{"id":64927,"date":"2026-10-29T13:01:14","date_gmt":"2026-10-29T12:01:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=64927"},"modified":"2026-10-29T13:01:14","modified_gmt":"2026-10-29T12:01:14","slug":"klimawandel-beeinflusst-hochwasser-staerker-als-extremniederschlaege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/klimawandel-beeinflusst-hochwasser-staerker-als-extremniederschlaege\/","title":{"rendered":"Klimawandel beeinflusst Hochwasser st\u00e4rker als Extremniederschl\u00e4ge"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">UFZ-Studie verbindet Klima- und Hydrologiemodelle zur Analyse von Hochwasserspitzen<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102901Hochwasser.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102901Hochwasser-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-64928\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102901Hochwasser-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102901Hochwasser-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102901Hochwasser-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102901Hochwasser-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102901Hochwasser-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102901Hochwasser-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Hochwasser in Klodzko, Polen, im September 2024. Die Glatzer Nei\u00dfe \u00fcberflutete das Gel\u00e4nde des Franziskanerklosters. Die Region war von den \u00dcberschwemmungen nach Sturm Boris besonders stark betroffen. (Foto: Jacek Halicki, CC BY-SA 4.0<\/em>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><\/strong><strong>Wie stark der menschengemachte Klimawandel die Intensit\u00e4t extremer Niederschl\u00e4ge ver\u00e4ndert, l\u00e4sst sich inzwischen f\u00fcr einzelne Ereignisse gut absch\u00e4tzen. F\u00fcr die daraus entstehende Hochwassergefahr gilt das bislang kaum. Eine neue Studie unter Leitung des Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Umweltforschung (UFZ) kommt am Beispiel von Sturm Boris im Jahr 2024 zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel die Hochwasserspitzen erheblich st\u00e4rker beeinflusst hat als den Niederschlag selbst. Demnach k\u00f6nnen reine Niederschlagsanalysen die tats\u00e4chliche Ver\u00e4nderung der Hochwassergefahr untersch\u00e4tzen. Die Studie wurde im Fachmagazin<\/strong> <em><strong>Science Advances<\/strong><\/em> <strong>ver\u00f6ffentlicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Pressemitteilung UFZ)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im September 2024 sorgte Sturm Boris in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas f\u00fcr extreme Niederschl\u00e4ge und schwere \u00dcberschwemmungen. Besonders betroffen waren Polen, Tschechien und \u00d6sterreich. Lokal fielen innerhalb weniger Tage mehrere hundert Millimeter Regen, zahlreiche Fl\u00fcsse traten \u00fcber die Ufer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Erderw\u00e4rmung die Niederschl\u00e4ge w\u00e4hrend des Sturms Boris verst\u00e4rkt hatte, war bereits aus fr\u00fcheren Attributionsstudien bekannt. Dabei vergleichen Forschende das beobachtete Ereignis mit einem kontrafaktischen Szenario, in dem der menschliche Einfluss auf das Klima weitgehend ausgeblendet wird. Solche Analysen enden jedoch meist beim meteorologischen Ereignis selbst, etwa bei der Frage, um wie viel intensiver ein Starkregen geworden ist. Wie sich diese Ver\u00e4nderung anschlie\u00dfend auf die Hochwassergefahr auswirkt, bleibt dabei h\u00e4ufig offen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102902Hochwasser.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102902Hochwasser-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-64929\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102902Hochwasser-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102902Hochwasser-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102902Hochwasser-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102902Hochwasser-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102902Hochwasser-2048x1364.jpg 2048w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026102902Hochwasser-1200x799.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Die Karte visualisiert eine von mehreren Modellrechnungen der Studie. Sie zeigt f\u00fcr Pegel mit extremem Hochwasser (mindestens ein 25-j\u00e4hrliches Ereignis), um wie viel Prozent die simulierte Hochwasserspitze ohne den menschengemachten Klimawandel niedriger gewesen w\u00e4re. Die Fl\u00e4chenfarben zeigen den beobachteten Niederschlag vom 12.-16.09.2024.\u00a0(Foto: Daten: Miersch et al., Science Advances (2026); Grafik: Peter Miersch<\/em>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIn unserer Studie sind wir einen Schritt weiter gegangen\u201c, sagt Erstautor Peter Miersch vom UFZ. &#8222;Mithilfe hydrologischer Modelle haben wir untersucht, wie sich durch den Klimawandel ver\u00e4nderte Niederschlagsmengen auf das Ausma\u00df des Hochwassers auswirken.