Kevin Kühnert – oder: wie ich verstand, wie es um die SPD steht

Vor Ort: Kevin Kühnert diskutierte gestern in Berlin. (screenshot der spd-ankuendigung)

Am 11. Dezember 2018 war ich bei der „Diskussionsveranstaltung mit dem Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert im Wahlkreisbüro von Franziska Becker, MdA.“ Hier einige Eindrücke.

„Um 19.00 Uhr geht’s los – da sollte ich spätestens um 18.30 Uhr da sein!“, denke ich, und gesagt, getan, aber die Menschenmassen, die ich erwartet hatte, gibt es nicht: Als Kevin Kühnert kurz nach Sieben eintrifft, sind noch Plätze frei. „Gibt’s doch gar nicht! Wann hat man schon die Chance, dem einzigen lebenden SPD-Promi so nahe zu kommen?!“

Und das Publikum sind fast nur Senioren, und wie sich später herausstellt, SPD-Mitglieder. „Wo sind die Jungen? Die Menschen, die von außen einen kritischen Blick auf die SPD werfen? Wer soll denn da eine „Erneuerung“ der SPD …?“, frage ich mich.

Franziska Becker, MdA, begrüßt Kevin Kühnert und läßt ihn auf dem „Roten Sofa“ Platz nehmen: „Das ist mein neues Format, Du bist heute mein Versuchs …“, sagt sie und das Geplauder geht los: „Du bist 1989 in Berlin-Lankwitz geboren: Welche Bedeutung hat für Dich ‘West-Berlin’?“

Das ist alles sehr nett, Kevin Kühnert antwortet extra-sympathisch, spricht druckreif, aber Franziska Beckers Fragen überbieten an Harmlosigkeit locker die NDR-Talkshow, da bleibt als Antwort nur noch: „Ja, ich bin bekennender Tennis-Borussia Fan …“

Als es endlich „politisch“ wird, geht es um Lokales und Kevin Kühnert unterstreicht, wie wichtig Lokal-Politik sei, was man dort alles erreichen könne: „Wir haben den Preis des Sozialtickets um 8 Euro gesenkt, weil im HartzIV-Regelsatz nur 27 Euro für Mobilität vorgesehen sind …“

„Nicht schlecht“, denke ich, „aber wie wär’ es denn damit, den Hartz-IV-Regelsatz zu erhöhen, überhaupt erst einmal realistisch zu berechnen?“

Fragt sich jetzt jemand, wann ich endlich etwas wirklich „Interessantes“, „Wichtiges“ zu berichten habe? So geht es mir auch selber bei der Veranstaltung. Wie praktisch, dass dort eine Uhr hängt … immerhin der Zeiger bewegt sich … und dann auch noch:

„Willy Brandt!“, der das Senioren-Publikum bewegt, die goldenen Tage der SPD …

Kevin Kühnert reagiert auf den Zuruf aus dem Publikum und erklärt, dass Politik ja heute ganz anders aussehe, als zu Brandts Zeiten. Es sei ja bekannt – und nicht mehr rufschädigend –, dass Brandt mehrere Tage lang mit Depressionen in seinem Zimmer verschwunden sei, so etwas sei heute einfach undenkbar. Da würde „bei 3 Katastrophen pro Tag“ erwartet, dass man als Politiker „innerhalb von 5 Minuten ein druckreifes Statement in die Kamera spricht“ … es gäbe gar keine Zeit mehr für die Ausarbeitung großer politischer Ideen, den großen Wurf …

„Aber die Agenda 2010 war doch ein ‚Grosser Wurf’! Gerhard Schröder hat durchgesetzt, was Helmut Kohl und die CDU nicht wagten: Das mussten ‚Linke’ machen! …“, rufe ich in die heile SPD-Welt …

„Meinen Sie das ernst?“, fragt mich Franziska Becker. „Natürlich nicht!“, antworte ich, „ich finde es ganz schlimm, die SPD muss sich endlich von Hartz IV befreien …“, und zu Kevin Kühnert: „Sie stehen ja in der Öffentlichkeit wie ein Fels in der Brandung gegen Hartz IV, wie ein MONOLITH …“.

