{"id":8080,"date":"2010-06-07T20:33:45","date_gmt":"2010-06-07T18:33:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=8080"},"modified":"2010-06-07T20:33:45","modified_gmt":"2010-06-07T18:33:45","slug":"medienkritik-woran-krankt-der-artikel-im-journalist-uber-derwesten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/medienkritik-woran-krankt-der-artikel-im-journalist-uber-derwesten\/","title":{"rendered":"Medienkritik: Woran krankt der Artikel im &#8222;Journalist&#8220; \u00fcber &#8222;DerWesten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Im &#8222;Journalist&#8220;, der Zeitschrift des Deutschen Journalisten Verbands (DJV), ist <a href=\"http:\/\/www.journalist.de\/aktuelles\/meldungen\/woran-derwesten-krankt.html\" target=\"_blank\">ein flei\u00dfiger und informativer Artikel <\/a>zum Thema &#8222;DerWesten &#8211; oder:\u00a0 Woran regionaler Journalismus im Netz krankt&#8220; erschienen. Statt einer umfassenden Meta-Medienkritik greife ich mir zwei Abs\u00e4tze heraus und erkl\u00e4re das Dilemma der Autorin.<\/p>\n<blockquote><p>In wenigen Regionen Deutschlands bl\u00fcht die Onlinejournalismus-Landschaft so vielf\u00e4ltig wie in Nordrhein-Westfalen. An Rhein und Ruhr soll es rund 60 Angebote mit Lokalinformationen geben, die nicht von klassischen Verlegern angeboten werden. Dazu kommen die professionellen Seiten. DerWesten muss sich allein im Ruhrgebiet neben <a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.ruhrnachrichten.de\/\" target=\"_blank\">ruhrnachrichten.de<\/a>, <a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.wdr.de\/\" target=\"_blank\">WDR.de<\/a> und Blogs wie <a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.ruhrbarone.de\/\" target=\"_blank\">ruhrbarone.de<\/a> und <a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.pottblog.de\/\" target=\"_blank\">pottblog.de<\/a> behaupten. Am Niederrhein kommt der ewige Konkurrent hinzu: <a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/\" target=\"_blank\">RP Online<\/a>, das Internetangebot der Rheinischen Post.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich finde es generell schlecht, wenn ein Autor\/eine Autorin &#8222;soll es&#8220; schreibt. Was soll das? Entweder wei\u00df sie es, oder sie wei\u00df es nicht oder sie recherchiert ordentlich. Was ist &#8222;soll es&#8220; f\u00fcr eine Quelle? Die Autorin verzichtet darauf diese omin\u00f6se Zahl zu qualifizieren. Sie k\u00f6nnte dann n\u00e4mlich aufschl\u00fcsseln, welche Art von Informationen von diesen &#8222;soll es&#8220;-60-Angeboten publiziert werden.<\/p>\n<blockquote><p>Ein riesiges Verbreitungsgebiet, ein Nachrichtenportal f\u00fcr regionale und \u00fcberregionale Inhalte, zentrale Diskussionsplattform \u00e2\u20ac\u201c DerWesten macht von allem etwas, aber nichts richtig gut. &#8222;Ein Portal f\u00fcr alle zu machen, entspricht den Vorstellungen des Internets der 90er Jahre&#8220;, sagt der M\u00fcnsteraner Medienforscher Christoph Neuberger. Vergleichsweise gut ist das Team lediglich in der Verbreitung seiner Nachrichten via <a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.twitter.com\/derwesten\" target=\"_blank\">Twitter<\/a> und <a class=\"external-link-new-window\" title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.facebook.com\/DerWesten\" target=\"_blank\">Facebook<\/a>. Immer wieder Kritik einstecken muss DerWesten f\u00fcr die Diskussionskultur auf seiner Seite und mangelhafte Aktualit\u00e4t im Regionalen. &#8222;F\u00fcr mich jedes Mal wieder ein Blick in die Abgr\u00fcnde des menschlichen Seins&#8220;, schreibt etwa Stefan Laurins von ruhrbarone.de in seinem Blog \u00fcber schlecht moderierte Diskussionen. Pottblogger Jens Matheuszik findet: &#8222;Im Regionalen ist DerWesten zu langsam, zu wenig aktuell.&#8220; Blogger aus dem Ruhrgebiet seien da manchmal schneller.