{"id":60512,"date":"2025-03-08T19:01:42","date_gmt":"2025-03-08T18:01:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=60512"},"modified":"2025-03-08T19:01:42","modified_gmt":"2025-03-08T18:01:42","slug":"ermaechtigungsgesetz-fuer-die-kriegsindustrie-historische-widerworte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ermaechtigungsgesetz-fuer-die-kriegsindustrie-historische-widerworte\/","title":{"rendered":"\u201eErm\u00e4chtigungsgesetz\u201c f\u00fcr die Kriegsindustrie \u2013 Historische Widerworte"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Militarismus ist endg\u00fcltig rehabilitiert und bl\u00e4st zum Angriff auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens \u2013 eine Relekt\u00fcre alter Texte k\u00f6nnte dem Widerstand vielleicht dienlich sein<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2023041401Friedenstaube.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"575\" height=\"575\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2023041401Friedenstaube.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-54796\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2023041401Friedenstaube.jpg 575w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2023041401Friedenstaube-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2023041401Friedenstaube-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 575px) 85vw, 575px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Symbolbild: Universum, Welt und Friedenstaube<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gegen Gewalt von innen und von au\u00dfen k\u00f6nnen Gemeinschaften nur auf einem einzigen Wege Widerstandskraft entwickeln: indem sie n\u00e4mlich ihr soziales Gef\u00fcge menschlich, gerecht und kooperativ gestalten, die Kinder \u2013 und also auch die \u201eBildung\u201c \u2013 stark machen, die Bed\u00fcrftigen nicht allein lassen, den Kranken ohne Ansehen der Person (und des Kontos) ein gutes Gesundheitswesen bereiten, die Werkt\u00e4tigen nicht ausbeuten, den neu Hinzukommenden Unterst\u00fctzung geben, die Alten nicht \u201eabschreiben\u201c, Wohnungen f\u00fcr Menschen statt f\u00fcr Profite bauen, den \u00f6ffentlichen Raum mit seinen allen dienenden Einrichtungen pflegen \u2026 Ein Blick auf die Sparpolitik zeigt, dass diese einzig rationale, erprobte Politikrichtung wider Gewalt von innen und au\u00dfen nicht hoch in Kurs steht, vielmehr sabotiert werden soll.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Ein Gastbeitrag von Peter B\u00fcrger)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stattdessen bereitet die \u201ePolitik\u201c (samt ihrer Sprachrohre) die Menschen bez\u00fcglich der genannten Felder auf bittere Zeiten, Schwachmachen, K\u00fcrzungen und Entbehrungen vor. Denn sie m\u00f6chte lieber den erfolgversprechendsten Weg beschreiten, auf dem man Unsicherheit (innere Gewalt) produziert und einen kommenden Weltkrieg wahrscheinlicher macht: sie will eine astronomische <strong>Hochr\u00fcstungsoffensive<\/strong> <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/hintergrund\/politik\/ueberfallartig-wollen-union-und-spd-deutschland-kriegstuechtig-machen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/overton-magazin.de\/hintergrund\/politik\/ueberfallartig-wollen-union-und-spd-deutschland-kriegstuechtig-machen\/<\/a> einleiten, die von keinerlei Hemmung und keiner Grenze mehr gebremst werden kann. Die gesellschaftlichen Verm\u00f6gen sollen den Totmach-Industrien in den Rachen gesp\u00fclt werden. Akteure, die nicht einmal in der Lage sind zur Gew\u00e4hrleistung eines funktionierenden \u00f6ffentlichen Verkehrswesens, faseln von Notfallkonzepten f\u00fcr den Fall milit\u00e4rischer Konflikte, den sie selbst nach Ausweis einer konfrontativen Politik aber gar nicht f\u00fcr das Allerschlimmste zu halten scheinen. Die sehr sehr bescheidenen Friedensbudgets in den Haushalten fr\u00fcherer Tage sind ohnehin schon abgewickelt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angef\u00fchrt wird all das von einem sich kernig d\u00fcnkenden Westfalen und den traurigen \u00dcberresten der \u00e4ltesten Ex-Arbeiterpartei im Land, die immer noch \u2013 wie ehedem \u2013 auch f\u00fcr r\u00fcstungsfreundliche Gewerkschaftsspitzen sorgt. \u201eGeist\u201c und \u201eMacht\u201c stehen f\u00fcr zwei verschiedene Welten. Wer dieser Tage trotz alledem unverdrossen glaubt, die Vernunft habe vorzugsweise Wohnst\u00e4tten auf Regierungsb\u00e4nken und in politischen Spitzen\u00e4mtern, der kann sich zumindest getrost zum Schlafen hinlegen \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugegeben, die Dimensionen der jetzt angek\u00fcndigten Militarisierungspl\u00e4ne und <strong>R\u00fcstungsschulden<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.imi-online.de\/2025\/03\/05\/die-aera-der-aufruestung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.imi-online.de\/2025\/03\/05\/die-aera-der-aufruestung\/<\/a> \u00fcbersteigen alle friedensbewegten Bef\u00fcrchtungen der letzten Jahre um ein Vielfaches. Aber so richtig neu und einmalig ist der Vorgang nicht. Die Sache lief in der Geschichte immer so \u00e4hnlich ab (und die Herren Pistolenschuss waren auch immer so \u00e4hnlich selbstbewusst aufgebl\u00e4ht beim Vortrag ihrer Kriegs-Esoterik), bevor es in vergangenen Zeiten dann \u00fcber kurz oder lang zum gro\u00dfen Knall kam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von den hiesigen Kirchenspitzen h\u00f6rt man heute nicht, was Papst Franziskus zu den <strong>Waffenschmieden<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.evangelisch.de\/inhalte\/224855\/25-12-2023\/papst-kritisiert-waffenindustrie-als-drahtzieher-des-krieges\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.evangelisch.de\/inhalte\/224855\/25-12-2023\/papst-kritisiert-waffenindustrie-als-drahtzieher-des-krieges<\/a> und einer <strong>Aufr\u00fcstungspolitik<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2024-06\/papst-franziskus-botschaft-welttag-arme-politik-waffen-gebet.html\">https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2024-<\/a><a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2024-06\/papst-franziskus-botschaft-welttag-arme-politik-waffen-gebet.