&#8220; Zwar ist bekannt, dass zus\u00e4tzliche Niederschl\u00e4ge nicht eins zu eins zu st\u00e4rkeren Hochwasserereignissen f\u00fchren. Wie gro\u00df dieser Effekt bei einem konkreten Ereignis ist und in welchem Ma\u00df er auf den anthropogenen Klimawandel zur\u00fcckgeht, war bislang jedoch unklar.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um das herauszufinden, verkn\u00fcpften die Forschenden Klimasimulationen mit zwei unterschiedlichen hydrologischen Modellen. So konnten sie gewisserma\u00dfen verfolgen, wie aus dem Regen im Einzugsgebiet Abfluss und schlie\u00dflich Hochwasser entstehen. Die Unterschiede waren erheblich: Ohne den anthropogenen Klimawandel w\u00e4ren die Niederschl\u00e4ge w\u00e4hrend Sturm Boris je nach Klimamodell um etwa 6 bis 9 Prozent geringer gewesen. Die Hochwasserspitzen h\u00e4tten im Mittel jedoch um 14 bis 22 Prozent niedriger gelegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund liegt darin, wie die Einzugsgebiete auf zus\u00e4tzlichen Regen reagieren. &#8222;Der Boden kann zun\u00e4chst einen Teil eines Starkregenereignisses abfangen&#8220;, erkl\u00e4rt Peter Miersch. &#8222;Aber irgendwann ist er voll, und dann gelangt jeder zus\u00e4tzliche Millimeter Wasser direkt in den Fluss.&#8220; Ist die Speicherf\u00e4higkeit des Bodens ersch\u00f6pft, schl\u00e4gt zus\u00e4tzlicher Regen deshalb besonders stark auf den Abfluss durch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu pr\u00fcfen, wie belastbar das Ergebnis ist, kombinierten die Forschenden zwei unterschiedliche Klimamodelle mit zwei Verfahren zur hydrologischen Berechnung, darunter auch einen Machine-Learning-Ansatz. Trotz der verschiedenen methodischen Zug\u00e4nge zeigte sich in allen Kombinationen dasselbe Grundmuster: Die Hochwasserspitzen reagierten deutlich st\u00e4rker als die Niederschl\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders relevant wird dieser Effekt dort, wo Hochwasserschutzma\u00dfnahmen f\u00fcr bestimmte Belastungsgrenzen ausgelegt sind. &#8222;Wenn der Klimawandel zu zehn Prozent mehr Extremniederschlag f\u00fchrt, bedeutet das nicht, dass das Hochwasser ebenfalls nur zehn Prozent st\u00e4rker wird. Es k\u00f6nnen auch zwanzig Prozent sein&#8220;, sagt Co-Autor Prof. Dr. Jakob Zscheischler, Klimaforscher am UFZ und Professor f\u00fcr Data Analytics in Hydro Sciences an der Technischen Universit\u00e4t Dresden (TUD). &#8222;Wenn dabei Schwellenwerte \u00fcberschritten werden, auf die Hochwasserschutzma\u00dfnahmen ausgelegt sind, k\u00f6nnen schnell sehr gro\u00dfe Sch\u00e4den entstehen.&#8220; F\u00fcr Risikobewertung und Hochwasserschutz bedeutet das: Wer nur die Ver\u00e4nderung extremer Niederschl\u00e4ge betrachtet, kann die Zunahme der Hochwassergefahr untersch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie setzt allerdings bewusst einen engen Fokus und isoliert den Klimaeffekt. Sie untersucht, wie stark sich ein konkretes Ereignis unter ansonsten gleichen Bedingungen durch den anthropogenen Einfluss ver\u00e4ndert. Ob Wetterlagen wie bei Sturm Boris dadurch wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher werden, l\u00e4sst sich daraus nicht ableiten. Auch Ver\u00e4nderungen der Landnutzung oder des Wassermanagements wurden nicht ber\u00fccksichtigt. Vereinfacht gesagt wurde dieselbe heutige Landschaft unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen verglichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse zeigen damit, dass sich Hochwassergefahren im Klimawandel nicht allein aus Ver\u00e4nderungen des Niederschlags ableiten lassen. F\u00fcr k\u00fcnftige Risikoabsch\u00e4tzungen und Anpassungsstrategien ist es deshalb wichtig, die gesamte Wirkungskette vom Wetterereignis bis zum Abfluss im Fluss zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Publikation:<\/strong><br \/>Peter Miersch, Istv\u00e1n Dunkl, Antonio S\u00e1nchez-Ben\u00edtez, Marylou Athanase, Oldrich Rakovec, Daniel Klotz, Sebastian Sippel, Helge Goessling, Jakob Zscheischler: <strong>Evidence from 2024 Storm Boris indicates anthropogenic climate change amplifies floods more than extreme precipitation<\/strong>; <em>Science Advances<\/em>, <a target=\"_blank\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1126\/sciadv.aef7703\">https:\/\/doi.org\/10.1126\/sciadv.aef7703<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>UFZ-Studie verbindet Klima- und Hydrologiemodelle zur Analyse von Hochwasserspitzen Wie stark der menschengemachte Klimawandel die Intensit\u00e4t extremer Niederschl\u00e4ge ver\u00e4ndert, l\u00e4sst sich inzwischen f\u00fcr einzelne Ereignisse gut absch\u00e4tzen. 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