<\/p><\/blockquote>\n<p>Alles sch\u00f6n und richtig beschrieben. In weiteren Teilen des Artikels geht es dar\u00fcber hinaus um Klick-Zahlen, Bildergalerien und Content-Desks.<\/p>\n<p>Dies alles ist gut und sch\u00f6n beobachtet,\u00a0 aber selbst der Vorwurf der Langsamkeit trifft nicht den Kern des Problems.<\/p>\n<p>Das Grundproblem lautet:<\/p>\n<p>Der lokale Journalismus der WAZ-Produkte erf\u00fcllt seine Aufgaben nicht. Er ist zum gro\u00dfen Teil nur eine Ansammlung von PR-Texten und umgeschriebener Pressemeldungen. Die Verh\u00e4ltnisse vor Ort werden nicht ad\u00e4quat abgebildet oder gar analysiert und lesergerecht beschrieben. Recherchierte Wirtschaftsnachrichten aus der Kommune &#8211; meist Fehlanzeige. Recherchierte Reportagen aus dem Arbeitsleben &#8211; Zero. Recherchierte Reportagen aus dem Rathaus &#8211; gegen Null.<\/p>\n<p>Die Lokalseiten der Zeitungen stehen schon lange nackt in der Medienlandschaft und sind kaum noch von den denen der Reklamebl\u00e4tter zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Die sogenannten &#8222;Placeblogger&#8220; sind in der Mehrzahl keine echte Konkurrenz, sondern, beispielsweise hier im Hochsauerland, nicht mehr als digitale Gef\u00e4\u00dfe, in die beliebig Pressemeldungen und un\u00fcberpr\u00fcfte Umsonst-Artikel gesch\u00fcttet werden. Die Betreiber solcher Blogs haben keine Zeit f\u00fcr redaktionelle Bearbeitungen.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher hie\u00df es: &#8222;Papier ist geduldig&#8220;, heute ist die Plattenkapazit\u00e4t der Provider &#8222;unersch\u00f6pflich&#8220;. Viele\u00a0 dieser &#8222;Placeblogs&#8220; sind unappetitliche Textm\u00fcllhalden, die sich von automatisierten Werbemaschinen ern\u00e4hren (wollen). Im besten Fall spiegeln sie unreflektiert die Vereinsgesch\u00e4fte vor Ort wider.<\/p>\n<p>Erst wenn die Lokaljournalisten vor Ort (wieder?) Journalismus betreiben und nicht haupts\u00e4chlich Seiten zusammmenschieben und sich vor den lokalen M\u00e4chten ducken (m\u00fcssen), wird es\u00a0 guten Journalismus vor Ort geben. Der ist dann auch Online interessant.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df allerdings nicht, ob guter Journalismus im Interesse der WAZ-Mediengruppe und ihrer Eigner liegt. Wie sagte noch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/westdeutsche-allgemeine-zeitung-der-waz-mann-ruft-1.686680\" target=\"_blank\">Christian Nienhaus im Jahre 2008 im Interview: <\/a><\/p>\n<blockquote><p>\u00e2\u20ac\u0153dass man mit starken Marken eine ordentliche Rendite erwirtschaften kann. Und ich habe gelernt, dass man eine aggressive Marketingstrategie und Markenpflege betreiben muss. Bei <em>Bild <\/em>haben wir Dessous, Volksbibeln und Handytarife vermarktet. Diese Zeitung ist in Wahrheit eine Marketingmaschine. Da muss man schauen, was davon \u00fcbernommen werden kann. Erfolg kann man nicht genug haben.\u00e2\u20ac\u009d<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=685\" target=\"_blank\">Dessous, Volksbibeln<\/a> und Handytarife. Ich verstehe: Form follows function!<\/p>\n<p>Der Lokaljournalismus der WAZ-Gruppe ist schlecht. Das hat nichts mit Online oder Offline, mit Print versus Blogger zu tun.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Artikel im Journalist sollte erkl\u00e4ren, aus welchen Gr\u00fcnden der Journalismus vor Ort defizit\u00e4r ist. Er sollte dies anhand der Arbeitsbedingungen der Journalisten vor Ort und der Verlagspolitik unter besondere Ber\u00fccksichtigung der Verlegerfamilien tun \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Let&#8217;s talk about journalism.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im &#8222;Journalist&#8220;, der Zeitschrift des Deutschen Journalisten Verbands (DJV), ist ein flei\u00dfiger und informativer Artikel zum Thema &#8222;DerWesten &#8211; oder:\u00a0 Woran regionaler Journalismus im Netz krankt&#8220; erschienen. 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