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">0<\/a><a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2024-06\/papst-franziskus-botschaft-welttag-arme-politik-waffen-gebet.html\">6\/papst-franziskus-botschaft-welttag-arme-politik-waffen-gebet.html<\/a> zulasten der Armen sagt. Dergleichen z\u00e4hlt selbst im ehedem erzkatholischen Sauerland nicht mehr, und schon gar nicht beim obersten schwarzen Sauerl\u00e4nder der Republik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sozialisierung auch der \u201eprogressiven Jungen\u201c und die Formatierung des \u00f6ffentlichen Meinungsbetriebes sind inzwischen weithin im Sinne der milit\u00e4rischen Heilslehre abgeschlossen. Man darf es endlich wieder laut, ohne Scham und auf allen Kan\u00e4len sagen: \u201eKriegsert\u00fcchtigung!\u201c Deshalb mag es hilfreich sein, ganz anders gestrickte Menschen aus der Vergangenheit \u2013 Nonkonformisten und Liebhaber der Vernunft \u2013 zu Wort kommen zu lassen. Meine nachfolgende Auswahl von historischen Wider-Worten endet mit einem Text von Kurt Eisner aus dem Jahr 1914, der dem Widerstand gegen ein neues \u201eErm\u00e4chtigungsgesetz\u201c zugunsten der Kriegskonzerne vielleicht etwas Mut zufl\u00fcstern kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00dcbersicht zur nachfolgenden \u201eRelekt\u00fcre\u201c wider den Hochr\u00fcstungswahn:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Moritz Adler: \u201eDie Mordmaschinen verschlingen ein Verm\u00f6gen\u201c (1868\/1897)<\/li>\n\n\n\n<li>Eduard Loewenthal 1870: \u201eMilitarismus als Ursache der Massenverarmung\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>Jesuitenpater G.M. Pachtler 1876: \u201eNamenlose Ausgaben f\u00fcr die Zerst\u00f6rungskunst\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>Ludwig Quidde, 1893: Waffen statt Bildung und Wohnungspolitik<\/li>\n\n\n\n<li>Johann von Bloch, 1901: Die Staaten entrei\u00dfen den armen Leuten das Geld und stecken es in die R\u00fcstungen<\/li>\n\n\n\n<li>Eduard Bernstein, 1912: Nur noch \u201eVerfechter der R\u00fcstungen\u201c im Parlament?<\/li>\n\n\n\n<li>Rudolf Goldscheid, 1914: Kanonen und \u201eunbehobene soziale \u00dcbel\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>Schwedische Sozialdemokraten zum Weltkrieg 1914: Quittung f\u00fcr das Wettr\u00fcstungssystem<\/li>\n\n\n\n<li>Kurt Eisner, 1915: \u00dcber Nacht die unendliche \u201eFinanzkraft\u201c \u2013 f\u00fcrs Milit\u00e4r<\/li>\n\n\n\n<li>Kurt Eisner, M\u00e4rz 1914: Wie die Utopier uns heute zum Widerstand gegen die R\u00fcstungskonzerne ermutigen<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><\/a> <strong>1. Moritz Adler, 1868\/1897: \u201eDie Mordmaschinen verschlingen ein Verm\u00f6gen\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00d6sterreicher Moritz Adler (1831-1907), der im 19. Jahrhundert zu den wenigen Pionieren der Friedensbewegung im deutschsprachigen Raum z\u00e4hlte, hat sich schon im Alter von 20 Jahren der Kritik des Militarismus zugewandt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEs l\u00e4sst sich da nun gewiss nicht leugnen, will man unparteiisch sein, dass im Gro\u00dfen und Ganzen den Pl\u00e4nen der Regierungen von Seiten der \u00f6ffentlichen Meinung und ihrer Organe fast keine Opposition, keine ernstliche Bek\u00e4mpfung entgegentritt. Den Druck, das verderbensschwangere Herannahen eines neuen, eisernen Zeitalters empfindet wohl Jedermann, der Gro\u00dfe wie der Kleine, Resignation der Gelehrte wie der Ungelehrte. Allein so wie man gew\u00f6hnt ist, irgend eine furchtbare, entfesselte Naturgewalt, gegen die alles Widerstreben unn\u00fctz, mit stummer, zagender Resignation \u00fcber sich ergehen zu lassen, so handeln die Menschen auch in diesem Falle! \u2013 Wie einem unvermeidlich hereinbrechenden Sturm, geben sie dem heranziehenden Militarismus, ohne Kampf und die H\u00e4nde in den Scho\u00df gelegt, die aufkeimenden Saaten ihrer Zivilisation Preis! [\u2026] Seit Menschengedenken, sagen diese hochweisen Herren, habe es Kriege gegeben, also m\u00fcsse es auch ferner Kriege geben, so lange die Menschen eben Menschen sind, und es k\u00f6nnen auch in den sp\u00e4testen Zeiten Menschen ohne Kriege, gar nicht gedacht werden.\u201c (1868)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><\/a> \u201eB\u00f6sen D\u00e4monen vergleichbar, in f\u00fcrchterlicher Mannigfaltigkeit aufgestapelt, starren sie uns \u00fcberall entgegen, die kleinen, die zierlichen Mordmaschinen bis zu den plumpen Unget\u00fcmen, deren einmalige <em>Ben\u00fctzung<\/em> (?!) ein Verm\u00f6gen verschlingt und Hunderte von Menschenleben und mit saurem Flei\u00df erworbene G\u00fcter begr\u00e4bt. Neben ihnen Z\u00fcndstoffe aller m\u00f6glichen Zusammensetzungen. Die Errungenschaften aller angewandten Naturwissenschaften der Bedienung der D\u00e4monen geeignet, Dampf, Elektricit\u00e4t, Magnetismus, Akustik, Optik, Chemie, Mechanik, Hydraulik. \u2013 Ein schadenfroher Funke, und der schlafende D\u00e4mon erwacht zu todverbreitendem Leben.\u201c (1893)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><\/a> \u201eDem aufmerksamen Leser \u2026 sollte nach meinem Wunsche eine doppelte Klarheit erschlossen werden. Erstens, dass die sozialdemokratische Partei wohl schimpft, aber kauft, d.h. der Regierung f\u00fcr Krieg und R\u00fcstung unter allen m\u00f6glichen Vorw\u00e4nden und Selbstt\u00e4uschungen die allersch\u00e4tzenswertesten Dienste leistet. <em>Eine Opposition \u2013 wie bestellt<\/em>! Zweitens, dass das auch gar nicht anders sein kann, weil diese Partei eines klaren \u2026 Programms mit \u2026 streng an die Sache sich haltender Kampfmethode, v\u00f6llig ermangelt.