2023 schlägt alle bisherigen Rekorde – wärmstes Jahr seit 1850

Bei plus 13 Grad kamen an Heiligabend im Bergsteigerdorf Ramsau Frühlingsgefühle auf. (Foto: Knoppik)

Laut einer TV-Umfrage aus dem zurückliegenden Jahr waren 57 % der Deutschen der Meinung, die Bundesregierung unternehme viel zu wenig gegen die Folgen des Klimawandels; 61 % hatten Angst vor Tornados, Überflutungen und extremen Hitzewellen.

Werden die Bürgerinnen und Bürger jedoch zu Klimaschutzmaßnahmen verpflichtet, – ob es dabei immer gerecht zugeht oder nicht, sei mal dahingestellt -, dann wird gemeutert. Bitteschön nicht bei mir und schon gar nicht von meinem Geld. Wie passt das zusammen?

Die andere Seite der Medaille: Für Feuerwerkskörper wurden auch an Silvester 2023 wie selbstverständlich hunderte Euro locker gemacht. In einem Fall war sogar von 3.000,– € die Rede, die sich jemand das zweifelhafte, ja sinnlose und hochriskante Vergnügen kosten lies. Um schnellstmöglich an Raketen, Böller oder sonstige Pyrotechnik zu gelangen, wurden schier endlose Wartezeiten vor den Geschäften in Kauf genommen. Riesige Menschenschlangen bildeten sich schon in aller Herrgottsfrühe.

Feuerwerksverkauf in Berlin-Marzahn (Bild: Wikimedia)

Derweil nimmt der Klimawandel immer mehr an Fahrt auf; der Temperaturanstieg beschleunigt sich überall auf der Erde.

Die globale Erwärmung nimmt keinerlei Rücksicht auf menschliche Befindlichkeiten, weder auf Feiertage noch die konjunkturelle Lage, auf Schuldenbremse oder ähnliches.

Mit „Weißen Weihnachten“ kann lt. Experten in Zukunft nur noch alle 15 Jahre – statt wie bisher alle 7 Jahre gerechnet werden. (Foto: Knoppik)

Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren auch über Weihnachten und Neujahr im Dauereinsatz, um vor allem in Niedersachsen, Thüringen, aber auch im nördlichen Teil NRWs sowie in großen Teilen Nordbayerns eine sich ständig verschärfende Hochwasserlage, bedingt durch anhaltende Starkniederschläge, einigermaßen in den Griff zu bekommen. Für weite Teile der erwähnten Gebiete hieß es: Land unter! Ganze Dörfer waren eingeschlossen; Häuser standen unter Wasser. Eine dramatische Situation.

Weserhochwasser in Nienburg am 05.01.2024 (Quelle und Lizenz: Wikimedia)

Unterdessen wurde gemeldet, daß es in der Schweiz den wärmsten Heiligabend seit 100 Jahren gegeben hat.

Nachfolgend die Witterungsbilanz für Deutschland kurz zusammengefasst:

Der Sommer fiel im Norden zu kühl und zu nass aus. Es gab keine neuen Hitzerekorde. Der 1. Herbstmonat September präsentierte sich extrem warm und gleichzeitig viel zu trocken.

Positive Abweichungen von den Normalwerten werden nach Meinung von Fachleuten auch in 2024 überwiegen. Hierzulande wurde das sechst nasseste Jahr registriert. Die Durchschnittstemperatur hat sich seit 1881 um 1,7 Grad erhöht (Münchner Merkur vom 8.11. 23). Bemerkenswert ist auch, daß dieses Land jährlich 2,5 Kubikkilometer Wasser verliert!

Nordrhein-Westfalen brachte es 2023 auf 1.220 Liter Niederschlag pro m² (Flächenmittel = 1.190 mm gleich Liter pro m²). Zum Vergleich: 1966 gab es 1.138 mm = Liter, 1965 1.133 Liter und 2007 flelen 1.128 Liter. Die größte Schneehöhe verzeichnete der Kahle Asten (841 m über NN) mit 31 cm Anfang Dezember (Quelle: WDR).

