{"id":6946,"date":"2010-03-11T22:31:41","date_gmt":"2010-03-11T21:31:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=6946"},"modified":"2010-03-12T14:52:26","modified_gmt":"2010-03-12T13:52:26","slug":"die-neuordnung-des-arztlichen-notdienstes-kein-grusel-szenario","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/die-neuordnung-des-arztlichen-notdienstes-kein-grusel-szenario\/","title":{"rendered":"Die Neuordnung des \u00e4rztlichen Notdienstes. Kein Grusel-Szenario."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_6947\" aria-describedby=\"caption-attachment-6947\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6947\" title=\"Das Podium im gro\u00dfen Sitzungssaal des Kreistags\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/notdienst04-300x225.jpg\" alt=\"Das Podium im gro\u00dfen Sitzungssaal des Kreistags in Meschede (Foto: zoom)\" width=\"210\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/notdienst04-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/notdienst04.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 85vw, 210px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6947\" class=\"wp-caption-text\">Das Podium im gro\u00dfen Sitzungssaal des Kreistags in Meschede (Foto: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Meschede. Ich hatte <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=6939\" target=\"_blank\">gestern nur sehr knapp<\/a> von der Veranstaltung der Sauerl\u00e4nder B\u00fcrgerliste(SBL) zur Neuorganisation des haus\u00e4rztlichen Notdienstes berichtet. <\/strong><strong>Hier der Nachtrag. <\/strong><\/p>\n<p>Knapp 50 Besucher erhielten von den Teilnehmern auf dem Podium kompakte und detailierte Einblicke in die jetzige und k\u00fcnftige Notfallversorgung der Patientinnen und Patienten im Hochsauerlandkreis. Der Abgeordnete Reinhard Loos betonte zu Beginn der Veranstaltung, dass die SBL urspr\u00fcnglich &#8222;dem Kreis eine solche Diskussionsrunde&#8220; vorgeschlagen h\u00e4tte. &#8222;Die wollten aber nicht&#8220;, so Loos, so habe die SBL die Sache selbst in die Hand genommen. Die Veranstaltung sei als &#8222;offenes Forum&#8220; geplant.<\/p>\n<p><strong>Update:<\/strong> Den informativen Einstieg in das Thema habe ich gerade als PDF erhalten: <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/prasentationmes100310-fin.pdf\" target=\"_blank\">Pr\u00e4sentation von Reinhard Loos in Meschede<\/a><\/p>\n<p>Diese Offenheit hatte einen Vorteil und einen Nachteil.<\/p>\n<p><strong>Der Vorteil:<\/strong> Die Diskussionen verliefen sehr sachlich und unaufgeregt, die Schilderungen und Einlassungen der teilnehmenden \u00c4rzte und \u00c4rztefunktion\u00e4re waren nach meinem Eindruck ehrlich, unverstellt oder wie man heute sagt &#8222;authentisch&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Der Nachteil:<\/strong> Kontra-Positionen, so vorhanden, traten nicht scharf zu Tage. Es fehlte der produktive Streit, die Zuspitzung, die oft n\u00f6tig ist, um Positionen zu verdeutlichen. Es fehlte weiterhin eine &#8222;Aktionsorientierung&#8220;. Man ging kl\u00fcger nach Hause, aber wusste nicht, was oder ob man etwas machen unternehmen sollte. Der Vorschlag eines Pfarrers im Ruhestand \u00fcber Vernetzungen und eine politische Bewegung nachzudenken, um doch noch eine zentrale Notfall-Praxis nach Meschede oder Olsberg zu holen, verlief folgerichtig im Sande.