\u201c (Kommentar zum SPD-Parteitag in Hamburg, 1897)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Textquelle<\/em> ? Moritz Adler: Wenn du den Frieden willst, bereite Frieden vor. Texte wider den Krieg 1868\u20131899. (edition pace \u2013 Regal: Pazifisten &amp; Antimilitaristen aus j\u00fcdischen Familien 3). Herausgegeben von P. B\u00fcrger. In Kooperation mit dem Lebenshaus Schw\u00e4bische Alb. Norderstedt 2024.<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/wenn-du-den-frieden-willst-bereite-frieden-vor-moritz-adler-9783759794505\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/wenn-du-den-frieden-willst-bereite-frieden-vor-moritz-adler-9783759794505<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Eduard Loewenthal, 1870: \u201eMilitarismus als Ursache der Massenverarmung\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eduard Loewenthal (1836-1917) stammte aus einer j\u00fcdischen Familie in W\u00fcrttemberg und musste aufgrund seiner publizistischen Arbeit wider den Militarismus wiederholt staatliche Repressionen erleiden. Er schrieb 1870 in seiner Schrift \u201eDer Militarismus als Ursache der Massenverarmung\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEuropa muss nahe daran sein, aus dem Leime zu gehen, wenn man bedenkt, welche furchtbare Anstrengung es seinen Beherrschern verursacht, dasselbe noch einigerma\u00dfen zusammen zu halten. Diese Anstrengung w\u00fcrde uns allerdings wenig k\u00fcmmern und uns h\u00f6chstens als Beweis von beschr\u00e4nkter oder imperialistischer Weltanschauung gelten, wenn nicht die V\u00f6lker selbst am meisten darunter zu leiden und die gesamten Kosten des diplomatisch-milit\u00e4rischen Turmbaus vom modernen Babylon zu tragen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir glauben, es ist die h\u00f6chste Zeit, dass die V\u00f6lker Europas und zun\u00e4chst die europ\u00e4ische Presse, in ihrer Gesamtheit sich ernstlich und unerm\u00fcdlich der Frage bem\u00e4chtigen, wie das Krebs\u00fcbel der stehenden <em>Heere<\/em> und die damit verkn\u00fcpfte <em>unerschwingliche Steuerlast<\/em> zu beseitigen seien. [\u2026] W\u00e4hrend die Herrschaft des Geistes und der Intelligenz den allgemeinen Wohlstand und die W\u00fcrde der menschlichen Gesellschaft im Einzelnen und Ganzen heben w\u00fcrden, ist die Milit\u00e4r- und Kasernenwirtschaft ganz dazu angetan, das Volk auszusaugen, zu entnerven, zu dem\u00fctigen und zu entsittlichen. Kurz, eine nat\u00fcrliche Folge der physischen Gewaltherrschaft und ihres Aufwandes ist der Pauperismus oder die <em>Massenarmut<\/em>, das \u00dcbergewicht der Geldherrschaft und die damit verbundene allgemeine Demoralisierung. [\u2026]\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vision f\u00fcr eine andere Politik: \u201eMan wird dann die Milliarden, die man jetzt f\u00fcr den <em>bewaffneten Frieden<\/em> gebraucht, f\u00fcr Zwecke der <em>Volksbildung<\/em>, der menschlichen <em>Wohlfahrt<\/em> und des <em>wahren Friedens<\/em> verwenden k\u00f6nnen. Man wird, statt auf Mittel und Werkzeuge der Vernichtung, auf Mittel sinnen und Mittel schaffen k\u00f6nnen, welche dem Einzelnen den Kampf ums Dasein erleichtern und die menschliche Gesellschaft \u00fcberhaupt ihren geistigen Zielen rascher zuf\u00fchren werden. [\u2026] Man wird statt der <em>Kasernen billige Wohnungen<\/em> f\u00fcr D\u00fcrftige bauen, so dass es auch an gesunden, menschenw\u00fcrdigen Wohnst\u00e4tten Niemanden mehr mangeln wird. Kurz, an Stelle der <em>Massenarmut<\/em> und des Elends, welches der Krieg und der noch schlimmere bewaffnete Friede im Gefolge haben, wird ein Friede treten, der diesen Namen wirklich verdient [\u2026] Dann erst kann von wahrer Bildung, Zivilisation, Menschenw\u00fcrde und Menschensitte, mit Einem Worte von Humanit\u00e4t wieder die Rede sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Textquelle<\/em> ? Eduard Loewenthal: <em>Der Krieg ist abzuschaffen<\/em>. Friedensbewegte Schriften f\u00fcr das Europa der V\u00f6lker und einen Weltstaatenbund, 1870-1912. (edition pace ? Regal: Pazifisten &amp; Antimilitaristen aus j\u00fcdischen Familien 4). Herausgegeben von P. B\u00fcrger unter Editionsmitarbeit von Katrin Warnatzsch. Norderstedt 2024.<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/der-krieg-ist-abzuschaffen-eduard-loewenthal-9783758350696\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/der-krieg-ist-abzuschaffen-eduard-loewenthal-9783758350696<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Jesuitenpater G.M. Pachtler 1876: \u201eNamenlose Ausgaben f\u00fcr die Zerst\u00f6rungskunst\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Jesuitenpater Georg Michael Pachtler (1825-1989), ein fr\u00fcher Fundamentalkritiker des Militarismus, schreibt im Jahr 1876<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Militarismus ist \u201eim engsten Sinne die Beanspruchung aller lebenden und toten Kr\u00e4fte des Volkes f\u00fcr den einzigen Zweck des Krieges. [\u2026] Das wichtigste, h\u00f6chste und allgemeinste Gewerbe der Gegenwart ist das Waffenhandwerk geworden. Die Bewaffnung selbst ist so vervollkommnet, die Vernichtungsmittel zu Wasser und zu Lande so gesteigert, dass vielfach die fr\u00fcheren Festungen und Schiffe kaum noch brauchbar sind, ein ganz neues Exercitium eingef\u00fchrt werden musste. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse der geistigen Arbeit dienen den Zwecken der Vernichtung; das bestzivilisierte Volk wird jenes sein, welches die meisten und passendsten Kriegsmittel zur Zerst\u00f6rung hat. Die h\u00f6chste B\u00fcrgerpflicht, ja der Endzweck des b\u00fcrgerlichen Lebens wird der Kriegsdienst, vor welchem das Familienleben, der Ackerbau, die Industrie, Kunst und Wissenschaft, das ganze Geistesleben eines Volkes in den Hintergrund tritt. Die Hauptkraft des Staates wird auf den Krieg hingelenkt, das Soldatenhandwerk steigt an Werthsch\u00e4tzung ungeb\u00fchrlich auf Unkosten anderer Berufsarten; die kriegerische T\u00fcchtigkeit und Tapferkeit gilt als h\u00f6chste, wo nicht als einzige Tugend, zum unermesslichen Schaden f\u00fcr die h\u00f6chsten und eigentlichen G\u00fcter der Menschheit, f\u00fcr das letzte Endziel des Menschen. So aber muss unser Geschlecht systematisch materialisiert werden. Das lohnendste und gr\u00fcndlichste Studium gilt der Kriegstechnik und der Vervollkommnung der Waffen. Die Erfindungen in Betreff der Stahlerzeugung dienten vorherrschend der Gesch\u00fctzkunst; um die meilenweit tragenden Kanonen sicher zu richten, wurden die Fortschritte der Optik, unsere herrlichen Fernrohre, zu Hilfe gerufen. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst der Diener der Religion hat nur noch insofern Bedeutung, als er zur patriotischen Entflammung der Soldatenherzen gebraucht werden kann. \u2013 Die toten Kr\u00e4fte des Volkes dienen dem n\u00e4mlichen Zwecke. Vor Allem wird die Steuerkraft \u00fcberm\u00e4\u00dfig angespannt, der Nationalreichtum f\u00fcr den Unterhalt der bewaffneten Massen verwendet. Jede neue Erfindung auf dem Gebiete der Zerst\u00f6rungskunst f\u00fchrt zu namenlosen Ausgaben, weil alsbald die gesamte europ\u00e4ische Bewaffnung ver\u00e4ndert, die Festungen umgebaut oder vergr\u00f6\u00dfert, die Kriegsschiffe noch dicker gepanzert werden m\u00fcssen. Die Eisenbahnen, das vorz\u00fcglichste Verkehrsmittel der Gegenwart, werden nicht mehr sowohl im Interesse des Handels und Ackerbaues, als des Krieges gebaut; die strategischen Linien sind die Hauptsache, der Handel muss sich mit Zweigbahnen begn\u00fcgen. M\u00f6glichst viele Bahnstr\u00e4nge an die feindlichen Grenzen bef\u00f6rdern den Transport der bewaffneten Massen und des ungeheuren Materials: sie erm\u00f6glichen erst den nie gesehenen Umfang heutiger Kriege, den Kampf ganzer bewaffneter V\u00f6lker. Telegraph, Post, Wissenschaft, Gewerbe dienen dem m\u00f6rderischen V\u00f6lkerkampfe. [\u2026] Das konstitutive Merkmal der krankhaften Milit\u00e4rwirtschaft ist, dass das Kriegswesen oberster Staatszweck wird, daher auch der Kriegsdienst oder Wehrzwang als erste und allgemeine B\u00fcrgerpflicht gilt. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Hauptnachdruck des politischen Lebens f\u00e4llt auf den Krieg, welcher folgerichtig jedes Jahr den gr\u00f6\u00dften Theil des Staatseinkommens verschlingt. Daraus ergibt sich die \u00dcberb\u00fcrdung des Volkes mit Steuern, stiefm\u00fctterliche Behandlung der \u00fcbrigen Gebiete des staatlichen Wesens, w\u00e4hrend die milit\u00e4rische Organisation bis ins Einzelste herab als die vorz\u00fcglichste Geistest\u00e4tigkeit gilt. So aber wird mit der Zeit der Schwerpunkt des ganzen gesellschaftlichen Lebens der V\u00f6lker verschoben und auf den Krieg mit seinen Zerst\u00f6rungsmitteln hingelenkt. Die ganze Staatsverwaltung neigt zum Zentralismus hin, welcher der milit\u00e4rischen Organisation am meisten entspricht, und nimmt den Charakter der herrischen R\u00fccksichtslosigkeit und H\u00e4rte an.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Textquelle<\/em> ? Annuarius Osseg [= Georg Michael Pachtler SJ]: Der europ\u00e4ische Militarismus. Amberg: Verlag J. Habbel 1876.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. Ludwig Quidde 1893: Waffen statt Bildung und Wohnungspolitik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der linksliberale Antimilitarist Ludwig Quidde (1858-1941) vermerkte in seiner Anklageschrift \u201eDer Militarismus im heutigen Deutschen Reich\u201c (1893) zu den innenpolitischen Folgen des Aufr\u00fcstungswahnsinns:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWie elend es auf dem Gebiete des Volksschulwesens in Preu\u00dfen vielfach noch bestellt ist, wie die Zahl der Kinder, die von einem Lehrer zu unterrichten sind, das Doppelte des Zul\u00e4ssigen betr\u00e4gt und wie die Wohnungsverh\u00e4ltnisse vielfach jeder Beschreibung spotten, das hat nicht etwa ein b\u00f6swilliger Agitator, sondern der preu\u00dfische Kultusminister selbst k\u00fcrzlich mit lebhaften Farben geschildert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mi\u00dfst\u00e4nde sind zum Teil so himmelschreiend, dass f\u00fcr ihre Beseitigung einiges hat geschehen m\u00fcssen; um ihnen aber ausreichend zu begegnen, fehlen die Mittel, denn diese Mittel werden aufgefressen vom Milit\u00e4r, und es fehlt ein Interesse, das sich so energisch durchzusetzen w\u00fcsste, wie jede milit\u00e4rische Forderung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der h\u00f6heren Unterrichtsverwaltung spart man seit einiger Zeit vielfach in der kleinlichsten Weise. \u00dcbelst\u00e4nde auf diesem Gebiete, die lediglich durch knappe Mittel bedingt sind, hat k\u00fcrzlich ein Fachgenosse, der die <em>finanzielle<\/em> Last der Milit\u00e4rvorlage f\u00fcr <em>nicht<\/em> erheblich erkl\u00e4rt, Dr.&nbsp;Jastrow, in seiner Brosch\u00fcre <em>Dr\u00fcckt die Milit\u00e4rlast?<\/em> zur Er\u00f6rterung gebracht. Er hat die Betrachtung daran gekn\u00fcpft, wie Interesse und Geld nur f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke vorhanden sind und wie erschreckend gering das Ma\u00df von Anforderungen geworden ist, das die zivilen Interessen noch zu machen wagen. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch rein materiell beeintr\u00e4chtigt die Vorherrschaft der milit\u00e4rischen Forderungen aufs schwerste die Kulturinteressen und unsere wirtschaftliche Entwicklung. [\u2026] Bezeichnender noch ist das riesige Anschwellen der Reichsschuldenlast, das ganz vorzugsweise durch Ausgaben f\u00fcr Heer und Flotte veranlasst ist. [\u2026] So dr\u00fcckt denn der Militarismus, auch ganz abgesehen von dem Interesse, das er allen \u00fcbrigen Verwaltungszweigen entzieht, rein finanziell auf das ganze Gebiet der inneren Verwaltung. \u2013 Und mit \u00e4hnlicher Schwere dr\u00fcckt er auf das ganze Wirtschaftsleben, durch die Erh\u00f6hung der Steuerlast und durch die Entziehung so vieler r\u00fcstiger Arbeitskr\u00e4fte. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Innerhalb der Regierung kann von einem entschiedenen Widerstande nicht die Rede sein. [\u2026] Auch der Reichstag hat gegen\u00fcber den Forderungen der Milit\u00e4rverwaltung nicht die Kraft des Widerstandes, wie [sonst] gegen\u00fcber allen \u00fcbrigen Posten des Budgets\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Textquelle<\/em> ? Ludwig Quidde: \u00dcber Militarismus und Pazifismus. Vier friedensbewegte Texte aus den Jahren 1893-1926. (edition pace.) Norderstedt 2024.<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/ueber-militarismus-und-pazifismus-ludwig-quidde-9783759703200\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/ueber-militarismus-und-pazifismus-ludwig-quidde-9783759703200<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5. Johann von Bloch, 1901: Die Staaten entrei\u00dfen den armen Leuten das Geld und stecken es in die R\u00fcstungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bankier, Gro\u00dfunternehmer und russische Staatsrat Johann von Bloch (1836-1902), aufgewachsen in Polen als Sohn einer \u00e4rmlichen j\u00fcdischen Handwerkerfamilie, ver\u00f6ffentlichte 1898 in sechs B\u00e4nden sein anschlie\u00dfend in mehrere Sprachen \u00fcbersetztes monumentales Werk \u00fcber den modernen Krieg im Industriezeitalter. In einem \u201eNachtragsband\u201c schreibt er \u00fcber die ganz gew\u00f6hnliche Irrationalit\u00e4t der politischen Akteure u.a.:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><\/a> \u201eDie Aufgabe, die ich mir gestellt habe, ein Bild der wahrscheinlichen politischen, wie \u00f6konomischen Ergebnisse, die heute ein Krieg zwischen Gro\u00dfm\u00e4chten zeitigen w\u00fcrde, zu geben, k\u00f6nnte ziemlich leicht erscheinen, da es unbestritten ist, dass diese Ergebnisse entsetzliches Elend zeitigen m\u00fcssten. Die mehr oder weniger gro\u00dfe Ungeheuerlichkeit eines Krieges hat jedoch auf die Entschlie\u00dfungen der Regierungen keinerlei Einfluss, sobald es sich darum handelt einen Krieg zu f\u00fchren oder zu unterlassen. Man kann sagen, dass sie zumeist ohne vorhergehende Studien Kriege unternehmen. Diese sind alsdann das Ergebnis einer dieser blinden Leidenschaftswogen, die die V\u00f6lker heimsuchen, das Ergebnis eines bald spontan sich zeigenden, bald durch unsichtbare Kr\u00e4fte erzeugten vor\u00fcbergehenden Wahns, der schlie\u00dflich die Regierungen selbst mit sich rei\u00dft. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich beweise ferner, dass der bewaffnete Friede, wie wir ihn heute haben, nichts anderes, als ein versteckter Krieg ist, und dass diese Situation, die bereits eine chronische geworden ist, in zweierlei Art schwer auf Europa lastet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie verschlingt zun\u00e4chst einen gro\u00dfen Theil des fl\u00fcssigen Kapitals, also der Gesamtheit der nationalen Ersparnisse, und verwandelt sie in R\u00fcstungen; dann verhindert sie diese Kapitalien der Entwicklung des Handels, der Industrieproduktion beizustehen; sie zwingt zur Vermehrung der Steuern und entwickelt dadurch die Unzufriedenheit mit den Staatseinrichtungen zu einer solchen H\u00f6he, dass schlie\u00dflich die gesamte gegenw\u00e4rtige soziale Ordnung gef\u00e4hrdet wird. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Woher nehmen die Staaten das Geld? \u2013 \u2013 Sie entrei\u00dfen es den armen Leuten, den Bedr\u00e4ngten. Sie stecken dieses Geld, dessen sie n\u00f6tig h\u00e4tten, um die von Tag zu Tag ernster werdende soziale Bewegung zu befriedigen, in die R\u00fcstungen. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vergessen wir ferner nicht die T\u00e4tigkeit der zahlreichen Menschen, die die ungeheure Ungerechtigkeit eines Staates erkennen, der das Blut und den Schwei\u00df des Volkes einem Mordinstrument widmet und dabei f\u00fcr die dringendsten Bed\u00fcrfnisse dieses Volkes keine Mittel hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Textquelle<\/em> ? Johann von Bloch: Die wahrscheinlichen politischen und wirtschaftlichen Folgen eines Krieges zwischen Gro\u00dfm\u00e4chten. Neuedition der \u00dcbersetzung von 1901 mit Begleittexten von B. Friedberg, Manfred Sapper und J\u00fcrgen Scheffran. (= edition pace ? Regal: Pazifisten &amp; Antimilitaristen aus j\u00fcdischen Familien 1). Norderstedt 2024.<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/die-wahrscheinlichen-politischen-und-wirtschaftlichen-folgen-eines-krieges-zwischen-grossmaechten-johann-von-bloch-9783759723130\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/die-wahrscheinlichen-politischen-und-wirtschaftlichen-folgen-eines-krieges-zwischen-grossmaechten-johann-von-bloch-9783759723130<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>6. Eduard Bernstein 1912: Nur noch \u201eVerfechter der R\u00fcstungen\u201c im Parlament?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgerechnet \u2013 oder gerade \u2013 der Revisionist Eduard Bernstein verlie\u00df 1917 die SPD, da die M\u00e4chtigen im Parteiapparat in Treue zum deutschen Kriegsstaat den Herrschenden alle W\u00fcnsche erf\u00fcllten. Er war schon vor dem ersten Weltkrieg als Kritiker der in den Abgrund f\u00fchrenden Hochr\u00fcstung hervorgetreten und schrieb in seinem Aufsatz \u201e<em>Wie man Kriegsstimmung erzeugt\u201c <\/em>(Januar 1912):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><\/a> \u201eEs untersteht leider keinem Zweifel, dass die Ereignisse der zweiten H\u00e4lfte des Jahres 1911 der Friedensbewegung einen schweren Schlag versetzt haben \u2026 [Es] f\u00fchren am Jahresende die Verfechter der R\u00fcstungen und die Anw\u00e4lte des Unfrieden s\u00e4enden Misstrauens von neuem das gro\u00dfe Wort. Soweit Deutschland in Betracht kommt, wird dies am greifbarsten dadurch veranschaulicht, dass im gegenw\u00e4rtigen Wahlkampf f\u00fcr den Reichstag nicht eine b\u00fcrgerliche Partei f\u00fcr die Forderung: \u201aVerminderung der R\u00fcstungsausgaben durch internationale Abmachungen\u2018 einzutreten wagt, die Parteien der Mitte und der Rechten, d.h. der kommenden Reichstagsmehrheit, dagegen durch den Mund ihrer Wortf\u00fchrer unumwunden f\u00fcr gesteigerte R\u00fcstungen pl\u00e4dieren. Zwischen den Heydebrand und den Zedlitz, den Bassermann und den Hertling oder Erzberger besteht in diesem letzteren Punkte keine Meinungsverschiedenheit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Textquelle<\/em> ? Eduard Bernstein: Der Friede ist das kostbarste Gut. Schriften zum Ersten Weltkrieg. Mit einem Essay von Helmut Donat. Herausgegeben von P. B\u00fcrger. (= edition pace ? Regal: Pazifisten &amp; Antimilitaristen aus j\u00fcdischen Familien, 5). Norderstedt 2024.