Newsroom: „Westfalenpost“ wird skelletiert. Zeitung entlässt ihren politischen Korrespondenten Winfried Dolderer.

Hier kommt noch ein Zitat hin (foto: zoom)
Dolderer: „Kläseners Ideal ist eine Zeitung, deren Gesichtskreis tunlichst nicht weiter reichen sollte als der Schattenwurf des sauerländischen Kirchturms mittags um zwölf.“ Hier die St.-Johannes-Evangelist-Pfarrkirche in Eversberg (foto: zoom)

Wie „Newsroom“ heute berichtet, hat Winfried Dolderer, Kommentator und einer der „prägenden Autoren“ der Westfalenpost, wenige Tage vor Weihnachten eine betriebsbedingte Kündigung erhalten.

Bereits ab dem 1. Januar 2013 dürfe Winfried Dolderer nicht mehr beschäftigt werden.  „Die ‚Westfalenpost‘ wird skelletiert“, so Bülend Ürük, Chefredakteur bei „Newsroom“.

Der WAZ-Konzern, zu welchem die Westfalenpost gehört, fahre einen scharfen Sparkurs, um die Rendite zu erhöhen. In diesem Jahr seien es „lediglich“ 120 Millionen Euro, die das Medienhaus erwirtschaften konnte. Die Zitrone müsse noch stärker ausgepresst werden, 20 Prozent sollten im gesamten Konzern eingespart werden.

Viele Opfer müsse auch die „Westfalenpost“ bringen. Das Blatt gelte als christlich-konservativ, ihr Chefredakteur, der gelernte Lokaljournalist Stefan Hans Kläsener sei studierter Theologe, er habe nie zuvor ein Blatt mit solch großen Auflage und so vielen Redakteuren geführt. Bei der gesamten „Westfalenpost“ hätte kein Gesprächspartner positive Worte für die Arbeit von Stefan Hans Kläsener gefunden. Im Duo mit seinem Stellvertreter, einem Westfalenpost-Eigengewächs, habe er zu viele Absprachen nicht eingehalten, die Identität der „Westfalenpost“ auf dem WAZ-Altar des Sparkommissars geopfert.

„Kläseners Ideal ist eine Zeitung, deren Gesichtskreis tunlichst nicht weiter reichen sollte als der Schattenwurf des sauerländischen Kirchturms mittags um zwölf“, zitiert Ürük den gekündigten Korrespondenten Dolderer.

Weitere ausführliche Hintergrundinformationen und interessante Einschätzungen hier bei Newsroom. Unbedingte Lesempfehlung.

7 Gedanken zu „Newsroom: „Westfalenpost“ wird skelletiert. Zeitung entlässt ihren politischen Korrespondenten Winfried Dolderer.“

  1. … „Ideal ist eine Zeitung, deren Gesichtskreis tunlichst nicht weiter reichen sollte als der Schattenwurf des sauerländischen Kirchturms mittags um zwölf. …“

    Den Anspruch erfüllt der WP-Lokalteil im Sauerland doch schon lange!

  2. Die Alternative zu einem bis zur Gesichts- und Inhaltlosigkeit heranreichenden Sparkurs, wäre es die Zeitung interessant, kritisch und geistreich zu gestalten. Das geht nur, wenn man auch über die Kehrseite aller Medallien berichtet.
    Ich habe die Konsequenz gezogen und teile mit meinem Nachbarn eine Zeitung. Somit habe ich den mir fehlenden halben Inhalt mit dem halben Preis ausgeglichen. Im Moment passt das Preis-Leistungs-Verhältnis so wieder. Ich hoffe, die Entwicklung der Zeitung geht nicht soweit, dass wir noch einen Dritten beteiligen müssen!

  3. @Ließchen Müller:
    Ich laste das nicht unbedingt den Journalisten vor Ort an. Schreiben können die ja. Die Frage ist genau in der Reihenfolge, ob sie a) Rückhalt für Recherche hätten und b) personell dazu in der Lage wären.

    Zu a) Was passiert, wenn der Bürgermeister oder der Chef XY erbost in Hagen anruft?

    Zu b) In Winterberg ist beispielsweise die Redaktion ziemlich mager besetzt. Wie soll da wann Recherche stattfinden?

    Nun ja, die LeserInnen stimmen dann irgendwie mittels Kaufverweigerung und Abo-Kündigung ab.

    @Denkmal

    c) Es gibt inzwischen viele Möglichkeiten ohne WP an Nachrichten zu kommen. Die Zeiten haben sich geändert.

    @all:

    An das Projekt Zeitungssharing habe ich auch schon gedacht, habe allerdings keinen Partner in der Nachbarschaft. Ich biete im Gegenzug die SZ.

  4. Man sollte die Schuld vielleicht nicht nur bei den Zeitungen suchen. Ich habe da selber gerade negative Erfahrungen gemacht. War allerdings keine Regionalzeitung.
    Denen wird das Leben dermaßen schwer gemacht, wenn sie mal jemandem mit großem Namen (berechtigt) auf die Füße treten. Passt jetzt vielleicht nicht zu 100% zum Thema, aber ist fakt!

  5. @Leon R.

    Ich denke, dass niemand „den Zeitungen“ Schuld gibt.
    Zeitungen sind ein Produkt, welches auch Journalismus beinhaltet.

    Den Journalismus produzieren die Journalisten und Redakteure, und dazu habe ich ja unter a)und b)etwas gesagt.

    Das heißt aber auch: wenn (fiktives Beispiel) Verlag und Chefredaktion mit der Wirtschaftslobby im Bett liegen, kann ein Redaktionshansl vor Ort nicht viel gegen eben diese Gschpusis recherchieren, na, ja – oder nur kritisch nachfragen.

    Dein Kommentar passte schon zum Thema, wenn er nicht so kryptisch wäre ;-)

  6. Ist natürlich richtig ;) … Habe mich nur auf das Zitat bezogen. Denn eine sehr kritische Berichterstattung wird durch Anschuldigungen die ich oben erwähnt hatte einfach problematisch … kann aber sein, dass wir da aneinander vorbei geredet haben.

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