{"id":61688,"date":"2025-08-16T20:07:10","date_gmt":"2025-08-16T18:07:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=61688"},"modified":"2025-08-16T20:07:10","modified_gmt":"2025-08-16T18:07:10","slug":"war-tolstoi-antijuedisch-oder-ein-freund-der-juden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/war-tolstoi-antijuedisch-oder-ein-freund-der-juden\/","title":{"rendered":"War Tolstoi \u201eantij\u00fcdisch\u201c oder ein Freund der Juden?"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der russische Friedensbote stellte die Botschaft der Propheten in den Geschwisterkreis einer universellen Wahrheit \u2013 ein anregendes Lesebuch beleuchtet jetzt sein Verh\u00e4ltnis zum Judentum<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/02-TFb_B013b_Cover-JUDENTUM-hardcover.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"643\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/02-TFb_B013b_Cover-JUDENTUM-hardcover-643x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-61689\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/02-TFb_B013b_Cover-JUDENTUM-hardcover-643x1024.jpg 643w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/02-TFb_B013b_Cover-JUDENTUM-hardcover-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/02-TFb_B013b_Cover-JUDENTUM-hardcover-768x1223.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/02-TFb_B013b_Cover-JUDENTUM-hardcover-964x1536.jpg 964w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/02-TFb_B013b_Cover-JUDENTUM-hardcover-1286x2048.jpg 1286w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/02-TFb_B013b_Cover-JUDENTUM-hardcover-1200x1911.jpg 1200w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/02-TFb_B013b_Cover-JUDENTUM-hardcover.jpg 1594w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Buchcover (Bild: <em>Tolstoi-Friedensbibliothek<\/em>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>******************<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Leo N. Tolstoi: <\/strong><em><strong>Begegnung mit dem Judentum<\/strong><\/em><strong>.<\/strong> Briefe und andere Zeugnisse des Dichters, nebst Darstellungen von j\u00fcdischen Zeitgenossen. Ausgew\u00e4hlt und eingeleitet von Peter B\u00fcrger. (= Tolstoi-Friedensbibliothek: Reihe B, Band 13). Hamburg: BoD 2025.<br \/><strong>Hardcover-Version<\/strong>: ISBN: 978-3-8192-3389-0 (660 Seiten; 34 Euro; fester Einband;<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/begegnung-mit-dem-judentum-leo-n-tolstoi-9783819233890\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/begegnung-mit-dem-judentum-leo-n-tolstoi-9783819233890<\/a>)<br \/><strong>Paperback-Ausgabe<\/strong>: ISBN: 978-3-8192-2387-7 (660 Seiten; 24,99 Euro;<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/begegnung-mit-dem-judentum-leo-n-tolstoi-9783819223877\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/begegnung-mit-dem-judentum-leo-n-tolstoi-9783819223877<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>******************<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schon zu Lebzeiten Leo N. Tolstois, so schreibt die Literaturwissenschaftlerin Inessa Medzhibovskaya, kursierten zur Frage, wie sich der Dichter denn zu Juden, Judentum oder \u201eJudenfrage\u201c stelle, Mythen, Legenden und polarisierende Schilderungen: \u201eMan verd\u00e4chtigte ihn entweder eines versteckten Antisemitismus oder einer \u00fcbertriebenen Judeophilie\u201c; dem rechten Lager galt der Graf als \u201esatanischer Trommler, der mit den Juden im Bunde stand und mit Kr\u00e4ften, die sich gegen Russland verschworen\u201c. Unter der j\u00fcdischen Anh\u00e4ngerschaft gab es die verst\u00e4ndliche Neigung, die Anwaltschaft des gro\u00dfen Vorbildes f\u00fcr die Sache der Bedr\u00fcckten zu idealisieren, w\u00e4hrend einige j\u00fcdische Kritiker dem Dichter Unt\u00e4tigkeit bzw. Gleichg\u00fcltigkeit vorwarfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>(Gastbeitrag der Redaktion Tolstoi-Friedensbibliothek)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Geradezu gegens\u00e4tzlich klingen die Zeugnisse aus unterschiedlichen Zeiten: \u201eDas alte Testament lese ich nicht, denn die Frage besteht nicht darin, wie der Glaube der Juden war, sondern worin der Glaube Christi besteht\u201c (Vereinigung und \u00dcbersetzung