{"id":64396,"date":"2026-07-14T09:19:40","date_gmt":"2026-07-14T07:19:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=64396"},"modified":"2026-07-14T09:19:40","modified_gmt":"2026-07-14T07:19:40","slug":"friedensbotschaften-der-hebraeischen-bibel-ein-erster-band-der-sammlung-liegt-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/friedensbotschaften-der-hebraeischen-bibel-ein-erster-band-der-sammlung-liegt-vor\/","title":{"rendered":"\u201eFriedensbotschaften der Hebr\u00e4ischen Bibel\u201c \u2013 ein erster Band der Sammlung liegt vor"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Lesebuch der Schalom-Bibliothek \u2013 in Kooperation mit Frieden wagen e.V., dem \u201aKuratorium Abrahamskrone\u2018 und dem \u00d6kumenischem Institut f\u00fcr Friedenstheologie<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Umschlag-Bibel-Frieden-I.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"643\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Umschlag-Bibel-Frieden-I-643x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-64397\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Umschlag-Bibel-Frieden-I-643x1024.jpg 643w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Umschlag-Bibel-Frieden-I-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Umschlag-Bibel-Frieden-I-768x1223.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Umschlag-Bibel-Frieden-I-964x1536.jpg 964w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Umschlag-Bibel-Frieden-I-1286x2048.jpg 1286w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Umschlag-Bibel-Frieden-I-1200x1911.jpg 1200w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Umschlag-Bibel-Frieden-I.jpg 1594w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Buchumschlag, Vorderseite<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><strong>Friedensbotschaften der Hebr\u00e4ischen Bibel \u2013 Erster Band.<\/strong> Ein Lesebuch der Schalom-Bibliothek. Herausgegeben von Peter B\u00fcrger. (edition pace ? Regal: Pazifisten <em>&amp; <\/em>Antimilitaristen aus j\u00fcdischen Familien, 17). Hamburg: BoD 2026. (ISBN: 978-3-6963-6247-8; Paperback; 448 Seiten; 16,99 Euro). \u2013 Leseprobe mit Inhaltsverzeichnis &amp; Direktbestellm\u00f6glichkeit hier beim Verlag der gedruckten Buchausgabe: <a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/friedensbotschaften-der-hebraeischen-bibel-erster-band-9783696362478\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/friedensbotschaften-der-hebraeischen-bibel-erster-band-9783696362478<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nach den Leseb\u00fcchern zur \u201eFriedensliebe der Rabbiner\u201c und zu \u201eGewalt und Kriegstheologie\u201c im sog. \u201aAlten Testament\u2018 liegt jetzt auch der angek\u00fcndigte Erste Band zu den \u201e<em>Friedensbotschaften der Hebr\u00e4ischen Bibel<\/em>\u201c vor. Diese Er\u00f6ffnung einer neuen Sammlung der Schalom-Bibliothek gew\u00e4hrt vor allem Einblicke in die friedenstheologische Bibellekt\u00fcre (AT) von Christinnen und Christen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Redaktion schalom-bibliothek.org \/ Text Peter B\u00fcrger)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschungsbeitr\u00e4ge, Essays und Predigten im Lesebuch stammen von Peter B\u00fcrger, Klara Butting, Friedrich Erich Dobberahn, Ulrich Duchrow, Matthias-W. Engelke, Antje Heider-Rottwilm, Margot K\u00e4\u00dfmann, Rainer Kessler, Ansgar Moenikes, Thomas Nauerth, Orna Pilz (Reform-Rabbinerin), Ruth Poser, Salom\u00e9 Richir-Haldemann, Franz Segbers, Egon Spiegel, Anja Vollendorf, Marie-No\u00eblle von der Recke und B\u00e4rbel Wartenberg-Potter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu den vorhergehenden Publikationen des Projektes sind Frauen im Kreis der Autor:innen gut vertreten. Es ist in den Auslegungen auch ein besonderes Augenmerk den Frauengestalten der Bibel gewidmet.