{"id":62818,"date":"2026-01-07T08:04:32","date_gmt":"2026-01-07T07:04:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=62818"},"modified":"2026-01-07T08:04:32","modified_gmt":"2026-01-07T07:04:32","slug":"ein-lesebuch-ueber-die-friedensliebe-der-rabbiner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ein-lesebuch-ueber-die-friedensliebe-der-rabbiner\/","title":{"rendered":"Ein Lesebuch \u00fcber die Friedensliebe der Rabbiner"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><em>Sei von den Sch\u00fclern Aarons<\/em>. Ein Lesebuch \u00fcber die Friedensliebe der Rabbiner. Herausgegeben von Peter B\u00fcrger. (edition pace ? Regal: Pazifisten &amp; Antimilitaristen aus j\u00fcdischen Familien, 15). Hamburg: BoD 2026. (ISBN: 978-3-8192-2601-4; Paperback; 312 Seiten; 13,99 Euro).<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/sei-von-den-schuelern-aarons-9783819226014\">https:\/\/buchshop.bod.de\/sei-von-den-schuelern-aarons-9783819226014<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20250107RABBINER-FRIEDEMSLIEBE.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"643\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20250107RABBINER-FRIEDEMSLIEBE-643x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-62819\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20250107RABBINER-FRIEDEMSLIEBE-643x1024.jpg 643w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20250107RABBINER-FRIEDEMSLIEBE-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20250107RABBINER-FRIEDEMSLIEBE-768x1223.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20250107RABBINER-FRIEDEMSLIEBE-964x1536.jpg 964w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20250107RABBINER-FRIEDEMSLIEBE.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Umschlagbild<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong><em>\u201eHillel lehrte: Sei ein Anh\u00e4nger Aarons \u2013 der den Frieden liebt und ihn verfolgt, der Gottes Gesch\u00f6pfe liebt und sie der Thora n\u00e4her bringt.\u201c (Spr\u00fcche der V\u00e4ter I, 12)<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(<em>Von: Redaktion Schalom-Bibliothek.org<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fche Quellen zur Friedensliebe der Rabbiner erschlie\u00dft der erste Hauptteil dieses zu Jahresanfang 2026 in Kooperation mit dem Lebenshaus Schw\u00e4bische vorgelegten Lesebuches. Das Imperium Romanum zerst\u00f6rt im Jahr 70 nach Christus den Tempel zu Jerusalem. Die j\u00fcdischen Weisheitslehrer antworten auf diese Katastrophe nicht mit einer Angleichung an das aggressive Programm Roms. Sie folgen vielmehr jener Wegspur, in der die Zivilisation der Gewalt als sicherer Erweis von Gottlosigkeit gilt. Das rabbinische Judentum imponiert als eine biophile Religion des Friedens: Geh\u00f6rst du zu jenen, die das Leben lieben und bessere Tage zu sehen w\u00fcnschen? Achte darauf, wo die Boten der Freude wirken und leuchtende Augen anzutreffen sind. Suche den Frieden und jage ihm nach .\u00a0.\u00a0.