o.k., rhetorisch ist das ausbaufähig – aus dem Ungedulds-Stegreif entstanden –, aber bei „MONOLITH“ habe ich erst wirklich verstanden, was bei der SPD schief läuft: Kevin Kühnert ist der EINZIGE, der in der SPD für „Erneuerung“ steht …

Das zieht sich fortan – zumindest für mich – wie ein roter Faden durch die weitere Diskussion, Kevin Kühnert sagt selber: „Es gibt in der SPD ‚Linke’, die eine sehr gute Arbeit machen, zum Beispiel Matthias Miersch, ein echter Experte für ‚Umwelt’ …“, die aber in der Öffentlichkeit überhaupt nicht in Erscheinung treten, Kevin Kühnert: „…aber die ‚Linken’ in der SPD müssen auch für Ämter kandidieren … bei den SPD-Vorstandswahlen gab es für 45 Plätze gerade mal 47 Kandidaten …“.

Der SPD-Vorstand, der nach außen – für mich – als eine graue „neoliberale“ Wand erscheint, „homogen Hilfsausdruck“. Woher soll da die „Erneuerung“ kommen? Wenn alle dieselbe Position vertreten?

Bei der Publikums-Diskussion fragt dann auch ein Mitarbeiter von Franziska Becker: „Gibt es in der SPD ‚LINKE’?“, und so, wie er das fragt, steht die Antwort auch schon fest …

Nach der Diskussion spreche ich ihn noch einmal darauf an. Ihm fällt Marco Bülow ein, der gerade aus der SPD ausgetreten ist, der aber auch „nichts bewegt habe …“

Ich meine: „Einer allein kann es nicht schaffen, so gut kann ein Einzelner gar nicht sein …“

Für mich die „Erkenntnis“ des Abends.

Beeindruckend fand ich, dass ganz am Ende der Diskussion ein SPD-„Senior“ mit Nachdruck fragte – es ging ihm offensichtlich zu Herzen –, wie es um „Nachhaltigkeit“ in der SPD stehe. Er stellte die Frage, ob wir immer weiter, wie zur Zeit, „3 Erden verbrauchen wollen …“

Das war so ungefähr das, was ich vorab per e-mail als Frage an Kevin Kühnert eingereicht hatte, Zitat:

„Meine Frage an Kevin Kühnert:

„Haben Sie eine Vision für die Gesellschaft der Zukunft?“

… und ich verspreche, dass ich Kevin Kühnert NICHT zum Arzt schicke, Helmut Schmidt:

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“

Hintergrund ist, dass ich kürzlich „PRECHT“ sah, die Sendung mit Hans Joachim Schellnhuber: „Ist die Erde noch zu retten?“

Schellnhuber zitiert auch Kenneth Boulding:

„Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.“

„Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann andauernd weitergehen in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“

Soll heißen: SO kann’s nicht weitergehen … aber wie dann?

Das möchte ich gern wissen – als „Vision“ –, die natürlich nicht sofort realisierbar sein muss …“

43 Gedanken zu „Kevin Kühnert – oder: wie ich verstand, wie es um die SPD steht“

  1. -> „Das möchte ich gern wissen – als „Vision“ –, die natürlich nicht sofort realisierbar sein muss …“

    „(…) als „Vision“ –, die natürlich nicht sofort realisierbar sein muss …“
    Aber – Vorsicht, elastisches Zauberwort – „zeitnah“ umgesetzt werden sollte.

    Und ja, habe den „Bericht aus BÄRlin“ mit Schmunzeln und Grübeln gelesen.

    Mit Blick auf die Selbstwahrnehmung der Funktionärs-SPD – Seeheimer Kreis etc. – kommt mir Robert Gernhardts „Kragenbär“ in den Sinn …

    Apropos, Robert Gernhardt würde in wenigen Minuten „81“ geworden sein ;-)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Gernhardt

  2. @ gp

    „Aber – Vorsicht, elastisches Zauberwort – “zeitnah” umgesetzt werden sollte.“

    – wenn es um den ökologischen Aspekt geht (falls man ihn überhaupt getrennt betrachten kann), dann sollte es GANZ SCHNELL gehen:

    es wurde bei der Diskussion auch über den Braunkohle-Ausstieg gesprochen. Kevin Kühnert meinte (sinngemäß), daß es bei der „Kohlekommission“ vor allem um die Festlegung eines Ausstiegstermins gehe, und da man sich voraussichtlich nicht einigen werde, werde es wohl auf einen „Zeitraum von bis“ hinauslaufen …

