{"id":61399,"date":"2025-07-07T16:36:49","date_gmt":"2025-07-07T14:36:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=61399"},"modified":"2025-07-07T16:36:49","modified_gmt":"2025-07-07T14:36:49","slug":"fuenf-schritte-zu-einer-gelungenen-renaturierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/fuenf-schritte-zu-einer-gelungenen-renaturierung\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Schritte zu einer gelungenen Renaturierung"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein interdisziplin\u00e4res Forschungsteam gibt Tipps, wie sich die EU-weit vorgeschriebene Wiederherstellung und Verbesserung von \u00d6kosystemen erfolgreich umsetzen l\u00e4sst<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/20250707Renaturierung.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/20250707Renaturierung.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-61400\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/20250707Renaturierung.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/20250707Renaturierung-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/20250707Renaturierung-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Renaturierungsma\u00dfnahmen wie das Anpflanzen von Hecken verbessern die Bedingungen f\u00fcr verschiedene Tierarten und f\u00f6rdern so die biologische Vielfalt. (Foto: Andr\u00e9 K\u00fcnzelmann \/ UFZ<\/em>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong><\/strong><strong>Verteidigung, Wettbewerbsf\u00e4higkeit und \u00f6konomisches Wachstum stehen derzeit in Europa ganz oben auf der politischen Tagesordnung. Angesichts dieser Herausforderungen aber droht ein anderes wichtiges Thema aus dem Blick zu geraten: Der Schutz der biologischen Vielfalt und damit unserer Lebensgrundlagen. Dabei bietet die neue EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur eigentlich gute Chancen, in diesem Bereich voranzukommen. Im Fachjournal &#8222;Restoration Ecology&#8220; pl\u00e4dieren Fachleute von drei deutschen Politikberatungsgremien nachdr\u00fccklich daf\u00fcr, diese M\u00f6glichkeiten auch zu nutzen. Wie aber kann das gelingen? Das Team, zu dem auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Umweltforschung (UFZ) geh\u00f6ren, hat daf\u00fcr f\u00fcnf Erfolgsfaktoren identifiziert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>(Pressemitteilung UFZ)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Egal, ob man auf W\u00e4lder, Fl\u00fcsse oder Felder und Wiesen schaut: Viele \u00d6kosysteme in Europa sind in keinem guten Zustand. Und trotz aller Schutzbem\u00fchungen nimmt die biologische Vielfalt weiter ab. Fachleute aber haben durchaus die Hoffnung, dass sich das \u00e4ndern k\u00f6nnte. Denn mit der &#8222;Verordnung zur Wiederherstellung der Natur&#8220; (<a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/environment.ec.europa.eu\/topics\/nature-and-biodiversity\/nature-restoration-regulation_en\">Nature Restoration Regulation \/ NRR<\/a>) hat die EU ein ehrgeiziges Regelwerk verabschiedet, das im August 2024 in Kraft getreten ist. Ziel dieser Verordnung ist, die biologische Vielfalt in Europa langfristig wieder zu erh\u00f6hen und die Natur widerstandsf\u00e4higer gegen den Klimawandel und andere Belastungen zu machen. Dazu m\u00fcssen gesch\u00e4digte \u00d6kosysteme wiederhergestellt und in einen guten Zustand versetzt werden. Auch sollen gezielt die Bedingungen f\u00fcr bestimmte Artengruppen, zum Beispiel f\u00fcr Best\u00e4uber wie Bienen und Schmetterlinge verbessert werden. Diese Insekten eignen sich auch gut als Indikatoren, um den Zustand von \u00d6kosystemen zu messen. In nationalen Wiederherstellungspl\u00e4nen m\u00fcssen nun alle Mitgliedsstaaten festlegen, wie sie die in der Verordnung formulierten Ziele erreichen wollen. Den Entwurf daf\u00fcr m\u00fcssen sie bis zum 1. September 2026 bei der EU-Kommission vorlegen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>&#8222;Das ist ein Meilenstein in Sachen \u00d6kosystem-Wiederherstellung&#8220;, meint der UFZ-Agrar\u00f6kologe Prof. Dr. Josef Settele, Mitglied im Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen (SRU). &#8222;Durch diese Verordnung k\u00f6nnte sich der Zustand der Biodiversit\u00e4t in Europa deutlich verbessern.