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Eine weitere Abteilung der Sammlung enth\u00e4lt Texte von zwanzig Autoren &#8211; vornehmlich aus den Jahren 1896 bis 1929. Hier best\u00e4tigt sich Seite um Seite, dass das Friedensparadigma der fr\u00fchen Rabbinen auch im \u201elangen 19. Jahrhundert\u201c unter Orthodoxen und Reformern noch nicht in Vergessenheit geraten war. Es bef\u00f6rderte bei Frauen und M\u00e4nnern aus j\u00fcdischen Familien gerade im Umfeld des Ersten Weltkrieges ein klares Sehen: \u201eAlles Gewaltsame ist weglos, sinnlos, weil es ohne Ziel ist. Gewalt f\u00fchrt nie \u00fcber sich hinaus zu einem Ziele hin, sie f\u00fchrt immer nur zu sich selber zur\u00fcck\u201c (Leo Baeck).<br \/><br \/>Im Zeitalter der modernen Massenvernichtungswaffen ist die Friedensvision der Propheten Israels keine utopische Tr\u00e4umerei, sondern der einzige Schl\u00fcssel f\u00fcr eine Zukunft der Menschheit ohne unermessliche Leiden.<br \/><br \/>\u201eEs sprach der Heilige, gelobt sei er: die ganze Thora lehrt Frieden und wem \u00fcbergebe ich sie? Dem Volke, das den Frieden liebt.\u201c (Talmudisch)<br \/><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Textdokumentation<\/strong><\/em><strong> ? Vorwort des Herausgebers<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ende der 1920er Jahre schreibt der Zionist und Pazifist Hans Kohn (1891-1971) in einem Beitrag f\u00fcr das Handbuch der \u201aInternationale der Kriegsdienstgegner\u2018: \u201eDas Judentum hat den Kampf gekannt, das z\u00e4he Ringen um die Schwere der Aufgabe, den Mut, um dieser Aufgabe willen alles zu ertragen, und das Martyrium. Aber es hat den Krieg gehasst, den es seit zwei Jahrtausenden nicht mehr gef\u00fchrt hat, den organisierten Mord, wie jede Gewalttat \u00fcberhaupt. Jeder Jude tr\u00e4gt in seinem Blute eine instinktive und bis zur Heftigkeit gesteigerte Abneigung gegen rohe Gewalt, Mord und Krieg\u201c (?S. 184). Mit der Metapher <em>\u201eBlut\u201c<\/em> \u00fcbernimmt H. Kohn keineswegs die Sichtweise der Antisemiten, die die Juden als \u201eRasse\u201c definieren wollen. Denn das Judentum ist keine Frage von Biologie und Genetik, sondern eine <em>Religion<\/em>. Ohne den gro\u00dfen Lobpreis \u2013 oder den Schrei nach Gott und das Leiden an seiner Abwesenheit \u2013 kann von ihm sinnvollerweise gar nicht gesprochen werden.<br \/><br \/>Die zwei Jahrtausende, von denen bei Kohn die Rede ist, beziehen sich auf das \u201arabbinische Judentum\u2018. Das Imperium Romanum, das die Globalisierung des aggressiven Zivilisationsprogramms \u201aM\u00fcnze \u2013 Macht \u2013 Milit\u00e4r\u2018 zu einer bis dahin ungekannten H\u00f6chstform aufger\u00fcstet hat, zerst\u00f6rt im Jahr 70 nach Christus den Tempel zu Jerusalem. Die Rabbinen antworten auf diese Katastrophe nicht mit einer Angleichung an das sich gottgleich d\u00fcnkende <em>Rom<\/em>. Sie folgen einer Spur, die sich schon Jahrhunderte zuvor erkennen lie\u00df, und betrachten die \u201aZivilisation der Gewalt\u2018 als sicheren Erweis von Gottlosigkeit. Derweil l\u00e4sst sich das Kirchentum der Christen nach drei Jahrhunderten durch eine Strategie des Soldatenkaisers Konstantin verf\u00fchren und geht mit <em>Rom<\/em> eine Symbiose ein. \u2013 Aus dem Leute-Rabbi Jesus, der doch allen Caesaren offen seinen Ungehorsam erkl\u00e4rt hat, wird jetzt ein heidnischer \u201aSonnenheld\u2018 im Olymp. \u2013 Gegen\u00fcber dieser