{"id":62656,"date":"2025-12-13T21:36:28","date_gmt":"2025-12-13T20:36:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=62656"},"modified":"2025-12-13T21:36:28","modified_gmt":"2025-12-13T20:36:28","slug":"eine-inschrift-ueber-dem-eingang-des-juedischen-stammhauses-kirchenbuchfunde-frueher-antisemitismus-beitraege-aus-portugal-frankreich-und-den-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/eine-inschrift-ueber-dem-eingang-des-juedischen-stammhauses-kirchenbuchfunde-frueher-antisemitismus-beitraege-aus-portugal-frankreich-und-den-usa\/","title":{"rendered":"Eine Inschrift \u00fcber dem Eingang des j\u00fcdischen Stammhauses \u2013 Kirchenbuchfunde \u2013 fr\u00fcher Antisemitismus \u2013 Beitr\u00e4ge aus Portugal, Frankreich und den USA"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Dokumentation: Einleitung zum neuen Band \u00fcber die Geschichte der Juden in Eslohe<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/UmschlagEsloherJudenIIderneueBandKlein.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"722\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/UmschlagEsloherJudenIIderneueBandKlein-722x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-62657\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/UmschlagEsloherJudenIIderneueBandKlein-722x1024.jpg 722w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/UmschlagEsloherJudenIIderneueBandKlein-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/UmschlagEsloherJudenIIderneueBandKlein-768x1090.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/UmschlagEsloherJudenIIderneueBandKlein.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Umschlagbild des zweiten Bandes der Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Esloher Juden<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>\u201eWarum schuf Gott nur einen Menschen? Damit sich niemand auf seine Abstammung berufe und zu seinen Mitmenschen spreche: Ich bin etwas Besseres als der andere.\u201c (Mischna Sanhedrin IV, 5)<br \/>\u201eEs sind die aus \u00c4gypten Befreiten, die der Menschheit das verlorene Bewu\u00dftsein von dem einen Vater aller Menschen, und dem gleichen Rechte und der gleichen Ebenbildlichkeit und Gotteskindschaft aller Men\u00adschen wieder gebracht. Es sind die aus \u00c4gypten Befreiten, aus deren H\u00e4nden sie das Buch hingenommen, das das Recht und die Freiheit und die g\u00f6ttliche W\u00fcrde jeder Menschenseele verbrieft und versiegelt.\u201c (Rabbiner Samson Raphael Hirsch, 1808-1888)<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mit dem vorliegenden Band wird das zweiteilige Werk \u201eBeitr\u00e4ge zur Geschichte der Esloher Juden\u201c abgeschlossen. (<a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/gott-fuer-uns-alle-9783695142156\">https:\/\/buchshop.bod.de\/gott-fuer-uns-alle-9783695142156<\/a>) Die im Buchtitel \u00fcbernommene Botschaft <em>\u201eGott f\u00fcr uns alle\u201c<\/em> steht als Balkeninschrift \u00fcber dem Eingang des Fachwerkhauses in der Esloher Kupferstra\u00dfe\u00a03, d.\u00a0h. des \u00f6rtlichen Stammhauses der j\u00fcdischen Familie Goldschmidt. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Gastbeitrag Peter B\u00fcrger)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eJacob Goldschmidt muss vor 1819 das sogenannte \u201aJudenhaus\u2018 an der Ecke Kupferstra\u00dfe\/Rochusweg erworben haben. Selbst gebaut hat er es indes nicht, denn [eine] wieder sichtbar gemachte Balkeninschrift nennt Casimir Hallmann und Maria Sophia Kropff am 31. Juli 1798 als Erbauer dieses Hauses. Da Casimir 1808 und seine Frau Maria Sophia 1809 starb, wird Jacob Goldschmidt das Haus um diese Zeit erworben haben\u201c (Dierk W. Stoetzel). Viel mehr k\u00f6nnen wir im Rahmen dessen, was uns die \u00fcberlieferten Daten vorgeben, nicht vortragen. Jakob Sander\/Goldschmidt (1753\u20131827), dessen Vater Sander Laiser sich