{"id":62320,"date":"2025-11-06T14:52:32","date_gmt":"2025-11-06T13:52:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=62320"},"modified":"2025-11-06T14:52:32","modified_gmt":"2025-11-06T13:52:32","slug":"erstmals-fotografien-von-ns-deportation-aus-hamburg-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/erstmals-fotografien-von-ns-deportation-aus-hamburg-entdeckt\/","title":{"rendered":"Erstmals Fotografien von NS-Deportation aus Hamburg entdeckt"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Aufnahmen waren bislang fehlerhaft als Evakuierungsfotos interpretiert worden<\/strong><\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/47462-S.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/47462-S.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-62324\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/47462-S.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/47462-S-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/47462-S-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Foto zeigt die Ankunft der Deportierten am 24. Oktober 1941 am Logenhaus. Auf dem Gehweg vor dem Logenhaus in der Hamburger Moorweidenstra\u00dfe 36 stehen Menschen zwischen beschriftetem Gep\u00e4ck in kleinen Gruppen, sie begr\u00fc\u00dfen sich, unterhalten sich und warten. Das Foto wurde aus erh\u00f6hter Position vermutlich aus dem Geb\u00e4ude aufgenommen. (Mit freundlicher Genehmigung des United States Holocaust Memorial Museum, <a href=\"https:\/\/collections.ushmm.org\/search\/catalog\/pa1134258\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Link zur Quelle<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Am 25. Oktober 1941 wurden mehr als 1.000 j\u00fcdische Hamburgerinnen und Hamburger ins Ghetto Litzmannstadt deportiert. Bekannte fotografische Dokumente dar\u00fcber gab es bislang nicht. Nun ist es Forschenden der Freien Universit\u00e4t Berlin und der Stiftung Hamburger Gedenkst\u00e4tten und Lernorte gelungen, drei Fotografien dieser Deportation zu identifizieren. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>(<a href=\"https:\/\/arolsen-archives.org\/pressemitteilungen\/erstmals-fotografien-von-ns-deportation-aus-hamburg-entdeckt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pressemitteilung Arolsen Archives<\/a>)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufnahmen zeigen die Ankunft der verfolgten Menschen an der Sammelstelle und den Abtransport mit Mannschaftswagen zum <em>Hannoverschen Bahnhof \u2013 <\/em>dem Aus\u00adgangs\u00adpunkt f\u00fcr Deportationen w\u00e4hrend der NS-Zeit. Die Forschenden hoffen nun auch auf Hinweise aus der Bev\u00f6lkerung, um die abgebildeten Personen identifizieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der relevante Fund gelang in Zusammenarbeit zwischen Historiker*innen des Projekts <em>Dokumen\u00adtations\u00adzentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof <\/em>der Stiftung Hamburger Gedenkst\u00e4tten und Lernorte und des Verbundprojekts <em>#LastSeen. Bilder der NS-Deportationen<\/em> am Selma Stern Zen\u00adtrum f\u00fcr J\u00fcdische Studien Berlin-Brandenburg an der Freien Universit\u00e4t Berlin. Die drei identifizier\u00adten Fotografien erm\u00f6glichen neue Perspektiven auf die Deportation durch den NS-Staat im Herbst 1941.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fotos stammen aus einem Fotoalbum von Bernhardt Colberg, einem Mitglied des Reserve-Polizeibataillons 101 \u2013 also der milit\u00e4rischen Einheit der Ordnungspolizei in Hamburg w\u00e4hrend des Nationalsozialismus. Das Album wird heute im United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. verwahrt. Bislang waren die abgebildeten Personen der Aufnahmen als \u201eOpfer der alliierten Luftangriffe vor ihrer Evakuierung\u201c bezeichnet worden. Diese Interpretation konnte durch fachwissenschaftliche Expertise und einen intensiven Prozess