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dargeboten werden die Beitr\u00e4ge in vier thematischen Abteilungen: 1. Grundlegendes \u2013 Impulse f\u00fcr ein neues Sehen; 2. Alle Pfade der Tora f\u00fchren zum Frieden; 3. Erkundungen zur vorderen Prophetie (\u201aGeschichtsb\u00fccher\u2018); 4. Prophetische Worte des Friedens; 5. Gebet und Weisheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein entmaterialisierter, gar ins Nebul\u00f6se \u201espiritualisierter Friedensbegriff\u201c liegt der Hebr\u00e4ischen Bibel fern. Gewaltt\u00e4tigkeit, Blutvergie\u00dfen und der Glaube an Kriegstechnologien sind ein Ausweis von Gottlosigkeit. Die \u201eHausordnung der Tora\u201c ist als unverzichtbare Grundlage der biblischen Friedensbotschaft zu betrachten (u.a. Einheit der menschlichen Familie auf dem Erdkreis; jeder Mensch als \u201eBild\u201c des H\u00f6chsten; Kritik der Herrschaft von Menschen \u00fcber Menschen; g\u00f6ttlicher Schutzbrief f\u00fcr den verwundbaren Menschen; T\u00f6tungsverbot; solidarisches Zusammenleben in Gerechtigkeit, eine dementsprechende Eigentumsordnung, Entschuldung; Bestimmungen zum Recht der Besitzlosen, Zugewanderten, Fl\u00fcchtlinge).<br \/>\u201eEin Fremdling soll unter euch wohnen wie ein Einheimischer\u201c (s. Ezechiel 47,21-23). Solche \u00dcberschriften wollen die falschen Friedenspropheten der rechten Sektoren und nationalen Besitzstandswahrer in unseren Tagen nicht h\u00f6ren, denn: \u201esie sagen: \/ Frieden! Frieden! \u2013 Aber da ist kein Friede\u201c (Jeremia 6,14). An den hochger\u00fcsteten Grenzmauern geh\u00f6ren Entrechtung wie Massensterben von Fl\u00fcchtenden\/Migranten zum Alltag, doch die Antwort darauf ist eine \u201eKultur der Gleichg\u00fcltigkeit\u201c (Bischof Franziskus von Rom +) \u2013 und der planm\u00e4\u00dfige Abbau von internationaler Entwicklungszusammenarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hebr\u00e4ische Bibel birgt Herausforderungen und unvorstellbar kraftvolle Impulse f\u00fcr die Friedensarbeit. Sie ist kein Buch von gestern. Das zeigen viele Beitr\u00e4ge im neuen Band, die auf das politische Geschehen der Gegenwart Bezug nehmen. Gem\u00e4stet werden die \u201eH\u00e4ndler des Todes\u201c (Kriegskonzerne, samt zugeh\u00f6riger Finanzindustrie) und auch die Logistik der atomaren Massenvernichtung, die von der weltweiten \u00d6kumene als Ausweis ultimativer Gottesl\u00e4sterung bewertet wird. Nach Innen zeigt sich gleichzeitig \u2013 wie hierzulande \u2013 eine Konzentration von fast 70 Prozent des Gesamtverm\u00f6gen bei einer Oberschicht von 10 Prozent der Bev\u00f6lkerung (allein das reichste 1 Prozent verf\u00fcgt \u00fcber etwa 35 % des Nettoverm\u00f6gens, w\u00e4hrend auf die \u00e4rmere H\u00e4lfte der Gesamtbev\u00f6lkerung weniger als 3 Prozent entfallen: diw.de). All dies wird verantwortet durch politische Gebilde, die f\u00fcr sich allen Ernstes eine \u201ej\u00fcdisch-christliche Wertebasis\u201c beanspruchen. Die neue friedenstheologische Bibellekt\u00fcre zeigt, wie absurd das ist.