{"id":9985,"date":"2010-11-23T21:32:24","date_gmt":"2010-11-23T20:32:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=9985"},"modified":"2014-05-16T21:55:47","modified_gmt":"2014-05-16T20:55:47","slug":"ciudad-mexico-eine-kleine-ruckschau-auf-die-osterzeit-juanito-ein-sprachkurs-und-die-puderdose-als-teil-der-osmanischen-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ciudad-mexico-eine-kleine-ruckschau-auf-die-osterzeit-juanito-ein-sprachkurs-und-die-puderdose-als-teil-der-osmanischen-kultur\/","title":{"rendered":"Ciudad Mexico: Eine kleine R\u00fcckschau auf die Osterzeit, Juanito, ein Sprachkurs und die Puderdose als Teil der osmanischen Kultur."},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9989\" title=\"zocalo01\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/zocalo01.jpg\" alt=\"Kennt man aus jedem Reisef\u00fchrer: der Zocalo, der Hauptplatz von Mexiko-Stadt. Dort haben die Spanier einfach mal ne Kirche auf die zerst\u00f6rten Azteken-Tempel gesetzt. (foto: koerdt)\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/zocalo01.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/zocalo01-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><\/p>\n<p><em>Dieser Artikel ist <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?author=23\" target=\"_blank\">Teil einer pers\u00f6nlichen Serie<\/a> \u00fcber das Leben in Mexico-City. Er beinhaltet heute eine kleine R\u00fcckschau auf die Osterzeit, ist aber irgendwie auch zeitlos, denn ehe ihr euch verseht, ist die dunkle Jahreszeit vorbei und Ostern steht wieder vor der T\u00fcr. Au\u00dferdem pflegen die Beitr\u00e4ge eine gewisse Chronologie, die nicht durchbrochen werden soll. Die beiden ersten Teile der Serie sind <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=9935\" target=\"_blank\">hier <\/a>und <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=9945\" target=\"_blank\">hier <\/a>zu finden.<br \/>\n<\/em><br \/>\n<strong>Hola a todos,<\/strong><\/p>\n<p>einige haben mich gefragt, wie denn die Osterzeit in Mexiko sei, in diesem hochkatholisches Land. Was soll ich sagen? Ich habe keine Ahnung, hier in meinem Viertel l\u00e4uft das normale Leben und es finden keine Prozessionen statt. Die gibt es in den Stadtbezirken etwas weiter au\u00dferhalb; und eigentlich wollte ich vorgestern auch nach Iztapalapa fahren. Das liegt im S\u00fcdosten der Stadt und ist bei weitem nicht mehr so kuschelig wie meine &#8222;colonia&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Kermit der Frosch und die &#8218;barrio&#8216; sesamo<\/strong><br \/>\nIch habe jetzt erfahren, dass die Stadtviertel hier gar nicht &#8218;barrios&#8216; hei\u00dfen, sondern &#8218;colonias&#8216;, deswegen hei\u00dft auch die mexikanische Sesamstra\u00dfe nicht &#8218;barrio sesamo&#8216; wie in Spanien sondern &#8218;plaza sesama&#8216;; Kermit, der Frosch hei\u00dft \u00fcbrigens Ren\u00e9, was wohl eine Anspielung auf rana (Frosch) sein soll, aber ich schweife ab&#8230;<\/p>\n<p><strong>Welch&#8216; ein Mann: Juanito und die Politik<\/strong><br \/>\nAlso, Iztapalapa, dort bin ich nicht hingefahren, weil es mir vorgestern wegen einer dusseligen Erk\u00e4ltung mehr als bescheiden ging. Jedenfalls sollte dort die gr\u00f6\u00dfte Prozession in dieser Stadt stattfinden. Eigentlich frage ich mich schon, warum ich mir diese katholische Inszenierung anschauen wollte, denn schlie\u00dflich w\u00fcrde ich das in Deutschland auch nicht tun. Vielleicht weil ich gehofft habe, dort auf Juanito zu sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Juanito, mit b\u00fcrgerlichem Namen Rafael Acosta \u00c1ngeles, ist seit letztem Jahr dortiger Bezirksb\u00fcrgermeister. Ich glaube, er hat einen unglaublichen Unterhaltungswert. Fr\u00fcher war er Pornodarsteller und Eisdielenbetreiber. Passenderweise ist er Mitglied der Arbeiterpartei. Diese h\u00e4tte aber bei den Wahlen nicht die geringste Chance gehabt, da eigentlich die Partei der demokratischen Revolution (PRD) dort die Nase traditionell vorne hat.<\/p>\n<p>Durch ein -ich nenne es mal- ungl\u00fcckliches, vielleicht auch dusseliges R\u00e4nkespiel innerhalb der Partei, haben sie den Sieg verspielt: der PRD-Obere Andr\u00e9s Manuel L\u00f3pez Obrador konnte seine Wunschkandidatin nicht durchsetzen und machte Wahlkampf f\u00fcr die Arbeiterpartei und f\u00fcr Juanito (der \u00fcbrigens L\u00f3pez Obrador diesen Namen zu verdanken hat, weil der w\u00e4hrend einer Wahlveranstaltung seinen richtigen Namen vergessen hat und dann immer von diesem &#8222;H\u00e4nschen&#8220; sprach), dem er vorher das Versprechen abgerungen hatte, im Falle eines Wahlsiegs sofort zur\u00fcckzutreten und seiner Wunschkandidatin den Weg freizumachen.