vor Mitte des 18. Jahrhunderts im Esloher Land niedergelassen hatte, k\u00f6nnte nat\u00fcrlich schon um 1800 (Mit-)Bewoh\u00adner des Geb\u00e4udes in der \u201aKupferstra\u00dfe\u00a03\u2018 gewesen sein oder das Haus noch zu Lebzeiten der Erbauer von diesen erworben haben. Doch solches bleibt Spekulation. Jedenfalls erwog der \u201aHandelsjude Jakob\u2018 (ab 1814 bezeugter Nachname: Goldschmidt) schon um 1800, seine Unterkunft in Eslohe mit einem Ritualbad zu versehen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/juedTextilhausJonasGoldschmidtEsloheMuseumsarchivKlein.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"764\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/juedTextilhausJonasGoldschmidtEsloheMuseumsarchivKlein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-62658\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/juedTextilhausJonasGoldschmidtEsloheMuseumsarchivKlein.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/juedTextilhausJonasGoldschmidtEsloheMuseumsarchivKlein-300x224.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/juedTextilhausJonasGoldschmidtEsloheMuseumsarchivKlein-768x573.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das j\u00fcdische Textilhaus Jonas Goldschmidt Eslohe (Bild: Museumsarchiv)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie alt oder urspr\u00fcnglich die Balkeninschrift <em>\u201eGott f\u00fcr uns alle\u201c <\/em>\u00fcber der Eingangst\u00fcr ist, k\u00f6nnen uns vielleicht die Denkmalsch\u00fctzer sagen. Verf\u00fchrerisch ist es aus theologischer Sicht allemal, anzuneh\u00admen, die Familie des Jakob habe sie anbringen lassen und auf diese Weise jenen Blick auf die eine \u2013 ungeteilte \u2013 Menschheit bezeugt, der die rabbinische Religion im Gefolge der Propheten Israels auszeichnete: \u201eWas die Lehre Israel befiehlt, hat nur den Zweck, unter Menschen gegenseitige Liebe und Frieden aufrechtzuerhalten.\u201c (Sefer ha-chassidim)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Ersten Band <em>\u201eSind wir auch Israels Kinder\u201c<\/em> <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/und-sind-wir-auch-israels-kinder-der-erste-band-der-beitraege-zur-geschichte-der-esloher-juden-ist-erschienen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/und-sind-wir-auch-israels-kinder-der-erste-band-der-beitraege-zur-geschichte-der-esloher-juden-ist-erschienen\/<\/a> (2019) dokumentieren wir in chronologischer Reihenfolge Berichte, Forschungen und andere Wortmeldungen zur Geschichte der j\u00fcdischen Bewohner des Gemeindegebietes ab dem 18. Jahrhundert, die zuerst in den Jahren 1988 bis 2013 erschienen sind (gleicherma\u00dfen: erste Versuche, Unfertiges und gereifte Darstellungen) \u2013 au\u00dferdem auch einige Zeugnisse zur \u00f6rtlichen Gedenkkultur. Die vor allem von Rudolf Franzen und Alfred Bruns in Gang gesetzte Esloher Forschungsgeschichte zum Thema \u2013 mit all ihren Umwegen, Fortschritten, Irrt\u00fcmern, Korrekturen und \u201aNachwirkungen\u2018 \u2013 kann somit in einer Gesamtschau nachvollzogen werden. Popul\u00e4re und wissenschaftliche Texte sind glei\u00adcherma\u00dfen vertreten. Es werden bereits Themen angegangen, die den \u00fcblichen Kanon von \u201aOrtschroniken\u2018 \u00fcbersteigen. Nach Jahrzehnten des Vergessens bzw. \u201aNichtwissens\u2018 haben ein Dutzend Autoren\/Autorinnen aus lokalen und \u00fcberregionalen Kontexten im Verlauf eines Vierteljahrhunderts \u2013 neben den Erinnerungen von Zeitzeugen und pers\u00f6nlichen Betrachtungen \u2013 solide quellenbasierte \u201aRekonstruktionen\u2018 und Erkenntnisse vorgelegt. Es bringt uns weiter, Fragen zu stellen, andere um Rat oder Mitarbeit zu bitten, unterschiedlichen Perspektiven und Interessen Geh\u00f6r zu schenken \u2026 Der Sporthistoriker Henry Wahlig hat uns beispielsweise gezeigt, dass die Fu\u00dfballbegeisterung der Esloher