Zur Klimasituation weltweit: Lt. dem EU-Klimadienst Copernicus betrug die Durchschnittstemperatur in 2023, das als wärmstes Jahr in die Geschichte eingeht, global 14,98 Grad und lag damit 0,17 Grad höher als im bisherigen Rekordjahr 2016. Ein neuer Höchststand.

In 2023 habe zum ersten Mal jeder Tag des Jahres mindestens 1 Grad über dem vorindustriellen Wert gelegen, an 2 Tagen im November waren es sogar mehr als 2 Grad.

Von Juni bis Dezember sei jeder Monat wärmer als die bisher gemessenen Rekordwerte für den jeweiligen Monat gewesen. Europa erlebte das zweitwärmste Jahr seit der Beginn der Aufzeichnungen. (www.tagesschau.de/wissen(copernicus-klimadaten-100html)

Der 3. Juli ragte heraus als der heißteste Tag seit 1881. Ursache ist das Klimaphänomen El Nino. Die durchschnittliche globale Temperatur betrug 17,01 Grad. Der vorherige Rekord von 2016 (August) betrug 16,92 Grad.

Die Monate von November 2022 bis Oktober 2023 waren sogar die wärmsten seit 125.000 Jahren!

15,3 Grad betrug die mittlere Erdoberflächentemperatur, und 21,1 Grad C im globalen Mittel die Oberflächentemperatur der Ozeane – ein Rekordwert! Ursache sind die menschenverursachten Treibhausgase. Eine signifikante Erwärmung verzeichnet nicht nur der östliche und westliche Pazifik, sondern auch der atlantische und indische Ozean.

Kippunkte: 5 großen Natursystemen drohen unumkehrbare Umwälzungen (Quelle: Copernicus). Das besagt der Kippunktbericht von mehr als 200 Wissenschaftlern. Es geht um das grönländische und westantarktische Eisschild, die subpolare Zirkulation im Nordatlantik, Warmwasserkorallenriffe und einige Permafrostgebiete.

Konsequenz aus diesen alarmierenden Nachrichten: Wir müssen schnellstens die Emissionen durch Landnutzung und fossile Brennstoffe deutlich vor der Jahrhundertmitte stoppen! Die wirklich allerletzte Chance, um das größte Unheil noch abzuwenden!

Gegenüber dem vorindustriellen Niveau (Vergleichszeitraum 1850 – 1900) hat sich der gesamte Globus im Mittel energetisch bereits um 1,2 Grad C erwärmt.

In der Antarktis am Südpol herrschten ungewöhnlich hohe Temperaturen. Mit 8,7 Grad C wurde ein neuer Temperaturrekord aufgestellt, und zwar gemessen an der Polarstation Vernadsky.

Und die Arktis im hohen Norden verlor innerhalb eines Jahrzehnts 13 Prozent an Eismasse.

Die Frostgrenze kletterte im Hochgebirge zumindest vorübergehend bis auf über 2.500 m. (Foto: Knoppik)

In den Alpen werden in gewissen Zeitabständen Eisdicke, Masse und Volumen der Referenzgletscher gemessen und daraus Zukunftsprognosen abgeleitet. Die Geschwindigkeit der Gletscherschmelze ist ohne Beispiel. In den vergangenen 50 Jahren stieg der Eisverlust merklich an – auf etwa 335 Mrd. Tonnen pro Jahr, und zwar zwischen einem halben und einem ganzen Meter. Das ist zwei- bis dreimal mehr als der entsprechende Durchschnitt im 20 Jahrhundert. Wenig Schnee im Winter und eine anhaltende Hitzewelle im Sommer sorgen dafür, daß sämtliche Rekorde der Eisschmelze gebrochen werden. 3 Kubikkilometer Gletschereis gingen seit Jahresbeginn verloren.