der vier Evangelien, 1879-1881). Im M\u00e4rz 1890 hei\u00dft es hingegen in einem Brief an den Philosophen Wladimir S. Solowjow: \u201eDer Grund unseres Entsetzens \u00fcber die Unterdr\u00fcckung der j\u00fcdischen Nation ist bei uns beiden derselbe: Die Erkenntnis der Br\u00fcderschaft der V\u00f6lker und im besonderen die Freundschaftsbande mit den Juden, aus deren Mitte der Nazarener hervorgegangen ist und die von der Dummheit der sich Christen nennenden G\u00f6tzendiener so viel zu leiden hatten und noch immer zu leiden haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>War der russische Schriftsteller nun ein antijudaistischer Christ oder ein Freund der Juden? \u00dcber seine \u201ej\u00fcdischen Fragen\u201c wird heftig gestritten. In der deutschsprachigen Literatur gibt es bislang neben einem trefflichen Aufsatz des Mainzer Slawisten Rainer Goldt (2014) keine weiterf\u00fchrenden Ver\u00f6ffentlichungen zum Thema. Ein neuer Band der Tolstoi-Friedensbibliothek, herausgegeben in Kooperation mit dem Lebenshaus Schw\u00e4bische Alb e.V., sorgt auf 660 Seiten f\u00fcr Abhilfe. Er l\u00e4sst im Originalwortlaut vor allem dem Dichter selbst und seine j\u00fcdischen Weggef\u00e4hrten zu Wort kommen. Eingeleitet wird die Sammlung durch einen umfangreichen Forschungsbeitrag des Herausgebers Peter B\u00fcrger.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leserinnen und Leser werden nicht bevormundet. Sie k\u00f6nnen sich anhand der breit angelegten Edition von Quellen, die unterschiedlichen Lebensphasen und Textgattungen entstammen, ein eigenes Bild verschaffen: In der ersten Abteilung werden Zeugnisse aus Tolstois Dichtungen, religi\u00f6sen Werken, sozialethischen Schriften und Briefen dargeboten sowie \u201edokumentarische Darstellungen seiner Haltung zum Judentum\u201c aus der Schreibwerkstatt von vier Zeitgenossen (Raphael L\u00f6wenfeld, Isaak B. Feinerman, Faiwel Goetz, Alexander Goldenweiser). Es folgen f\u00fcnfzehn \u201eTexte \u00fcber Tolstoi von deutschsprachigen Autoren aus j\u00fcdischen Familien\u201c (Rezeption, wertsch\u00e4tzende W\u00fcrdigung und Kritik 1904-1918, 1928). Den Abschluss bilden u.a. eindrucksvolle Stellungnahmen von Herman Bernstein (1908) und Scholem Alejchem (1911). Ingrid von Heiseler hat wenige Wochen vor ihrem Tod auch das Tolstoi-Buch des us-amerikanischen Rabbiners Joseph Krauskopf (1911) f\u00fcr die neue Sammlung \u00fcbersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorzug einer gr\u00fcndlichen Quellenlekt\u00fcre besteht darin, dass Zwiesp\u00e4ltigkeiten und Widerspr\u00fcche nicht einfach \u00fcbergangen werden k\u00f6nnen. Die Sammlung \u201eBegegnung mit dem Judentum\u201c sorgt f\u00fcr viele Lesefreuden und erschlie\u00dft erstmalig eine solide Grundlage zur \u00dcberpr\u00fcfung kontroverser Forschungsthesen. Es ergeht die Einladung zum streitbaren, aber sachgerechten Diskurs. Die Eingangsfrage muss gar nicht zwingend im Sinne eines \u201eEntweder \u2026 oder\u201c beantwortet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahre Religion, so Leo&nbsp;N. Tolstoi, f\u00fchrt zur Erkenntnis der Einen Menschheit und \u00fcberwindet die Gewalt. Nationalreligi\u00f6se Komplexe und Staatskulte sind hingegen keine g\u00f6ttlichen Offenbarungen, sondern menschengemachte Ideologien zur Rechtfertigung von Herrschaft und Krieg. Der Glaube der Propheten Israels leuchtet Tolstoi zufolge im Geschwisterkreis einer universellen Wahrheit. Kein anderes Werk hat er in den Lese-Sammlungen der letzten Lebensjahre so oft zitiert wie den Talmud.<\/p>\n\n\n\n<p>************<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcbersicht und Informationen \u00fcber die gesamte Reihe (einschlie\u00dflich der kostenfrei abrufbaren Digitalversionen) auf der Projektseite: <a href=\"http:\/\/www.tolstoi-friedensbibliothek.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.tolstoi-friedensbibliothek.de <\/a>\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>************<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der russische Friedensbote stellte die Botschaft der Propheten in den Geschwisterkreis einer universellen Wahrheit \u2013 ein anregendes Lesebuch beleuchtet jetzt sein Verh\u00e4ltnis zum Judentum ****************** Leo N. 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