{"id":60736,"date":"2025-03-30T22:56:31","date_gmt":"2025-03-30T20:56:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=60736"},"modified":"2025-03-30T22:56:31","modified_gmt":"2025-03-30T20:56:31","slug":"erich-muehsam-ueber-die-hochruestung-am-vorabend-eines-weltkrieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/erich-muehsam-ueber-die-hochruestung-am-vorabend-eines-weltkrieges\/","title":{"rendered":"Erich M\u00fchsam \u00fcber die Hochr\u00fcstung am Vorabend eines Weltkrieges"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"532\" height=\"769\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bundesarchiv_Bild_146-1981-003-08_Erich_Muehsam.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-60737\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bundesarchiv_Bild_146-1981-003-08_Erich_Muehsam.jpg 532w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bundesarchiv_Bild_146-1981-003-08_Erich_Muehsam-208x300.jpg 208w\" sizes=\"auto, (max-width: 532px) 85vw, 532px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Erich M\u00fchsam (Portr\u00e4t 1928; <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Bundesarchiv_Bild_146-1981-003-08,_Erich_M%C3%BChsam.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bundesarchiv<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In seiner anarchistischen &#8222;Zeitschrift f\u00fcr Menschlichkeit&#8220; (Kain) ver\u00f6ffentlichte der antimilitaristische Dichter Erich M\u00fchsam (1878-1934, im KZ ermordet) im Mai 1914 den Text &#8222;Das gro\u00dfe Morden&#8220;. Der nachfolgende Auszug zur Hochr\u00fcstung in Deutschland hat &#8211; abgesehen von den Zahlen &#8211; leider nichts von seiner Aktualit\u00e4t und Dringlichkeit verloren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Redaktion Schalom-Bibliothek  | pb)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Mit zwei Milliarden Mark muss j\u00e4hrlich die Henne gef\u00fcttert werden, die unter dem Namen \u201aDeutsche Wehrmacht\u2019 im bedrohten Vaterlande herumgackert. Jetzt ist sie mit einer Extramilliarde noch fetter aufgeplustert worden und beansprucht infolgedessen fortan noch erheblich mehr Getreidek\u00f6rner aus den Ackern des deutschen Volkes als bisher. Der Gefl\u00fcgelz\u00fcchter Michel ist ein Schafskopf, denn er merkt nicht, dass das meschuggene Huhn ihm nichts als Kuckuckseier in den Stall legt. Eines guten Tages aber wird es ihm schmerzlich f\u00fchlbar werden, wenn n\u00e4mlich der z\u00e4rtlich gepflegte \u201abewaffnete Friede\u2019 an \u00dcberf\u00fctterung krepiert, seine K\u00fcken aber auskriechen und sich die missgestalteten Kreaturen als Krieg, Hunger und Pestilenz \u00fcber das Land ergie\u00dfen.<br \/><br \/>Die Erbp\u00e4chter der deutschen Ehre und der deutschen Phrase m\u00f6chten das 43j\u00e4hrige Friedensvieh schon l\u00e4ngst zum Platzen bringen. Sie \u00e4ngstigen deshalb den dummen Michel heute mit diesem, morgen mit jenem Bauernschreck und hei\u00dfen ihn zur Abwehr immer gr\u00f6\u00dfere Mengen seiner schwitzend erarbeiteten Profite in die Armee hineinstopfen. Fehlt blo\u00df noch ein geeigneter Anlass &#8211; und der Krieg gegen den Erbfeind ist fertig. Aber es hat sich herausgestellt, dass es bei den schauderhaften Formen, in denen sich heutzutage ein europ\u00e4ischer Krieg abspielen w\u00fcrde, nicht mehr ganz so leicht ist, die Volksseele zum Kochen zu bringen. Weder die marokkanischen Diplomatenk\u00fcnste noch die Bem\u00fchungen, die Folgen der Balkanwirren friedlich zu \u00fcberwinden, haben der Schwerindustrie und ihren Hinterm\u00e4nnern gen\u00fctzt, den Massenmord in Szene zu setzen. So ein Krieg muss schon aus den Tiefen des europ\u00e4ischen Volksgem\u00fcts selbst heraussprudeln.<br \/><br \/>In diesem Zeitalter raffiniertester technischer Zivilisation gibt es f\u00fcr den Erfindergeist immer noch keine h\u00f6heren Aufgaben als die Vervollkommnung der kriegerischen Mordinstrumente. Wessen Gewehre und Kanonen am weitesten schie\u00dfen, am schnellsten laden, am sichersten treffen, der hat den Kranz. Das Scheu\u00dfliche und Groteske gehen Hand in Hand durchs zwanzigste Jahrhundert und rufen die V\u00f6lker auf zur Bewunderung der Weltvollkommenheit.&#8220;<br \/><br \/>Volltext | Erich M\u00fchsam: Das gro\u00dfe Morden. In: Kain &#8211; Zeitschrift f\u00fcr Menschlichkeit (M\u00fcnchen, Hg. Erich M\u00fchsam), Jahrgang IV, Nr. 2 (Mitte Mai) 1914, S. 17-24.<br \/><br \/>Ausgew\u00e4hlt f\u00fcr das Internetportal zu &#8222;Pazifisten und Antimilitaristinnen aus j\u00fcdischen Familien&#8220; | <a href=\"https:\/\/schalom-bibliothek.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.schalom-bibliothek.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner anarchistischen &#8222;Zeitschrift f\u00fcr Menschlichkeit&#8220; (Kain) ver\u00f6ffentlichte der antimilitaristische Dichter Erich M\u00fchsam (1878-1934, im KZ ermordet) im Mai 1914 den Text &#8222;Das gro\u00dfe Morden&#8220;. 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