    – mit meiner Frage nach der „Vision“ möchte ich auch nach einer „anderen Form des Zusammenlebens“ fragen – da geht es mir vor allem um einen Anfang, überhaupt erst mal eine Idee …

  3. „Und das Publikum sind fast nur Senioren, und wie sich später herausstellt, SPD-Mitglieder. „Wo sind die Jungen? Die Menschen, die von außen einen kritischen Blick auf die SPD werfen? Wer soll denn da eine „Erneuerung“ der SPD …?“, frage ich mich.“

    Das habe ich auch schon bei vielen SPD-Veranstaltungen hier im Sauerland erlebt. Die Gegenfrage wäre, bei welchen Parteien ist das anders?

    Die SPD spricht junge Menschen und Nichtmitglieder nicht an. Woran liegt es?

    Vielleicht erscheint Kevin Kühnert auch nur in der Innensicht und in der Medien-Außensicht als „Rebell“.

    Ist er in irgendwelchen außerparlamentarischen Bewegungen aktiv? Reißt er dort Menschen mit? Kevin im Baumhaus? Kevin bei der Antifa Demo?

    1. Kevin Kühnert hat eine riesige Medienpräsenz – immer noch –, google ihn doch einfach mal …

      auf der ersten Seite von google gleich 3 Videos, dieses übrigens zu Hartz IV und „27 Euro für Mobilität“ …: https://www.youtube.com/watch?v=UcgWQIcUMrY

      Wenn er diese Medienpräsenz nicht hätte, würde ich ihn ja gar nicht kennen, das war kein Zufall: „Wann hat man schon die Chance, dem einzigen lebenden SPD-Promi so nahe zu kommen?!“

      Bei der Diskussion ging es auch um „Kulturpolitik“ und die Frage, wie man junge Menschen ansprechen kann. Kevin Kühnert meinte (sinngemäß), dass die Künstler, die Jahrzehntelang die SPD begleitet hätten, bei einem jungen Publikum nicht mehr zögen …

      Er stehe in Kontakt mit jungen Künstlern und Medienschaffenden, ich glaube (ohne Gewähr), er hat „Joko & Klaas“ genannt.

    2. -> „Ist er in irgendwelchen außerparlamentarischen Bewegungen aktiv? Reißt er dort Menschen mit? Kevin im Baumhaus? Kevin bei der Antifa Demo?“

      Auszug Wikipedia:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Revoluzzer
      „Eine weitere Abwandlung dieses Wortes (Revoluzzer) stellt der „Salonrevoluzzer“ dar. Als solcher wird spöttisch-scherzhaft jemand bezeichnet, der sich zwar verbal bestimmten Vorstellungen, Ideologien oder Ähnlichem anschließt (häufig, um einem bestimmten Zeitgeist zu entsprechen), aber mit deren Umsetzung nichts zu tun haben möchte.“

      Rebellion kann Mühsam sein … ;-)

      https://de.wikisource.org/wiki/Der_Revoluzzer

      1. Kevin Kühnert hat einen Fulltime-Job als Politiker, er kam von einer Lokalpolitik-Veranstaltung direkt zur Diskussion …

        „Salon“ hätte Kevin Kühnert vielleicht gerne …

  4. Lese gerade bei hessenschau.de im Ticker:

    „Nach monatelanger Diskussion hat sich die Große Koalition in Berlin gestern Abend zu einem Kompromiss in Sachen Paragraf 219a durchgerungen. Die Quintessenz: Werbung für Abtreibungen bleibt strafbar, aber der Bund will verstärkt darüber informieren, was es damit auf sich hat und wer die Maßnahme durchführt.

    Eben hat mein Kollege Bodo Weissenborn mit der Kasseler Frauenärztin Nora Szász gesprochen. Sie sagt: „Wir sind schwer enttäuscht. Das, was da beschlossen wurde, ist einziges Mogelpaket, denn alles, was da beschlossen wurde, existiert schon.“

    Szász steht gemeinsam mit ihrer Kollegin Natascha Nicklaus seit Ende August vor Gericht. Der Grund: Auf ihrer Website steht, dass die beiden Schwangerschaftsabbrüche durchführen, als eine von vielen Leistungen. Abtreibungsgegner sehen darin Werbung für Schwangerschaftsabbrüche.“

    Was ist der Beitrag der SPD zum „Mogelpaket“?