<br \/><br \/><strong>Erg\u00e4nzende Dokumentation im Netz<\/strong> ? Eine Zusammenstellung ausgew\u00e4hlter Bibelstellen zur Er\u00f6ffnung der Lesebuch-Sammlung \u201eFriedensbotschaften der Hebr\u00e4ischen Bibel\u201c: <a href=\"https:\/\/schalom-bibliothek.org\/alle-pfade-der-tora-fuehren-zum-frieden\/\">https:\/\/schalom-bibliothek.org\/alle-pfade-der-tora-fuehren-zum-frieden\/<\/a><br \/><br \/><strong>Bibliotheksportal<\/strong> | Alle Publikationen des nicht kommerziell ausgerichteten Regals \u201ePazifisten &amp; Antimilitaristinnen aus j\u00fcdischen Familien\u201c erscheinen zun\u00e4chst als Digitale Erstausgaben und sind frei abrufbar auf dem Projektportal <a href=\"https:\/\/www.schalom-bibliothek.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.schalom-bibliothek.org <\/a>\u2013 dort auch weitere Beitr\u00e4ge im \u201eLesesaal\u201c <a href=\"https:\/\/schalom-bibliothek.org\/lesesaal\/\">https:\/\/schalom-bibliothek.org\/lesesaal\/<\/a> und alle Informationen <a href=\"https:\/\/schalom-bibliothek.org\/buchreihe\/\">https:\/\/schalom-bibliothek.org\/buchreihe\/<\/a> zu den bisherigen Buchangeboten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">_____<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Leseprobe ? Alle Pfade der Tora f\u00fchren zum Frieden <\/strong>\u2026<br \/>(<em>Ein Abschnitt aus der Einleitung des Herausgebers<\/em>)Die Wege der Tora \u2013 so hei\u00dft es im Anschluss an das Buch der Sprichw\u00f6rter 3,17 \u2013 sind freundlich und alle ihre Pfade f\u00fchren zum Frieden. Ein gr\u00f6\u00dferer Kontrast zur antijudaistischen Klage, das \u201aAlte Testament\u2018 sei nur eine Urkunde voller Kriegsgewalt und Blutvergie\u00dfen, ist kaum vorstellbar. Das erste der f\u00fcnf B\u00fccher Mose, dem wir uns erst in einem weiteren Band unserer Sammlung eingehender zuwenden wollen, enth\u00e4lt die Grundlagen jeder biblischen Friedenstheologie. Im babylonischen Sch\u00f6pfungsmythos \u201eEnuma elisch\u201c vollzieht sich der Ursprung als kosmisches Kriegsgeschehen; die Urg\u00f6ttin Tiamat wird f\u00f6rmlich ausgeschlachtet. Im Vergleich dazu liest sich Genesis 1 eher wie eine naturwissenschaftliche Darstellung, weit ausgreifend freilich auf das gesamte Universum. An die Stelle blutiger Gewalt tritt das sch\u00f6pferische Wort. Anders als bei den Gottk\u00f6nigen der altorientalischen Reiche werden jetzt <em>alle<\/em> Menschen als <em>\u201eBild Gottes\u201c<\/em> betrachtet. (Sie sind keineswegs gem\u00e4\u00df dem Plan der babylonischen Stadtgottheit Marduk als Sklaven der arbeitsscheuen G\u00f6tter erschaffen.) Eine Kontroverse der Auslegung betrifft die Frage, ob aus dem g\u00f6ttlichen Auftrag (Gen 1,28) nun eher <em>Unterwerfungspraxis<\/em> (Herrschaftsparadigma) oder das <em>Walten von Hirten<\/em> (\u00f6kologisches Paradigma der Sorge) folgt. Vorerst ist nur pflanzliche Nahrung vorgesehen; das T\u00f6ten von Tieren entf\u00e4llt. Ein f\u00fcr alle Mal bezeugt ist die <em>Einheit des Menschengeschlechts<\/em>.Archaischer bzw. anschaulicher vollzieht sich das Beginnen im 2. Kapitel der Genesis. F\u00fcr die aus Lehm geformten Menschen steht ein m\u00fctterlicher Garten bereit, den sie <em>pflegen <\/em>bzw.<em> erhalten <\/em>(Genesis 2,15) und in dem sie \u2013 trotz ihrer Staubherkunft \u2013 angstfrei im g\u00f6ttlichen Lebensatem verbleiben. (Da Gott selbst im Garten umherwandelt, besteht noch kein Bedarf an Theologie und organisierter Religion.) Vegetarischer Luxus steht bereit. Die Tiere sind noch keine Nahrungsprodukte oder toten Sachen, sondern potentielle Gef\u00e4hrten \u2013 gleichberechtigte Stimmen im Gespr\u00e4chsraum des Lebens. Ein Herrschaftsverh\u00e4ltnis zwischen den Geschlechtern gibt es nicht; ebenso fehlt (wie fast in der gesamten Geschichte des homo sapiens, d.h. der \u201aJ\u00e4ger und Sammler\u2018) die b\u00e4uerliche Knochenarbeit.Selten wird es bedacht: \u201aEden\u2018 w\u00e4hrte bezogen auf die ganze menschliche Gattung hunderttausende, ja