<\/p>\n<p><strong>Einige Positionen der Podiumsteilnehmer<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. med. Frank Koslowski, Arzt f\u00fcr HNO-Heilkunde, Mitglied der Kammerversammlung, Brilon:<\/strong><\/p>\n<p>Die Demografie zwinge dazu umzudenken: &#8222;Nicht nur die Patienten, sondern auch die \u00c4rzte werden im Durchschnitt immer \u00e4lter&#8220;.<\/p>\n<p>Mehr \u00e4ltere Patienten bedeuteten<\/p>\n<ul>\n<li>mehr chronische Erkrankungen<\/li>\n<li>mehr akute Erkrankungen<\/li>\n<li>h\u00e4ufigere Arztbesuche<\/li>\n<li>schlechtere Mobilit\u00e4t<\/li>\n<\/ul>\n<p>und erforderten eine ortsnahe Versorgung.<\/p>\n<p><strong>Dr. med. Friedhelm Schmitten, Facharzt f\u00fcr innere Medizin, Vorsitzender des \u00c4rztevereins Meschede, Bestwig-Ramsbeck:<\/strong><\/p>\n<p>Der Rettungsdienst 112 und der kassen\u00e4rztliche Notdienst sollten wie im Marsberger System zumindest teilweise zusammengelegt werden. Die Medizin der Zukunft werde weiblich. Schon 65% aller Studienanf\u00e4ngerinnen in diesem Fach seien Frauen, und die wollten als Notfall-\u00c4rztinnen nicht allein durch die Nacht fahren.<\/p>\n<p><strong>Annette Loos, \u00c4rztin f\u00fcr Allgemeinmedizin und Sportmedizin, Brilon:<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die Notdiensbezirke zu gro\u00df seien, w\u00fcrden die Patienten trotzdem dahin fahren, wohin sie wollen, sie gingen nachts sowieso ins n\u00e4chste Krankenhaus.<\/p>\n<p>Die Idee, dass die zentrale Notarztpraxis an ein Krankenhaus angegliedert sei, w\u00e4re gut, insbesondere f\u00fcr weibliche \u00c4rzte mit Familie.<\/p>\n<p><strong>Dr. med. Rolf Kleinmann, Mitglied der Kammerversammlung, Facharzt f\u00fcr innere Medizin, Oberarzt im Marienhospital Arnsberg:<\/strong><\/p>\n<p>weist darauf hin, nicht den teuren Rettungsdienst (Arzt + 2 Sanit\u00e4ter, 500-800 \u00e2\u201a\u00ac) mit dem Kassen\u00e4rztlichen Notdienst zu verwechseln. Kleinmann sieht Vorteile in der Einf\u00fchrung einer einheitlichen europaweiten Nummer (116 oder 117), die die Patienten dann weiterleite.<\/p>\n<p>Jedes Krankenhaus nehme wie bisher am Notdienst teil. Es werde in Westfalen-Lippe weiterhin 63 Standorte davon 60 an Krankenh\u00e4usern geben.<\/p>\n<p>90 Prozent der Menschen k\u00f6nnten weiterhin den Notdienst in 10 bis 15 Minuten erreichen. Dies sei eine &#8222;europaweit einmalige Luxusversorgung der Bev\u00f6lkerung&#8220;.<\/p>\n<p>Der gegenw\u00e4rtige Bereitschaftsdienst der \u00c4rzte an Krankenh\u00e4usern sei in Wirklichkeit ein umfassender Dienst f\u00fcr die Patienten der Intensivstation, der \u00fcbrigen Patienten und der Notf\u00e4lle und oft eine \u00dcberforderung.<\/p>\n<p>An Krankenh\u00e4user angegliederte Notfallpraxen w\u00fcrden die Krankenh\u00e4user und Bereitschaftsdienste entlasten.<\/p>\n<p><strong>Walter Kuhlmeyer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des St. Walburga Krankenhauses Meschede GmbH:<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Wir haben uns bei der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung um einen Standort f\u00fcr Meschede beworben.&#8220; Die KV habe sich mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen f\u00fcr das Angebot bedankt, aber es habe nie ein Gespr\u00e4ch zwischen Krankenhaus Meschede und der KV stattgefunden.