„Den Krieg gründlich verlernen“

Eine Lese-Empfehlung zum neuen Buch von Bruno Kern

Buchumschlag. Hintergrundfarbe grau. In einem hellgrauen Kasten oben in der Mitte steht

Bruno Kern
"..DEN KRIEG 
GRÜNDLICH 
VERLERNEN"

Darunter auf dunklerem Grau strecken von links und rechts je ein Arm die schwarz-behandschuhte Hand nach ein weißen Friedenstaube in der Mitte darüber aus. Das Weiß der Taube hat graue Streifen.

In der Ecke links und rechts sind zwei Knie zu sehen. Ärmel und Hose (Knie) erinnern an Camouflage: hell/dunkel braun/beige gefleckt
Umschlagbild

Bruno Kern (Jg. 1958), Theologe, Philosoph und freischaffender Autor mit öko-sozialistischem Hintergrund, kommt der allgegenwärtigen Kriegsertüchtigung mit seinem jüngsten Buchessay in die Quere.

(Eine Rezension von Peter Bürger)

1. Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde unter dem Vorzeichen von „9/11“ (Terrordiskurse) der Zusammenhang zwischen der aggressiven Form des Wirtschaftens und der Kriegsapparatur selbst in weiten Teilen der Friedensbewegung ausgeblendet. Kern erinnert daran, dass vom Kapitalismus nicht schweigen darf, wer den Krieg anklagt (gegenwärtige Schauplätze u.a.: Militärdoktrinen und knappe Rohstoffbasis, vermeintliche Ankurbelung der Wirtschaft durch – parasitäre – Aufrüstung). Er plädiert jedoch gleichermaßen für eine Überwindung von kapitalistischer Produktionsweise und für eine Abrüstung des mit begrenzten Lebensgrundlagen unverträglichen Industrialismus .

2. Im nächsten Buchkapitel wird die These untermauert, dass es ohne einen radikalen Abschied von der „Militärlogik“ nicht einmal ansatzweise vorstellbar ist, die ökologische Krise (und somit unermessliche Leiden auf dem Erdkreis) abzumildern. Die gigantischen ökologischen Verheerungen durch Rüstungsproduktion, militärische Infrastrukturen und heiße Kriegsschauplätze betreffen nur eine Seite der Medaille. Umwälzungen im Zuge der Erderhitzung bringen neue militärische Konflikte hervor. Der Abschied von der fossilen Energiewirtschaft verändert auch das Ringen um jene knappe Ressourcen, die für technologische Transformationen zentral sind (Neodym für Windräder; Grafit, Kobalt und Lithium).

3. Ein dichtes, sehr gelungenes Kapitel ist dem „Lehrstück Ukraine“ gewidmet; es kann einer Leserschaft, die dem vorherrschenden massenmedialen Diskurs nicht mehr blind folgen will, Wege zu einer neuen Gesamtsicht der sogenannten „Zeitenwende“ ab 2022 eröffnen.

4. In einem vierten Durchgang geht es um „Herrschaftsideologien und Gewaltmythen“. Dem herrschaftsdienlichen Dogma vom bösen Menschen wird mit Erich Fromm unsere Begabung zu Kooperation und gewaltfreier Konfliktlösung entgegengestellt. – 5. Die in den Tod verliebte Militärmaschine ist weder ein Naturphänomen noch alternativlos innerhalb der kulturellen Evolution bzw. ‚Menschwerdung‘. Destruiert werden die Lehre vom „Krieg als Motor des Fortschritts“, das Heilsversprechen der Atombombe und die aberwitzige Vorstellung, man könne Industriegesellschaften mit den Mitteln des modernen Krieges (u.a. Bereitschaft zur Totalzerstörung) verteidigen.

5. Im Schlusskapitel blickt der Autor als Theologe auf Religion als mögliche „Sinnressource und Motivation pazifistischen Handelns“ (derweil predigen jetzt auch die deutschen Großkirchen „Kriegstüchtigkeit“).

Ausblick zu dieser Wegweisung von Bruno Kern
: Wir müssen im dritten Jahrtausend die ultimativ aggressive, „Ökonomie – Staat – Militär“ auf unheilvolle Weise zusammenschweißende Zivilisationsmatrix überwinden. Sie ist die Basis einer irrationalen, gleichwohl allerwegen als „Vernunft“ angepriesenen Zerstörung aller Lebensgrundlagen. In einem Teufelskreislauf gebiert dieser Komplex unentwegt auch jenen Überbau einer Militarisierung des gesamten Erdkreises, der die kulturelle Entwicklung eines globalen Kooperationsgefüges und das Gemeinsam-Gewinnspiel einer Menschheit, die sich endlich als Schicksalsgemeinschaft zu verstehen lernt, sabotiert:

No Peace – no Future!


Bruno Kern:
„… Den Krieg gründlich verlernen“
. Marburg: Büchner Verlag 2025. [ISBN 978-3-96317-435-3; 148 Seiten; 16 Euro – alternativ: E-Book-Formate.
https://www.buechner-verlag.de/buch/den-krieg-gruendlich-verlernen/]

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