&#8220; Voraussetzung sei allerdings, dass die Mitgliedsstaaten die verbindlichen Ziele auch mit wirksamen Ma\u00dfnahmen unterf\u00fcttern.<\/p>\n\n\n\n<p>Worauf aber ist dabei zu achten? Mit dieser Frage haben sich drei deutsche Politikberatungsgremien auseinandergesetzt. Neben dem Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen waren auch der Wissenschaftliche Beirat f\u00fcr Biodiversit\u00e4t und Genetische Ressourcen sowie der Wissenschaftliche Beirat f\u00fcr Waldpolitik beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Urspr\u00fcnglich hatten wir die <a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.umweltrat.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/04_Stellungnahmen\/2020_2024\/2024_08_Aktualisierung_Renaturierung.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=12\">Empfehlungen speziell f\u00fcr Deutschland<\/a> entwickelt. Doch wir sind der Ansicht, dass sie auch f\u00fcr andere EU-Staaten relevant sind. Deshalb haben wir die wichtigsten Punkte nun im Fachjournal &#8218;Restoration Ecology&#8216; international zug\u00e4nglich gemacht&#8220;, sagt Elisabeth Marquard, wissenschaftliche Mitarbeiterin am UFZ und beim SRU.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung des Teams h\u00e4ngt der Erfolg der nationalen Wiederherstellungspl\u00e4ne vor allem von f\u00fcnf Faktoren ab:<\/p>\n\n\n\n<p>So sei <em>erstens<\/em> die Einstellung gegen\u00fcber Renaturierungsma\u00dfnahmen und Landschaftswandel entscheidend. &#8222;Wir brauchen die Unterst\u00fctzung der Landnutzer, aber auch die der Politik, der Wirtschaft und der breiten \u00d6ffentlichkeit&#8220;, sagt Elisabeth Marquard. Hierf\u00fcr sei es wichtig, transparent zu kommunizieren, welche Chancen und Herausforderungen mit Renaturierungsprojekten einhergehen k\u00f6nnen. Auch seien solche Projekte eher erfolgreich, wenn sich B\u00fcrger fr\u00fchzeitig \u00fcber Planungsprozesse informieren und an diesen beteiligen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zweitens<\/em> gelte es, sich in jedem EU-Land auf qualitative und quantitative Renaturierungsziele zu verst\u00e4ndigen. Denn die EU-Verordnung enth\u00e4lt zwar durchaus Vorschriften dar\u00fcber, was etwa in W\u00e4ldern, auf Landwirtschaftsfl\u00e4chen oder in St\u00e4dten erreicht werden soll. Jeder Mitgliedsstaat muss aber selbst festlegen, wo genau in welchem Zeitraum welche konkreten Ma\u00dfnahmen erfolgen sollen. Dabei k\u00f6nnte es beispielsweise darum gehen, W\u00e4lder noch konsequenter zu naturn\u00e4heren Mischbest\u00e4nden umzubauen, auf Ackerfl\u00e4chen mehr Hecken zu pflanzen oder urbane Gr\u00fcnfl\u00e4chen biodiversit\u00e4tsf\u00f6rdernd anzulegen und zu pflegen. Bei der Auswahl von Renaturierungsgebieten sei darauf zu achten, dass sie m\u00f6glichst untereinander oder mit bereits bestehenden Fl\u00e4chen von hohem Naturschutzwert verbunden sind, damit insgesamt ein gr\u00f6\u00dferes Netzwerk von Lebensr\u00e4umen entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Drittens<\/em> w\u00e4re es wichtig, die Ma\u00dfnahmen zur Renaturierung und andere Nutzungsinteressen besser abzustimmen sowie <em>viertens<\/em> unterst\u00fctzende Rahmenbedingungen zu schaffen. &#8222;Bei diesen beiden Punkten geht es um die Frage, wie man gro\u00dffl\u00e4chige Renaturierungen am besten organisiert&#8220;, erkl\u00e4rt UFZ-Umweltrechtler Moritz Hermsdorf, der auch beim SRU t\u00e4tig ist. &#8222;Au\u00dferdem ist es n\u00f6tig, sch\u00e4digende Landnutzungspraktiken einzud\u00e4mmen und Erreichtes abzusichern.&#8220; Dazu m\u00fcssten <em>viertens<\/em> teilweise rechtliche Vorgaben angepasst werden, um beispielsweise den Fl\u00e4chenerwerb f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand zu erleichtern oder die Bedingungen f\u00fcr langfristige vertragliche Vereinbarungen f\u00fcr Renaturierungsma\u00dfnahmen auf Privatfl\u00e4chen zu verbessern. In entsprechenden Vertr\u00e4gen erkl\u00e4ren sich Landnutzer oder Besitzer bereit, die n\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen entweder selbst durchzuf\u00fchren oder zu dulden.