Die Bergsteiger-Legende Reinhold Messner sagte, daß es früher nur alle 5 Jahre Fels- bzw. Gesteinsabbrüche gab, heute dagegen jedes Jahr!

Über 15,3 Mio. Hektar Wald wurden in Kanada, dem zweitgrößten Land der Erde, zerstört.

Ein Jahr zuvor, 2022, gab es in Europa 60.000 Hitzetote, davon 8.173 in Deutschland, 18.010 in Italien und 11.324 in Spanien.

Karl Josef Knoppik, 14. Januar 2024

3 Gedanken zu „2023 schlägt alle bisherigen Rekorde – wärmstes Jahr seit 1850“

  1. Es steht schlecht um den Skitourismus. Nun schließt das Skigebiet Jenner in Berchtesgaden, trotz erheblicher Investitionen.
    „Zuletzt kamen trotz günstiger Preise nicht mehr genug Menschen. Dass sich der Betrieb nicht weiter lohnt, liegt auch am Klimawandel: Denn ohne künstliche Beschneiung geht es nicht mehr. Diese rechne sich aber nur bei ausreichend vielen Skifahrern…
    Bei einer globalen Erwärmung um zwei Grad seien 27 Prozent aller europäischer Skigebiete in ihrer Existenz bedroht, hieß es darin. Die Schneesicherheit sei dann auch bei umfangreicher Beschneiung nicht mehr zu gewährleisten.“
    https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_100333716/klimawandel-skigebiet-in-bayern-schliesst-fuer-immer-steuergeld-weg.html

    1. „Zukunft des Skisports

      Tourismusforscher Steiger: „Immer weniger fahren in Österreich Ski“

      Hohe Kosten, die aufgrund des Klimawandels weiter steigen werden, haben vielen das Skifahren verleidet, sagt Tourismusforscher Robert Steiger“

      https://www.derstandard.de/story/3000000205699/immer-weniger-fahren-in-214sterreich-ski

      Wie ich die Winterberger kenne, werden sie sagen: Ist doch gut, dass die Leute nicht mehr in Österreich Ski fahren, dann kommen sie nach Winterberg.

      Das könnte allerdings eine Milchmädchenrechnung werden, denn auch in Winterberg ist das Skifahren teuer und vielleicht haben irgendwann die Menschen keinen Bock mehr darauf, viel Geld dafür zu bezahlen, dass sie a) im Stau stehen und b) wie heute im Regen auf Kunstschnee wedeln.

      Eine Zeit lang lässt sich der Schwamm „Skitourismus“ allerdings noch auspressen.

  2. Auch der Winter-Profi-Sport ist durch die Klimakrise gefährdet.

    „Fehlender Schnee – Quo vadis Biathlon?“, titelt die Sportschau, und berichtet über die gerade stattfindende WM in Nove Mesto:

    „Die Temperaturen sind seit Wochen zu hoch. Die WM in Nove Mesto kann gerade so stattfinden. Doch die Aussichten für die Schneesicherheit in Zukunft sind düster.

    Eine dünne weiße Schneeschicht sorgte am Donnerstag (08.02.2024) zumindest kurzzeitig für ein bisschen winterliches Flair, doch die Austragung der Biathlon-WM in Nove Mesto ist ein Kraftakt. Temperaturen teilweise deutlich über dem Gefrierpunkt, Dauerregen und Sturm erschwerten die Vorbereitung und warfen schon am ersten Wettkampftag einmal mehr die Frage auf: Wie lange ist professioneller Wintersport in Mitteleuropa fern alpiner Regionen überhaupt noch möglich, wenn es selbst Anfang Februar keine verlässliche Kälte und Schnee mehr gibt?“

    Alles lesen:
    https://www.sportschau.de/wintersport/biathlon/biathlon-wm-nove-mesto-schwierige-wetterlage-106.html

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