<\/p>\n<p><strong>Nach dem Wahlsieg bitte eine Frau<\/strong><br \/>\nDoch Juanito dachte nach seinem Sieg gar nicht mehr daran. Im Gegenteil: er drehte nach seinem Wahlsieg erst einmal richtig auf und wurde zum absoluten Medienliebling, der auch schon einmal \u00f6ffentlich-rechtlich verk\u00fcndet, dass er eine Frau suche: Haarfarbe egal, aber bitte mit &#8222;dicken Titten&#8220;. Seine Vorbilder, die er in einem Atemzug nennt, sind Fidel Castro, Hugo Chavez und Rambo. Und falls ihr euch selbst einen Eindruck machen wollt, schaut einfach mal bei youtube nach &#8222;Juanito&#8220; und &#8222;Iztapalapa\u00e2&#8220;. Auch wenn ihr kein Wort Spanisch versteht, kriegt ihr schon ein bisserl von der politischen Kultur hier mit.<\/p>\n<p><strong>Zuerst erpresst die Mafia, dann kassiert die Polizei<\/strong><br \/>\nAuch wenn es ein netter Gedanke w\u00e4re, hier im Viertel ein kleines, feines Bistro-Restaurant mit \u00f6kologisch-korrektem Essen (ich glaube, das k\u00e4me bei der Klientel hier gut an) aufzuziehen, so sehr schrecken einen doch die Geschichten \u00fcber die Korruption ab. Ich habe mal eine Deutsche getroffen, die sich jetzt mit einer deutschen B\u00e4ckerei in einem kleinen Ort s\u00fcdwestlich von Mexiko-Stadt selbst\u00e4ndig machen wollte. Vorher sei sie in Pachuca gewesen; dort hat sie aufgegeben: zuerst erpressten zwei Mafia-Familien Schutzgeld, als dann auch noch die Polizei kassieren wollte, war es ihr schlie\u00dflich doch zuviel.<\/p>\n<p>Wie die Gelder zwischen den Parteien hier in Mexico flie\u00dfen, wei\u00df wahrscheinlich kein Au\u00dfenstehender und Juanito wird wohl ausreichend von Herrn L\u00f3pez Obrador erhalten haben, sonst m\u00fcsste er auch nicht um sein Leben f\u00fcrchten, wie er sich jetzt auch einmal im Fernsehen beklagte.<\/p>\n<p><strong>Mein kleiner Spanischkurs<\/strong><br \/>\nAlso, wie gesagt, sonderbar Katholisches kann ich euch nicht \u00fcber Ostern berichten, daf\u00fcr schreitet aber mein Spanischkurs an der Uni voran und damit auch die interkulturellen Missverst\u00e4ndnisse: ich glaube, ich entwickele ein besonderes Faible f\u00fcr Belde aus Istanbul. W\u00e4hrend zwei Frauen aus Brasilien eigentlich sprachlich den Unterricht bestreiten und bei dem Sprachtempo selbst die Lehrerin nicht mehr hinterher kommt zu beurteilen, ob das jetzt schiefes Spanisch sei und ich mich im Vergleich zu deren Temperament als absolute Spa\u00dfbremse und tr\u00fcbe, blasse Wurst aus Deutschland wahrnehme, bringt Belde von Zeit zu Zeit Kommentare, die selbst die Copacabana-Chicas verstummen lassen.<\/p>\n<p><strong>Pudern muss sein: eine Einweisung in die t\u00fcrkische Kultur und das gro\u00dfosmanische Welterbe<\/strong><br \/>\nMal ein kleiner Seitenhieb auf die Homo-Ehe (das ist ja widerlich), dann ein kleiner historischer Exkurs, der darauf hinauslief, dass doch eigentlich auch der Libanon zum gro\u00dfosmanischen Reich geh\u00f6re und somit Herr Slim (Mexikaner, reichster Mann der Welt und Sohn eines Libanesen) eigentlich auch ein halber T\u00fcrke sei. Womit auch bewiesen sei, dass die T\u00fcrken die besten Gesch\u00e4ftsleute seien. In einer der ersten Stunden fragte sie mich, ob ich denn Probleme mit den T\u00fcrken in den Deutschland h\u00e4tte (sie war dar\u00fcber verwundert, dass ich D\u00f6ner und Ayran kannte) und als ich das verneinte, schaute sie mich mit blitzenden Augen an und meinte nur: Ich schon. Die ruinieren v\u00f6llig das Bild der T\u00fcrkei in der Welt.<\/p>\n<p>Ach ja, Belde sieht \u00fcbrigens aus wie ein osmanisches Schneewittchen und tut wohl auch einiges daf\u00fcr. Ab und an z\u00fcckt sie das Puderd\u00f6schen w\u00e4hrend des Unterrichts. Ich erntete von ihr auch einmal einen sehr mitleidigen Blick, als ich im Unterricht meinen Tagesablauf schilderte und sie darauf nur meinte: Na, da bleibt ja auch nicht viel Zeit f\u00fcr die Kosmetik.<\/p>\n<p>Damit ich euch noch Zeit lasse (nat\u00fcrlich nicht nur f\u00fcr die Kosmetik), schlie\u00dfe ich jetzt erst einmal &#8230;<\/p>\n<p><strong>Also, hasta luego!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Dieser Artikel ist Teil einer pers\u00f6nlichen Serie \u00fcber das Leben in Mexico-City. 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