    1. Paragraf 219a kam auch in der Diskussion.

      Kevin Kühnert hat sehr deutlich gesagt, dass er für die Abschaffung des Paragraphen ist.

      Sei aber mit der CDU nicht zu machen.

      Kevin Kühnert hat den „Kompromiss“ angekündigt, aber NICHT verteidigt.

  5. Den Genossen geht nicht nur das Geld aus sondern auch die Ideen, „Pippi Langstrumpf“ (Sie ahnen wen ich meine) freut sich auf Weihnachten… Währenddessen in der letzten Bundestagsdebatte über Weihnachtsgeld für die Kinder der „ärmeren“ Bevölkerungsschicht diskutiert wurde und natürlich abgelehnt. Übrigens was alles für diese Menschen von Amts wegen nicht geht, weil nicht in der Bedarfsrechnung enthalten, sind z. Bsp, zu Weihnachten , aber nicht nur dann:
    Haustier, Weihnachtsbaum, Geschenke und ein kandierter Apfel etc. als Symbol für den Gang über den Weihanchts (Winter)-Markt. Und da muss man sie mal gesehen haben mit ihren Diäten von ca. 9000 Euro in Vorfreude auf Urlaub und Weihnachten zu Hause, wie immer gar nicht bei der Sache… Da muss unser französischer Freund Macron doch schon bedeutend aufmerksamer sein. Da ging es relativ schnell: Mindestlohnum 100 Euro pro Monat hoch, Steuererhöhungen wahrscheinlich für Jahre auf Eis gelegt und es ist noch nicht zu Ende. Der „Napoleon der Neuzeit“ möchte offensichtlich noch ein wenig in seinem Palast ausharren !

    1. @ Nofretete

      der “Napoleon der Neuzeit” genießt es vielleicht, auf seinem Feldherrenhügel zu stehen – für alle gut sichtbar, als der „Messias der EU“ –, aber die großen Deals macht man sowieso unter Ausschluss der Öffentlichkeit, hinter verschlossenen Türen, wikipedia:

      „Investmentbanker

      Nach seiner Tätigkeit im Finanzministerium arbeitete Macron im Pariser Institut Montaigne, einer wirtschaftsliberalen Denkfabrik. Eingeführt von Serge Weinberg, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von La Redoute und Verwaltungsratspräsidenten von Sanofi, und Jacques Attali erhielt er 2008 mit 31 Jahren eine Position als Investmentbanker bei der Pariser Investmentbank Rothschild & Cie.[10][11][12] Zwei Jahre später wurde er Partner (associé-gérant) bei Rothschild. Im Jahr 2012 begleitete Macron eine der größten Übernahmen des Jahres, den Kauf der Säuglingsnahrungssparte des US-Pharmakonzerns Pfizer durch den Nahrungsmittelkonzern Nestlé für 11,9 Milliarden US-Dollar.[13][14]“

      Kann mir jemand erklären, wie so jemand mehr als 5 % der Wählerstimmen bekommen kann? Macron vertritt die Interessen von – sage ich mal – 5 % der Bevölkerung …

      1. „PROTESTE IN FRANKREICH

        «Wir sollten die Gilets jaunes umarmen»

        (…)

        WOZ: „Sie wollen Macrons Sturz? Die Linke liegt in Frankreich am Boden, auf ihn würde eher eine noch rechtere Regierung der konservativen Republikaner, wenn nicht gar des Rassemblement National folgen.“

        Prof. Geoffroy de Lagasnerie: „Es ist schwer, sich einen rechteren Präsidenten vorzustellen als Macron. Selbst die Republikaner haben gesagt, dass er in Sachen Steuern zu weit gehe. Macron wird ausserhalb Frankreichs zu links verortet. Ich bin bei weitem nicht mit allem einverstanden, was Jean-Luc Mélenchon von La France insoumise sagt, doch er steht für eine intellektuelle Linke, die mit den sozialen Bewegungen in Verbindung steht. Er steht für die Möglichkeit eines linken Sieges.“

        (…)“

        Quelle: https://www.woz.ch/-937b?fbclid=IwAR2avWTn6LUGVwifjfFnnM9ojvNAVJ76F53auj67g97wssHz-V7iHbX8cUw

    2. @nofretete

      Der Geiz und die Kaltherzigkeit gegenüber armen Kindern gehört zu den dunklen Kapiteln deutscher Politik – oder wie ist es sonst zu erklären, dass Kindergelderhöhungen regelmäßig auf Harz IV angerechnet werden?

