Winterberg: „Man muss mit dem Chaos leben“
Heute Morgen zeigt das Außenthermometer plus 3 °Celsius. Es fällt feuchter Schnee, der sich nur schwer zur Seite schüppen lässt. Zum Glück ist die Menge überschaubar. Unseren Teil des Gehwegs habe ich geräumt. Alles halb so wild.
Meine DWD-Warnwetter-App zeigt für die Kernstadt Winterberg auch in den nächsten Tagen Temperaturen um den Gefrierpunkt an. Das bedeutet erstens, dass der Schnee wahrscheinlich liegenbleibt und zweitens, dass die Tourist*innen am Wochenende in Winterberg einfallen werden.
Für mich heißt es: Meide die Kernstadt Winterberg und antizipiere die möglichen Staus. Wenn die Blechlawine über Olsberg, Assinghausen und Niedersfeld nach Winterberg rollt, ist es bspw. schwer von der L 742 auf die B 480 einzubiegen.
Das Chaos scheint vorprogrammiert, aber unsere Lokalzeitung hat gute Nachrichten, wie Winterberg den Übertourismus in den Griff bekommen will:

„Man muss mit dem Chaos leben“ – das ist mal eine ehrliche Ansage, statt der vielen Versprechungen (Verkehrsleitsysteme, mehr Parkraum, Eigenverantwortung der Tourist*innen, usw.), die das Chaos der vergangenen Jahre nicht haben in den Griff bekommen können.
Die Hauptsache ist: diejenigen, die im Winterchaos Geld verdienen, tun das weiterhin und diejenigen, die das Chaos veranstalten, nämlich die Tourist*innen, geben weiterhin ihr Geld in Winterberg aus.
Einnahmen + Ausgaben = Chaos
Das Komplement zu Chaos ist übrigens Kosmos. Ich wünsche euch ein geruhsames Wochenende.

wunderbarer artikel in der wunderbarsten lokalzeitung. seit geraumer zeit wird ja auch von den winterberger verantwortlichen verbreitet, dass natürlich nicht die ski-touristen problematisch sind, die parken ordentlich, benehmen sich gut, sind also freundlich, sondern die unverschämten winterwetter-touristen, die also nur zum gucken kommen, die sind jetzt das problem – vor allem für unsere ticket-verkäufer – wie ärgerlich wenn diese touristen einfach kommen und nicht ihre skilift-tickets kaufen.
diese wunderbarste lokalzeitung berichtet ja auch täglich von november bis märz in jubelstürmen über schneehöhen, voraussichtliche schneehöhen, und kommende noch höhere schneehöhen aus – und ob 1 oder 5 oder 40 oder 8o lifte laufen. vielleicht sprechen die verantwortlichen, die chaos reduzieren wollen mal mit den journalisten, da hätte man ja mal einen hebel, aber dann müsste man ja die touristenzahlen reduzieren wollen, das will man natürlich nicht. oder man könnte die events reduzieren, oder könnte die marketing-etats kürzen, oder führte endlich das vom bürgermeister mal angeregte kostenlose bahnticket ein, das man automatisch bekommt, wenn man ein tagesticket bucht.
„man“ muss ja auch nicht wirklich mit dem chaos leben. die sowas sagen, wohnen sicher nicht dort, wo dieses chaos stattfindet und sind sicher keine anwohnenden an der B480, der L740, der L742 oder B236 – über die die touristenmassen ins sauerland walzen.
und man könnte sich ja auch mal mit der infrastruktur beschäftigen, und statt alberner vorschläge wie einen 30 kilometer-tunnel, über die schnelle realisierung von ortsumgehungen nachdenken. aber ich fürchte, das ist alles viel zu konkret und dann ist so ein satz „man muss mit dem chaos wohl leben“ erheblich einfacher und man verkauft weiter tickets, tickets, tickets und in winterberg profitieren die üblichen 5 0der 6 unternehmer, und machen sich die taschen voll. aber schafft ja arbeitsplätze, jedenfalls jede menge prekäre beschäftigungsverhältnisse.
@Chris
„dass natürlich nicht die ski-touristen problematisch sind, die parken ordentlich, benehmen sich gut, sind also freundlich, sondern die unverschämten winterwetter-touristen, die also nur zum gucken kommen“
Ja, das ist mir auch aufgefallen. Die bösen Tourist*innen, die nur zum Gucken kommen. Und dann lese ich demnächst wieder Jubelstürme aus der Winterberg-Touristik, dass Winterberg Platz 1, 2 oder 3 bei den meistfotografierten Orten Deutschlands belegt.
Die Ausreden und Entschuldigungen der Winterberger*innen sind sind immer kurzfristig und situationsbedingt – Hauptsache der Rubel (Euro) rollt.