erneuten Ausformung der altbekannten und milit\u00e4raffinen <em>Staatsreligion<\/em>, die den Erdkreis bis hin zu zwei Weltkriegen mit Blutstr\u00f6men sondergleichen \u00fcbergossen hat, kann das rabbinische Judentum mit einigem Recht als <em>Religion des Friedens<\/em> bezeichnet werden. Davon handelt der erste Hauptteil des vorliegen\u00adden Lese\u00adbuches, in dem Grundaussagen vor allem des talmudischen Schrifttums nach thematischen Gesichtspunkten zusammengestellt worden sind (S. 15-107). Jede Leserin und jeder Leser mag nach der Lekt\u00fcre selbst entscheiden, ob die <em>\u201aFriedensliebe der Rabbiner\u2018<\/em> \u2013 als Grundakkord des Selbstverstehens und als Gegenstand von Fremdzuschreibungen \u2013 in den Quellen \u00fcberzeugend zum Ausdruck kommt. Die Sympathie, mit welcher der Herausgeber die \u00fcbersetzten Zeugnisse sichtet und darbietet, liegt offen zutage. M\u00f6gen auch andere sich hier erfreuen und kr\u00e4ftigen lassen: wider den geistlosen Abgrund im Imperium der Traurigkeit, welches noch immer unverdrossen dem Programm Roms nacheifert.<br \/><br \/>Immanuels Kants \u201eEwiger Frieden\u201c (1795) hat gerade bei Vertretern eines aufgekl\u00e4rten Judentums gro\u00dfen Zuspruch gefunden. Frauen und M\u00e4nner aus j\u00fcdischen Familien sind seit dem 19. Jahrhundert \u2013 bis in unsere Tage hinein \u2013 als treibende Kr\u00e4fte des weltweiten Widerstandes gegen die Apparatur des Krieges in Erscheinung getreten. Ohne ihre Beitr\u00e4ge h\u00e4tte es \u2013 namentlich im deutschsprachigen Raum \u2013 auf Schritt und Tritt an Geburtshilfe f\u00fcr die organisierte Friedensbewegung, den V\u00f6lkerrechtsgedanken und die Menschenrechtsarbeit gefehlt. Auch ein bedeutsamer Strom des <em>kulturell<\/em>\u2013<em>religi\u00f6sen <\/em>Zionismus betrachtete das Friedenswirken als Kernauftrag des Judentums. Die <em>antipazifistische<\/em> Judenfeindlichkeit der Rechten bek\u00e4mpfte kein Phantom; die starke Beteiligung sogenannter \u201eSemiten\u201c in der Friedensarbeit und Netzwerken des Antimilitarismus konnten (und k\u00f6nnen) nur Blinde \u00fcbersehen. Im zweiten Hauptteil unser Sammlung kommen \u2013 abgesehen von einer \u201aAu\u00dfensicht\u2018 (S. 178-180) und drei j\u00fcngeren Darstellungen (S. 247-282) \u2013 vor allem j\u00fcdische Stimmen aus dem Zeitraum 1896 \u2013 1929 zu Wort. Rabbiner bilden die Mehrheit der Schreibenden. Ber\u00fccksichtigt werden \u2013 fernab der Zensurneigungen von gegens\u00e4tzlichen Lagern der Gegenwart \u2013 gleicherma\u00dfen orthodoxe wie reformerische, zionistische wie antizionistische Autoren. Die <em>s\u00e4kularen<\/em> (historischen, soziologischen \u2026) Hintergr\u00fcnde der enorm ausgepr\u00e4gten \u201aj\u00fcdischen Pr\u00e4senz\u2018 im modernen Pazifismus sind nicht der eigentliche Gegenstand dieses Buches. In mehreren ausgew\u00e4hlten Lesetexten wird vorrangig die Friedenslehre der <em>rabbinischen Religion<\/em> beleuchtet und als Wegweiser f\u00fcr die Gegenwart gew\u00fcrdigt. Aller\u00addings h\u00e4lt auch ein Zionist wie Ascher Hirsch Ginzberg \/ Achad Ha?am (1856-1927), der Y.