  6. @Johanna

    -> „… dass Kindergelderhöhungen regelmäßig auf Har(t)z IV angerechnet werden?“

    Aber bitte. Irgendwie muss die „Schwarze Null“ doch in Teilen gegenfinanziert werden. Da werden halt gerne die sog. „Working Poor“ instrumentalisiert. Die „Brot-Leute“ sollen den „Kuchen-Leuten“ den roten Läufer ausrollen …?

    Die der „Hartz IV Doktrin“ verpflichteten Organe müssen „qua Gesetzgebung“ einen uralten Zaubertrick anwenden:

    „Liebes Kind, in Deiner linken Hand siehst Du einen 20-Euro-Schein. Und wenn ich jetzt ein Zauberwort ausspreche, ist der Zwanziger plötzlich in meiner Hand. Nicht sauer sein, liebes Kind. Du bist nicht um 20 Euro reicher … – Dir wurde „von Amts wegen“ der Begriff „Illusion“ erklärt.“

    Nun ja, das ist dann (Fort-)Bildungspolitik der besonderen Art.

    Kindergeld auf H-(IV) anzurechnen, ist ein „No Go“.

  7. Nun wir werden ja nicht gefragt – ob wir Macrons Sturz nun wollen oder auch nicht. Von mir aus kann er weiter Hof halten in Elyseé… Aber ein Großteil des französischen Volkes hat wohl etwas dagegen. Oder warum, und hier befrage sich jeder selbst, stellen sich 72jährige Rentnerinnen mit gelben Westen an einen Kreisverkehr und blockieren ? Nicht nur in Paris sondern auch in der Provinz. Sie sind gefragt worden und sie haben geantwortet: Sie tun das nicht für sich, sondern für ihre Kinder und Enkel. Das finde ich unglaublich ehrenwert. Währenddessen deutsche 72jährige auf den größten Dreckschleudern der Welt (Kreuzfahrtschiffen) so etwas ähnliches wie „Party machen“)! Leider ist die Party schon lange vorbei und schon jetzt fragen uns unsere Kinder und Enkel, welche Welt wir ihnen hinterlassen? Wurde in Kattowice sehr deutlich. „Freiheit , Gleichheit, Brüderlichkeit!“ Macron kann man nur empfeheln, zurück in die Schule, zur Lehrerin, von mir aus als Vogelscheuche in eine Theateraufführung . Zuviel Ehrgeiz hat schon immer geschadet.

  8. Die SPD versucht einmal mehr, die „Altlast“ Thilo Sarrazin loszuwerden, Zitat wikipedia:

    „Am 17. Dezember 2018 beschloss der SPD-Parteivorstand, ein drittes Parteiordnungsverfahren gegen Sarrazin einzuleiten. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil teilte mit, Grundlage für die Entscheidung sei der Bericht einer Untersuchungskommission zu Sarrazins zuvor getätigten Äußerungen und Veröffentlichungen. Die Kommission sei zu dem Schluss gekommen, „dass Sarrazin Thesen propagiert, die mit den Grundsätzen der SPD unvereinbar sind, und der Partei schweren Schaden zufügt“. Sarrazin hatte zuvor erklärt, er fühle sich in der SPD „nach wie vor gut aufgehoben“.[163]“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Thilo_Sarrazin#Drittes_Parteiordnungsverfahren

    Es geht vermutlich im weitesten Sinne um Sarrazins „Islamfeindlichkeit“.