<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/der-friede-ist-das-kostbarste-gut-eduard-bernstein-9783769312683\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/der-friede-ist-das-kostbarste-gut-eduard-bernstein-9783769312683<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>7. Rudolf Goldscheid 1914: Kanonen und \u201eunbehobene soziale \u00dcbel\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><\/a> Rudolf Goldscheid (1870-1931), Pionier der Soziologie im deutschsprachigen Raum und Pazifist, konstatierte 1912: \u201eJede Kanone, jedes Panzerschiff stellt das \u00c4quivalent f\u00fcr eine bestimmte Summe geopferter Menschenleben und unbehobener sozialer \u00dcbel dar.\u201c In seinem Text \u201eDas Verh\u00e4ltnis der \u00e4u\u00dfern Politik zur innern\u201c (Juni\/September 1914) zitiert er eingangs folgende Bemerkung des ehemaligen Reichskanzler F\u00fcrst B\u00fclow: <em>\u201eUnsere ausw\u00e4rtige Politik musste in den ersten Dezennien des Flottenbaues unter abnormalen Verh\u00e4ltnissen arbeiten: die R\u00fcstungen standen nicht im Dienste der Politik, sondern diese stand bis zu einem gewissen Grade im Dienste der R\u00fcstungsfragen.\u201c<\/em> Astronomische R\u00fcstungsausgaben belasten die V\u00f6lker und f\u00fcllen die Kassen der \u201aunproduktiven\u2018 Totmachindustrien. Die Menschen sehen sich im Kontext von Angstpropaganda und Sicherheitsversprechen gen\u00f6tigt, \u201egerade jene Waffen zu segnen, die gegen sie selbst gerichtet sind\u201c. Der hochger\u00fcstete \u201ebewaffnete Friede ist eben zugleich der st\u00e4rkste Damm gegen die Ausgleichung der Gegens\u00e4tze im Innern, gegen die Beseitigung jener k\u00fcnstlichen Niveaudifferenz, die den Strom der Volksarbeit auf die M\u00fchle der Bevorrechteten lenkt.\u201c Kurzum: \u201eDie herrschenden Klassen w\u00e4ren ganz au\u00dferstande, ihre bevorzugte Stellung aufrecht zu erhalten\u201c, wenn eine aggressive Au\u00dfenpolitik \u201ediese nicht kontinuierlich st\u00e4rken und rechtfertigen w\u00fcrde\u201c. Doch selbst die Kirchen verraten ihre universalistische Botschaft. \u2013 Goldscheid schreibt \u00fcber den brandgef\u00e4hrlichen Hochr\u00fcstungskomplex, der nach innen die Besitz- und Machtverh\u00e4ltnisse zementiert: \u201eIn der waffenstarrenden Welt wird die Angst der V\u00f6lker vor einander immer gr\u00f6\u00dfer. Friedenssicherung und Kriegsvorbereitung sind bereits nicht mehr mit Sicherheit zu unterscheiden. Um stark genug zu erscheinen, sucht man sich wechselseitig Schrecken einzujagen. Man wei\u00df schon nicht recht, rasselt der S\u00e4bel mehr aus zitternder Furcht oder aus \u00fcbersch\u00e4umendem Mut. Bedienen sich doch Schw\u00e4che und Kraft derselben Mittel! Eine neue Massenpsychose hat die V\u00f6lker ergriffen: nationale Nervosit\u00e4t. Um sich von dieser zu befreien, will man lieber fr\u00fcher als sp\u00e4ter losschlagen. \u2013 Dazu kommt, dass die Riesensummen f\u00fcr die R\u00fcstungen nur aufgebracht werden k\u00f6nnen, wenn die entsprechende Seelenverfassung in den Menschen vorhanden ist. Die Kriegsfurcht muss darum noch k\u00fcnstlich gen\u00e4hrt werden, und zwar so, dass sie sich in Kriegsbegeisterung umwandelt. Alle V\u00f6lker m\u00fcssen also in kriegerischem Geiste erzogen werden, und da dies dem nat\u00fcrlichen Geist unseres Arbeitszeitalters widerspricht, so muss diese Erziehung schon bei der Jugend beginnen. An diese Tendenzen kn\u00fcpft das R\u00fcstungskapital mit seinen spezifischen Interessen naturgem\u00e4\u00df an, besonders indem es sich die Presse dienstbar zu machen sucht, um die \u00f6ffentliche Meinung so zu bearbeiten, dass sie all das guthei\u00dft, was das R\u00fcstungskapital braucht, soll es in seinem Zinsertr\u00e4gnis nicht geschm\u00e4lert sein. Was der R\u00fcstungsindustrie um so leichter gelingt, als an ihr alle jene Produktionszweige mitinteressiert sind, denen durch die H\u00f6he der R\u00fcstungsausgaben die F\u00fchrerschaft in der Vertretung der Produzenteninteressen zuf\u00e4llt.\u201c \u2013 Die Ideologie der vermeintlichen \u201aFriedenssicherung mit immer mehr Waffen\u2018 wird die Aussicht auf eine echte Demokratie zunichtemachen und schlie\u00dflich einen Weltkrieg entfachen: \u201eEntweder Demokratie und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung werden eine parallele, sich wechselseitig f\u00f6rdernde Entwicklung nehmen, oder der internationale Antagonismus, mit seiner Friedenssicherung durch R\u00fcstungssteigerung allein, wird die Aufl\u00f6sung der Demokratie einleiten, den Absolutismus in ver\u00e4nderter Gestalt wieder zur Herrschaft bringen, und so durch \u00e4u\u00dferste Entfesselung der Machtinstinkte schlie\u00dflich einen Weltkrieg entz\u00fcnden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Textquelle<\/em> ? Rudolf Goldscheid: Menschen\u00f6konomie, Weltkrieg und Weltfrieden. Ausgew\u00e4hlte Schriften 1912\u20131926. (edition pace ? Regal: Pazifisten &amp; Antimilitaristen aus j\u00fcdischen Familien 2). Herausgegeben von P. B\u00fcrger \u2013 In Kooperation mit dem Lebenshaus Schw\u00e4bische Alb. Norderstedt 2024.