Millionen Jahre. Die Vertreibung geschah gleichsam erst \u201agestern\u2018. In friedenstheologischer Perspektive h\u00e4ngt nun alles daran, den Zugang zu Genesis 3 (\u201aParadiesverlust\u2018) nicht durch die platte Oberfl\u00e4chensicht eines \u201eS\u00fcndenfalls\u201c der hochm\u00fctigen, sich gegen Gott auflehnenden Menschen zu verderben. Stattdessen w\u00e4re die mit der Bewusstwerdung einhergehende <em>Geburt der Angst<\/em> als tragisches, durchaus nicht frei gew\u00e4hltes Geschehen zu beleuchten. (Im ersten Fall gen\u00fcgt eine gute Moralpredigt wider den Stolz an die ganze Menschheit; im zweiten Fall kommt die Notwendigkeit in den Blick, dass eine auf Angst und Gewalt basierende <em>\u201aZivilisation der Ungeliebten\u2018<\/em> als Ganzes der durchgreifenden Heilung bedarf \u2013 sofern es f\u00fcr die menschliche Gattung eine Zukunft auf der Erde geben soll.)Die im fr\u00fchesten Mord gipfelnde Erz\u00e4hlung von zwei Br\u00fcdern \u2013 dem Ackerbauern Kain und dem Schafhirten Abel (Genesis 4,1-16) \u2013 beleuchtet mit Blick auf den einzelnen Menschen die Genese t\u00f6dlicher Gewalt aus dem \u201aUngeliebtsein\u2018, d.h. dem Gef\u00fchl von Nichtbeachtung, Zur\u00fccksetzung, Ablehnung und eigener Minderwertigkeit (Gottes Schutzbrief bleibt auch dem schuldigen T\u00e4ter nicht vorenthalten: Genesis 4,15 versus Genesis 9,6); zugleich verweist sie aber auch auf die <em>zivilisatorischen<\/em> Prozesse der landwirtschaftlichen Transformation und Sesshaftwerdung. \u201eAusgerechnet der sesshafte <em>Ackerbauer<\/em> Kain, der seinen Bruder erschlagen hat, wird zum ersten St\u00e4dtegr\u00fcnder (Genesis 4,16.17). Kains Nachkomme Lamech r\u00fchmt sodann seine eigene \u2013 jetzt ma\u00dflos gesteigerte \u2013 T\u00f6tungsbereitschaft (Genesis 4,23-24). Lamechs Sohn Tubal-Kain wiederum gilt passend dazu als Stammvater aller Metallschmiede (Genesis 4,22) und wird in der rabbinischen \u00dcberlieferung als Erfinder des Schwertes angesehen. \u2013 Der Beginn der planm\u00e4\u00dfigen R\u00fcstungsproduktion f\u00fcr den Mordapparat des Krieges findet im au\u00dferkanonischen Schriftgut und auch beim j\u00fcdischen Philosophen Philo von Alexandrien eine \u00e4u\u00dferst negative Bewertung\u201c. Metallwerkzeuge entweihen den Altar (Exodus 20,25), weil sie T\u00f6tungsinstrumente sind und somit der Weisung zum Leben widersprechen. \u2013 Der institutionalisierte Krieg ist also aus biblischer und rabbinischer Sicht kein ewiges Naturereignis, sondern ein zeitlich genau einzuordnendes (sehr <em>sp\u00e4tes<\/em>) Produkt der menschlichen Zivilisationsgeschichte.Die sogenannte \u201aSintflut\u2018 (Genesis 6,5-9,17) erscheint als ein totales Massenvernichtungs-Unternehmen gegen die von Jugend auf verdorbene Menschenwelt. Doch im Zuge dieser Intervention nach Art der hochger\u00fcsteten imperialen \u201aChaos-Bezwinger\u2018 kommt Gott gleichsam zur Besinnung und zu einem besseren Verst\u00e4ndnis der menschlichen Gebrochenheit. Die erste Friedenstaube der Geschichte bringt gute Kunde: Land in Sicht! (Genesis 8,11.21-22). Fortan erscheint statt des Schwertbogens der Kriegsgottheiten und Gottk\u00f6nige am Himmel der Regenbogen eines Friedensbundes, welcher der ganzen Menschheit gilt (Genesis 9,12-27).