    Und nicht um das, was Sarrazin im Zusammenhang mit Hartz IV sagte, Zitat Wikipedia:

    „Vorschläge Sarrazins zu einer Änderung der Berliner Sozial- und Bildungspolitik, insbesondere für Kürzungen im sozialen Bereich, waren oft von Protesten begleitet.[70] Im Februar 2008 gab er Tipps, wie ALG-II-Empfänger sich für weniger als vier Euro pro Tag ernähren könnten. Kritik dazu kam vom Deutschen Caritasverband, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und der damaligen Berliner Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner.[71] Der CDU-Politiker und frühere Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit, Heiner Geißler, stellte fest: „Die Fehler, Irreführungen und defizitären Argumente des Senators schreien zum Himmel und werfen ein schlechtes Licht auf die Berliner Finanzverwaltung.“ Man dürfe auch fragen, „ob ein Berliner Regierungsmitglied mit ‚Geiz ist geil‘-Parolen arme Leute folgenlos verhöhnen darf“. Wenn Massenarmut in Wut und Aggression umschlügen, trügen auch „politische Provokateure wie Sarrazin“ dafür die Verantwortung.[72]

    Im Mai 2009 sagte Sarrazin gegenüber dem Magazin Stern zum Umgang Arbeitsloser mit Energie: „‚Hartz-IV‘-Empfänger sind erstens mehr zu Hause; zweitens haben sie es gerne warm, und drittens regulieren viele die Temperatur mit dem Fenster.“ Das Sozialsystem müsse so geändert werden, „dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann, was heute der Fall ist“. Vielmehr müsse die Politik dafür sorgen, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die „damit fertig werden“.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Thilo_Sarrazin#Tipps_für_Hartz-IV-Empfänger_und_Positionen_zur_Altersversorgung

  9. „Müller gibt politischen Ausblick auf 2019

    Berlin will Tausende Wohnungen von ‘Deutsche Wohnen’ kaufen

    rbb, 11.01.19

    Um Mietenexplosionen und Verdrängung in Berlin entgegenzuwirken, setzt Rot-Rot-Grün auf Wohnungsbau und Kommunalisierung. In seiner ersten Pressekonferenz 2019 kündigt der Regierende Bürgermeister auch Verhandlungen mit der ‘Deutsche Wohnen’ an.

    Das Land Berlin will Tausende Wohnungen vom Immobilienkonzern ‘Deutsche Wohnen’ zurückkaufen. Das teilte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Freitag auf seiner ersten Pressekonferenz 2019 mit. Konkret geht es um die Wohnungsbestände der Firma ‘GSW’, die einst in Landesbesitz war und die heute der ‘Deutsche Wohnen’ gehört. „Ich hätte gern wieder die Bestände der alten GSW in unserem Besitz“, sagte Müller. Der GSW-Gesamtbestand in Berlin beläuft sich auf rund 60.000 Wohneinheiten.

    (…)“

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/01/berlins-regierender-buergermeister-mueller-politischer-ausblick-2019.html

  10. Der arme offenbar sehr verbissene Sarazzin. Er weiss wirklich nicht wie sich „Armut“ anfühlt. Er weiss, wie sich Bücher verkaufen. Er weiss wie sich Populismus anfühlt, Auf irgendeiner imaginären Welle nach oben zu schwimmen – bis dein Gesicht jeder kennt… Bedauernswert, um sich später darüber zu beschweren, gehackt worden zun sein. Aber genau darauf beruht das System. Es ist krank – und obwohl es mir schwerfällt, ieber Herr Harbeck, es genügt nun mal nicht bei Facebook zu kündigen… um es dann wieder zurück zu nehmen. (Ich habe zuviele in dieselbe Falle tappen sehen) Sie sollten einen anderen Weg einschlagen. Zumal im Osten. Ich habe Ihre Bücher gelesen, ich bin offenbar eine der Wenigen im Sauerland die Sie als Schriftsteller estimiert haben ( die lesen hier halt nicht – ausgenommen das Schützenfestprogramm). Kann Ihnen und Ihrer Partei ja auch niemand vorschreiben – aberim Osten braucht es echt ein anderes Kaliber. Nicht so weich gespült !
    t

    1. @ Nofretete

      Ich halte Habecks Spontanreaktion auf den Pennäler-Hack für unprofessionell.
      Ein mit reichlich Vorschusslorbeeren versehener potentieller Kanzlerkanditat sollte in dieser Causa mehr Souveranität im Umgang mit twitter und facebook beweisen.
      Dumm gelaufen!

      1. @ R.S.

        -> „Ich halte Habecks Spontanreaktion auf den Pennäler-Hack für unprofessionell.“

        Tja, so isses wohl.
        Hat was von „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass”.