Goldschmidt-Br\u00fcder mitnichten nur ein Gegenstand der Ortskunde geblieben ist. Hans J\u00fcrgen Rade (Paderborn), der jetzt Mitherausgeber dieses Folgebandes ist, konnte erstmalig die j\u00fcdischen Wurzeln der Esloher Familie Gabriel belegen. Dierk W. Stoetzel gelang es 2009\/2010 mit gl\u00fccklicher Hand, Darstellungen aus zwei Jahrzehnten kritisch zu sichten, sachliche Fehler zu berichtigen und offene Fragen zum Schicksal von J\u00fcdinnen und Juden aus dem Gemeindegebiet zu beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zweite Sammelband <em>\u201eGott f\u00fcr uns alle\u201c<\/em>, eingeleitet durch einen konzentrierten \u00dcberblick des Jahres 2015 aus der Feder von Dr. Alfred Bruns (1934-2024), vereinigt jetzt \u2013 dargeboten in sechs thematischen Abteilungen \u2013 ganz neue Forschungsbeitr\u00e4ge und umfangreiche Quellendokumentationen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aus Kirchenb\u00fcchern .&nbsp;.&nbsp;. <\/strong>|Prof.Dr.Robert J\u00fctte (Stuttgart) und Louis Meiselman (USA) erschlie\u00dfen zwei Dokumente zur Fr\u00fchgeschichte der Juden in Eslohe. (Unter Bezugnahme auf diese Arbeit erreichte uns am 14.8.2022 eine Anfrage des Jerusalemer Archivars Yisrael Dubitsky. Reproduktionen der hebr\u00e4ischen und jiddischen Schriftst\u00fccke im Esloher Pfarrarchiv sind nunmehr auch in der Handschriftenabteilung der Natio\u00adnalbibliothek von Israel einzusehen.) Der Paderborner Bistumsarchivar Hans J\u00fcrgen Rade beleuchtet Personenstandseintr\u00e4ge von J\u00fcdinnen und Juden in den Kirchenb\u00fcchern der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul (1827-1838) und zeichnet den Weg von J\u00fcdinnen und Juden aus Eslohe und Wenholthausen, die sich taufen lie\u00dfen, nach. (Wir k\u00f6nnen diesem Autor f\u00fcr seine gr\u00fcndlichen Darstellungen zur Genealogie und Geschichte der j\u00fcdischen Familien des Gemeindegebietes kaum geb\u00fchrend danken.) Ich selbst vermittele in dieser Abteilung noch eine weitere \u201aNachlese\u2018 zum Grabstein der Louise Gabriel (1814-1830).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><\/a> <strong>Sozialgeschichtliches \u2013 Erwerbsleben<\/strong> | Originalbeitr\u00e4ge von Magdalene Fiebig und Hans J\u00fcrgen Rade behandeln Gesch\u00e4ftsbeziehungen des Hofes Stiesberg mit j\u00fcdischen Kaufleuten (Anschreibeb\u00fccher 1801-1873) und die Kapitalkraft von Juden in der nahen Landschaft (1826-1833). Zudem k\u00f6nnen in einer umfangreichen Zusammenstellung alle bislang gesammelten Zeitungsinserate j\u00fcdischer Kaufleute nachgelesen werden; sie sind bezogen auf die Zeit ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine relevante Quelle f\u00fcr Arbeiten zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Judenbilder \u2013 Judenfeindschaft<\/strong> | F\u00fcnf orts- und regionalgeschichtliche Beitr\u00e4ge erhellen kulturelle \u201eJudenbilder\u201c und die lange Geschichte des Antisemitismus (Autoren: Karl-Arnold Reinartz und Peter B\u00fcrger); im Originalwortlaut kommen u.&nbsp;a. Brauchtumsverse und die \u201aaussagekr\u00e4ftigen\u2018 Voten eines Esloher Soldaten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges zu Geh\u00f6r. Nach einer Lekt\u00fcre dieser Abteilung wird niemand mehr sagen k\u00f6nnen, die Feindseligkeit gegen\u00fcber Juden sei erst sp\u00e4t mit \u201eden Nazis\u201c in die Heimat gekommen, gleichsam als etwas ganz Neues und Fremdes \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nachfahrinnen der Esloher Juden schreiben f\u00fcr die Chronik<\/strong> | Die Zusendungen von Ester Nebenzahl (Urenkelin des 1851 in Eslohe geborenen Alexander Goldschmidt, Portugal) und Aur\u00e9lie Bechoff (Urgro\u00dfenkelin des 1867 in Eslohe geborenen Pariser Modesch\u00f6pfers Emil Bechhoff, heute in Israel lebend) stehen in Zusammenhang mit dem Ersten Band (2019) unseres Projektes, der