<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/menschenoekonomie-weltkrieg-und-weltfrieden-rudolf-goldscheid-9783759778857\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/buchshop.bod.de\/menschenoekonomie-weltkrieg-und-weltfrieden-rudolf-goldscheid-9783759778857<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>8. Schwedische Sozialdemokraten zum Weltkrieg 1914: Quittung f\u00fcr das Wettr\u00fcstungssystem<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Landeskongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Schweden bekundete am 5. August 1914<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIn diesen blutigen Tagen ist das Urteil \u00fcber das Wettr\u00fcstungssystem definitiv besiegelt, \u00fcber jene R\u00fcstungen, von denen es stets gehei\u00dfen hat, dass sie den Frieden sichern sollen, diese R\u00fcstungen, gegen welche einzig und allein die Sozialdemokratie aller L\u00e4nder immer und restlos protestiert hat. Hat nicht Europa ger\u00fcstet und immer wieder ger\u00fcstet, bis die j\u00e4hrliche Last von zehn Milliarden die V\u00f6lker erdr\u00fcckte? Aber wo ist jetzt Europas Sicherheit? Das Wettr\u00fcsten hat nur bewirkt, dass die Opfer zahlloser sind und die Grundfesten unserer ganzen Zivilisation mehr ersch\u00fcttert werden als je zuvor. Aber dieser Katastrophe wird ein Tag der Rechenschaft folgen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Textquelle<\/em> ? Eduard Bernstein: Die Internationale der Arbeiterklasse und der europ\u00e4ische Krieg. T\u00fcbingen: Verlag von J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) 1915.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>9. Kurt Eisner 1915: \u00dcber Nacht die unendliche \u201eFinanzkraft\u201c \u2013 f\u00fcrs Milit\u00e4r<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurt Eisner (geb. 1867, ermordet 1919), erster Ministerpr\u00e4sident des Freistaates Bayern, verlie\u00df 1917 wie fast alle geistig sehr regsamen Genossen die das Kriegssystem st\u00fctzende SPD, um mit den Unabh\u00e4ngigen Sozialdemokraten (USPD) den deutschen Militarismus zu bek\u00e4mpfen. Ende 1915 beschrieb er den Schwindel der astronomischen Aufr\u00fcstungsprofite in seinem Text \u201eZusammenbruch! Ein Jahrwendgespr\u00e4ch\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Der Phantast<\/em>. Das Leben ist kein Traum, aber wir verwirren es mit den Traumgespenstern schlimmer N\u00e4chte \u2026 Doch antworte mir, Mann der Tatsachen, ist es nicht wahr, dass wir vor dem Kriege in allen Parlamenten um jeden Pfennig feilschen mussten, der f\u00fcr Zwecke h\u00f6herer Kultur, besserer Menschenwohlfahrt gefordert wurde? Schallte uns nicht immer das Wehewort der \u201aFinanzlage\u2018 entgegen, die es den Regierungen leider unm\u00f6glich machte, diesen oder jenen an sich w\u00fcnschenswerten Forderungen mehr wie Sympathien zu schenken! Aus der verzweifelten \u201aFinanzlage\u2018 ist pl\u00f6tzlich \u00fcber Nacht die unendliche \u201aFinanzkraft\u2018 geworden. Man hat erst neulich Wahlen gegen uns zu machen versucht, indem man den schaudernden W\u00e4hlern vorrechnete, dass allein unsere Antr\u00e4ge zur Reichsversicherungsordnung j\u00e4hrlich eine Mehrbelastung von 100, 200, 300 Millionen \u2013 die H\u00f6he der errechneten Summe ist gleichg\u00fcltig \u2013 erfordert h\u00e4tten, wenn wir die Macht gehabt h\u00e4tten, sie durchzusetzen. Jetzt spielen 10, 20, 40, 100 Milliarden keine Rolle mehr \u2013<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Realist<\/em>. Das ist es eben, erst der Krieg hat uns endlich offenbart, wie reich wir in Wirklichkeit sind, welche M\u00f6glichkeiten der Kapitalismus zu entfalten vermag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Phantast<\/em>. Aber in dem Augenblick des Friedens schrumpfen diese M\u00f6glichkeiten wieder v\u00f6llig zusammen, noch mehr wie zuvor. Dann haben wir statt der Finanzkraft wieder Finanzlage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Realist<\/em>. Unvermeidliche Kriegsfolgen! Das liegt in der Natur der Dinge \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><\/a> <em>Der Phantast<\/em>. Allerdings, das liegt in der Natur der kapitalistischen Dinge. Aber wagen wir diese Natur zu erkennen. Das kapitalistische System verhindert also, f\u00fcr den Aufbau neuer Kulturwerte, f\u00fcr produktive Zwecke, f\u00fcr Mehrung und Erh\u00f6hung des Lebens die notwendigen Mittel zu finden, es gibt aber unendliche, in der Tat unersch\u00f6pfliche Mittel her, um Kulturwerte zu zerst\u00f6ren, Leben zu verderben und zu vernichten. Das ist der Wahnsinn schlechthin, eine grauenhafte Teufelsposse. Das Wort \u201aZusammenbruch\u2018 ist noch viel zu milde, um die ganze Ungeheuerlichkeit dieser Selbstvernichtung, Selbstverbrennung zu kennzeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Realist<\/em>. Wenn es sich um \u00e4u\u00dferste Daseinsnotwendigkeiten der Nation handelt, zeigt der Kapitalismus die gewaltige Kraft, seine Sicherheit und seine Zukunft zu beleihen. Wenn dieser Krieg so gl\u00e4nzend auf Kredit gef\u00fchrt werden kann, so beruht die Grenzenlosigkeit dieses Kredits nicht nur auf dem Vertrauen zum Krieg, sondern haupts\u00e4chlich auf dem Vertrauen zur Lebensf\u00e4higkeit der kapitalistischen Ordnung. Wir f\u00fchren den Krieg gleichsam mit der in Geld umgesetzten Zuversicht, dass der Kapitalismus nicht zusammenbrechen wird, noch lange nicht, vielleicht niemals.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><\/a> <em>Der Phantast<\/em>. Du erinnerst zur rechten Zeit an einen weiteren Wahnsinn: Zerst\u00f6rung, die dadurch m\u00f6glich wird, dass die Produktionsmittelbesitzer ihre Waren im Ausverkauf auf Kredit hergeben, denen [sic] man durch neue Anleihen die Zinsen zahlt, in der Hoffnung, dass k\u00fcnftig die Massen von der keuchenden Arbeit ganzer Geschlechter die Anspr\u00fcche der Zinsgl\u00e4ubiger befriedigen werden. Ein Weltkrieg auf kapitalistischen Kredit, das hei\u00dft: Arbeit, G\u00fcter, Leben zerst\u00f6ren, f\u00fcr Einzelne Gebirge von Reicht\u00fcmern auft\u00fcrmen, f\u00fcr die V\u00f6lker aber Siechtum, Verkr\u00fcppelung, Tod und zinsende Steuerknechtschaft in alle Zukunft. L\u00e4sst sich \u00fcberhaupt ein System menschlicher Ordnung denken, das derart wider alle Vernunft, wider alle Zweckm\u00e4\u00dfigkeit ist?