        In den 1970ern gab es viele Sorten Schokolade.
        Eine der erfolgreichsten war die „Milka Noisette“.

        Diese Schokolade wurde beworben mit:

        „Milka Noisette ist der leckere Schokoladengenuss mit cremig-nussiger Noisette in zartschmelzender … “

        Ersetze ich den Produktnamen durch den Namen Habeck …?

        Kommen eben von nem kleinkreisigen Treffen mit „Kohorte Baujahr 1954/1956“ – aka (dicke!) Freunde – zurück.

        Uli merkte irgendwann an:
        „Wie wären wohl Herbert Wehner, Peter Glotz etc. mit den SM-Plattformen umgegangen???“

        Hätte Wehners Bonmot: „Der Kanzler badet gern lau — so in einem Schaumbad.“ einen Shitstorm ausgelöst?

  11. „Kühnert will in den SPD-Vorstand

    Auf dem Treffen in Berlin wird auch über den Vorstand abgestimmt. In den drängt auch Juso-Chef Kevin Kühnert. Er halte es für nicht schlüssig, zwei Jahre lang immer wieder auch Kritik zu äußern und Kursänderungen zu fordern, die Verantwortung dafür aber anderen zu überlassen, sagte der 30-Jährige der »Süddeutschen Zeitung«.

    Kühnert schloss zugleich aus, Generalsekretär der Partei zu werden. Auf die Nachfrage, ob er sich den Posten des stellvertretenden Parteivorsitzenden vorstellen könne, sagte er: »Das würde ich zumindest nicht ausschließen, dass das passieren könnte. Wir müssen ja jetzt nicht um den heißen Brei herumreden.«“

    Quelle: „SPD-Vorsitz: Sticheleien zum Stichwahl-Beginn“, 19.11.2019, https://www.tagesschau.de/inland/spd-stichwahl-tv-duell-101.html

  12. @Andreas Lichte

    Die taz berichtet:

    https://taz.de/Neuer-Vizechef-in-der-SPD/!5648114/

    „Ein Star tritt auf

    Kevin Kühnert zündet ein rhetorisches Feuerwerk beim SPD-Parteitag in Berlin. Der Jusochef ist nun einer von fünf Vizechefs der Partei.

    […]

    Es gibt bei Parteitagen oft den einen spektakulären Moment. Um kurz vor sieben zündet Kevin Kühnert ein rhetorisches Feuerwerk, das alle anderen Reden überstrahlt. Er sieht sich als „Mittler“ zwischen der Partei und den Jungen, den alten GenossInnen und der Internetwelt. „Unsere Partei müsste die Demokratisierung von Kommunikation durch das Internet spannend finden“ sagt er. Ihr habt keine Ahnung von der digitalen, individualisierten Rezo-Welt da draußen, deshalb braucht ihr mich. Das sagt Kühnert nicht, aber zwischen den Zeilen irgendwie doch. Er kann geschickt zwischen den Zeilen reden.“

    1. @ zoom

      meine Reihenfolge war:

      erst den taz-Artikel gelesen – „so viel Jubel – was ist da los?!?“ –

      und deshalb dann die Rede im O-Ton gehört …

      jetzt natürlich die Frage:

      wie findest Du die Rede von Kevin Kühnert (das Original)?

      1. @Andreas Lichte

        Das war auch meine Reihenfolge.

        Die Rede fand ich frisch und pointiert. Wichtige Themen angesprochen.

        Ich hoffe, dass der „Kühnert-Drive“ die SPD mehr verändert als ihn der Parteiapparat.

        Und dann muss das Ganze ja auch noch „draußen im Lande“ ankommen.

          1. Ja, das hat er gut gedreht!

            Was meinst du / meint ihr? Soll ich die Rede noch mal als eigenen Beitrag verlinken?

            Dann könnten wir darunter weiter kommentieren.

          2. @ zoom

            gut fand ich auch, wie Kevin Kühnert das „Rote Socken“-Bild in sein Gegenteil verwandelt hat …

            Einen eigenen Beitrag mit Kevin Kühnerts Rede brauche ich persönlich nicht, mehr muss ich dazu erst mal nicht sagen.

