{"id":62407,"date":"2025-11-16T08:40:39","date_gmt":"2025-11-16T07:40:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=62407"},"modified":"2025-11-16T08:55:06","modified_gmt":"2025-11-16T07:55:06","slug":"geschaeftemachen-mit-ns-verfolgung-und-holocaust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/geschaeftemachen-mit-ns-verfolgung-und-holocaust\/","title":{"rendered":"Gesch\u00e4ftemachen mit NS-Verfolgung und Holocaust"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pressemitteilung des Fritz Bauer Instituts zur geplanten Auktion \u00bbDas System des  Terrors, Volume II, 1933\u20131945\u00ab des Auktionshauses Felzmann am 17. November 2025 in Neuss<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Brief eines polnischen Auschwitz-H\u00e4ftlings aus dem Jahr 1940 f\u00fcr 180 Euro? Die Gestapokarteikarte mit Informationen zur Hinrichtung eines j\u00fcdischen Bewohners des Ghettos\u00a0Mackheim in Ostpreu\u00dfen im Juli 1942 f\u00fcr 350 Euro? Oder doch lieber die Mitteilung \u00fcber den Tod einer 1944 im Rahmen der sogenannten Euthanasie ermordeten Patientin der Landesheilanstalt Hadamar ebenfalls f\u00fcr 350 Euro? Vor eine solche Wahl ist die Kundschaft des Auktionshauses Felzmann am 17. November 2025 gestellt. Denn dann versteigern die in erster Linie auf Briefmarken spezialisierten Auktionatoren des renommierten Unternehmens aus Neuss die Sammlung eines privaten NS-Forschers.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 623 Lose der geplanten Auktion unter dem Titel \u00bbDas System des Terrors, Volume II,&nbsp;1933\u20131945\u00ab (Volume I datiert von 2019) umfassen die Korrespondenz von H\u00e4ftlingen deutscher Konzentrationslager mit ihren Angeh\u00f6rigen, insgesamt mehrere hundert Briefe. Allesamt Schriftst\u00fccke aus verschiedensten NS-Verfolgungskontexten sowie T\u00e4terdokumente, darunter die Notizen Arthur Liebehenschels, des Kommandanten des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, in Vorbereitung auf seine Verteidigung im Krakauer Auschwitz-Prozess 1947.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Fritz Bauer Institut protestiert gegen die geplante Versteigerung des Auktionshauses&nbsp;Felzmann und spricht sich grunds\u00e4tzlich gegen einen kommerziellen Handel mit Dokumenten der NS-Verfolgung und des Holocaust aus. Mit solchen Unterlagen d\u00fcrfen keine Gesch\u00e4fte gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die schriftliche und audiovisuelle \u00dcberlieferung der NS-Verbrechen sowie ihrer Nachgeschichte muss dringend den \u00f6ffentlichen Archiven und Gedenkst\u00e4tten anvertraut werden. Nur hier werden die Dokumente fachgerecht f\u00fcr die Zukunft konserviert, verzeichnet, aufbewahrt und unter Ber\u00fccksichtigung ihrer Provenienz, aller Urheber- und Pers\u00f6nlichkeitsrechte sowie der schutzw\u00fcrdigen Belange Betroffener oder ihrer Nachkommen der zeithistorischen Forschung und einer interessierten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wohin der Handel mit Dokumenten des Holocaust f\u00fchren kann, macht ein Blick in den Katalog des Auktionshauses Felzmann, deutlich, der online verf\u00fcgbar ist:&nbsp;<br \/>\u203a&nbsp;<a href=\"https:\/\/auktionen.felzmann.de\/Auktion\/Onlinekatalog?intAuktionsId=1332\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/auktionen.felzmann.de\/Auktion\/Onlinekatalog?intAuktionsId=1332<\/a>.<br \/>Die ausgerufenen Preise f\u00fcr die H\u00e4ftlingsbriefe von Auschwitz etwa, oftmals die letzten Zeugnisse der Verschleppten, unterliegen einer zynischen Verwertungslogik, der zufolge Schriftst\u00fccke von Absendern mit niedriger H\u00e4ftlingsnummer seltener und damit teurer sind als Post von H\u00e4ftlingen mit h\u00f6heren Nummern. Aus demselben Grund veranschlagt das Auktionshaus f\u00fcr Briefe, die von den Absendern im Konzentrationslager mit kleinen Zeichnungen versehen worden sind, ein h\u00f6heres Startgebot. An einer Stelle des Kataloges wird dieses Verfahren zur Preisermittlung explizit: Zur Begr\u00fcndung eines hohen Startgebots hei\u00dft es ebenso lapidar wie grausam, \u00bbsolche \u203asp\u00e4ten Belege\u2039\u00ab seien \u00bbrar, weil 1943 nur wenige Juden am Leben waren\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gedankenlosigkeit, mit der die Dokumente der NS-Verfolgung behandelt werden, dr\u00fcckt sich auch im Umgang mit den Pers\u00f6nlichkeitsrechten der Verfolgten und den schutzw\u00fcrdigen Belangen von Nachkommen aus. Im Katalog wird beispielsweise das amts\u00e4rztliche Gutachten eines 1937 in Dachau wegen angeblichen \u00bbangeborenen Schwachsinns\u00ab zwangssterilisierten Mannes zum Verkauf angeboten. Dem Dokument \u2013 das online auf der Webseite des Auktionshauses frei einsehbar ist \u2013 ist nicht nur der Name des Mannes samt Adresse, sondern auch der Umstand zu entnehmen, dass er f\u00fcnf Kinder hatte. In einem \u00f6ffentlichen Archiv w\u00e4re ein solches Dokument mit hoher Wahrscheinlichkeit nur unter der Auflage zug\u00e4nglich gemacht worden, dass die Anonymit\u00e4t des Mannes gewahrt bleiben muss, um seine Angeh\u00f6rigen zu sch\u00fctzen.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pressemitteilung des Fritz Bauer Instituts zur geplanten Auktion \u00bbDas System des Terrors, Volume II, 1933\u20131945\u00ab des Auktionshauses Felzmann am 17. 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