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Textquelle<\/em> ? Kurt Eisner: Texte wider die deutsche Kriegst\u00fcchtigkeit. Zusammengestellt von Peter B\u00fcrger \u2013 mit einem einleitenden Essay von Volker Ullrich. (= edition pace ? Regal: Pazifisten &amp; Antimilitaristen aus j\u00fcdischen Familien 6). Norderstedt 2025.<br \/><a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/texte-wider-die-deutsche-kriegstuechtigkeit-kurt-eisner-9783769357301\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><u>https:\/\/buchshop.bod.de\/texte-wider-die-deutsche-kriegstuechtigkeit-kurt-eisner-9783769357301<\/u><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>10. Kurt Eisner, M\u00e4rz 1914: Wie die Utopier uns heute zum Widerstand gegen die R\u00fcstungskonzerne ermutigen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Widerstand hierzulande und anderswo wider den Wahn der unlimitierten Aufr\u00fcstung zu einem Weltkrieg und zur Zerst\u00f6rung des gesellschaftlichen Gef\u00fcges wird nur aussichtsreich sein, wenn neben den Anw\u00e4lten der Vernunft auch die Dichter und alle K\u00fcnstlerinnen mit ins Boot kommen. Unsere Textsammlung beschlie\u00dfen wir deshalb f\u00fcr heute mit einem Mutmach-Text aus Kurt Eisners \u201eAnekdoten aus Utopien\u201c (M\u00e4rz 1914) \u00fcber den R\u00fcstungskonzern Krupp-Essen, den man heute bei Bedarf nat\u00fcrlich auch durch \u201eRheinmetall-D\u00fcsseldorf\u201c etc. ersetzen kann:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Das Morde-Gesch\u00e4ft<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Utopien errichtete einst Krupp eine Filiale. Niemand wusste, warum. Niemand kaufte also.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da erschienen Vertreter der Firma bei den R\u00e4ten der Weisheit, in den Zeitungsredaktionen, bei den Jugendlehrern und sprachen zu jedem: Wie nun, wenn Utopien vom Feind \u00fcberfallen wird. Ihr w\u00e4ret, waffenlos, vernichtet! Ihr braucht Kanonen, Panzerschiffe. Ihr m\u00fcsst das Volk \u00fcber seine Lebensgefahr aufkl\u00e4ren, es soll auch \u2013 f\u00fcgten sie zwinkernd hinzu \u2013 Euer Schade nicht sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Utopier sahen das ein. Warum sollten nicht schlie\u00dflich auch sie solche Dinge haben, wenn man sie ihnen anbot! Und sie bestellten viele viele Kanonen und Panzerschiffe. Als der gro\u00dfe Auftrag vollf\u00fchrt war, kamen die Agenten der Firma und legten jedem der patriotischen Werber ein Goldh\u00e4uflein hin. Da wussten die Utopier nun wieder nicht, was das sollte und lie\u00dfen das Zeug ruhig liegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einiger Zeit aber kam die Rechnung von Krupp \u2013 f\u00fcr die gelieferten Waren [Waffen]. Das fanden die Utopier unendlich l\u00e4cherlich. Wie, diese Leute lassen sich den Patriotismus bezahlen, was als eine selbstlose Spende der N\u00e4chstenliebe angenommen war, erwies sich nun als ein gemeines Gesch\u00e4ft?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verweigerten die Utopier jegliche Zahlung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Krupp aber drohte zu prozessieren \u2013 vor dem Gericht in Essen. Nein, das wollten die Utopier durchaus nicht \u2013 in dieses verfluchte Europa reisen. Man lenkte mithin ein, und versprach zu zahlen, mit dem, was sie hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Utopier aber hatten auf ihrer Insel ein wundersames Gift. Das war so stark, dass es die Menschen t\u00f6tete, wenn sie nur daran dachten, sofern sie das furchtbare Gift im Hause besa\u00dfen. Man benutzte es, wenn alte Utopier keine Freude mehr hatten zu leben und zu sterben begehrten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das schicken wir Euch, erkl\u00e4rten die Utopier nach Essen. Sehet dann zu, dass bei Euch zu Lande jeder dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt werde, dass es patriotisch sei, sich und die andern zu vergiften. Lasst in Eure Zeitungen schreiben (gegen heimliche Bezahlung), dass es f\u00fcr jeden Pflicht sei, das Gift zu erwerben und es zu gebrauchen. Dann steigt der Stoff im Preise und Ihr seid hinl\u00e4nglich bezahlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir k\u00f6nnen doch nicht, erwiderten die Kruppagenten schaudernd, ein ganzes Volk vergiften, blo\u00df damit wir unser Gesch\u00e4ft machen. Wie ruchlos seid Ihr Utopier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ruchlos? lachten die Utopier, wollen wir nicht mit der M\u00fcnze zahlen, die ihr uns lehrtet?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Textquelle<\/em> ? Arbeiter-Feuilleton, Nr. 11 vom 26. M\u00e4rz 1914.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Zuerst erschienen im Online-Magazin Overton, 08.03.2025)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Militarismus ist endg\u00fcltig rehabilitiert und bl\u00e4st zum Angriff auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens \u2013 eine Relekt\u00fcre alter Texte k\u00f6nnte dem Widerstand vielleicht dienlich sein Gegen Gewalt von innen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ermaechtigungsgesetz-fuer-die-kriegsindustrie-historische-widerworte\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u201eErm\u00e4chtigungsgesetz\u201c f\u00fcr die Kriegsindustrie \u2013 Historische Widerworte\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[218,533,319,49],"tags":[2843,4739],"class_list":["post-60512","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bucher","category-europa","category-geschichte","category-religion","tag-krieg-und-frieden","tag-militarismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60512"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60512\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}