            Entscheidend jetzt die Taten, die den Worten folgen, oder eben auch nicht:

            „Tra il dire e il fare c?e di mezzo il mare“

            „Zwischen dem Sagen und dem Tun ist in der Mitte das Meer.“

            „Sagen und Tun sind zweierlei, gesagt ist noch längst nicht getan.“

            gibt es ein deutsches Sprichwort, dass das so deutlich und reimend sagt, wie das Italienische?

  13. Der „laute Fritz“ aus dem Sauerland äußert sich als Gastredner auf dem Parteitag der CDU Sachsen-Anhalt in Magdeburg sehr „respektvoll“ über SPD und speziell K.K.

    (siehe u.a. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/friedrich-merz-sieht-spd-in-der-letzten-suizidalen-phase-a-1300213.html)

    „Der frühere Unionsfraktionschef Merz sagte demnach: Er frage sich, ob die SPD „geistig und intellektuell“ noch dabei sei. „Oder lassen die sich von einem Dauerstudenten, der noch nie in seinem Leben Geld verdient hat, auf der Nase herumtanzen?“ Wenn aus der SPD eine „Selbsthilfegruppe Kevin Kühnert“ werde, müsse man sich fragen, wie lange das noch gut gehen könne.“

    Lieber Herr Merz:
    Ihnen ist der Name Paul Ziemiak bzgl. „Person ohne Berufsabschluss“ geläufig?

  14. Vielleicht trauert Merz um seine angepasste, verpasste Jugend, wenn er sich selbst im Alter von 30 Jahren und dann Kevin Kühnert sieht.

    Seine Position zur AfD ist in Ordnung und so sollte er als „Elder CDU-Member“ den Rest seiner politischen Karriere mal frotzelnd, mal stichelnd vor sich hinwelken.

  15. Geständnis am Abend des 2. Advent:

    Wir schauten eben Anne Will. Kevin Kühnert „on Fire“ … – Paul Ziemiak ratlos Phrasen dreschend.

    Zitat aus Wills Twitter-TL:

    „Mega unfair, dem Paule bei #AnneWill gleich zwei intelligente Frauen (***) & Sprengkommando #Kühnert gegenüber zu setzen“

    (***) Jagoda Marini?, Cerstin Gammelin

  16. SPD: wenn Feindbilder lebendig werden …

    „Neuer Job für Ex-SPD-Chef

    Gabriel wird Banker

    (…)

    Bank statt Auto-Lobby

    „Mit einer nun klaren Strategie und ihrem starken Führungsteam hat die Deutsche Bank als eine der wichtigsten Finanzinstitutionen in Europa die Chance und die Verantwortung, die Zukunft der deutschen und europäischen Wirtschaft mit zu gestalten. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten“, erklärte Gabriel.

    (…)“

    zum vollständigen Feindbild: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/gabriel-deutsche-bank-103.html

  17. „Islamismus und postlinke Ignoranz

    heise, 23. Oktober 2020, Tomasz Konicz

    Nun soll „die Linke“ auch noch irgendwie am islamischen Terror schuld sein – das meinen zumindest Deutschlands scheidende Berufslinke. Eine Polemik

    Manchmal scheint es geradewegs so, als ob eine ganz besondere Art von Ignoranz notwendig wäre, um im bundesdeutschen Medienzirkus breit wahrgenommen zu werden. Der scheidende Juso-Chef Kevin Kühnert, der gerade die parteiübliche Metamorphose zum Sachzwangpolitiker durchmacht, begleitet seinen Abschied von der Linken mit den üblichen opportunistischen Anbiederungen an den reaktionären Zeitgeist, die in der ebenso üblichen, abgestandenen Pose des unbequemen Klartextredners und aufrechten Rebellen vorgetragen werden.

    Die Linke müsse ihr „unangenehm auffälliges Schweigen“ bezüglich des islamistischen Terrors brechen, so Kühnert in einem für ‘Spiegel Online’ verfassten Kommentar (…)“

    weiter: https://www.heise.de/tp/features/Islamismus-und-postlinke-Ignoranz-4937609.html?wt_mc=rss.red.tp.tp.atom.beitrag.beitrag

    1. Vielleicht hat Kühnert schon von Beginn an rhetorische Girlanden geflochten. In Stil und Redegeschwindigkeit erinnert er mich an Sigmar Gabriel. Ich warte ab.

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