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erz\u00e4hlung vom Turmbau zu Babel (Genesis 11,1-9) bringt auch architektonisch zur Anschauung die Geschichte der Stadtstaaten, die \u2013 durchweg von M\u00e4nnern regiert \u2013 sich in Konkurrenz miteinander zu Gro\u00dfreichen aufbl\u00e4hen. Gott straft an dieser Stelle nicht, sondern tritt entgegen dem sprachlichen <em>Einheitscode<\/em> einer neuen Zivilisationsstufe, der nicht der Verst\u00e4ndigung zwischen den Menschen, sondern der imperialen Beherrschung dient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abraham aus Ur in Chald\u00e4a \u2013 im Zweistromland \u2013 h\u00f6rt den Ruf zum Aufbruch aus dem Bestehenden (Genesis 12,1-3) und wirkt so Segen f\u00fcr die Menschen aller Zeiten. \u2013 Das Bestehende aber ist das seit ca. 3000 v.\u00a0Chr. zunehmend verfestigte, auf Aneignung, Macht und Kriegsgewalt fu\u00dfende Zivilisationsgef\u00fcge. Abraham tritt als F\u00fcrsprecher der in Gewaltkontexten gefangenen Menschen auf (Genesis 18,20-33; vgl. auch Moses in Numeri 14,10b-20), ebenso als ein Mensch des Friedens und Sachwalter der von (Halb)Nomaden hochgesch\u00e4tzten friedlichen Koexistenz ohne gewaltsame Konfliktaustragung (Genesis 13,1-9; 20,1.14-17; 21,22-30; 23,1-7). Er gilt der Bibel gleicherma\u00dfen als Stammvater der \u201aAraber\u2018 und der \u201aIsraeliten\u2018; sein Begr\u00e4bnis wird von den beiden S\u00f6hnen Ismael und Isaak gemeinsam besorgt (Genesis 21,9-21; 25,7-11). \u2013 Der Genesis \u201ezufolge ist die Besiedelung Kanaans durch die Israeliten ein friedlicher Vorgang. [\u2026] So verstehen sich die Erzv\u00e4ter mit den Nichthebr\u00e4ern gut und leben in freundlicher Nachbarschaft; sie sind weit davon entfernt, die Bewohner Kanaans zu bek\u00e4mpfen und aus dem Land zu verdr\u00e4ngen\u201c (Bernhard Lang). Noch Jakob, dem nunmehr die Entsch\u00e4rfung eines Bruderkonfliktes und somit die Verhinderung blutiger Gewaltfolgen gelingt (Genesis 32,4-22; 33,1-17: Jakob und Esau), ist daran gelegen, ohne Kriegszustand mit den Kanaanitern und Perisitern gut auszukommen (Genesis 34,1-31).<br \/>Im Buche Exodus sollten wir \u2013 gebannt vom spektakul\u00e4ren Ertrinken des ganzes \u00e4gyptischen Heeres \u2013 den lebensrettenden \u201azivilen Ungehorsam\u2018 der Hebammen (Exodus 1,15-21), die Hilfe der Tochter des Pharaos (Exodus 2,1-10) und die freundlichen Beziehungen des Moses zu den Midianitern (Exodus 18,1-9; vgl. Numeri 10,29-33) nicht \u00fcbersehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das grundlegende <em>T\u00f6tungsverbot<\/em> (Exodus 20,13; Deuteronomium 5,17) in der Weisung an die aus \u00c4gypten Befreiten wird neuerdings gerne so relativiert bzw. ausgelegt, dass unter bestimmten Umst\u00e4nden die seit f\u00fcnf Jahrtausenden im Auftrag von Staaten milit\u00e4risch exekutierten T\u00f6tungen nicht mehr darunter fallen. Friedrich Erich Dobberahn pl\u00e4diert diesbez\u00fcglich daf\u00fcr, die Philologie in den Dienst der Friedenstheologie zu stellen, und hat deshalb zum \u201af\u00fcnften Gebot\u2018 einen Originalbeitrag f\u00fcr die neue Sammlunng verfasst. Auf die Kriegsbestimmungen in den f\u00fcnf B\u00fcchern Mose sind wir schon in unserem Band zu \u201eGewalt und Kriegstheologie\u201c (<a href=\"https:\/\/www.lebenshaus-alb.de\/magazin\/015573.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.lebenshaus-alb.de\/magazin\/015573.html<\/a>) ausf\u00fchrlich zu sprechen gekommen. An dieser Stelle m\u00fcssen wir \u2013 in friedenstheologischer Absicht \u2013 auf etwas anderes eingehen: auf die <em>\u201aHausordnung der Tora\u2018 <\/em>(Franz Segbers). Gegen Gewalt von innen und von au\u00dfen k\u00f6nnen Gemeinschaften nur auf einem einzigen Wege Widerstands- und Verteidigungskraft entwickeln: indem sie n\u00e4mlich ihr soziales Gef\u00fcge menschlich, gerecht und kooperativ gestalten \u2013 also die besonders Verwundbaren sch\u00fctzen, die Bed\u00fcrftigen nicht allein lassen, den Kranken ohne Ansehen der Person (und des