der Validierung nun widerlegt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forschenden der Freien Universit\u00e4t Berlin und des Projekts Dokumentationszentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof wiesen nach, dass die Fotos stattdessen den Ablauf der nationalsozialisti\u00adschen Deportation an der Sammelstelle Logenhaus in der Moorweidenstra\u00dfe in der Hansestadt zeigen. Die verfolgten j\u00fcdischen Hamburgerinnen und Hamburger mussten sich vor 84 Jahren, am 24. Oktober 1941, mit ihrem wenigen zugelassenen Gep\u00e4ck im Logenhaus einfinden. Dort fanden eine entw\u00fcrdigende Durchsuchung und Beraubung der Menschen durch Gestapo- und NS-Finanz\u00adbeamte statt. Nach einer Nacht in gro\u00dfer Enge und unter katastrophalen Umst\u00e4nden wurden die Frauen, Kinder und M\u00e4nner am Morgen des 25. Oktober 1941 mit Mannschaftswagen der Polizei zum Hannoverschen Bahnhof \u2013 dem zentralen Ausgangspunkt in Hamburg f\u00fcr NS-Deportationen \u2013 gebracht und von dort aus ins Ghetto Litzmannstadt verschleppt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen 1940 und 1945 wurden insgesamt mehr als 8.000 J\u00fcdinnen und Juden sowie Sinti*zze und Rom*nja aus Hamburg und Norddeutschland in Zwangsarbeiterlager, Ghettos, Konzen\u00adtrations- und Vernichtungslager ins deutsch besetzte \u00f6stliche Europa deportiert. Heute erinnert ein Gedenkort an die Opfer, die von hier aus verschleppt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Alina Bothe<\/strong>, Historikerin und Projektleiterin des Projekts \u201e#LastSeen. Bilder der NS-Depor\u00adtationen\u201c an der Freien Universit\u00e4t Berlin betont: <strong><em>\u201e<\/em><\/strong><em>F\u00fcr mich war aus der Expertise unseres Projekts auf den ersten Blick eindeutig, dass es sich um Fotografien einer Deportation handelt. Der auf\u00adw\u00e4ndige Prozess wissenschaftlicher Validierung, an dem zahlreiche Kolleg*innen dankens\u00adwerterweise mitgewirkt haben, hat diesen ersten Eindruck best\u00e4tigt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Kristina Vagt<\/strong>, vom Projekt Dokumentationszentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof \/ Stiftung Hamburger Gedenkst\u00e4tten und Lernorte erkl\u00e4rt: <em>\u201eIn unserem Projekt haben wir lange nach solchen Bildern Ausschau gehalten, denn bisher lie\u00dfen sich die Ereignisse an der Sammelstelle in der Moorweidenstra\u00dfe nur aus m\u00fcndlichen und schriftlichen Erinnerungsberichten und Prozess\u00adaussagen der T\u00e4ter rekonstruieren. Gerade in Ausstellungen haben Fotos eine wichtige Bedeu\u00adtung als historische Quellen. Sie zeigen, dass das Unrecht am Tag und mitten im Stadtraum stattfanden. Durch die Ver\u00f6ffentlichung der drei Fotos vom 25. Oktober 1941 erhoffen wir uns Hinweise durch die \u00d6ffentlichkeit auf die abgebildeten Opfer, aber auch Polizisten und Gestapo-Beamte.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wolfgang Kopitzsch<\/strong>, Polizeipr\u00e4sident in Hamburg a.D., und Historiker erl\u00e4utert: <em>\u201eDas Reserve-Polizeibataillon 101 ist aufgrund zahlreicher Verbrechen, der Beteiligung an Deportationen und Massenmorden, besonders ber\u00fcchtigt. Die Fotos sind durch Colberg auf den Oktober 1941 datiert, es gibt keinen Grund an dieser Datierung zu zweifeln. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine nennens\u00adwerten Luftangriffe auf Hamburg, es sind also keine Aufnahmen einer Evakuierung von nicht\u00adj\u00fcdi\u00adschen Hamburgern. Auf den Bildern sehen wir ein in Hamburg ver\u00fcbtes Verbrechen des PB 101.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufnahmen waren bislang fehlerhaft als Evakuierungsfotos interpretiert worden Am 25. Oktober 1941 wurden mehr als 1.000 j\u00fcdische Hamburgerinnen und Hamburger ins Ghetto Litzmannstadt deportiert. 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