<\/p>\n<p>Im Moment w\u00fcrden 4500 bis 5000 ambulante F\u00e4lle pro Jahr im Krankenhaus Meschede behandelt werden. Die Tendenz sei steigend. &#8222;Wir werden auch in Zukunft Notf\u00e4lle versorgen&#8220;. Zur Zeit habe man 9000 station\u00e4re Patienten pro Jahr und stelle 500 Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Er sei traurig dar\u00fcber, dass Arnsberg(mit Sundern) zwei Standorte erhielte und Meschede keinen.<\/p>\n<p><strong>Dr. med. Henning F\u00f6rster, Arzt f\u00fcr Allgemeinmedizin. Mitglied der Kammerversammlung, Medebach:<\/strong><\/p>\n<p>Er sch\u00e4tze, dass die meisten Leute &#8222;wegen Meschede&#8220; gekommen seien. Er gab zu bedenken, dass es auch in der Stadt lange Wege g\u00e4be. Das Land sei heute wirtschaftlich nicht mehr attraktiv. Heute w\u00fcrden einem interessierten Arzt &#8222;die Praxen nachgeworfen&#8220;.<\/p>\n<p>Als er vor 26 Jahren nach Medebach gekommen sei, habe er 250.000 DM f\u00fcr die Praxis bezahlt, heute bek\u00e4me man 50.000 Euro (= 100.000 DM).<\/p>\n<p>Aus Bochum und M\u00fcnster, den Zentren der Mediziner-Ausbildung,\u00a0 gehe kaum jemand weiter weg als 100 km.<\/p>\n<p>Die Kriterien seien Wirtschaftlichkeit und Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Zur Zeit m\u00fcssten sich in Medebach 6 Kollegen die Notfalldienste teilen. Das bedeute jedes sechste Wochenende Dienst. Je weniger \u00c4rzte, desto h\u00f6her die Dienstbelastung.<\/p>\n<p>Das &#8222;Winterberger Modell&#8220; sei gut f\u00fcr die Patienten, denn die w\u00fcssten, dass zur selben Zeit, am selben Ort immer jemand da ist. Merkw\u00fcrdigerweise seien in Winterberg vor der Einf\u00fchrung Unterschriften dagegen gesammelt worden und nicht in Hallenberg oder Medebach, obwohl die Patienten doch von dort den l\u00e4ngeren Weg h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Seiner Meinung nach h\u00e4tten die geplanten Leitstellen Vorteile, au\u00dferdem sei Arnsberg &#8222;nicht so wahnsinnig&#8220; weit.<\/p>\n<p><strong>Einige Stimmen aus der Diskussion:<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Sehen Sie noch eine Chance f\u00fcr Meschede oder Olsberg?&#8220;<\/p>\n<p>Schmitten: Mit den F\u00fc\u00dfen abstimmen und nach Mesched ins Krankenhaus gehen, dann wird der KV nichts anderes \u00fcbrig bleiben als eine Notfallambulanz einzurichten. Die 6000\u00a0 gesammelten Unterschriften m\u00fcssen an Laumann entsprechend \u00fcberreicht werden. Die Presse habe unfair berichtet.<\/p>\n<p>Kuhlmeyer: Die 15 Minuten sind nicht ehrlich, weil wir kein gut funktionierendes \u00f6ffentliches Personen- und Nahverkehrssystem haben.<\/p>\n<p>Kleinmann: skeptisch wegen der \u00dcbergabe der 6000 Unterschriften an Laumann. Das gehe doch immer nach dem gleichen Prinzip. Von oben wird eine Summe Geld gegeben und behauptet: &#8222;Das reicht, nun mach&#8216; mal.&#8220; Unten f\u00e4nden dann die Verteilungsk\u00e4mpfe statt.<\/p>\n<p>SPD-Abgeordnete: Ich denke, das Ding ist durch, da wird sich nicht mehr viel \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meschede. Ich hatte gestern nur sehr knapp von der Veranstaltung der Sauerl\u00e4nder B\u00fcrgerliste(SBL) zur Neuorganisation des haus\u00e4rztlichen Notdienstes berichtet. Hier der Nachtrag. 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