Geldbeutels) eine gute Versorgung bereiten, die Werkt\u00e4tigen nicht ausbeuten, den neu Hinzukommenden Unterst\u00fctzung geben, die Alten nicht \u201aabschreiben\u2018, Wohnungen f\u00fcr Menschen statt f\u00fcr Profite bauen, den \u00f6ffentlichen Raum mit seinen allen dienenden Einrichtungen pflegen \u2026 Kurzum: Friedenst\u00fcchtig wird ein Gemeinwesen, in dem es die Beziehungen zwischen den Menschen <em>gerecht<\/em> gestaltet. Der Zusammenhang von \u201eGerechtigkeit und Frieden\u201c (Jesaja 32,17-18; Psalm 72,2-3; Psalm 85,11) \u2013 nach innen und au\u00dfen \u2013 ist unzerrei\u00dfbar. Deshalb kommt der \u201aHausordnung der Tora\u2018, deren Wegweisungen zum Leben im neuen Band durch die Beitr\u00e4ge von Ansgar Moenikes, Ulrich Durchrow und Franz Segbers beleuchtet werden, f\u00fcr die <em>biblische Friedenstheologie<\/em> eine wirklich g\u00a0r\u00a0u\u00a0n\u00a0d\u00a0l\u00a0e\u00a0g\u00a0e\u00a0n\u00a0d\u00a0e Bedeutung zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Blick auf die M\u00e4chtigen der Welt und die Staatsdoktrin der Besitzenden erscheinen <em>Herrschaftskritik<\/em> und <em>Gerechtigkeitsforderung<\/em> der Hebr\u00e4ischen Bibel als unerh\u00f6rte Neuheiten. N\u00e4chstenliebe und \u201aegalit\u00e4rer Impuls\u2018 sind hier aber nicht pl\u00f6tzlich vom Himmel herabgefallen. Halbnomaden, entlaufene Sklaven und egalit\u00e4re Bauern kommen zu Wort. Schauen wir genauer hin, so zeigt es sich, dass vor allem das \u00fcber Hundertausende Jahre waltende \u2013 uns f\u00f6rmlich ins Herz geschriebene \u2013 \u201aSozialethos\u2018 der <em>vorstaatlichen<\/em> Menschengeschichte wieder freigelegt wird und zur Geltung kommen soll. Ehrfurcht vor dem Leben, Teilen (statt T\u00f6ten), helfende Gegenseitigkeit, Abscheu vor Machtgebaren und Mitf\u00fchlen entsprechen <em>urspr\u00fcnglichen<\/em> Neigungen, wie sehr auch eine destruktive Zivilisation anstrebt, uns \u201amassenkulturell\u2018 zum Gegenteiligen abzurichten. Deshalb k\u00f6nnen die Leute solches verstehen, es ist keineswegs \u201a\u00fcbernat\u00fcrlich\u2018 oder \u201aunverst\u00e4ndlich\u2018: \u201a<em>Denn dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht \u00fcber deine Kraft und ist nicht fern von dir.<\/em> [\u2026] <em>Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.\u2018<\/em> (5. Mose \/ Deuteronomium 30,11-14).<br \/><br \/><em>Text: Peter B\u00fcrger (Hg.), 1. Juli 2026 (Fu\u00dfnoten\/Quellenhinweise wurden hier ausgelassen).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Lesebuch der Schalom-Bibliothek \u2013 in Kooperation mit Frieden wagen e.V., dem \u201aKuratorium Abrahamskrone\u2018 und dem \u00d6kumenischem Institut f\u00fcr Friedenstheologie Friedensbotschaften der Hebr\u00e4ischen Bibel \u2013 Erster Band. Ein Lesebuch der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/friedensbotschaften-der-hebraeischen-bibel-ein-erster-band-der-sammlung-liegt-vor\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u201eFriedensbotschaften der Hebr\u00e4ischen Bibel\u201c \u2013 ein erster Band der Sammlung liegt vor\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[218,49],"tags":[2511],"class_list":["post-64396","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bucher","category-religion","tag-bibel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64396","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64396"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64396\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64398,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64396\/revisions\/64398"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}