dank des internationalen Buchvertriebes weit \u00fcber die Landesgrenzen hinaus Interesse gefunden und neuen Austausch erm\u00f6glicht hat. Zur familienbezogenen \u201aNachgeschichte der Esloher Juden\u2018 sind so beeindruckende Kapitel hinzugekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aus dem Esselboten<\/strong> | Zwei Beitr\u00e4ge von Walter Schulte (1940-2025) in hoch- und plattdeutscher Sprache erhellen auf eigent\u00fcmliche Weise die lokale Erinnerungsgeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Museumsarchiv \u2013 <\/strong><strong>Akten &amp;<\/strong><strong>Aufzeichnungen<\/strong> | Den Abschluss bildet eine dokumentarische Abteilung nach dem Fundus im Esloher Museum: Quellentexte zur Geschichte der Juden im Gemeindegebiet (Dokumente, Zeitungsartikel u.&nbsp;a.); Esloher Akten zur Beraubung der j\u00fcdischen Familie Goldschmidt* im NS-Staat; handschriftliche Aufzeichnungen des b\u00e4uerlichen \u201eChronisten\u201c Heinrich Heymer (1898-1966); Gespr\u00e4chsprotokolle zu Zeitzeugenbefragungen 1988 und in den 1990er Jahren von Rudolf Franzen und Peter B\u00fcrger; Aufzeichnungen von Fritz Heinrichs (geb. 06.08.1929) zu \u201eEslohe 1929-1946\u201c. \u2013 Die umfassende Darbietung von Originalquellen und Zeugnissen (mit unvermeidlichen Wiederholungen) sorgt f\u00fcr Transparenz; sie erleichtert allen, die auch zuk\u00fcnftig zur \u201eGeschichte der Esloher Juden\u201c forschen wollen, die Weiterarbeit. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beitr\u00e4ge in den beiden B\u00e4nden unseres Sammelwerks zur Geschichte der Esloher Juden stammen von insgesamt 23 Zeitzeugen\/ Zeitzeuginnen und Forschenden. M\u00f6glichst vollst\u00e4ndig sollten auch alle zug\u00e4nglichen Quellentexte dokumentiert werden \u2013 sowie die Aussagen derer, die vom \u201aletzten Kapitel\u2018 dieser Geschichte noch aus eigener Anschauung zu berichten wussten. Da wir von den beiden B\u00e4nden \u201adurchsuchbare\u2018 Digitale Erstausgaben frei zug\u00e4nglich machen, bringt der Verzicht auf ein abschlie\u00dfendes Namen-, Orts- und Sachregister f\u00fcr die Leserschaft keine gro\u00dfen Nachteile mit sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche W\u00fcnsche lassen sich mit Blick auf Zuk\u00fcnftiges vortragen? Auf fast 900 Seiten enth\u00e4lt unsere zweiteiligen Ver\u00f6ffentlichung einige Hinweise auf jene Schaupl\u00e4tze (Themen) und offenen Fragen, die f\u00fcr weitere ortsbezogene Forschungen von Belang sein k\u00f6nnen. Sie bietet zudem solide Grundlagen daf\u00fcr, eine zusammenh\u00e4ngende \u2013 m\u00f6glichst popul\u00e4re \u2013 \u201aKleine Geschichte der Esloher Juden\u2018 auf nur etwa hundert Seiten und \u201aaus einem Guss\u2018 zu verfassen. (M\u00f6glicherweise sieht in einigem Abstand ja eine junge Autorin oder ein junger Autor darin eine reizvolle Aufgabe?)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch unterbelichtet ist unter anderem der Blick auf die Darstellung von Juden in den christlichen Kunstwerken der Kirchen- und Kapellengemeinden des Esloher Gemeindegebietes \u2013 zu denen beispielsweise der 1885 eingesegnete <em>Kreuzweg <\/em>hoch zur Rochuskapelle (ein \u201aJude mit Geldsack\u2018 unter den Drahtziehern hinter der Kreuzigung) und ein Holzrelief zum <em>\u201ePassahmahl\u201c<\/em> von 1889 geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich kommen wir mit unseren Erkundungen nie an ein Ende \u2026 Die in fast allen Kommunen von Westfalen und Lippe seit den 1980er Jahren angestellten \u201aNachforschungen\u2018 sind vor zehn Jahren in einem stattlichen Nachschlagewerk in Form von Ortsartikeln vermittelt \u2013 und auch schon auf einer ersten Ebene f\u00fcr die \u00fcberregionale Gesamtschau ausgewertet worden (www.juedische-geschichte. lwl.org\/de\/). Hinzu treten Spezialstudien f\u00fcr bestimmte Felder des j\u00fcdischen Lebens in