\u00a0M. Rabkin zufolge die Religion schon nicht mehr als \u201averpflichtenden Aspekt\u2018 j\u00fcdischer Identit\u00e4t betrachtet hat, einige Jahre vor dem Pogrom von Kischinjow noch an der Anschauung fest, dass die St\u00e4rke des Judentums nicht in physischer Kraft, sondern im <em>Geistigen<\/em> liegt und also auf einem unverzichtbaren Vorrang im Bereich der \u201aSittlichkeit\u2018 beruht (S. 136-143).<br \/><br \/>Die beliebte Bezugnahme auf die Propheten Israels unter dem Vorzeichen eines zu seichten Fortschrittsoptimismus wird korrigiert durch jene Voten, in denen angesichts der Abgr\u00fcnde des modernen Krieges eine Synthese von Vernunft und Fr\u00f6mmigkeit schier alternativlos erscheint \u2013 sofern die Zukunft der <em>Einen Menschheit<\/em> ins Blickfeld kommt (Hermann Cohen, Max Dienemann, Fritz Leon Bernstein, Isaak Heinemann, Leo Baeck). Niemand kann an den Massengr\u00e4bern des j\u00fcngsten \u201aKulturstadiums\u2018 noch leugnen, \u201eda\u00df wir Menschen auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden sind\u201c (S. 207). W\u00fcrde doch nur ein Bruchteil jener Opfer, die unentwegt den Kriegsgottheiten dargebracht werden, zu Zwecken des Friedens umgewidmet werden \u2026 (S. 191). Margarete Susman schreibt 1929 in neuer Tonart: <em>\u201eVor der messianischen Friedensidee \u2026 fliegen alle Ordnungen wie von einem g\u00f6ttlichen Blitz ber\u00fchrt auf. Nur einer Welt der Verzweiflung \u2013 einer Verzweiflung, die sich selbst als Abfall inne wird, ist die messianische Friedensidee, was sie ist: absolutes Gericht zugleich und \u00fcber den Abgrund her\u00fcberlohende \u00fcberschw\u00e4ngliche Hoffnung \u2026\u201c<\/em> (S. 234). Das ist der Ernstfall!<br \/>In wirkungsgeschichtlicher Hinsicht best\u00e4tigt unser Lesebuch Seite um Seite, dass das Friedensparadigma der fr\u00fchen Rabbinen auch im <em>\u201eLangen 19. Jahrhundert\u201c<\/em> (Eric Hobsbawm) noch nicht in Vergessenheit geraten war und dann gerade im Umfeld des Ersten Weltkrieges ein klares Sehen bef\u00f6rdert hat \u2013 d.\u00a0h. eine Erkenntnis der \u201eNichtigkeit und Verwerflichkeit von Gewalt\u201c (S. 183): Der Glaube an die Gewalt \u201eist der Glaube an das Nichtige und ist so G\u00f6tzendienst\u201c (S. 60). \u201eAlles Gewaltsame ist weglos, sinnlos, weil es ohne Ziel ist. Gewalt f\u00fchrt nie \u00fcber sich hinaus zu einem Ziele hin, sie f\u00fchrt immer nur zu sich selber zur\u00fcck \u2026\u201c (S. 191).<br \/><br \/>D\u00fcsseldorf, Silvesterabend 2025 Peter B\u00fcrger<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bibliotheksportal <\/strong>| Alle Publikationen des Regals &#8222;Pazifisten und Antimilitaristinnen aus j\u00fcdischen Familien&#8220; erscheinen zun\u00e4chst als Digitale Erstausgaben und sind frei abrufbar auf dem Projektportal <a href=\"https:\/\/www.schalom-bibliothek.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.schalom-bibliothek.org <\/a>\u2013 dort auch alle Informationen zu den bisherigen Buchangeboten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sei von den Sch\u00fclern Aarons. Ein Lesebuch \u00fcber die Friedensliebe der Rabbiner. Herausgegeben von Peter B\u00fcrger. (edition pace ? Regal: Pazifisten &amp; Antimilitaristen aus j\u00fcdischen Familien, 15). 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