hat in Deutschland Tradition. Dafür braucht es keine besondere politische Einfärbung. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass auch es vor einer „braunen Zeit“ schon Ausrichtungen gab, gegen die eine oder andere Volksgruppe, die eine oder andere religiöse Richtung. Und auch nach 1945 halten sich solche Strömungen hartnäckig. Neben den positiven Berichten darüber wie die Fliehenden vor der roten Armee hier aufgenommen wurden, existieren zahlreiche Negativbeispiele. Wer wollte sagen, dass er nicht neben den Jubelrufen zur Einheit Deutschlands, nicht auch Stimmen gehört hätte, die sich z.B. über den „Soli“ beklagen. Da wurde nur zu schnell vergessen, dass jeder aus den neuen… Read more »

Gabi
10 Jahre her

@denk mal: “… suchen wir händeringend nach Nachfolgern im europäischen Ausland für unser Arztpraxen. Wer möchte denn als Ausländer in einer Gegend leben, in der Fremdenhass (so wie ich es empfinde) behördlich gelebt Tradition ist?”

Das ist wohl wahr! Hoffentlich denkt nicht nur denk mal darüber nach!?

Heute hat der HSK übrigens endlich, nach 8 Wochen, auf die SBL-Anfrage geantwortet. -Personal-Engpässe!- Wenn das so weiter geht, muß die Ausländerbehörde bald auch im Ausland um Personal werben!