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidend w\u00e4re <em>f\u00fcnftens<\/em>, freiwillige Renaturierungsma\u00dfnahmen f\u00fcr Landnutzer attraktiver zu machen. &#8222;Das ist vor allem eine Frage der finanziellen Unterst\u00fctzung&#8220;, sagt Elisabeth Marquard. Den gr\u00f6\u00dften Hebel b\u00f6ten hier Zahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Auch gelte es, neue Wertsch\u00f6pfungsquellen zu erschlie\u00dfen. So gibt es bereits Pilotprojekte, in denen Pflanzen aus wiedervern\u00e4ssten Mooren und Feuchtwiesen als nachwachsende Rohstoffe genutzt werden. Der Versandh\u00e4ndler OTTO hat zum Beispiel f\u00fcr seine Waren eine Verpackung entwickelt, die zu zehn Prozent aus Sauergr\u00e4sern und Binsen von Renaturierungsfl\u00e4chen besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine erh\u00f6hte gesellschaftliche Akzeptanz f\u00fcr Renaturierung lasse sich h\u00e4ufig mit wirtschaftlichen Argumenten erreichen \u2013 aber nicht nur. So sind wiederhergestellte \u00d6kosysteme in der Regel widerstandsf\u00e4higer gegen den Klimawandel und sie sorgen f\u00fcr Wasserreinhaltung und Hochwasserschutz. Auch mit einem h\u00f6heren Erholungswert k\u00f6nnen sie oft punkten. &#8222;Wir m\u00fcssen klar machen, dass eine Region von einer gelungenen Renaturierung stark profitieren kann&#8220;, betont Elisabeth Marquard.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in der aktuellen politischen Situation halten sie und ihre Kolleginnen und Kollegen das f\u00fcr besonders wichtig. Denn noch ist keineswegs sicher, dass die neuen EU-Vorschriften ihr Potenzial zum Schutz der Natur auch voll entfalten k\u00f6nnen. &#8222;In einigen politischen Kreisen wird die Wiederherstellungsverordnung derzeit wieder in Frage gestellt&#8220;, sagt Josef Settele. Das h\u00e4lt er f\u00fcr einen schweren Fehler: Die Chance, \u00fcber diese Verordnung etwas f\u00fcr die biologische Vielfalt Europas und gleichzeitig auch f\u00fcr nachhaltige landwirtschaftliche Produktionsbedingungen zu erreichen, d\u00fcrfe man nicht verpassen. &#8222;Biologische Vielfalt und Nachhaltigkeit sind unverzichtbar, auch f\u00fcr anhaltend gute wirtschaftliche Bedingungen in der EU.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Publikation<\/strong><br \/>E. Marquard, M. Hermsdorf, H. Dahms, K. Schleicher, S. Strunz, M. Baron, M. Salomon, H.-L. Schmid, S. Wiegand C. Hornberg, N. Farwig, V. Wolters, J. Bauhus, P. Feindt, W. K\u00f6ck und J. Settele: Underpinning the EU Nature Restoration Regulation: Five success factors for effective measures in the Member States. Restoration Ecology, 2025. <a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/rec.70121\">https:\/\/doi.org\/10.1111\/rec.70121<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Informationen:<\/strong><br \/>Stellungnahme f\u00fcr Deutschland \u201eRenaturierung: Biodiversit\u00e4t st\u00e4rken, Fl\u00e4chen zukunftsf\u00e4hig bewirtschaften\u201c (August 2024): <a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.umweltrat.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/04_Stellungnahmen\/2020_2024\/2024_04_Renaturierung.html\">https:\/\/www.umweltrat.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/04_Stellungnahmen\/2020_2024\/2024_04_Renaturierung.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein interdisziplin\u00e4res Forschungsteam gibt Tipps, wie sich die EU-weit vorgeschriebene Wiederherstellung und Verbesserung von \u00d6kosystemen erfolgreich umsetzen l\u00e4sst Verteidigung, Wettbewerbsf\u00e4higkeit und \u00f6konomisches Wachstum stehen derzeit in Europa ganz oben auf &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/fuenf-schritte-zu-einer-gelungenen-renaturierung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eF\u00fcnf Schritte zu einer gelungenen Renaturierung\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[303,8406,1043,549],"tags":[1842,5480,9284],"class_list":["post-61399","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-in-unserem-briefkasten","category-klimakrise","category-pressemitteilungen","category-umwelt","tag-helmholtz","tag-renaturierung","tag-ufz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61399","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61399"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61399\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61399"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61399"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61399"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}