Westfalen. Die Regale sind gef\u00fcllt. Eine vordringliche Aufgabe der Lesemeister*innen besteht wohl auch darin, Vorhandenes f\u00fcr ein breiteres Publikum zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn der sauerl\u00e4ndische Austausch mit \u201aNachfahren der Esloher Juden\u2018 \u2013 der sich zun\u00e4chst vor allem durch Besuche aus den USA vollzogen hat \u2013 vielleicht auch in der n\u00e4chsten Generation nicht ganz abbricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vergleich mit Meschede, Finnentrop-Lenhausen, Schmallenberg und anderen Nachbarschaften schmerzt noch immer eine Leerstelle in der bestehenden Gedenkkultur: das Fehlen von \u201aStolpersteinen\u2018zur Erinnerung an verfolgte j\u00fcdische Mitmenschen und alle anderen Opfer des deutschen Faschismus in der Gemeinde Eslohe. \u2013 Vielleicht wird es in der Kommune auch einmal einen \u201aHistorischen Rundgang\u2018 mit Ortsbegehungen im gesamten Gemeindegebiet geben. Aufzusuchen w\u00e4ren vor allem die heute noch erhaltenen Wohn- und Gesch\u00e4ftsh\u00e4user, der kleine j\u00fcdische Friedhof zwischen B\u00fcenfeld und Wenholthausen (\u201aJaidstein\u2018 Oesterberge), Grabsteine von Nachfahren \u201agetaufter Juden\u2018 auf dem Kirchhof (Familie Gabriel), Werke der Kirchenkunst (s.&nbsp;o.), der von den Goldschmidt-Br\u00fcdern u.&nbsp;a. durch Grundst\u00fcck-Spende erm\u00f6glichte Sportplatz (B.C.E.), Gedenkorte (Tafel an der Esselbr\u00fccke, Goldschmidt-Weg) sowie \u201aErinnerungsobjekte\u2018 im Dampf&nbsp;Land&nbsp;Leute-Museum. Ein inspirierendes Vor\u00adbild w\u00e4re bei den Schmallenbergern zu finden, die ihren Besuchern f\u00fcr einen historischen Stadtrundgang auf den Spuren des j\u00fcdischen Lebens am Ort ein besonderes Faltprospekt anbieten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich selbst konnte den Fortschritt der Erkenntnisse zur Geschichte der Esloher Juden seit 1988 mit einiger Anteilnahme verfolgen. Jetzt zu \u00fcberblicken, was nach \u00fcber 35 Jahren aus den Werkst\u00e4tten von Leuteforschern und ausgesprochenen Experten zusammengekommen ist, ver\u00adsetzt mich in Erstaunen. Wir alle d\u00fcrfen dankbar daf\u00fcr sein, dass Menschen sich gegenseitig anregen, korrigieren (d.&nbsp;h. weiterhelfen) und beschenken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der neue Band \u2013 seit Dezember auch im Buchhandel bestellbar:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ALS PREISWERTES PAPERBACK:<br \/><em>\u201eGott f\u00fcr uns alle\u201c.<\/em> Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Esloher Juden \u2013 Zweiter Band<em>. <\/em>Herausgegeben von Peter B\u00fcrger und Hans J\u00fcrgen Rade, in Kooperation mit dem Dampf-Land-Leute-Museum Eslohe. (= edition leutekirche sauerland 28). Hamburg: BoD 2025.<br \/>(ISBN: 978-3-6951-4215-6; Paperback; 576 Seiten; 24,99 Euro)<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/gott-fuer-uns-alle-9783695142156\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/gott-fuer-uns-alle-9783695142156<\/a><br \/><br \/>MIT FESTEM EINBAND:<br \/><em>\u201eGott f\u00fcr uns alle\u201c.<\/em> Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Esloher Juden \u2013 Zweiter Band<em>. <\/em>Herausgegeben von Peter B\u00fcrger und Hans J\u00fcrgen Rade, in Kooperation mit dem Dampf-Land-Leute-Museum Eslohe. (= edition leutekirche sauerland 28). Hamburg: BoD 2025.<br \/>(ISBN: 9783695155811; fester Einband [Hardcover]; 576 Seiten; 34,99 Euro)<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/gott-fuer-uns-alle-9783695155811\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/gott-fuer-uns-alle-9783695155811<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dokumentation: Einleitung zum neuen Band \u00fcber die Geschichte der Juden in Eslohe \u201eWarum schuf Gott nur einen Menschen? 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